Ein sogenannter „Spaziergang" in der Innenstadt von Bergisch Gladbach. Foto: Thomas Merkenich

Auch in Bergisch Gladbach finden regelmäßig Demonstrationen statt, viele der Teilnehmer:innen sind vor allem mit einer möglichen Impfpflicht nicht einverstanden und befürchten eine Verletzung ihrer Grundrechte. Friedrich Bacmeister, Jurist und grünes Ratsmitglied, geht auf diese Argumentation in einem Gastbeitrag ein. Mit einem überraschenden Ergebnis.

Ihr fühlt euch bedrängt – in die Ecke gedrängt durch die Diskussion um eine Impfpflicht. Schon vorher hat Euch gestört, dass mit den „G2“-Regeln Geboosterte bevorzugt werden. So zumindest hab ich Euch verstanden – richtig?

Ihr seht – zurecht – in der Impfpflicht einen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und behauptet, das sei eine Verletzung Eurer Grundrechte.

Wißt Ihr, was die Väter des Grundgesetzes für Erfahrungen hatten, als sie die körperliche Unversehrt­heit in das Grundgesetz geschrieben haben?

Während der Nazizeit hatte sich der Staat das Recht herausgenommen, bei bestimmten Krankheiten den Menschen zu sterilisieren. Unter anderem wurden Menschen mit Trisomie und Epileptiker sterilisiert. Weiterhin wurden (in KZs zusammengetriebene) Menschen unglaublichen Versuchen unterzogen: beispielsweise wurden Männer stundenlang in das eiskalte Meer geworfen, um hinterher zu untersuchen, wie lange ein Mensch solches durchhält und wie er am besten wieder gewärmt werden könne.

Wo die Freiheit endet

Kein Grundrecht steht absolut da; alle beschränken sich gegenseitig – die Freiheit des Einen endet dort, wo die Freiheit des Nächsten beginnt (Rosa Luxemburg), oder wie es die Wissenschaftsjournalistin May-Thi Nguyen-Kim ausdrückt: Deine Freiheit, deine Faust zu schwingen, endet dort, wo meine Nase anfängt[1] (meines Erachstens 50 cm früher).

Ein wichtiges Grundrecht jedes Einzelnen ist die Gesundheit. Und der Staat ist verpflichtet, möglichst viele Personen gesund zu erhalten. Deshalb haben wir ein umfassendes Netz von Krankenhäusern.

Hinweis der Redaktion: Friedrich Bacmeister ist Anwalt, Steuerberater und sitzt für die Grünen im Stadtrat. In diesem Gastkommentar äußert er seine persönliche Meinung.

Historisch wurde die Notwendigkeit zu öffentlicher Gesundheitsvorsorge besonders deutlich, als die Industrialisierung begann, immer mehr Bauern das Landleben aufgaben und in die Städte zogen, dort auf engstem Raum lebten. Denn schnell entwickelten sich Krankheiten wie Cholera und Typhus epide­misch. Zuerst traten diese großen Probleme in den englischen Industriestädten auf, da die Industralisierung dort begann. So gibt in der englischen Gemeindeverfassung noch heute den Sanitary Officer, zu deutsch den „Hygiene-Beigeordneten“.

Ausfluss dieser Erkenntnis, dass in den Städten für ausreichend Hygiene gesorgt werden muss, damit sich keine Krankheiten verbreiten, ist der Anschluß- und Benutzerzwang: kein Haus darf (im Innen­bereich der Gemeinde) bestehen, ohne dass Spüle und insbesondere Toilette in das öffentliche Kanalnetz entsorgt werden.

Eine Abwägung

Die öffentliche Gesundheitsfürsorge ist ein wichtiges Gut. Folglich muss die individuelle Freiheit hier gegen den Erhalt der Gesundheit der Bevölkerung abge­wogen werden.

Auf der Seite der Gesundheit steht zudem das Funktionieren unserer Wirtschaft, ebenso der Anspruch des Einzelnen, sich durch Arbeit – oder die Freude am Leben – zu verwirklichen.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass CoViD-19 eine Gefährlichkeit vergleichbar mit der Pest hat. Stellt euch einmal vor, wir müssten uns auf dem Stand der Medizin des 14. Jahrhunderts mit Corona auseinandersetzen. Dann würden sicherlich 70 bis 80 Prozent der symptomatischen Fälle zum Tod führen. Es ist den enormen Fortschritten der Medizin zu verdanken, dass dies heute anders ist.

Und die Entwicklung der mRMA-Impfstoffe hat dazu geführt, dass es eine deutliche Verbesserung gegenüber der Situation im Jahr 2020 gibt (wir können heute 10, 15 oder gar 20fach höhere Infektionen zulassen, ohne dass es zu einer Triage kommt).

Mai Thi hat in Ihrem Buch weitere beeindruckende Beispiele genannt: die Pocken konnten nur dadurch ausgerottet werden, dass seit 1959 weltweit Impfpflicht eingeführt wurde – vorher forderten Pocken 300 bis 400 Millionen Tote im 20. Jahrhundert. Masern (für die seit neuestem eine quasi-Impfpflicht besteht) sind deshalb so gefährlich, weil Sie das Immunsystem schwächen und für andere, tödliche Erreger die Tore öffnen – zudem fordern Masernepidemien auch jährlich 2 bis 3 Millionen Tote in der Welt[2].

Ergänzen möchte ich noch, dass die (in USA zuerst aufgetretene) „spanische“ Grippe 1917-19 ebenfalls 28 bis 50 Millionen Menschen (mittleren Alters!) umgebracht hat[3].

