Zehn Blumentürme, zwei Riesentöpfe und zwei Laternenkästen hat die ISG angeschafft.

Die Interessens- und Standortgemeinschaft Stadtmitte bringt einige kleine Maßnahmen an den Start, um die Attraktivität der Fußgängerzone zu verbessern. Die großen Blumenkübel sind bereits zu sehen, „Büggel“ mit GL-Werbung werden ab Samstag verteilt. Auch bei der Beleuchtung tut sich etwas – nicht zuletzt für die Grüne Ladenstraße.

Mit dem Rückgang der Corona-Inzidenz, den Lockerungen und dem guten Wetter füllen sich die Einkaufsstraßen sehr schnell wieder, aber die strukturellen Probleme des lokalen Einzelhandels haben sich nicht verflüchtigt, im Gegenteil.

Daher passt es, wenn die Immobilien- und Standortgemeinschaft Hauptstraße e.V. (ISG) jetzt einige punktuelle Maßnahmen umsetzt, die aus dem Topf der gesetzlichen ISG finanziert und von langer Hand geplant wurden, um die Gladbacher Innenstadt attraktiver zu machen.

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Hintergrund: Die „gesetzliche Interessens- und Standortgemeinschaft“ war auf Initiative des ISG Hauptstraße e.V. 2018 vom Stadtrat beschlossen worden, nachdem 97,5 Prozent aller Eigentümer zugestimmt hatten. Sie hatten 545.000 Euro in einen Topf eingezahlt, der für Werbemaßnahmen, Beleuchtung Kundenbindung ausgegeben werden sollte. Damit wurde u.a. 2018 der Slogan „Wir! Hier! GL“ kreiert (und rasch vergessen).

Sichtbarstes Element sind die Blumenelemente, die seit einigen Wochen in der Fußgängerzone für mehr Farbe sorgen: zwei Pflanzkörbe an Laternen am Konrad-Adenauerplatz, zwei riesige Blumentöpfe am Eingang zur Fußgängerzone vom Markt her und zehn Blumen-Türme wurden von einem spezialisierten Unternehmen aus Kleve aufgestellt.

Für die Anschaffung und Pflege seien rund 8000 Euro ausgegeben worden, berichtet Bettina Wisniewski, Managerin der RheinBerg Galerie und Vizevorsitzende der ISG.

Durch die Farbtupfer werde die Innenstadt „zur Wohlfühloase für Besucher und Anwohner“, sagt Wisniewski. Aber auch den Personen, die in der Innenstadt arbeiten sowie den Insekten käme die Blumenpracht zugute.

3000 Stoff-Büggel hat die ISG angeschafft

In einer zweiten Aktion verteilt die ISG ab diesem Samstag 3000 Einkaufstaschen aus Stoff, die sogenannten GL-Büggel. Sie werden auf dem Markt sowie im Unverpackt-Geschäft „Büggel“ kostenlos ausgegeben. Diese Werbeträger waren schon vor vielen Monaten in Auftrag gegeben werden, doch erst jetzt, nach der Lockerung der Corona-Beschränkungen, werden sie verteilt.

Hintergrund: Bislang haben weder Corona noch die Online-Konkurrenz in der Innenstadt für einen Kahlschlag gesorgt, mit Ausnahme der Grünen Ladenstraße hält sich der Leerstand in Grenzen. Auch der Fanshop von Bayer Leverkusen hat aufgegeben. Aber es gibt Newcomer: Neben dem City Löwencenter werden gerade zwei neue Cafés/Geschäfte eingerichtet. Und direkt gegenüber, im sehr großen ehemaligen Reno-Ladenlokal eröffnet Woolworth ein neues Kaufhaus.

Noch langfristiger ist das Beleuchtungskonzept angelegt, eine der Hauptsäulen des Arbeitsprogramms der ISG. Spezielle Strahler sollen einzelne Fassaden in der Einkaufsstraße besonders hervorheben und die Attraktivität in den Abendstunden heben. Ein Modellprojekt dafür gibt es bislang: die Gebäude von Hunkemöller / DM gegenüber dem Eingang zur Grünen Ladenstraße.

Schöne Fassaden, weitgehend unbeleuchtet. Foto: Thomas Merkenich

Immerhin 70 Prozent der Kosten und die gesamte Planung übernimmt die ISG, nur 30 Prozent müssen die Gebäudeeigentümer selbst übernehmen. Dafür werden nach wie vor Interessenten gesucht, betont der ISG-Vorsitzende Josef Cramer.

Für die Grüne Ladenstraße, die schon vor der Pandemie und jetzt erst recht von Leerstand betroffen ist, arbeitet die ISG an einem eigenen Beleuchtungskonzept – das pünktlich zum Beginn der dunkleren Jahreszeit im Herbst umgesetzt werden soll und von den Gebäudeigentümern unabhängig ist.

