Hermann-Josef Tebroke sitzt seit 2017 für Rhein-Berg im Bundestag. Auf seiner Wahlkampftour durch Stadt und Kreis wirbt der CDU-Mann für seine Wiederwahl. Mit einem offenen Ohr für die Belange der Bürger:innen und einem Faible für kontroverse Debatten. Konkrete Wahlversprechen hat er weniger im Gepäck. Am Ende setzt Tebroke immer auf Konsens.

Text: Holger Crump. Fotos: Thomas Merkenich

„Ich weiß noch nicht was ich wählen soll.“ Ein typischer Satz. Den hören Wahlkämpfer wie Hermann-Josef Tebroke derzeit öfters auf der Straße. Als Direktkandidat der CDU wünschen Passanten Tebroke aber auch oft: „Viel Glück“ und „Wir drücken die Daumen!“

Der Finanzwissenschaftler war Bürgermeister in Lindlar und fünf Jahre Landrat in Rhein-Berg, bevor es nach Berlin ging. Und der Kreis ist eine CDU-Hochburg. Die Leute kennen Tebroke.

Das merkt man auch an den Wahlkampfständen. Er ist an diesem Samstag in Paffrath, Hand und der Innenstadt unterwegs. Später hält er ein Grußwort beim THW-Ortsverein. Dort wird die neue Liegenschaft offiziell eröffnet.

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Klima, Corona, Kommunales

2017 wurde ein neuer Landrat gewählt, Tebroke beerbte Wolfgang Bosbach und zog mit 40 Prozent der Stimmen unangefochten in den Bundestag ein. Merkel trat zur Wiederwahl an. „Diese Bundestagswahl ist jedoch anders als die Wahl vor vier Jahren“, sagt Tebroke. Ein neuer Kanzlerkandidat bei der CDU, Corona, Afghanistan, die Flutkatastrophe – diese Themen würden den Wahlkampf überlagern.

Die Menschen auf der Straße berichten ihm gleichwohl von individuellen Sorgen und Nöten, erklären ihm wo der Schuh drückt. Kommunale Probleme sind immer wieder ein Thema und werden an ihn herangetragen. Diese Offenheit sei für ihn wichtig, sagt er, sie sei nicht zuletzt eine Art von Vertrauensbeweis.

So berichtet ein Hauseigentümer ganz konkret von Umlagen für den Straßenbau, die nicht gezahlt werden könnten. Hebt die Ungerechtigkeit beim Umlageverfahren hervor. Tebroke nimmt sich Zeit. Sein Ohr gehört dem Hauseigentümer – auch wenn dieser betont, die Anwohner in seiner Straße würden die CDU in diesem Jahr nicht wählen. Die Landes-CDU hätte schließlich den Umstand zu verantworten.

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Zeit für Handel und Handwerk

Tebroke profitiert bei solchen Gesprächen von seinen Erfahrungen als Landrat und Bürgermeister. Schnell ist er im Thema, erkennt mitunter Winkelzüge der Beteiligten, weiß welche Entscheidung sich wie auswirken könnte.

Ob der Hauseigentümer ihn dann wähle oder nicht, das sei für ihn erst einmal zweitrangig. Er vertrete schließlich die Interessen aller Menschen in Rhein-Berg. Er frage nicht, was sie gewählt hätten oder wählen werden.

Zeit bringt er auch für den Handel mit, sucht die umliegenden Geschäfte auf, fragt wo der Schuh drückt. „Bildung“ erwähnt die Mitarbeiterin einer Apotheke, und Investition in die Sprachausbildung von Migranten.

„Mehr Tempo bei der Genehmigung von Investitionen für Aus- oder Neubauten“, fasst Bäckermeister Peter Lob zusammen. Er verzweifelt fast, wenn er davon berichtet, wie seine Expansionspläne durch das Arbeitstempo der Verwaltung leiden würden. „Dabei bin ich einer der wenigen Nahversorger“, betont Lob. Die Flutkatastrophe habe gezeigt, wie wichtig dies sei.

Tebroke hakt nach, will den Sachverhalt genau erfassen, macht sich Notizen. Verspricht sich um das Thema zu kümmern, es weiterzuleiten. Vor Ort, im Gespräch mit den Menschen, scheint er in seinem Element.

Abgrenzung gegen Grüne

Politik für Rhein-Berg, das ist die eine Seite. Als ordentliches Mitglied im Finanzausschuss des Bundestages steht aber auch eine Überarbeitung des Steuersystems ganz oben auf seiner Agenda. Abschaffung des Soli und der Kfz-Steuer gehören dazu, sowie eine Vereinfachung des Steuersystem für Unternehmen.