Die Bekämpfung der (sich schnell wandelnden) Grippeviren ist auch heute noch schwierig[4]. Das beweist die Grippewelle 2017/18, die in Deutschland ca. 25.100 Tote kostete[5]:

In Bezug auf die Ängste vor dieser neuen Methode fühle ich mich etwas an den Widerstand gegen den Einsatz der Eisenbahn in den 1840er Jahren erinnert: der Dampf würde vergiften; die hohe Geschwindigkeit (von 30 km/h) das Gehirn verwirren oder Lungenentzündung erzeugen[6].

Wie weit reicht die staatliche Fürsorge?

Trotz alledem bleibt die Frage, ob eine Impfpflicht „das Kind mit dem Bade ausschüttet“, also zu starke staatliche Fürsorge bedeutet. Wenn Ihr gegen die Vollkasko-Mentalität demonstriert, dann habe ich großen Respekt, sogar Sympathie.

Ich bin auch der Überzeugung, dass wir uns in den vergangenen 50 Jahren zu sehr darauf konzentriert haben, sämtliche Risiken einzukreisen und persönliche Entscheidungen zu sozialisieren. Das führt dazu, dass man am besten gar nichts mehr entscheidet, dass häufig belächelte „Beamten-Mikado“: wer sich zuerst bewegt, geht ins Risiko. Auch die neue Bundesregierung hat die Einsicht, dass insbesondere Genehmigungen schneller entschieden werden müssen.

Risiken selbst tragen

Wer aber eigene Entscheidung einfordert, muss auch bereit sein, die damit verbundenen Risiken selbst zu tragen.

Zu Ende gedacht bedeutet das meines Erachtens, dass der bewusste Verzicht auf die Impfung im Zweifelsfall dazu führt, bei der Betreuung im Krankenhaus hintan zu stehen und ggf. schlechter oder nicht versorgt zu werden, wenn zu viele Geimpfte und aus medizinischen Gründen Ungeimpfte versorgt werden müssen: eine bewusste Entscheidung gegen das Impfen also bei der Triage berück­sichtigt werden darf.

Eine Alternative zur Impfung

Die eigene Entscheidungs-Freiheit endet zudem vor der Nase des Nächsten (dem keine Corona-Viren eingepustet werden dürfen). Folglich muss jeder, der sich nicht impfen lassen möchte, besonders sorgfältig Maske tragen.

Wenn Ihr zu dieser Konsequenz bereit seid (also persönlich ein höheres CoViD-Risiko eingehen wollt), dann nehmt eure bürgerlichen Rechte der Versamm­lungsfreiheit gerne wahr – wenn man Herrn Prof. Drosten und der WHO zuhört, bietet die derzeitige Omikron-Variante die Chance, dass sich so viele infizieren, dass dies eine Impfpflicht ersetzen könnte (wenn es nicht zu neuen aggressiven Varianten kommt) – aber bitte mit einer FFP2-Maske, die richtig sitzt.


[1]  May-Thi Nguyen-Kim: kleinste gemeinsame Wirklichkeit (2021), S. 198

[2]  May-Thi Nguyen-Kim, kleinste gemeinsame Wirklichkeit (2021), S. 171f

[3]  https://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Grippe#Die_Bezeichnung_%E2%80%9ESpanische_Grippe%­E2%80%9C

[4]   May-Thi Nguyen-Kim, aaO, S. 180f

[5]   https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/106375/Grippewelle-war-toedlichste-in-30-Jahren

[6]   https://www.welt.de/wirtschaft/webwelt/article160056989/Deutschlands-erste-Dampflok-war-ein-rauchendes-Ungeheuer.html

Friedrich Bacmeister

wohnt seit über 20 Jahren in Hebborn und ist hier als Rechtsanwalt tätig. Seit 2019 arbeitet er bei den Grünen mit (zunächst als sachkundiger Bürger), 2020 wurde er zum Ratsherrn gewählt, ist finanzpolitischer Sprecher und Vorsitzender des Stadthaus-Neubau-Ausschusses. Schon in seiner Dissertation...

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37 Kommentare

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  1. Behauptung des „Druckers”:

    Alle Montagswandler schauen „Hildmann-Videos“ (weiß jeder, was bzw. wer das ist …?, denn es scheint ja despektierlich gemeint …).

    Beweis: ———————————-

    Schlussfolgerung:

    Drucker ist anderer Meinung als die Montagswandler bzw. als er meint, dass die Montagswandler meinten …

    Nicht mehr, nicht weniger.

    Das gilt umgekehrt zunächst natürlich auch für Druckers Kontrahenten (mich eingeschlossen).

  2. Noch ein Grund, um in GL Maske zu tragen: Sie schützen sich vor dem Feinstaub der Glaswollproduktion von Isover. Der Wind kommt von dort (Westen) Richtung Innenstadt.

  3. Guter Artikel. Ich fürchte nur, dass Sie die Aufmerksamkeitsspanne der Spaziergänger überschätzen. Die Zusammenfassung in der Überschrift ist gut!

    1. Ich gehe davon aus, dass viele der Menschen die dort „spazieren gehen“ informierter sind als Sie.

    2. Lieber Drucker,
      Sie sind offentsichtlich starker Impfbefürworter und außerdem sehr wütend auf alle die es nicht sind.

      Was Herr Hildemann mit meiner persönlichen Meinung über die Covid Impfung zu tun hat müssen Sie mir aber erstmal erklären?
      Da kennen Sie sich offensichtlich besser aus.

