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Vom Waatsack zum Strunder Bach, von der Buchmühle zur Hammermühle: Friederike Naroska schildert in ihrem Buch „Ich bin ein Maikäfer“ ihre Kindheitsjahre ab 1945 in Bergisch Gladbach. Damit schafft sie ein persönliches Zeitdokument, das auf faszinierende Weise die Kinderjahre eines jungen Mädchens in die Kinderjahre einer Republik im Aufbau einbettet.

Zeichnungen: Friederike Prill

„Ich bin ein Maikäfer, ich wurde im Mai geboren“, schreibt die Autorin. Geboren hier in der Stadt, in den wirren Monaten des Frühjahrs 1945, kurz vor Kriegsende.

Die Mutter vor den Bomben aus Trier nach Bergisch Gladbach geflüchtet. Der Vater noch während der Schwangerschaft an der Ostfront gefallen.

Der Maikäfer

Eine denkbar ungünstige Situation für ein Neugeborenes. Und doch beißt sich die kleine Friederike durch die Nachkriegsjahre. Wie ein Maikäfer, der sich als Engerling zwei bis drei Jahre im Erdreich tummelt, bevor er seine Flügel entfaltet.

Ein schönes Bild, das Friederike Naroska da gleich zu Beginn des Buches für ihre Situation als Kind findet. Sie entwickelt es anhand eines Aufsatzes über einen Maikäfer, handgeschrieben von einem Mädchen namens Friederike Prill, aus der Schule „Am Broich“.

Friederike Naroska
Ich bin ein Maikäfer – Kinderjahre in Bergisch Gladbach 1945 bis 1955
Joh. Heider Verlag GmbH, 2021
108 Seiten, 12,80 Euro

Das Buch ist in der Redaktion des Bürgerportals (Hauptstraße 257), direkt beim Verlag und im Buchhandel erhältlich. In der Redaktion gibt es auch noch ein paar Restexemplare von Naroskas „Gladbacher Getier“.

Den Umständen entsprechend

Wer ist Friederike Naroska? Die Autorin geht in Bergisch Gladbach zur Schule, „nebenher“ wie sie sagt. Ihre Lieblingsfächer sind Biologie und Zeichnen. Sie studiert Naturwissenschaften und Grafik-Design, arbeitet in einem Schulbuchverlag. Und kehrt zurück in ihre Heimatstadt, „nachdem mein Elternhaus unter Denkmalschutz gestellt worden ist“, wie sie sagt.

Dem spannenden Leben als Redakteurin geht eine – den Umständen entsprechende – Kindheit voraus. Mit allen Entbehrungen, welche die Zeit nach dem Krieg und den Erinnerungen an die Gräuel des NS-Regimes mit sich bringt.

Wichtiges Stück Zeitgeschichte

Friederike Naroska schildert dies in ihrem Buch anhand vieler lebendiger Szenen aus ihrer Kindheit. Erlebnisse mit ihren Verwandten und in der Schule. Episoden aus dem Alltag, die im Kleinen zeigen, was auch im Großen gelingen muss: Die Rückkehr in ein neues Leben, der Aufbau einer Stadt und einer ganzen Nation. All dies ergänzt um historische Fotos und Kinderbilder, um Kinderlieder und Spiele aus der Zeit.

Sie weckt damit Erinnerungen bei den Lesern. Nicht nur an die eigene Kindheit, sondern auch an alte Wege und Pfade, die es in der Stadt gegeben hat. An alte Einrichtungen wie das Reese-Heim. So wird das Buch zu einem Dokument der Zeitgeschichte.

Friederike Naroska liefert mit dem Buch aber auch eine Blaupause für die Kinderjahre in der heutigen Zeit. Die finden ebenfalls in einer Krise statt. Der Corona-Krise, in der es auch um ein klein wenig Alltag unter besonderen Umständen geht. Die Maikäfer sind wieder da.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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