Der Eingang zur Grünen Ladenstraße. Weiter hinten wird es düster. Foto: Thomas Merkenich

Weitergehende Konzepte zur Belebung der Einkaufsstraßen, nicht nur in der Innenstadt, werden derzeit noch immer im Hintergrund diskutiert, in (gemeinsamen) Gremien der ISG (Eigentümer), der Interessensgemeinschaften der Händler, den Wirtschaftsförderern und dem Einzelhandelsverband. Auch die Rheinisch-Bergische Wirtschaftsförderungsgesellschaft (RBW) hat sich das Thema kreisweit auf die Fahnen geschrieben.

Digitale Marktplätze, Vernetzungen oder gemeinsam Lieferdienste sind während der Pandemie nicht umgesetzt worden. Das von der Stadt kräftig subventionierte und mit Hilfe des Kölner Unternehmens Qdega umgesetzte Gutscheinsystem „Schenk lokal“ hat bislang noch nicht richtig Fuß gefasst. Obwohl jeder Gutschein von der Stadt mit zehn Prozent bezuschusst wird ist die Fördersumme von 200.000 Euro noch nicht ausgeschöpft, die Laufzeit ist daher verlängert worden.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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9 Kommentare

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  1. Eine gute Aktion der Händlergemeinschaft!
    Betrachtet man das Bild vom Eingang der „Grünen Ladenstraße“ , dann fragt man sich, weshalb sie GRÜNE Ladenstraße genannt worden ist. Leider fehlt am Eingang seit langer ZEit schon das einladende Grün, das früher dort war und das kahle Treppengeländer hochgerankt ist; Pflanzkästen liegen dort und auch in der grünen Ladenstraße brach. Da geht noch was.

  2. Blumen zu pflanzen und so die City noch attraktiver zu machen, ist eine super schöne Idee. Ich freue mich schon darauf, bei meinem nächsten Besuch in meiner Geburtsstadt das genießen zu dürfen.
    Ich bin sehr froh, mittels in-Gl immer so gut informiert zu werden. Vielen Dank dafür!

  3. @Johannes: Büggel (kölsch) -> Beutel, Synonym für Tragebeutel, Tasche (ohne Materialfestlegung)
    Material wird auch hier vorangestellt, also -> ne Stoffbüggel, ne Plastikbüggel u.ä.

  4. Was bedeutet „Büggel“ wörtlich ins Hochdeutsche übersetzt? Stofftasche? Baumwolltasche? Und welcher Dialekt beinhaltet dieses Wort? Kölsch?

  5. „… Aber auch den Personen, die in der Innenstadt arbeiten sowie den Insekten käme die Blumenpracht zugute…“
    Ob sich das Insekten verirren und die paar Blumenkörbe in diesem sonst hoch gepflastertes und zubetonieres Areal finden ist auch fraglich.

    Schöne Bäume wären von Pflege her auch benutzerfreundlicher.

  6. Das mit den Bäumen fände ich gut, dies würde im Hochsommer die Temperatur auch ein wenig dämpfen (OK in 20 Jahre).

  7. Sehr schön!
    Noch besser wäre es gewesen, wenn man vor dem Pflastern bzw. jetzt wahrscheinlich neu gepflastert wird wegen Baufehler, dass man direkt mehrere Bäumenflächen mitplanen würde. Wo sind die Bäume auf dieser Strasse? Alles sieht wahrschelich im Sommer noch bunt aus, aber was ist im Herbst und Winter? Da sieht diese hässliche Strasse nur noch grau und alt aus.

    Die Hauptstrasse sieht definitiv wie in den sozialistischen Zeiten im Ostblock aus!

  8. Super Idee, endlich etwas Farbe in der trostlosen Innenstadt. Auch an die Insekten wurde gedacht. Das ist ein guter Ansatz. Und wenn dann die Fußgängerzone nochmals zur Baustelle wird, kann man vielleicht auch ein paar Hochbeete (mehr) setzen. Die Klimafreunde Bergisch Gladbach werden sicher gerne eingebunden um die Initiative „essbare Stadt“ voranzutreiben.

  9. Wir freuen uns, dass unser Modell vom letzten Jahr „Schule gemacht“ hat: Für ein blühendes Bergisch Gladbach!
    Unser Vorstandskollege Jürgen Sterzenbach, deren spiritus rector, hatte auf diese Art die Auffahrt zu Schloß Bensberg mit Blumengirlanden an den Laternen im Namen der FDP flankieren lassen … Schon frühzeitig hat er auch für dieses Jahr Mitstreiter über Bensberg hinaus gesucht. Wir freuen uns, dass er mit Frau Wisniewski fündig geworden ist und ihr den schon bewährten professionellen Floristen vermitteln konnte.
    Das Ergebnis kann sich sehen lassen – es steht der Gladbacher Innenstadt gut zu Gesicht,
    Für die Bensberger Innenstadt haben wir zu weiten Teilen auch in diesem Jahr wieder selber gesorgt – unterstützt von den Bensberger Händlern #FlowerPoweredByFDP … doch dazu in Kürze mehr …

    Anita Rick-Blunck | FDP Vorsitzende