  4. Es ist tatsächlich extrem herabwürdigend all die Menschen, die Montags auf die Straße gehen pauschal zu duzen wie einfältige Pennäler, lieber Herr Bacmeister.
    Wenn sie also nicht mit jedem Einzelnen, den belehren zu können Sie sich hier einzubilden scheinen, im Sandkasten saßen, wäre es ein Gebot der Höflichkeit sich an den üblichen Normen zu orientieren, wiewohl mir durchaus klar ist, dass Sie dieses Mittel sehrwohl vorsätzlich und durchaus bewusst zum Zwecke der allgemeinen kognitiven Diskreditierung einsetzten.
    Darüberhinaus überzeugen Ihre Argumente nicht. Es sei denn Raucher, Adipöse, Trinker, Rauschgiftsüchtige, Motorradfahrer, Rennfahrer usw (kann fast beliebig fortgesetzt werden) stünden in Sachen Triage auf der gleichen Ebene wie impfstofffreie Menschen.
    Ich wünsche beim nächsten Mal mehr Glück beim Philosophieren.

    1. Vielen Dank, dass es nochmal jemand sagt.
      Es ist eine rein populistische Strategie, Covid Impfverweigerern als „gerechte Strafe“ eine schlechtere Behandlung anzubieten.

      Das viele der „Verweigerer“ wahrscheinlich sehr genau auf ihre Gesundheit achten und aus diesem Grund eine Impfung mit Notzulassung ablehnen und wahrscheinlich nicht KH landen werden wird grundsätzlich ignoriert.

      Ein adipöser, rauchender „Geimpfter“ mit schlechter Lebensweise trifft auch eine Entscheidung. Und landet auch mit höherer Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus.
      Es ist nicht so pauschel wie immer behauptet wird.

      Wer die Impfung mit der Pest vergleicht projiziert lediglich seine eigene Angst auf die Krankheit. Die Pest hatte eine Todesrate von 40-60% in allen Altergruppen.
      Währenddessen sind bei Corona eigentlich hauptsächlich ältere und kränkere Menschen gefährdet. Und auch hier liegt man weit unter 40%.
      Ach so, und eine Corona Infektion bleibt bis zum Krankenhausaufenthalt auch „unbehandelt“.
      Die einzige „Behandlung“ die man erfährt ist diese sich vorab impfen zu lassen.
      Ob man das braucht sollte eine ehrliche Betrachtung des eigenen Alters und Gesundheitszustandes klären und keine diffamierung durch Politiker und Möchtegernexperten.

      1. „Das viele der „Verweigerer“ wahrscheinlich sehr genau auf ihre Gesundheit achten und aus diesem Grund eine Impfung mit Notzulassung ablehnen“

        Die „Notzulassung“ ist eine Legende. Die hierzulande verwendeten Impfstoffe sind regulär zugelassen.

        „Währenddessen sind bei Corona eigentlich hauptsächlich ältere und kränkere Menschen gefährdet.“

        Das ist eine vielfach widerlegte Behauptung. Schon einmal etwas von PIMS/MIS-C gehört?

        Und abgesehen von solchen Dingen: Eine Impfung schützt nicht nur den einzelnen Geimpften, sondern nicht zuletzt die Gesamtbevölkerung. Man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen, man könne als Laie das eigene persönliche Risiko schon abschätzen und deshalb auf Basis von Überlegungen entscheiden, die einzig das Eigenwohl betreffen.

        Das Ganze hat aber eine soziale Komponente. Die zeigt sich nicht zuletzt darin, dass die öffentlich getroffenen Maßnahmen vor allem die Ungeimpften schützen – der weit überproportonal hohe Anteil Ungeimpfter an den Fällen auf den Intensivstationen belegt das eindeutig.

        Mehr als drei Viertel der Bevökerung nimmt diese soziale Verantwortung wahr, während sich die Gedanken der Impfskeptiker offenbar in erster Linie um sich selbst drehen.

  5. @Tach Herr Drucker!

    Dialektisch nicht schlecht, aber m.E. begrifflich doch unscharf und von daher missverständlich. Zudem bliebe als „Lösung“ hier tatsächlich nur der unauflösbare Konflikt …

    Sicher: Eine je persönliche und eben mindestens graduell verschiedene Befindlichkeit selbst hat keine „argumentative Kraft“.
    Aber sie ist sozusagen die je treibende Urkraft oder der „Urmagnet“, nach deren / dessen Polung sich jede persönliche Grundposition und jeder letztlich darauf beruhender Argumentationsbau bzw. eine sich entsprechend ausfaltende -kette zunächst richtet.

    Und eine jeweilige Befindlichkeit ist weder „Leistung“ noch „Verdienst“, jeder bringt seine, qua Charakter, Mentalität, Erfahrung, Prägung, Beeinflussung etc. in je unterschiedlich gewichteter Wechselwirkung mit.
    Z.B. eben auch „in coronae“ und da, je nachdem, natürlich besonders emotional, weil auf dem Grunde um die Urangst vor Krankheit und Tod kreisend.

    Für diejenigen z.B., bei denen diese Urangst (absolut verständlich und nachvollziehbar) persönlich im Vordergrund steht, wird sich das coronaische Szenarium im Ganzen anders darstellen als für jene, die (aufgrund einer anders gepolten Befindlichkeit) dabei eher dessen soziale, wirtschaftliche, politische etc. Auswirkungen und Folgen (nicht weniger verständlich und nachvollziehbar) im Blick haben.

