Der Ess- und Aufenthaltraum in den Hermann-Löns-Hallen. Als Erstaufnahme gedacht, nicht für die dauerhafte Unterbringung. Foto: Thomas Merkenich

Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine in Bergisch Gladbach steigt nur noch langsam, dennoch wohnen in der Notunterkunft in den Hermann-Löns-Hallen mehr als 100 Kriegsvertriebene für längere Zeit – und auch das Containerdorf in Lückerath ist in der ersten Ausbaustufe so gut wie voll. Die Stadt richtet sich nun auf eine längerfristige Integrations-Aufgabe ein. Ein Überblick, vier Monate nach Kriegsausbruch.

Vier Monate nach dem Überfall Russlands aus der Ukraine ist auch in Bergisch Gladbach die Ankunft von Flüchtlingen noch nicht zum Stoppen gekommen. Obwohl inzwischen erste Menschen in ihre Heimat zurückgekehrt sind ist die Zahl der Kriegsvertriebenen aus der Ukraine innerhalb von vier Wochen um 50 auf jetzt 1171 gestiegen. Das teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage des Bürgerportals mit.

Derzeit seien etwa zwei Drittel der Menschen privat untergebracht, zwischenzeitlich waren es sogar drei Viertel. Ein Drittel versorgt die Stadt mit eigenen Unterkünften – und das sind immerhin noch vierhundert Personen.

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Hinzu kommen 730 Flüchtlinge anderer Nationalitäten, die zum großen Teil schon länger in Bergisch Gladbach sind. Diese Zahl ist in den vergangenen neun Monaten nahezu unverändert geblieben. Ob sich auch Flüchtlinge aus Russland in der Stadt aufhalten ist der Verwaltung nicht bekannt.

Gut 100 Menschen können in den Containern auf dem Carpark-Gelände derzeit wohnen. Foto: Thomas Merkenich

Obwohl die Stadt mit der Containerunterkunft auf dem Carpark-Gelände in Lückerath Ende März eine relativ große Einrichtung mit einem guten Wohnstandard rasch reaktivieren konnte reicht die Kapazität dort nicht aus.

Diese Unterkunft könne in der aktuellen Ausbaustufe 106 Menschen beherbergen; mit 90 Personen ist sie de facto voll. Die Flüchtlinge werden hier in Zwei-Bett- und Familienzimmern untergebracht, daher bleiben immer einige Betten frei.

Die Stadt könnte die Kapazität durch die Sanierung weiterer alter Container zwar um 50 Prozent erhöhen, von konkreten Plänen ist aber keine Rede. Dabei dürfte auch die Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielen: die Nutzung des Geländes per Ausnahmegenehmigung ist auf zwei Jahre begrenzt, danach will die Stadt hier eine Kita errichten.

Das heißt jedoch, dass zur Zeit 109 Ukrainer:innen in den Hermann-Löns-Hallen wohnen, zum Teil über Wochen, bestätigt die Stadt auf Anfrage. Diese ehemalige Lagerhalle der Belkaw war Mitte März zur Erstanlaufstelle umgerüstet worden. Hier können 216 Menschen schlafen – allerdings in Abteilen, die mit dünnen, nach oben offenen Wänden abgeteilt sind und nur wenig Privatsphäre bieten.

Stein: „Auf langfristige Integrationsaufgabe einstellen“

Vorgesehen sei hier nur „ein kurzfristiger Aufenthalt“, erläutert die Stadt, aber zur Zeit müssten die Personen auch länger bleiben. Die Vermittlung in privatem Wohnraum werde zwar „forciert, gestaltet sich in der Abwicklung aber als schwierig“.


Inzwischen ist klarer geworden, dass der Krieg lange dauern könnte und die Flüchtlinge nicht für wenige Wochen, sondern viele Monate und womöglich Jahre nicht in ihre Heimat zurück können. Daher ist es mit einer provisorischen Unterbringung in privaten Haushalten nicht getan, die Stadt sucht gezielt nach „abgeschlossenen Wohnraum“, in dem sich die Menschen für längere Zeit einrichten und selbst versorgen können.

Mehr Infos

…. zur Anmietung von Wohnraum finden Sie in diesem Beitrag. Kontakt per Mail ukraine@stadt-gl.de

Hinweise zur Anmeldung beim Jobcenter, gibt es hier. Das ist Voraussetzung, um finanzielle Hilfe beziehen zu können.

Zum Austausch von Ehrenamtlern und Fachleuten bietet die Stadt ein Helfer:innen-Café an, der nächste Termin findet am 27.6. statt.

Der Fachbereich Jugend und Soziales mietet weitere Unterkünfte an, prüft aber jedes Angebot auf seine Verwendbarkeit. Daher war es in der Vergangenheit zu Wartezeiten gekommen, bis sich die Stadt bei den potenziellen Anbietern melden konnte.

„Die Entwicklung des Ukraine-Krieges hat die Hoffnung vieler Kriegsvertriebener, schnell in die Heimat zurückkehren zu können, leider zunichte gemacht“, sagt Bürgermeister Frank Stein. Die Stadt und die vielen Helfer:innen müssten sich „darauf einstellen, dass wir nicht nur eine kurzfristige Betreuungs- sondern eine langfristige Integrationsaufgabe haben“. Darauf hin werde die Stadt ihre Strukturen und Angebote schrittweise anpassen.

Bürgermeister Frank Stein bei der Vorstellung der Unterkunft in Lückerath. Foto: Thomas Merkenich

Keine Benachteiligung anderer Flüchtlinge

Die Stadtverwaltung tritt der Vermutung entgegen, dass Flüchtlinge aus anderen Kriegsgebieten seit der Ankunft der Menschen aus der Ukraine bei der Unterbringung schlechter gestellt worden seien als zuvor – wie es in anderen Städten zum Teil der Fall war.

Die Unterbringung der rund 730 anderen Flüchtlingen sei stabil, erklärt die Stadt. Da mit auf dem Carpark-Gelände, in den Hermann-Löns-Hallen und in weiteren Unterkünften zusätzliche Kapazitäten geschaffen wurden gebe es keine großen Überschneidungen.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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