Einige Menschen, die sich mit Corona infiziert haben, leiden danach am Long Covid-Syndrom: Die Spätfolgen der Infektion äußern sich unter anderem durch Erschöpfung, Luftnot, Schmerzen. Ein Betroffener berichtet, wie er versucht, dennoch seinen Alltag zu meistern.

Herr K. aus Bergisch Gladbach sitzt im Auto, wir telefonieren während der Fahrt. Früher pendelte K. problemlos zwischen Wohnort und der weiter entfernten Arbeitsstelle hin und her. Heute sind selbst kleine Strecken zum mittlerweile näher gelegenen Job nicht mehr so einfach zu bewältigen.

„Ich habe mich im November 2020 mit Corona infiziert“, erzählt er. Er habe keine Symptome gehabt, lediglich Schüttelfrost sowie leichte Erkältungssymptome. „Auf der Arbeit habe ich ein paar Dinge angeschoben und bin dann zum Arzt gegangen. Der regte einen Corona-Test an. Beim Ergebnis bin ich aus allen Wolken gefallen,“ sagt K. Corona positiv.

Eine Maske hatte K. schon seit März 2020 getragen. Foto: Symbolbild

Dabei habe er stets darauf geachtet sich nicht zu infizieren, schon ab März 2020 immer Maske getragen: „Am Arbeitsplatz, aber auch weil wir pflegebedürftige Personen in der Familie haben.“

Er sei zwei Wochen in Quarantäne gewesen, habe keine Symptome gehabt.

Plötzliche Erschöpfung

Erst nach der ersten Erkrankung stellten sich plötzlich Anfälle von Erschöpfung ein, hinzu kamen Kopf- und Rückenschmerzen, Atembeschwerden, die Augen taten weh, Beschwerden mit den inneren Organen tauchten auf.

„Wann es genau losging kann ich gar nicht sagen“, berichtet K. Irgendwann sei ihm aber der Verdacht gekommen, dass es sich um Long Covid handele.

Das zeigt mittlerweile Auswirkungen auf seinen Alltag: „Selbst Sonntags, wenn ich ausgeschlafen bin, werde ich nach zwei Stunden wieder müde und lege mich hin.“ Er habe Angst in der S-Bahn einzuschlafen, so extrem sei die Müdigkeit. „Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und die Erschöpfungsanfälle kommen, fahre ich rechts ran. Nach zehn Minuten Nickerchen am Strassenrand geht es meist wieder und ich kann weiterfahren.“

Den Arzt habe er zunächst deswegen nicht aufgesucht, „ich bin aber jetzt so weich gekocht dass ich mich doch von einem Arbeitsmediziner untersuchen lasse“, räumt K. ein. Auf der Arbeit schleppe er sich durch, er wolle nicht, dass die Kolleg:innen seinen Anteil zusätzlich Schultern müssten.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert in einer Übersicht über Long Covid – und listet Beratungsangebote auf. Den ganzen Flyer zum Download finden Sie unten.

Wenig Hoffnung auf Hilfe

Eine Veränderung der Long Covid-Symptome habe er bislang nicht feststellen können, es bleibe in etwa gleich. „Die Kraftlosigkeit bleibt auf demselben Niveau, Tag für Tag.“ Etwas Urlaub, das habe mal gut getan um Energie zu tanken. Aber der Effekt brauche sich schnell auf.

Ob er Hoffnung auf Hilfe habe? Die Antwort klingt eher resigniert: „Wie will der Arzt feststellen dass ich Long Covid habe? Es sind ja „nur“ Symptome vorhanden“, sagt K. Und was wäre die Konsequenz der Diagnose? Ein späterer Start auf der Arbeit für mehr Schlaf? Eine Kur? „Da muss man meiner Meinung nach schon ganzheitlich rangehen, um meine Ressourcen insgesamt wieder zu stärken“, ist er sicher.

Behandlung eines Corona-Patienten auf der Intensivstation des EVK. „Wer sich nicht impfen lässt, handelt verantwortungslos gegenüber der Gesellschaft“ sagt der am Long Covid-Symptom erkrankte K. Foto: Holger Crump

Covid 19 ist kein Schnupfen

Klare Worte findet K. gegenüber Corona-Leugnern, gegenüber Verweigerern von Impfungen und Masken: „Wenn ich mit denen spreche kann mir eigentlich niemand schlüssige Argumente liefern, warum sie sich nicht impfen lassen wollen. Ich halte das gegenüber der Gemeinschaft für unverantwortlich.“ Im seinem Bekanntenkreis habe es auch Todesfälle aufgrund einer Corona-Infektion gegeben.

„Covid ist kein Schnupfen“, macht K. deutlich. „Jeder der nur etwas Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft hat, der muss sich impfen lassen.“ Und er verschwindet in der Arztpraxis, um doch etwas mehr über Long Covid und entsprechende Behandlungsmöglichkeiten zu erfahren.

Dokumentation

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Vielen Dank für diesen Beitrag. Das Schicksal von Herrn K. tut mir sehr leid. Da ich selber betroffen bin, kann ich nachvollziehen, wie er sich fühlt. Aber man sollte sich nicht als „Weichei“ fühlen, wenn man mit den Beschwerden zum Arbeitsmediziner oder Hausarzt geht.

    Es ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Mit der Zeit werden die Symptome besser, aber durch Physiotherapie, Atemtherapie und eine Kur kann die Heilung deutlich unterstützt werden. Das Konsultieren eines Arztes ist auch wichtig für die psychische Situation. Dadurch wird den Betroffenen klar, dass sie keine Simulanten sind.

    Wir werden uns mit der Problematik sicherlich noch einige Zeit auseinandersetzen müssen. Umso wichtiger ist es, diese ernstzunehmen.