    Tja, und die „Parelleluniversen“ … Ein fast immer polemisch und daher falsch verwendeter Begriff. Obwohl der Begriff selber sagt, was gemeint ist:
    Eben nicht (wie auch immer hierarchisch) nach- / unter- / übergeordnete, schon gar nicht „wertig“ klassifizierte, sondern eben parallele Universen, im astro- oder quantenphysikalisch (noch spekulativen) Ursprung sozusagen zeit- und „orts“-gleich existierende Sphären.
    Es gibt hier keine „eine“ und „wahre“, wie auch immer für dominierend behauptete „Realität“ über allen „nachgeordneten“ Paralleluniversen.

    Eigentlich eine schöne Analogie auf die menschliche Vielfalt, denn wenn man so will, leben hier viele „parallele (Seins-)Universen“ mit je unterschiedlich ausgeprägten Schnittfeldern oder auch Gegensätzen neben-, um-, bei- und miteinander.

    Sind wir bei der (demokratisch konfigurierten) Politik, deren allgemeinst gefasste Aufgabe eben das friedlich funktionierende Synchronisieren dieser „universellen Vielfalt“ ist.
    Dabei geht es nicht um „die Wahrheit“ an sich, sondern um das praktische Sich-Einigen auf Kompromisse (bzw. den Ausgleich von Interessen oder auch Grundbefindlichkeiten) in dafür vorgesehenen Verfahren.

    Bevor eine solche Einigung schließlich per institutioneller Mehrheitsentscheidung herbeigeführt wird, ist es absolut legitim, dass sich verschiedene „Universen“ oder letztlich „Grundbefindlichkeiten“ mit ihrer daraus hervorgehenden Sicht der Dinge zum Ausdruck bringen, um eine ggf. im Raume stehende Mehrheitsentscheidung (aktuell hier die „Impfpflicht“) in ihrem Sinne zu beeinflussen.

    Just diese „Impfpflicht“, also die sozusagen „mittelsanfte Zwingung“ derer, die ihrerseits (aus ihrer Grundbefindlichkeit heraus) auf eine Impfung verzichten möchten, damit sich andere (aus wiederum ihrer Grundbefindlichkeit heraus) sicherer fühlen, macht jetzt den zweifellos schwer zu harmonisierenden Konflikt aus.

    Interessanterweise scheint aber die Linie dabei durchaus quer zu den Reihen der selbst „Geimpften“ bzw. „Ungeimpften“ zu verlaufen, was sich bspw. an der Person Wolfgang Kubickis eindrucksvoll zum Ausdruck bringt:
    Selbst, meine ich, mittlerweile sogar zweifach „geboostert“, spricht er sich (mit anderen) gegen besagt „mittelsanftes Zwingen“ aller zur Impfung aus.

    Auch die jüngste Stellungnahme der beiden ehemaligen Verfassungsrichter Di Fabio und Papier (durchaus im Einklang mit nicht wenigen Viro- / Epidemiologen), sowohl in der Sache als auch rechtlich einer solchen „Impfpflicht“ gegenüber sehr kritisch bzw. ablehnend, zeigt eine ganz real existierend differenzierte Meinungs- und Haltungslage, die, ganz gleich, wo man (mit seinem je eigenen „Universum“) nun je selber steht oder eben „sich befindet“, auszuhalten sind …

    PS: Gerade gehört – Das Corona-Medikament Paxlovid (ein passend sprechender Name) sei nun in der EU zugelassen und wohl schon entsprechend kontigentiert von der Bundesregierung „bestellt“ …
    Vielleicht trägt das ja ganz praktisch zum letztlich friedlichen (alle Zwingung überflüssig machenden) Ausgleich auch in der „Impfpflicht“-Frage bei …

    1. „Es gibt hier keine „eine“ und „wahre“, wie auch immer für dominierend behauptete „Realität““

      Das meinen Sie jetzt nicht im Ernst, oder? Der Subjektivismus ist eigentlich überwunden und der Solipsismus, den sich in diesen Zeiten so mancher wieder leistet, lediglich ein Gedankenspiel der Philosophie.

      1. Doch, doch, ich meine das so ernst als Sie (vielleicht fehlt mir im Unterschied zu Ihnen eben nur der EINE – oder auch andere – Glaube …) …

        Und wenn wir schon durchaus philosophische Tiefen streifen, kann man ja ’mal ein wenig loten …

  6. @Mehmet Schreiner
    Sie ignorieren Hintergründe. Die angeblichen Spaziergänge werden ganz gezielt und bundesweit nach dem gleichen Schema initiiert. Ziel ist es die Polizei zu schwächen . Es geht nicht um die „Freiheit“, sondern um „Chaos stiften“.

    Hinter den angeblichen Spaziergängen steckt ein Konzept, dass wir schon bei PEGIDA erleben mussten. Es wird ganz bewusst anonym aufgerufen, damit die tatsächlichen politischen Ziele dahinter verborgen bleiben.

    Bei anderen und „normalen“ Demonstrationen gibt es klare Aufrufe und Texte dazu und die Teilnehmer*innen können die Forderungen im Detail nachlesen. Bei den angeblichen Spaziergängen gibt es nicht mal Personen, die sich nach dem Versammlungsrecht verantwortlich erklären und die man dann auch nach den tatsächlichen Hintergründen fragen könnte. Bei den angeblichen Spaziergängen weiß eigentlich niemand genau, wofür sie alle auf die Straße gehen. Tatsächlich aber gibt es überall Organisatoren, die die Kampagne vorantreiben.

