In diesem Waldstück an der Autobahn soll die Feuerwache Süd gebaut werden. Foto: Archiv

Die Stadtverwaltung hatte für eine deutliche Erweiterung der Pläne für die neue Feuerwache in Frankenforst plädiert. Nun stutzen Grüne, FDP und SPD diesen Vorschlag ein Stück weit zusammen und präsentieren detaillierte Gegenvorschläge. Dabei wird die Ampel ausdrücklich von Bürgermeister Frank Stein unterstützt.

Der Flächenverbrauch für die Feuerwache Süd müsse sich „zwingend auf das hierfür unverzichtbare Minimum beschränken“, postuliert die Ampelkoalition – und führt dafür drei Gründe an: Klimaschutz, Erhalt von Waldflächen, Rücksicht auf die Nachbarschaft.

Zwar sei der zusätzliche Flächenbedarf der Feuerwehr plausibel, räumt die Koalition ein. Dieser Bedarf könne jedoch nicht einfach dadurch gelöst werden, dass im Frankenforst mehr Wald gefällt wird. Das hatte die Verwaltung vorgeschlagen.

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Zur Erinnerung: der ursprüngliche Vorschlag von Stadt und Feuerwehr sah einen Flächenbedarf von 6000 Quadratmetern vor, inklusive der zum Teil versiegelten Verkehrsflächen.

Für die Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung an diesem Dienstag legte die Stadtverwaltung dann jedoch ein erstes Gutachten vor und plädierte für einen Flächenverbrauch von 9500 Quadratmetern – was rasch den Protest von Anwohnern und Rückfragen der Freien Wähler hervorrief.

In der vergangenen Woche luden die Stadt und die Feuerwehr noch einmal alle Fraktionen zu einer Infoveranstaltung ein. Daraus entstand in den Reihen des Ampelbündnisses gemeinsam mit dem Bürgermeister ein neuer Vorschlag. Dieser sei „eine sehr gute Optimierung der Verwaltungsvorlage“, sagt Bürgermeister Stein jetzt auf Nachfrage.

Maximal 7920 Quadratmeter

Der Änderungsantrag von Grünen, SPD und FDP (siehe Dokumentation unten) sieht nun einen Gesamtfläche von 7.920 Quadratmetern vor. Also immer noch ein Plus von gut 30 Prozent gegenüber den ersten Plänen. Eine weitere Erhöhung des Flächenverbrauchs schließen sie kategorische aus.

Damit werde „ein guter Ausgleich zwischen allen berechtigen Interessen und Bedarfen von der Flächensparsamkeit über die effektive Gefahrenabwehr bis hin zur Stärkung des Ehrenamtes“ geschaffen, betonen die Fraktionschef:innen Theresia Meinhardt, Maik Außendorf (Grüne), Klaus Waldschmidt (SPD) und Jörg Krell (FDP).

Ausbau und Verlagerungen

Die Stadtverwaltung hatte zuvor argumentiert, wichtige Funktionen aus der überlasteten Feuerwache Nord an der Paffrather Straße sollten in den Neubau an der Frankenforster Straße verlegt werden; eine Erweiterung der Feuerwache Nord sei nicht möglich.

Eine Argumentation, die der Änderungsantrag der Ampel jetzt über den Haufen wirft. Die Defizite der Feuerwache Nord an der Paffrather Straße seien „auf deren Gelände zu lösen“. Die dafür erforderlichen Flächen seien zum Teil vorhanden, zum Teil durch Verlagerungen zu gewinnen.

Dafür macht die Ampel konkrete Vorschläge:

  • Die offene Remise der Feuerwache Nord soll zu einer geschlossenen Fahrzeughalle ausgebaut und – wenn möglich – erweitert werden.
  • Der ehrenamtliche Löschzug Stadtmitte wird provisorisch auf das Zanders-Geländer verlagert.
  • Für den ehrenamtlichen Löschzug Paffrath/Hand soll ein Grundstück im eigentlich Einsatzbereich gesucht werden.
  • Der Rettungsdienst mit einem Rettungs- und einem Notdienstfahrzeug soll in der alten Feuerwache Süd an der Wipperfürther Straße in Bensberg bleiben.
  • Die Krankentransportwagen werden in der Rettungswache Refrath stationiert.

Damit müssten nur noch vier Module aus der Feuerwache Nord nach Frankenforst verlegt werden: Die Verwaltung, ein Wechsellager mit Abrollcontainern, die Reservefahrzeuge des Rettungsdienstes sowie die Zentraldesinfektion.

