Der aktuelle Blick in den Anemonenweg. Foto: privat

Ein großer städtischer Straßenbaum ist in Refrath gefallen, ein zweiter könnte nach Protesten von Anwohnern gerettet werden. Das Beispiel zeigt, dass die aktuelle Baumschutzsatzung nur einen bedingten Schutz bietet – und um jeden einzelnen großen Baum gerungen wird.

Zwei stattliche Gleditschien schmückten den Anemonenweg in einem ruhigen Wohnviertel in Refrath. Genau die Baumsorte, die künftig in der neuen Schlossstraße für Schatten sorgen soll. Doch je größer die Bäume in Refrath wurden, desto kräftiger wurde ihr Wurzelwerk, sichtbar hoben sich die Pflastersteine von Gehweg und Parkbuchten. Und auch im Untergrund breiteten sich die Bäume aus.

Daher ließ die städtische Abteilung StadtGrün in der vergangenen Woche den ersten der beiden Bäume fällen, der zweite sollte heute folgen. Auf Nachfrage des Bürgerportals antwortete StadtGrün über das Wochenende knapp: Angesichts der „Wurzelanhebungen“ gebe es aus Gründen der Verkehrssicherheit keine andere Möglichkeit.

Einige Anwohner fragten noch einmal nach, offenbar mit Erfolg. Die Fällaktion für heute wurde abgesagt, womöglich könnte der zweite Baum stehen bleiben.

Beim ersten Baum, das erläutert ein Sprecher der Stadtverwaltung jetzt, sei der Gehweg so massiv geschädigt worden, dass dringend eingegriffen werden musste. Beim zweiten Baum sei bislang „nur eine Parkbucht“ betroffen. Daher werde jetzt geprüft, ob die Baumscheibe so weit vergrößert werden könne, dass Wurzeln und Baum weiter wachsen können. Mehr Platz für den Baum, weniger Platz für parkende Autos.

Die Frage, ob in diesem Fall Bürgermeister Frank Stein beteiligt war, ließ die Stadtverwaltung offen. Stein hatte nach einer früheren Fällung angekündigt, bei jedem „stadtbildprägenden Baum“ gefragt werden zu müssen.

Nicht jeder Baum kann stehen bleiben

In einer Pressemitteilung machte StadtGrün heute aber auch deutlich, dass einzelne Bäume trotz ihrer großen Bedeutung für das Stadtklima immer mal wieder gefällt werden müssen. Denn sie „gefährden in Einzelfällen durch ihr Wurzelwerk die Sicherheit auf Gehwegen, Parkplätzen oder sogar Gebäuden“.

Das sei bei dem bereits gefällten Baum im Anemonenweg der Fall gewesen. Er sei nicht nur in die Höhe gewachsen, sondern auch im Untergrund. Dadurch seien Gehweg und Straßenoberfläche bereits stark geschädigt worden. Zudem habe eine akute Gefahr bestanden, dass der Keller des angrenzenden Gebäudes dem Druck der Wurzeln nicht standhielt.

Eine Kappung des Wurzelwerkes, so die Stadt weiter, hätte die Standsicherheit des Baumes gefährdet. Zudem könnte das Wurzelwerk weitere unterirdische Schäden verursachen, wie das Eindringen von Feuchtigkeit ins Mauerwerk sowie die Zerstörung von unterirdischen Leitungen. Das müsse bei der Abwägung berücksichtigt werden und habe in diesem Fall zur Fällung geführt.

Neue Baumschutzsatzung soll 2022 kommen

Entsprechend der Baumschutzsatzung werde die Stadt für den gefällten Baum eine neue Pflanze setzen. Das soll dann eine ausreichend große Baumscheibe erhalten.

Der Stadtrat hatte Ende 2020 eine neue Baumschutzsatzung verabschiedet. Damals war es den Lokalpolitiker darum gegangen, möglichst schnell eine Satzung in Kraft zu setzen – obwohl diese Baumschutzsatzung alles andere als streng ausgefallen war.

Daher arbeitet die Stadtverwaltung derzeit an einer Neuauflage, einer deutlich strikteren Baumschutzsatzung 2.0. Anfang 2022 soll der Entwurf stehen, hatte StadtGrün-Chef Christian Nollen zuletzt bei einer Debatte des Politikforums Paffrath der SPD angekündigt.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Aha, dann dürfen wir wohl in 5 Jahren damit rechnen, dass die vorgesehenen Gleditchien in der Schlossstraße auch wieder gefällt und durch . . . ja was ersezt werden?