    Die angeblichen Spaziergänger verlaufen ja meistens ruhig und bieten kaum Diskussionsfläche für einen Dialog, während es im Internet auf den jeweiligen Foren, in Facebook oder Telegram aber so richtig rabiat und radikal zugeht. Da wird dann schnell klar, wer hinter diesen dezentralen Aktionen steckt.

    Lesen sie mal Zeitung und durchsuchen sie das Netz. Dann werden sie schnell feststellen, dass die AfD, NPD und Reichbürger tüchtig die Werbetrommel rühren und neue Mitglieder mit der Hilfe der angeblichen Spaziergänger rekrutieren. Das gilt auch ganz besonders für die Montagsaktionen in Bergisch Gladbach.

    Die Menschen, die in guten Glauben dabei mitgehen, werden getäuscht und sie werden missbraucht. Trotzdem kann man sie nicht aus ihrer Verantwortung entlassen, denn mit ihrer Unterstützung werden die rechtsextremen Positionen erst hoffähig gemacht.

    Was wir tatsächlich sehen und hören sind rechte Sprüche, Verschwörungsthesen, Wissenschaftsleugner oder Personen, die den Holocaust und die Verbrechen des Faschismus relativieren.

    Wenn sie wirklich ernsthafte Kritik haben, dann formulieren sie den auch ernsthaft, melden eine ordentliche und legale Versammlung an und dann können wir reden.

    Wir stehen ab sofort jeden Montag bei unserer Mahnwache für Corona-Tote und sind bereit zum Dialog. Sie wissen wer wir sind und unsere Mahnwache ist auch legal bei der Polizei und dem Ordnungsamt angezeigt. Wir verstecken uns nicht feige hinter irgendwelchen anonymen Internetkonten!

    Ich unterstütze die „Bergisch Gladbach Erklärung für Demokratie und Zusammenhalt“. HIER ONLINE UNTERSCHREIBEN:
    https://gemeinsamgegencovid19.de

  7. Geboostert, Maske tragend, frage ich mich, wie man sonst seinen Unmut über die aktuellen Maßnahmen mitteilen soll? Hier? In Parteien, alle in eine Richtung laufend?

    Die Politik kommt mir in letzter Zeit wie ein wildgewordener Hühnerhaufen vor.
    Zusätzlich zu den geforderten, tief einschneidenden Wünschen nach einer Impfpflicht.

    Es gehen ein paar rechtsextreme Idioten mit und die Reaktion der Politiker und Medien lässt die Menschen zu Hause bleiben, da man mit dem Schmuddelpack nichts zu tun haben will bzw. als solchen dargestellt werden will.

    So kann man die Mittelschicht gut von der Straße halten. Sehr clever.

    Herr Wuest wird jedenfalls verdutzt auf die Wahlergebnisse schauen, wenn er so weiter macht.

  8. Den „Spaziergängern“ ins Poesiealbum:
    „75 Prozent der Intensivpatienten sind UNGEIMPFT, die übrigen sind nicht geboosterte Patienten über 60 Jahre.“
    Quelle: Dt.Ärzteblatt 4/22 (28.Jan.2022) : Dr. Lang , Krankenhaus Weilheim-Schongau.

  9. @Thomas Santilan
    ….was denn jetzt? Verstecken sie sich feige im Internet oder gehen Sie und sogar für jeden erkennbar, weil ohne Maske, spazieren?

    1. @rued kraus
      Ich verstecke mich nicht vor Rechtsextremisten und ich gehen mit ihnen auch nicht spazieren. … weil ich Demokrat bin!

      In einer freiheitlichen Demokratie muss sich niemand verstecken, wenn er keine bösen Absichten hat oder strafbare Aufrufe verbreitet. Wer den Corona-Schutzmaßnahmen kritisch gegenübersteht kann offen sprechen und er hat auch die Möglichkeit die Mittel eines Rechtsstaats auszuschöpfen und ein Gericht anzurufen. Das geschieht auch überall und die Medien sind voll von kritischen Positionen zu Maßnahmen. Nichts wird verschwiegen und niemand muss Angst um seine Freiheit haben. Der politische Diskurs und ein sachlicher Streit bringt uns voran. Ich habe viele kritische Anmerkungen zu den Maßnahmen und bin selbst hart betroffen. Ich schweige auch nicht und trage sie in aller Deutlichkeit und laut vor und mache auch Alternativorschläge. Manches wird gehört und manches auch nicht, aber ich bin damit nicht allein und auch wenn es andere behauptet „lecke ich nicht den Hintern der Obersten“.

      Diejenigen, die sich feige hinter Internetkonten verstecken, die Bürgermeisterin von Wermelskirchen bedrohen oder andere anonym anrufen, Lügen, falsche Behauptungen und Verschwörungsthesen verbreiten sind die, die unsere Freiheit und Demokratie tatsächlich in Gefahr bringen.

      Ich trage Mund-Nase-Schutz um mich und andere zu schützen. Wenn ich alleine im Wald gehe oder nur wenige Menschen auf der Straße sind, können wir alle auf den Mundschutz und Maske verzichten. Wenn sie aber zu hunderten dicht an dicht gehen, sollten sie nicht nur sich schützen, sondern auch ihre Mitmenschen!