Verbesserung für ehrenamtliche Feuerwehr

Darüber hinaus trägt die Ampel der Verwaltung auf, alle Verkehrsflächen der neuen Feuerwache Süd so auszuführen, dass Regenwasser versickern kann. Die Gutachter sollen zudem weiteres Einsparpotenzial bei den Flächen aufspüren, um den Flächenverbrauch wieder in Richtung auf die ursprünglichen Zahlen zu drücken.

Die Verlegung der Löschzüge Stadtmitte und Paffrath/Hand komme zudem den Interessen des Ehrenamtes entgegen; die Stationierung dieser Züge in der hauptamtlichen Wache sei nur eine Notlösung gewesen. Grundsätzlich sollte die ehrenamtliche Feuerwehr in den eigenen Stadtteilen integriert sein.

Steins Kehrtwende?

Bürgermeister Frank Stein hatte den ursprünglichen Beschlussvorschlag mitgetragen, jetzt stellt er sich hinter den Änderungsantrag. Das versteht er allerdings nicht als Kehrtwende, sondern als „sehr gute Optimierung der Verwaltungsvorlage“.

Er begrüße den Änderungsantrag, weil er ökologische Notwendigkeiten mit den fachlichen Bedarfen der Feuerwehr in einen guten Ausgleich und „hervorragende neue Perspektiven für das Ehrenamt“ bringe. Die jetzt vorgeschlagene Lösung sei im Vorfeld nicht geprüft worden, sondern habe sich erst aus den Diskussionen der vergangenen Woche ergeben.

Dokumentation: Der Ampel-Antrag im Wortlaut

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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7 Kommentare

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  1. Herr Havermann, einen Bürgerrat gibt es schon lange, der nennt sich Stadtrat und wird immer wieder neu gewählt. Und er ist dafür da, die Interessen der gesamten Stadt zu wahren und nicht nur die Partikularinteressen einer Gruppe unmittelbarer Anwohner.

    Für einzelne Vorhaben ein Gremium ohne demokratische Legitimation einzuberufen ist nicht sachdienlich.

  2. Es scheint hochbrotnotwendig zu werden, der Stadt Hilfe angedeihen zu lassen. Mir scheint ein „Bürgerrat“ an dieser Stelle notwendig, wie ihn vor einigen Monaten beim „Paffrather Politiktreff“ auch Gesine Schwan anriet. Das Hin und Her von Ampel und Verwaltung ist konterkarierend und wird sich weiter negativ auf das Verhältnis der Stadt zu ihrer Bevölkerung auswirken.

  3. Beguckt man sich die zu GL handelsüblich und farbneutral polit-administrativen Altionsmuster,

    und liest man, was Einige die sich z.T. seit Jahren en detail auch mit diesem Komplex beschäftigen, ausführen (hier z.B. Eschbach oder vom Hofe),

    dann wird man als gebührend ahnungsloser Bürger den Eindruck so gar nicht völlig los,
    dass es spätestens jetzt oder auch längst nicht mehr um die Feuerwehr geht,

    sondern v.a. oder eigentlich darum, besagte Waldfläche endlich so gut wie ganz oder idealerweise auch komplett abzuräumen,

    um per „alternativloser” Platzierung einer gefällig wachsenden Großwache bald schon die spontan folgende Idee zu präsentieren (wo der Wald nun leider weichen musste), die ein und andere Gewerbeflöche, vielleicht auch ein flankierendes Gewebegebiet entlang der Autobahn (anstelle des bedauerlicherweise …) …

    Nun war ja zu hören, dass sich an der (ebenso bedauerlichen) „Alternativlosigkeit” durch neueste Entwicklungen ggf. noch einmal ‘was ändern könnte (im Blick eben auf die Alternative Bockenberg) …

    Mal gespannt, ob und was man dazu dann von der Ausschuss-Sitzung hört ..

  4. Sehr geehrte Frau Weber, was Sie aufzählen sind nur die zusätzlichen Module, die von der Paffrather Straße nach Frankenforst verlegt werden. Im Kern geht es um die Verlagerung der hauptamtlichen Kräfte aus der alten Feuerwache an der Wipperfürther Straße in Bensberg nach Frankenfort.

  5. Also doch nur Verwaltung, ein Wechsellager mit Abrollcontainern, die Reservefahrzeuge des Rettungsdienstes sowie die Zentraldesinfektion. So wurde es uns doch verkauft, dass die Feuerwehr genau an dieser Stelle sein muss, um schnell genug von unten an die Bensberger im Falles eines Brandes heranzukommen. Und jetzt doch kein Rettungsfahrzeug? nur Verwaltung und Lager??? Dafür muss man doch keinen Wald roden. Da wird sich doch sicherlich ein schon plattgewalztes Plätzchen finden!

