Marco Candeli und Jörg Petermann mit Bürgermeister Frank Stein (M.)

Wie die Anwohner:innen des Hindenburgplatzes in Bensberg sind auch die Nachbarn am Deutschen Platz gegen eine Umbenennung. Sie überreichten jetzt eine Petition an Bürgermeister Frank Stein und legten ihre Argumente dar.

Im Namen der Anwohnerschaft der Straße „Deutscher Platz“ in Bensberg haben Marco Candeli und Jörg Petermann eine Petition an Bürgermeister Frank Stein übergeben. Die Petition sei von sämtlichen in der Straße wohnenden und/oder arbeitenden Parteien unterschrieben worden, berichteten Candeli und Petermann.

In der Petition erklären sie, dass sie in keinem Falle eine Umbenennung des Platzes wünschen. Sie sähen sich zu der Stellungnahme „gezwungen, da eine kleine aber recht lautstarke Gruppe vehement eine Umbenennung“ fordere.

Nach eigenen Angaben trugen sie folgende Argumente vor:

  • „Der Name „Deutscher Platz“ besteht seit nunmehr 75 Jahren und ist den hier lebenden Bürgern ein Begriff.
  • Über Generationen war der „Deutsche Platz“ ein beliebter Treffpunkt und Anziehungspunkt für Jung und Alt. 
  • Wir leben hier in einer wunderbaren, multikulturellen Nachbarschaft, in der sich jeder mit dem Namen „Deutscher Platz“ identifizieren kann.
  • Für die hier lebenden Familien und ansässigen Unternehmen würde eine Umbenennung einen – in keinem Verhältnis stehenden – zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeuten. 
  • Kosten für die Stadt und letztlich den Steuerzahler für das Aufstellen von neuen Schildern, Änderungen von Karten und Stadtplänen sollten vermieden werden.
  • Mit Geschichte sollte man sich auseinandersetzten, jedoch nicht versuchen diese zu tilgen.
  • Aus Sicht der Anwohner besteht keinerlei Anlass den Namen „Deutscher Platz“ aus der Geschichte zu tilgen.“

Mit ihren Argumenten sei die Bensberger Abordnung bei Frank Stein auf Verständnis gestoßen, berichteten Candeli und Petermann.

Der Bürgermeister habe erläutert, dass es zur Zeit kine Initiative der Stadtverwaltung und auch keinen Antrag einer Ratsfraktion zur Umbenennung gebe, bestätigte die Pressestelle der Stadt. Stein habe zuvor aber auch mit Bürger:innen gesprochen, die für eine Umbenennung plädieren.

Beim Gespräch mit den Anwohnern des Deutschen Platzes habe Stein darauf verwiesen, dass jetzt an der Aufwertung des Deutschen Platzes im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes (InHK) Bensberg weiter gearbeitet werde.

Lange Debatte: Hindenburgplatz und Deutscher Platz

Die Debatte um eine Umbenennung der Plätze wird seit Jahren geführt. Ende 2020 hatte der Fotograf und Bürgerportal-Autor Klaus Hansen einen neuen Anlauf gestartet und später erweitert. Das wiederum wurde von einer Gruppe Jugendlicher aufgegriffen, die die Straßenschilder des Hindenburgplatzes überklebt hatten.

Zuletzt hatte sich der Ortsverband der Grünen für einen neuen Namen für den Hindenburgplatz stark gemacht. Zudem hatte der Kreisvorsitzende der Linken, Tomas Santillan, eine Initiative zur Umbenennung des Hindenburgplatzes gegründet. Der Deutsche Platz wurde bei diesen beiden Vorstößen nicht erwähnt.


Hinweis der Redaktion: Das Thema ist auf Facebook und in den Kommentaren zu den folgenden Beiträgen zum Teil sehr ausführlich debattiert worden.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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5 Kommentare

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  1. Den Hindenburgplatz musste ich erst durch die Suchmaschine wiederfinden.
    Die Buchhandlung Funk, wo ich als Schüler meine Bücher kaufte, firmierte unter der Adresse Kölner Strasse.

    Ich habe nichts dagegen dass der Hindenburgplatz weiterhin Hindenburgplatz heißt.

    Paul von Hindenburg ist eine historische Figur, wenn auch eine tragische.
    Die muss man nicht ausradieren, vielmehr sollte man seine Kinder und Enkel über sein Leben, seine Rolle in Kenntnis setzen.