  10. Den Initiatoren der angeblichen Spaziergänge geht es nicht um „Freiheit“ oder das Grundgesetz. Sie höhlen die Gesetze aus und verfolgen ganz andere Ziele. Sie verstecken sich feigen im Internet und hinter dem Wort „Spaziergang“, damit der Eindruck entsteht, es sei nur eine brave bürgerschaftliche Freizeitaktivität. Den Teilnehmer*innen der angeblichen Sparziergänge muss klar sein, dass sie zusammen mit prominenten AfD-Vertretern, Reichsbürger und sogar mit gedungenen Nazis durch die Straßen ziehen. Diese verfolgen ganz andere Ziele, als diejenigen, die nur ihre Kritik an dem Corona-Schutzmaßnahmen zum Ausdruck bringen wollen. Demokraten gehen nicht mit solchen Leuten zusammen angeblich nur spazieren!

    Danke an Herrn Bacmeister für diese ausführliche und gute Darstellung.

    1. Also so wie Linke, DGB etc. immer mit dem schwarzen Block mitlaufen?

      Sie langweilen den geneigten Leser Herr S.

      1. Es gibt einen entscheidenden Unterschied bei den Demonstrationen des DGB, wo auch LINKE, GRÜNE, SPD und die CDA (CDU) mitlaufen. Diese Demonstrationen sind angemeldet und die Initiatoren verstecken sich nicht feigen hinter anonymen Internetkonten. Die Namen der Verantwortlichen sind bekannt und es gibt klare und deutliche Texte, die zu den Versammlungen aufrufen. Dort steht drin wofür die Menschen, die sich der Demonstration anschließen auf die Straße gehen. Klare Aussagen und klare Ziele. Bei den angeblichen Spaziergängen weis eigentlich niemand do richtig für wenn sie da eigentlich auf die Straße gehen. Tatsächlich stecken hinter den angeblichen Spaziergängen Nazis, Reichsbürger und die AfD.

  11. Vielen Dank für diesen offenen Brief! Zur Vertiefung des Themas „Pest“ empfehle ich die gut lesbaren Bücher von Klaus Bergdolt.

  12. @Hans Stark:
    Da wäre dem Hans Stark zuzustimmen.

    Etwas platt gesagt: Wenn ein aus freiem, bewußtem Entschluss „Ungeimpfter” in eine „triage Lage“ käme, würde seine „Rechnung” sozusagen nicht „aufgegangen” sein …

    Noch tragischer erschienen in einem solchen Szenario allerdings die Fälle derer, die dann vor ihm „dran“ wären (entgegen aller Hoffnung, durch ihre Impfentscheidung gar nicht in eine solche Lage zu kommen) …

    Aber bevor man die Zone der letzten Dinge betritt, muss das Augenmerk v.a. auf den Umgang der verschiedenen Positionen mit- und deren Verhältnis zueinander gerichtet bleiben.

    Und hier erscheint mir die im Raum stehend sog. „Impfpflicht“ auch insofern bedenklich, als sie einer (wenn auch manchem wahrscheinlich willkommenen) „Fast-Kriminalisierung“ derjenigen Vorschub leistet, die ihrerseits einfach auf eine Impfung verzichten möchten.

    Auch fürchte ich, dass davon leider keine Befriedung ausginge,
    sondern im Gegenteil damit diversen, emotional ohnehin bereits erhitzt kursierenden Klassifikations- / Exklusions- / Verfolgungs- / Bestrafungsphantasien etc. weiterer Auftrieb gegeben, zudem ein absolut verzichtbares Vollzugschaos angerichtet würde

    – alles ausgehend von dem zwar irrigen, aber gerade in emotionalen Lagen verlockenden Entlastungsreflex, eine an allem „schuldige” Personengruppe ausgemacht zu haben und sich an ihr abzuarbeiten.

    Interessant übrigens, dass neben nicht wenigen Viro- / Epidemiologen u.a. auch zwei ehemalige Verfassungsrichter (Di Fabio und Papier) besagter „Impfpflicht” sowohl in der Sache als auch rechtlich sehr kritisch gegenüberstehen.

    Meine (vielleicht naive) Hoffnung ist trotz allem immer noch, dass es zu einem friedlichen, wechselseitig toleranten Ausgleich zwischen den verschiedenen persönlichen Befindlichkeiten und Haltungen dazu kommt.

    I.d.Z. könnte auch der Vorschlag von @Dieter Richter interessant sein:
    Sollte besagte „Impfpflicht” (nicht zuletzt aus Gründen der einmal in Gang gesetzten Binnenmechanik der Macht) im real funktionierenden Politikapparat mittlerweile „unabwendbar” sein,

    sie dann und eben ohne Strafgeld- / Ersatzhaftbewehrung nach Art einer Richtempfehlung zu fahren, so dass allen Seiten sozusagen psychologisch Genüge getan wäre (und nicht zuletzt Justiz- wie Vollzugsbehörden von den andernfalls mindestens nutzenneutral eintretenden Folgelasten verschont blieben).

    1. „… Ausgleich zwischen den verschiedenen persönlichen Befindlichkeiten …“

      Befindlichkeiten sind Privatsache und besitzen keine argumentative Kraft. Ihr Vorschlag läuft angesichts eines guten Teils der Impfverweigerungs-Klientel auf einen Ausgleich zwischen Realität und Paralleluniversum hinaus, und der ist schlechterdings unmöglich.

  13. Mit einfachen Worten schwierige Sachverhalte möglichst vollständig zu beschreiben ist eine hohe Kunst. Vielen Dank dafür Herr Bacmeister!

    Nach derzeitiger Erkenntnislage gilt der Genesenenstatus nur noch drei Monate. So etwas wie “Herdenimmunität durch Infektion“ zu erreichen, dürfte ihren Nimbus immer mehr verlieren. Als Schutz für Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen dürfen, ist sie auch nicht mehr so einfach denkbar – was übrigens die Virologen sehr bedauern.