Zudem fordert er mehr Tempo beim Klimaschutz, wer tut das derzeit nicht. Aber er schränkt ein: „Der Einzelne muss auch eine Chance haben beim Klimaschutz mitzumachen“, wendet er sich gegen Regulierungsansätze bei den Grünen. Klimaschutz müsse Arbeitsplätze erhalten und die Wirtschaft mitnehmen. Der Verbrennungsmotor dürfe dem Autofahrer auf dem Land nicht von heute auf morgen verboten werden.

Tebroke setzt auf die Verantwortung des Einzelnen, plädiert für den Zusammenhalt der Gesellschaft und der Schöpfung. „Vielleicht haben die Menschen vor Ort viel bessere Ideen wie der Klimawandel aufzuhalten ist als wir Politiker.“ Ein Prinzip, das nahe bei den Vorstellungen eines marktgetriebenen Klimaschutzes der FDP ist.

Faible für Debatten

In der Wahlarena des Bürgerportals hatte Tebroke zuletzt zurückhaltend gewirkt, vielleicht sogar ein wenig in der Defensive im Austausch mit politischen Mitbewerbern. Davon ist beim Straßenwahlkampf nichts zu spüren.

Beherzt greift er sich Flyer, Broschüren, Kulis, geht auf die Menschen zu, sucht das Gespräch. Seine Frau Sabine ist an diesem Tag das erste Mal beim Wahlkampf an seiner Seite. Auch sie geht aktiv auf Passanten zu, man sieht sie immer wieder in Gespräche vertieft.

Er habe ein Faible für Debatten, freue sich wenn er sich an Positionen reiben könne, sagt der CDU-Kandidat. Ein Passant – er ist Pfarrer, Bestatter und Lehrer – macht klar, dass er den Aussagen der CDU „null“ Glauben schenke. Dass man Laschet nicht die Werte abnehme, die dieser vermitteln wolle. Diese Kritik hört man auch von CDU-Mitgliedern an den Wahlkampfständen.

Tebroke verteidigt seinen Spitzenkandidaten, spricht von einem integrativen Führungsstil. Armin Laschet sei kein Politiker der andere klein halte um selbst groß zu erscheinen. Der CDU-Mann aus Rhein-Berg tauscht mit dem Pfarrer und Bestatter Argumente zum Klimaschutz aus, bietet seinen Besuch in der Schulklasse an.

Gewonnen hat er in diesem Gespräch keinen Wähler. Ihn auch nicht vom Angebot der CDU überzeugt. Aber man bleibt im Gespräch. Das scheint Tebroke mindestens genauso wichtig zu sein.

Wer ist das?

So auch bei anderen Gesprächspartnern, auf die er aktiv zugeht: Die Klima-Freunde Rhein-Berg haben sich schräg gegenüber vom CDU-Stand in der Innenstadt aufgebaut. Die Initiative wirbt mit Flyern für ihre Ziele.

„Wer ist das?“ fragt Tebroke seine CDU-Mitstreiter, und macht sich prompt auf den Weg zu den Aktivisten. Flyer und Broschüre immer am Mann. Am Stand des Klimarats ist man zunächst verdutzt. Man habe Zeit beim Klimaschutz verloren, heißt es dort seitens der Bewegung, schon in den 80ern stand der Klimaschutz auf der Agenda der Grünen im Stadtrat.

„Anträge aus der Opposition heraus zu stellen ist einfacher, dient auch der Profilierung“, pariert Tebroke. Er verweist darauf, dass man in Regierungsverantwortung – sei es im Bund oder auch in der Kommune – mitunter anders agiere. Und hebt das Thema geschickt eine Ebene höher: Man könne nur mit Mehrheiten etwas bewegen. Das brauche es doch letztlich in der Demokratie, so sein Credo.

Immerhin: Damit erzielt Tebroke Konsens über den Weg, über die Details kann man später immer noch sprechen. Mehr an inhaltlicher Auseinandersetzung geht beim Straßenwahlkampf aber vielleicht auch nicht.

Betonung auf dem „C“

Schöpfung, Empathie, Mitnehmen – Begriffe, die Tebroke immer wieder an diesem Tag benutzt. „Das Christliche ist für uns wichtig, der Mensch und sein individuelles Können: Das sollte die Politik der CDU sein“, macht er unmissverständlich klar. Konservativ, freiheitlich, sozial – das sieht er als nachgelagerte Kategorien an.

Merkels Satz „Wir schaffen das“ aus 2015 will er daher auch als humanistischen Ansatz verstanden wissen, den es gar nicht zu hinterfragen gelte.