    Als Sohn eines preussischem Kommisskopfes 1847 geboren wurde er selbst zum Kommisskopf.
    Die Karriereleiter war steil, 1871 war er schon in Versailles als Offizier bei der Kaiserkrönung dabei.
    Die Karriere ging weiter, in der Schlacht von Tannenberg 1914 wurde er zum Volkshelden,
    er wurde zum Gesicht der wilhelminischen Armee.
    Der eigentliche Stratege war Ludendorff, gemeinsam haben sie alles in den Sand gesetzt.

    Historiker mögen sich darüber streiten ob der Weltkrieg nicht hätte verhindert werden können.
    Immerhin waren King George V., Zar Nikolaus II. und Kaiser Wilhelm II. Vettern.

    Erstaunlich, dass Hindenburg und Ludendorff 1918 nicht in die Wüste geschickt wurden.
    Beide haben aktiv an der „Dolchstoßlegende“ mitgestrickt.

    Während Ludendorff sich hatte hinreißen lassen, 1923 in München an einem Marsch teilzunehmen,
    der, wie bekannt, vor der Feldherrenhalle seinen Abschluss fand, hielt sich Hindenburg davon fern.
    Aufgewachsen in den königlich-preußischen hierarchischen Strukturen, in der Oberkaste, war er wohl eher Monarchist als Demokrat.

    Trotzdem ist er 1925 zum Reichspräsidenten gewählt worden.
    Ging ja erstmal gut, die Verträge von Locarno waren wichtig, Stresemann (zu der Zeit nicht mehr Kanzler, Außenminister) erhielt 1926 gemeinsam mit Briand den Friedensnobelpreis.
    Deutschland wurde in den Völkerbund aufgenommen.

    Dann kam der wirtschaftlche Supergau, die Blase der New Yorker Börse platzte, amerikanische Banken zogen ihre Kredite aus Deutschland zurück, Unternehmen gingen pleite, Massenarbeitslosigkeit, Armut,
    SA (1930 ca. 80000 Mitglieder) und RotFront lieferten sich Saalschlachten und Straßenkämpfe.

    1930 war Paul von Hindenburg bereits 83 Jahre alt (das heißt nicht dass er senil war), er musste sich ansehen, wie das Parlament sich selbst zerfleischt, die Kanzler Brüning, von Papen, von Schleicher gaben sich die Klinke in die Hand.

    Dann kam der 30.01.1933.
    Hindenburg hatte kaum mehr Alternativen, man beeilte zu versichern, dass man die Nazis klein halten könnte, so kam es zu der historischen Entscheidung, den Weltkriegsgefreiten und Möchtegernarchitkten zum Kanzler zu ernennen.

    Der Tag von Potsdam, 21.03.1933
    Hitler erschien im Anzug, nicht wie üblich in Uniform mit Armbinde, Hindenburg hat die stundenlange Feier zur Eröffnung des neuen Reichstages überlebt, Hitler hat sich ganz klar eingeschleimt, den Seriösen gemimt, niemand weiß, was Hindenburg an diesem Tag im Kopf herumging.

    17 Monate später war Hindenburg tot und Hitler hat keine Minute gezögert, sich neben dem Amt des Reichsanzlers auch das Amt des Reichspräsidenten unter den Nagel zu reißen.

  2. Haben wir keine anderen Probleme?
    Hunderte von Einzelhändlern und Gastronomen gehen gerade pleite,
    und da soll jetzt für viel Geld, nicht nur für die Stadt, auch für alle für die ihre Adressenänderung Kosten bedeutet, der Name eines Platzes umbenannt werden, der übrigens nie von den Bürgern frequentiert wurde?

    Mein Vater sagte hin und wieder zu uns Kindern: Euch gehts zu gut.

  3. Meine Ansicht ist, wer die Vergangenheit nicht verarbeiten kann, ist auch nicht fähig die Zukunft zu gestalten.

  4. „der deutschen Rechten“? Was hat denn nun die CDU mit Hindenburg zu tun?

    Und könnten Sie erläutern, was Sie mit „deutschnationales“ meinen?

  5. Ich hatte andernorts bereits meine Sympathie mit der Initiative einiger junger Leute geäußert, die sich – in der Lautstärke, wie sie jungen Leuten nun einmal eigen ist – für eine Umbenennung des Deutschen Platzes und des Hindenburgplatzes einsetzen. Ich habe auch Verständnis für Anwohner, die das nicht wollen und ihre Argumente dafür haben. Ich möchte allerdings darauf aufmerksam machen, dass die Kombination Deutscher Platz und Hindenburg deutschnationales Gedankengut insinuiert. Deutscher Platz ohne Hindenburg mag für deutsch im guten wie im schlechten stehen, mit Herrn Hindenburg steht Deutscher Platz für Anmaßung und Überheblichkeit der deutschen Rechten. Das sollte in der Diskussion nicht vergessen werden.