    Nach meiner Einschätzung gibt es keine seriösen Argumente mehr gegen das Impfen von nachgewiesen Gesunden. Eine allgemeine Impfpflicht – meinetwegen ohne Sanktionen (Vergleichbar mit der Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen) -, halte ich für praktikabel, allein, um nicht gegen das Recht auf Gleichbehandlung zu verstoßen, wenn Impfungen von Berufsgruppen unvermeidbar werden.

    In einigen Kommentaren wird der Ausschluss von Nichtgeimpften von der Krankenhausbehandlung diskutiert. Mit solchen „Selektionen“ sollten wir sehr sehr vorsichtig sein. Allerdings könnte man den ideologisch geprägten Impfgegnern nahe legen, per Patientenverfügung eine Krankenhausbehandlung abzulehnen. Die Freiheit, seinen eigenen Willen völlig zwanglos zu beurkunden und nicht nur spazieren zu tragen, besitzt schließlich jeder Bürger dieses Landes.

  14. Wenn man Corona der Pest gleichsetzt, ist man natürlich für eine Impfpflicht.
    Aber das sind emotionale Gründe. Mit der Wirklichkeit hat dieses Argument rein gar nichts zu tun.

  15. Mit „Im Zweifel für die Freiheit“ meint Herr Stark möglicherweise die, sich nicht impfen zu lassen. Das könnte gelten, bei genügend Abstand zum Nächsten und mit FFP2-Maske. Die Montag-Marschierer igbnorieren beides, womit sie m.E. wegen diesen Entscheidungen bei vielen Situationen hinten anstehen müssen: Geimpfte Kranke vor Ungeimpften in Krankenhäusern, keinen Zugang zur Gastronomie, zu Kinos, zu sonstigen kulturellen Veranstaltungen, Meldepflicht der Impf-Verweigerung und manches andere mehr, weil eben die FREIHEIT ein hohes aber ebenso begrenztes Gut darstellt, solange man sich nicht alleine auf der Welt bewegt.

    Vielleicht verhilft der wirklich gute Beitrag von Herrn Bacmeister einigen Montagsmarschierer zur Vernunft.

  16. Ich stimme der Aussage zu: “ Wer sich nicht impfen lässt, steht bei einer ev. Triage hinten an.“ Geimpfte reduzieren ihr Risiko im Krankenhaus zu landen. Die Freiheit hat eben meist auch etwas mit Risiko zu tun. Trotzdem : Im Zweifel für die Freiheit!

  17. Getreu dem Motto: Es ist zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von jedem, lieber Herr Bacmeister, ein wirklich guter und mutiger Beitrag in argumentativer Klarheit und Nachvollziehbarkeit und in der persönlichen Positionierung.

    Ob es bei der Entspannung der häufig sachfremden Auseinandersetzung hilft, das wage ich zu bezweifeln, wenn man den Gegnern dieser Position genau zuhört. Das mindert aber nicht den Wert Ihres Beitrages in dieser Diskussion, der ist bereichernd. Herzlichen Dank dafür.

  18. „eine bewusste Entscheidung gegen das Impfen also bei der Triage berück­sichtigt werden darf.“

    Nach diesem Argument gilt das auch für Menschen die durch ihre gewählte Lebensweise zu den Risikogruppen gehören (Rauchen, Übergewicht).

    1. Nein, tun sie nicht. Denn die Krankheiten und Todesfälle, die sich z.B. aus Gründen des Rauchens, Übergewichts (welches auch FOLGE einer Erkrankung sein kann) oder anderem ergeben, treten zeitlich in keiner kritischen Menge auf.

      Anders ist das bei Corona-Kranken und -Toten. Genau das ist ja unser Problem!

      1. Nein, ich meine das Rauchen und Adipositas zu den vermeidbaren Risikofaktoren gehören. Es ist ja eine persönliche Entscheidung nicht mit dem Rauchen aufzuhören oder gesund zu Leben. Das dies Faktoren sind, die einen KH Aufenthalt durch Covid begünstigen ist seit 2 Jahren bekannt.

        Übergewicht mindert nach neuen Studien ja sogar die Wirkung der Impfung. Und ein starker Raucher hat einen besseren Schutz durch die Impfung, aber dennoch ein höheres Risiko. Und beides sind bewusste Entscheidungen.

        Deswegen meine Frage, ob man nach der Logik Ungeimpft=Benachteiligt durch freie Entscheidung. Nicht auch andere Faktoren als benachteiligenden Faktor benennen müsste.

        Das ist nicht meine Meinung, im Gegenteil. Ich finde diese Vorderungen nach Benachteiligung durch irgendeinen Status einfach gefährlich. Wo führt das denn hin.

  19. Ein hervorragender Beitrag, den ich gerne ergänzen möchte:

    „die Freiheit des Einen endet dort, wo die Freiheit des Nächsten beginnt … Deine Freiheit, deine Faust zu schwingen, endet dort, wo meine Nase anfängt“ – ich habe einige Situationen miterlebt, wo Menschen während der Pandemie aus ganz anderen Gründen (Schlaganfall, Krebserkrankung, …) auf medizinische Hilfe angewiesen waren, die manchmal nicht im optimalen Umfang zur Verfügung stand. Und besonders berührt haben mich Situationen, wo schwer erkrankte und auch sterbende Menschen nicht oder nur sehr eingeschränkt Kontakt zu ihren Angehörigen haben konnten.

