Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach
Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach

Die Arbeitslosigkeit ist im vergangenen Jahr auf dem ersten Blick sehr kräftig gestiegen. Allerdings nutzten sehr viele Unternehmen die Kurzarbeit, um ihre Mitarbeiter zu halten – und um Schlimmeres abzuwenden.

Die Jahresbilanz der Arbeitsagentur Bergisch Gladbach wartet mit dramatischen Zahlen auf. So stieg die Zahl der Arbeitslosen im Rheinisch-Bergischen Kreis im Jahresdurchschnitt um 17,5 Prozent auf 9.273, und damit auf den höchsten Stand seit 13 Jahren.

Die Zahl der Personen mit Anspruch auf Arbeitslosengeld sprang sogar um 36 Prozent in die Höhe, die Zahl der Personen in der Grundsicherung („Hartz IV“) um 6,4 Prozent. Aber ganz so dramatisch ist die Lage dann doch nicht.

„Der Arbeitsmarkt 2020 war ein ganz anderer als sonst“, sagte Nicole Jordy, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bergisch Gladbach bei der Vorstellung der Zahlen. Daher sind einige Erläuterungen notwendig.

Kurzarbeit hält Arbeitslosigkeit auf moderatem Niveau

Klar ist: Im vergangenen Sommer ging die Arbeitslosigkeit nicht wie sonst üblich runter, sondern aufgrund der Pandemie rauf – und von diesem erhöhten Niveau ist sie nicht wieder runter gekommen. Aber das Instrument der Kurzarbeit, so Jordy, habe „den Anstieg bei den Arbeitslosen das ganze Jahr hindurch moderat gehalten“.

Die Zahl der Personen, die ihren Job tatsächlich verloren haben, also aus einer Erwerbstätigkeit heraus arbeitslos wurden, sei im Rheinisch-Bergischen Kreis „nur“ um 4,4 Prozent gestiegen. Die Zahl der Personen, die sich nach der Ausbildung arbeitslos meldeten, sei sogar um 4,3 Prozent gesunken.

Hinter den weiter oben genannten hohen Zahlen, so erläutert die Arbeitsagentur, stünden zu einem Teil auch statistische Verzerrungen. Viele Personen konnten aufgrund der Corona-Maßnahmen nicht mit einer Weiterbildung beginnen und erhielten den Status „arbeitslos“, andere blieben in diesem Zustand hängen.

Aber auch die Zahl Männer und Frauen, die einen neuen Job fanden, ging um 6,8 Prozent zurück, die Zahl derjenigen, die eine Ausbildung anfingen, sank minimal um 1,8 Prozent.

Arbeitslosenquote 2020 klettert auf 6,1 Prozent  

Unter dem Strich stiegt die offizielle Arbeitslosenquote im Rheinisch-Bergischen Kreis in 2020 von 5,2 auf 6,1 Prozent – was angesichts der Pandemie und der Lockdowns tatsächlich moderat erscheint.

Zahlen für die Arbeitslosigkeit im weiteren Sinne (Unterbeschäftigung als Gesamtzahl der registrierten Arbeitslosen plus Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen plus Personen mit einem arbeitsmarktbedingten Sonderstatus) weist die Arbeitsagentur für Rhein-Berg nicht gesondert aus; im gesamten Arbeitsamtsbezirk (Rhein-Berg, Oberberg, Leverkusen) sei sie um 10,7 Prozent gestiegen.

Sehr viel weniger offene Stellen

Wie eng der Arbeitsmarkt ist zeigt allerdings auch die Tatsache, dass die Unternehmen in 2020 deutlich weniger offene Stellen meldeten als noch 2019. In RheinBerg waren das ein Minus von knapp 20 Prozent. Das Angebot an freien Stellen sank um 15 Prozent.

Höchste Arbeitslosigkeit im Sommer

Im Verlaufe des Jahres ist die absolute Zahl der Arbeitslosen in Rhein-Berg seit März gestiegen, erreichte aber schon im Juni und Juli den Höhepunkt mit 7346 Personen – und ging dann in kleinen Schritten auf 6801 im Dezember zurück. Die Zahlen in der Stadt Bergisch Gladbach liefen dazu parallel.

Die Arbeitslosenquote erreichte im Kreis mit 6,6 Prozent im August ihren Höhepunkt und lag im Dezember bei 6,4 Prozent. In der Stadt Bergisch Gladbach liegt sie etwas höher, im August waren es hier 7,8 Prozent, im Dezember noch 7,2 Prozent (und damit ein Prozentpunkt mehr als im Januar).

Kurzarbeit spielt große Rolle – Daten reichen aber nur bis Juli

Die Kurzarbeit spielte und spielt eine große Rolle – weil sie es den Unternehmen ermöglicht, ihre Fachkräfte auf Kosten des Staates zu halten. Auch hier ist die Statistik nicht einfach. Zunächst müssen die Unternehmen die Kurzarbeit anmelden; in welchem Umfang sie davon dann tatsächlich Gebrauch gemacht haben, zeigt sich erst mit großer Verzögerung.

Vom 1. März bis zum 28. Dezember, so die Arbeitsagentur, seien in Rhein-Berg 3229 Anzeigen für Kurzarbeit eingegangen, die maximal knapp 31.000 Personen hätte umfassen können.

Laut einer aktuellen Hochrechnung haben im Juni 1225 Betriebe tatsächlich Kurzarbeitergeld für 10.669 Personen in Anspruch genommen, im Juli waren es dann nur noch 988 Betriebe mit 8438 Kurzarbeitern. Damit habe die Kurzarbeiterquote im Juni bei gut 14 Prozent gelegen.

Wie es im Herbst und Winter in Rhein-Berg weiter ging, ist offen – diese Daten liegen noch nicht vor.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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