  6. Was für eine Farce!

    Die Ampel spricht in ihrem Antrag von „Klimaschutz, Erhalt von Waldflächen, Rücksicht auf die Nachbarschaft“ und von einer Beschränkung der Fläche auf ein „unverzichtbares Minimum“. Im selben Atemzug beantragt sie eine zusätzliche Vernichtung von Wald in Frankenforst und entsprechende zusätzliche Versiegelung. Und folgt der Stadtverwaltung damit größtenteils (Zusätzlich 2.000 qm statt 3.500 qm).

    Dabei macht die Ampel noch nicht einmal den Versuch einer Erklärung, warum so viele Bäume unbedingt zusätzlich vernichtet werden sollen. Wirklich nichts! Kann man nachlesen! Und: Kein Wort über die Zusagen im Feb. d. J. („max. 6.000 qm“) an die Bürgerschaft. Auch: Keine Nachfrage, warum die Verwaltung unmittelbar nach dieser Zusage eine Untersuchung zur Vergrößerung dieser Fläche in Auftrag gegeben hatte.

    Eine glaubwürdige lokale Klimapolitik, eine Interesse der Ampel an der Bürgerschaft, sieht anders aus. Besonders beeindruckend ist dabei, dass sich selbst Die Grünen in Bergisch Gladbach – neben Worten – offenbar immer noch nicht konsequent zu Taten beim Klimaschutz entscheiden können. Ihr anscheinend fehlendes Interesse an den Bürgern lasse ich dabei mal außen vor.

    Herr Stein erscheint dabei eher wie ein Spielball zwischen seiner Verwaltung und dem Stadtrat.

    Für mich als Bürger sind das keine ermutigende Perspektiven – auch nicht für zukünftige Entscheidungen.

  7. Wenn man die vielfältigen Berichterstattungen der letzten Jahre sich in Erinnerung ruft, das alles liest und verinnerlicht, sich die Themen der nahen Vergangenheit mit der Feuerwehr und alle diesbezüglichen Diskussionen anschaut, dann drängt sich der Eindruck auf, das Politik und Verwaltung dringend Unterstützung benötigen für die Erstellung eines transparenten und nachvollziehbaren Konzeptes für unsere Feuerwehr in der Stadt.

    Die scheinbaren Überraschungslösungen, die Unstimmigkeiten in den Flächenbedarfen, die Provisorien, die erkennbaren und lange bekannten Standortprobleme, die Übergangslösungen, das alles erinnert für eine serviceorientierte Feuerwehr, von der zu jeder Zeit Bestleistung erwartet wird, an einen Anschlag auf ihr Betriebskonzept. Wenn ich optimale Leistung erwarte, dann muss ich auch optimale Rahmenbedingungen schaffen.

    Hier entsteht der Eindruck, dass nach vielen Jahren des „Bemühens“ an vielen Stellen gleichzeitig wieder nur Flickschusterei betrieben wird, dass das „Bemühen“ durch „hektisches Handeln“ abgelöst wird. Einem qualitativen Ergebnis für die Feuerwehr oder besser noch für die Bürger dient das augenscheinlich nicht.

    Es ist lange bekannt, dass die Wache an der Paffratherstrasse auf einem „Pudding“ steht – die Hubschrauberstation auf dem Berg der Chemischen Kalk lässt grüßen – die aufgeführten Um- und Neubauten benötigen im Zweifel wieder 15 Jahre Grundstückssuche. Die konkreten Vorschläge die die Ampel hier macht und förmlich aus dem Hut zaubert, die lassen für mich kein ganzheitliches Konzept erkennen, da nützt als Kompensation auch keine Flottenerweiterung oder das Durchdrücken einer „idealen“ Baufläche für die Feuerwehr.

    Setzen sie die Feuerwehr für Bergisch Gladbach konzeptionell neu auf, orientiert am Gefahrenkataster. Binden sie dabei die Bürger ein. Nachdem mit der Papierfabrik in der Innenstadt ein wesentliches Risiko wegfällt und mit der Neugestaltung der Stadt einschließlich des stark wachsenden Technologieparks sich andere Anforderungen einstellen, scheint ein neues Konzept für die Feuerwehr längst überfällig. Für Bestleistung ein Konzept als Ausgangspunkt, bitte keine Provisorien, keinen Flickenteppich oder kurzlebige Bedürfnisbefriedigung für unsere Feuerwehr.