    Jeder von uns hat die Freiheit, gesundheitliche Vorsorge zu treffen, um die Freiheit „der Nächsten“ auf optimale medizinische Versorgung und Begleitung durch Angehörige so gut wie möglich sicherzustellen.

    Ich wünsche allen Menschen gute Gesundheit, letztendlich wissen wir aber nicht, ob oder wann wir selber mal auf Hilfe angewiesen sind.

  20. Das ist ein ausgesprochen guter Beitrag von Herrn Bacmeister, den ich nur unterstreichen kann.

    Ich hätte ergänzt, dass diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, dann auch die vollen Konsequenzen ihres Handelns tragen sollten. Dazu gehört das Maskentragen im öffentlichen Raum ebenso wie auch die Beteiligung am gesellschaftlichen Leben auf ein Minimum, sprich auf die Grundversorgung zu reduzieren.

    Und es sollte eine häusliche Quarantäne für diese Minderheit angeordnet werden ohne Anspruch auf Lohnfortzahlung.

    Der Tübinger OB Palmer hat gestern Abend eindrucksvoll geschildert, dass die Kontrolle der Impfpflicht durch die Kommunen ohne weiteres und pragmatisch umsetzbar ist.

  21. Es gibt ja den schönen Begriff der „Entspannungspolitik“ …

    In dem Sinne hat Herr Bacmeister, der sich zudem in der Sache klar persönlich positioniert (ich teile dabei nicht alles, respektiere aber den individuellen Standpunkt und v.a. den guten Stil der Argumentation) hier einen sehr begrüßenswerten Beitrag geliefert!

    Denn wenn man nicht von einem „Sieg“ oder „Durchmarsch“ der „einen“ oder „anderen Seite“ ausgeht bzw. davon träumt, dann muss es doch darum gehen, einen zunehmend eskalierenden und immer weiter (eben auch „sachfremd“) „über die Ufer“ tretenden, sagen wir: Interessengegensatz soweit zu entschärfen, dass eben eine letztlich grundlegend „friedliche Koexistenz“ möglich bleibt.

    In dem Zusammenhang ist es unabdingbar, die jeweils eigene und subjektiv verständliche Emotionalität gerade bei diesem Komplex soweit zurückzunehmen, dass die entsprechend je eigene Befindlichkeit sich nicht „eins zu eins“ in absolute Ansprüche an andere verwandelt.
    Gerade weil es hier um sozusagen natürliche, teils auch „getriggerte“ Ur-Emotionalitäten (Angst vor Krankheit und Tod) geht, bedeutet das eine je nachdem persönlich große Anstrengung.

    Entscheidend ist letztlich, dass in diesem Falle Befürworter und Kritiker der sog. „Impfpflicht“ in einen Modus des Diskurses kommen, der eben Entspannung, damit überhaupt Austausch ermöglicht und letztlich zu besagt friedlicher Koexistenz verschiedener Befindlichkeiten führt.

    M.E. hat Herr Bacmeister gerade aus seiner persönlichen und als solcher zu respektierenden Positionierung heraus hier einen öffnenden Schritt getan.

    1. „Entscheidend ist letztlich, dass in diesem Falle Befürworter und Kritiker der sog. „Impfpflicht“ in einen Modus des Diskurses kommen, der eben Entspannung, damit überhaupt Austausch ermöglicht und letztlich zu besagt friedlicher Koexistenz verschiedener Befindlichkeiten führt.“

      Ein verständlicher Wunsch, der aber nur begrenzt erfüllbar ist. So ist es schwierig, rationales Denken einerseits und esoterische Verschwörungserzählungen oder schlichte Desinformation andererseits zu einer friedlichen Koexistenz zu bringen. Das würde immer bedeuten, dass man ein Stück Rationalität aufgibt und damit gegenaufklärerischen Tendenzen Raum lässt.

      1. Die Hardcore Impfbefürworter haben auch irgendwo die Realität aufgegeben. Es gibt ja auch noch Dinge zwischen Esoterik und Rationalität.
        Das wird leider komplett ignoriert. Bzw. die „Rationalität“ und „Wissenschaft“ von der in diesem Portal die Rede ist blendet kritische Faktoren einfach aus, zumindest findet Sie keinen Platz.

        Es ist ja auch nicht wirklich Rational den Corona Virus mit der Pest zu vergleichen. Ohne Behandlung starben immerhin 40-60 Prozent der infizierten. Wenn man bedenkt dass hierzulande die Behandlung erst mit der Einweisung ins Krankenhaus beginnt, ist das doch eine andere Situation.

        Bzw. im Moment ist die Schutzimpfung die einzige Behandlung auf dem Markt welche vor einer Erkrankung und Einweisung im Krankenhaus verfügbar ist. Wie kann das also noch sein, dass nach 2 Jahren Pandemie 4 verschiedene Impftstoffe entwickelt und zugelassen werden, aber kein einziges Medikament! Und dann das Gerede über die Impfpflicht, da ist der Fokus doch komplett falsch.

        Da gibt es so viele Fragen, die für mich unbeantwortet einfach gegen eine Impfpflicht sprechen.

        Außerdem gefährdert der Virus nicht die gesamte Bevölkerung gleich. Ausgenommen der Risikogruppen wird die Krankheit erst ab 50-60 wirklich gefährlich, in der Altersgruppe sollte mit den zögernden Menschen gesprochen werden. Also wirklich gesprochen nicht mit Plakaten und extremen Aussagen, ich glaube viele Menschen würden ganz anders reagieren wenn man in Ruhe mit Ihnen gesprochen hätte, von Anfang an.