„2015 darf sich nicht wiederholen“ – für ihn ist dieser Ausspruch in Zusammenhang mit der Afghanistan-Krise in erster Linie keine Warnung vor neuen Flüchtlingswellen sondern vielmehr ein Aufruf: Dass sich die chaotische Organisation im Land und in der EU nicht wiederholen dürfe. Solidarität und Hilfsbereitschaft für bedrohte Menschen zu zeigen, das sei keine Frage.

Ton getroffen

Zum Abschluss des Wahlkampftages finden Kommunales und Bund zusammen, als Hermann-Josef Tebroke den Ortsverein des THW besucht. Als Bundesanstalt agiert das THW im Geschäftsbereich des Bundesinnenministeriums. Gleichwohl arbeiten die Ortsvereine bei Einsätzen eng mit den Kommunen zusammen.

Die neue Liegenschaft im Gewerbehof Gronau wird ein Jahr nach Inbetriebnahme offiziell eröffnet. Die Vizepräsidentin des THW ist da, Landrat und Bürgermeister.

Für die Belange der THW-Chefin hat Tebroke ebenso ein offenes Ohr wie für die Truppführer, die sich in der Maschinenhalle zum Festakt versammelt haben. Und er trifft den Ton der THW-Ehrenamtler, wenn er sich bei den Kameradinnen und Kameraden für ihren Einsatz und ihr Engagement bedankt. „Wir brauchen das THW, und das THW braucht uns“, sagt er unter Applaus.

Schwerpunkt Konsens

Details, was es in Rhein-Berg aus Sicht der Bundespolitik konkret anzupacken gilt, die gibt es an diesem Tag von Hermann-Josef Tebroke wenig. „Was ist Ihr Ziel“ fragt eine Angestellte in einer Apotheke. Besserer Ausbau von Straßen und ÖPNV, erwidert Tebroke. Und immer im Blick halten, welche Konsequenzen die Beschlüsse im Bund für die Kommunen vor Ort hätten.

Foto: Thomas Merkenich

Der Kandidat weiß, dass Kommunalpolitiker allergisch auf Einmischungen aus Berlin reagieren. Ihm ging es als Bürgermeister und als Landrat nicht anders. Der Spagat in seinen Antworten ist daher greifbar. Zwischen der Versuchung eine konkrete Antwort zu geben und dem Bewusstsein, die föderalen und kommunalen Kompetenzen nicht durch schnell gesammelte Punkte im Straßenwahlkampf zu strapazieren. Den Wahlkampf führt man schließlich nicht nur als Politiker, sondern auch als Parteimitglied.

Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Tebroke vor allem das Miteinander und den fair geführten Disput in den Fokus rückt, und weniger auf konkrete Maßnahmen in seinem Wahlkreis eingeht. Als Polit-Profi weiß er aber auch, dass er auf diese Weise wenig Angriffsfläche bietet. Es ist ein bewährtes Rezept.

Gegenüber den Mitgliedern der Klima-Freunde Rhein-Berg sagt er dann auch: „Es ist doch wichtig dass wir das gemeinsam hinbekommen, und dass wir uns nicht gegeneinander ausspielen.“ Die Auseinandersetzung auf demokratischer Grundlage, das sei für ihn das zentrale Element.

Mehr „wir“ statt „wie“

Damit nimmt er den Klimaschutz geschickt aus dem parteipolitischen Hickhack heraus, aus der Polarisierung der Debatte. Macht Klimaschutz zu einem Thema, das alle angeht, über die Parteigrenzen hinweg. Betont das „Wir„, das „Wie“ bleibt dabei oft auf der Strecke. Zurück bleibt die Frage ob dies genügt, um der Dramatik der Ereignisse gerecht zu werden.

Abwägend argumentieren, das sei letztlich eine Frage der Persönlichkeit, meint Tebroke. Eine frische Zuspitzung wie bei Christian Lindner sei ok, aber nicht seine Sache.

Da bleibt er sich treu, und kommt wohl damit an: Eine junge Wählerin sei seit einer Woche in der CDU, berichtet einer der Aktiven am Wahlkampfstand. Sie habe Tebroke kurz zuvor im Wahlkreisbüro angerufen, sei begeistert gewesen und direkt in die Partei eingetreten.


Wenn Sie die inhaltlichen Positionen von Hermann-Josef Tebroke mit denen der Mitbewerber:innen vergleichen wollen empfehlen wir Ihnen unseren analogen Wahl-O-Mat. Der bringt die Programme anhand von acht Fragen übersichtlich auf den Punkt. Sie können den Wahl-O-Mat für RheinBerg hier herunterladen oder sich ein Exemplar in der Redaktion (Hauptstr. 257) abholen.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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1 Kommentar

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  1. Herr Tebrocke fordert das Richtige. Die Verantwortung des Einzelnen. Nichts anderes haben die Mütter und Väter des Grundgesetzes gewollt. Von Bevormundungspolitik war nie die Rede.