Foto (C) Heide Prange

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Das inklusive Tanztheater-Ensemble Lichtgestalten ist mit einer Ausstellung im Kunstmuseum Villa Zanders zu sehen. Herzstück sind Künstlerporträts der Tänzer:innen und Schattenbilder, entstanden in Kooperation mit der Fotografin Heide Prange. Die Ausstellung thematisiert Werke von Wilhelm Gorré, ist barrierearm und bietet ein inklusives Begleitprogramm im Geiste der Philosophie der Lichtgestalten.

Die Lichtgestalten – das ist ein inklusives Tanztheater-Ensemble mit 24 Tänzer:innen, die unter der Leitung von Sonja Schumacher gemeinsam eigene Stück entwickeln und sie auf moderne und theatralische Weise auf die Bühne bringen. Sie fassen das griffig unter dem Hashtag #Inkludancer zusammen, einer Kombination aus Inklusion, Influencer und Dancer.

Angefangen hat alles im Jahr 2000 mit Sonja und der Lichtgestalt Tom, einem Tänzer der von Anfang an dabei ist. Mit der Ausstellung würdigt die Company nun das 20-jährige Tanzjubiläum der beiden, die sich während einer Schul-AG kennengelernt haben.

Mit Lichtgestalt Tom fing alles an, Foto (C) Heide Prange

„Tom tanzte da zur Musik eines Ghetto-Blasters und ich wusste das man daraus mehr machen kann“, berichtet Schumacher. Tom arbeite mittlerweile mit Tanzensembles in Europa und darüber hinaus zusammen. Er ist ein echter #Inkludancer geworden.

Künstlerporträts

Im Fokus der Ausstellung in den Kabinetträume der Villa Zanders stehen nun also Künstlerportraits der Tänzer:innen, in Szene gesetzt von der Fotografin Heide Prange. Sie begleitet die bunte und muntere Company seit 2019. „In Workshops haben wir uns über Mimik unterhalten, die Unterschiede von Künstlerportraits und ’schönen‘ Fotos besprochen, etwas über die Bedeutung von Farbe gelernt“, erläutert Prange.

Wir Lichtgestalten
Ausstellungsprojekt des inklusiven Tanztheater-Ensembles Lichtgestalten
Leitung: Sonja Schumacher, Fotos: Heide Prange
12. November 2021 bis 9. Januar 2022
Weitere Infos auf den Webseiten der Company und der Villa Zanders

Sonja Schumacher und Heide Prange

Entstanden sind dabei eindringliche und ausdruckstarke Portraits, die enorm viel von dem Spirit der Lichtgestalten transportieren. Sie spiegeln neben starken Persönlichkeiten ein hohes Maß an Ausdrucksstärke, Überzeugung, Lebendigkeit.

Da wird die Power deutlich, mit der die Lichtgestalten über die Bühne fegen müssen. 24 Persönlichkeiten, einzigartig und jede/r auf seine/ihre Weise schön. Dargestellt in einer Intensität, dass der Betrachter fast zum Objekt der Betrachtung wird.

Collagen und Schattenbilder

Hinzu kommen Schattenbilder, entstanden aus der Auseinandersetzung mit dem tanzbezüglichen Werk von Wilhelm Gorré. Der Künstler kreierte im Orchestergraben von Theatern im fahlen Licht von Taschenlampen Aquarelle mit Ballettszenen, die vor Energie nur so strotzen.

Exzellent, wie er mit wenigen Strichen den Geist einer tänzerischen Bewegung, einer Choreografie einfängt. Die gezeigten Arbeiten gehören zum Bestand der Villa Zanders.

Wilhelm Gorré, Milovan, 1972, Wasserfarben auf Karton

Die Lichtgestalten setzten sich während Workshops mit diesen Arbeiten auseinander. Entstanden sind zum einen zeichnerische Reflexionen, die als Collage in der Ausstellung zu sehen sind und die emotionale Situation der Tänzer:innen kurz vor der Aufführung thematisieren: Lampenfieber, Anspannung, Nervosität werden sichtbar.

Ein vibrierender Duktus beherrscht die Aquarelle. Reduziert nach Art des Meisters Gorré.

Erhellende Schatten

Gorrés Bilder führten darüber hinaus zu einer Serie von Schattenbildern: Fotos der Tänzer:innen vor und hinter einer illuminierten Leinwand, aufgenommen in der Bewegung mit Tüchern, bei der Interaktion mit sich oder ihren Tanzpartner:innen.

Heide Prange fängt dabei großartige Momente mit der Kamera ein. Die Fotos haben eine ungemeine Tiefe, nicht nur durch die Schatten. Vielmehr wird hier die Arbeit, die Interaktion der Tänzer:innen, wird Actio und Reactio sichtbar.

Foto: Heide Prange

Ein ironisches Kuriosum, eine Raffinesse des Projekts, dass ausgerechnet Schatten die Arbeit der Lichtgestalten erhellen. Schade nur, dass die Schattenbilder nur im kleinen Format in einer ungewöhnlichen Inszenierung als Filmrolle an der Wand präsentiert werden. Sie hätten ein größeres Format verdient gehabt.

Barrierearme Ausgestaltung

Ganz im Sinne der inklusiven Philosophie der Lichtgestalten sei die Ausstellung auch weitestgehend barrierefrei gestaltet, erklärt Pia Simon vom Kunstmuseum, die das Projekt begleitet hat. So seien z.B. die Hinweistafeln zu den Bildern auf niedrigerem, gut lesbaren Niveau angebracht.

Führung für Menschen mit Sehbehinderung, mit Adile Funk
sonntags, 14:00 Uhr
28.11. / 12.12.
Inklusive Familienführung
sonntags, 14:00 Uhr
05.12. / 19.12.
Inklusive Familienführung
sonntags, 16:00 Uhr
28.11. / 05.12. / 12.12. / 19.12.

Zudem gibt es ein Begleitprogramm mit speziell auf die Bedürfnsse von sehbehinderten oder blinden Menschen zugeschnittenen Führungen. QR-Codes, die auf Videos zum Projekt verlinken, erweitern den medialen Raum. Eine Vitrine informiert über die Entstehung der Choreografien. Und an den Wänden sichtbare Statements der Tänzer:innen geben Antwort auf die Frage, was eine Lichtgestalt ausmacht.

„Wenn ich tanze pumpt mein Herz“ wird Lichtgestalt Lucas in der Ausstellung zitiert. Besser kann man die Motivation, sich die Ausstellung dieses bemerkenswerten Projekts anzuschauen, nicht zusammenfassen.

Lichtgestalten treffen: Einmal wöchentlich, zum Probetermin des Ensembles Lichtgestalten, wird das Kunstmuseum Villa Zanders zum Treffpunkt, donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr können Besucher:innen des Museums vor Ort seine Lichtgestalt persönlich kennenlernen.
25.11. / 02.12. / 09.12. / 16.12. / 06.01.

Lichtgestalten im Park der Villa Zanders, Foto © Heide Prange

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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