Die Schlossgalerie wurde vorn zwei Jahren eröffnet, der Vorplatz provisorisch gepflastert. Für den Umbau der Straße selbst wird jetzt noch eine Bauzeit bis 2026 genannt. Foto: Thomas Merkenich

Die Ausschreibung für die weiteren drei Bauabschnitte der neuen Schlossstraße in Bensberg ist heute veröffentlich worden, mit großer Verzögerung. Der eigentliche Baustart wird damit ein weiteres Mal vertagt, auf das kommende Jahr. Zieldatum für die Fertigstellung ist jetzt 2026 – aber es gibt noch eine große Unsicherheit.

Das Projekt der Umgestaltung der vom Auto geprägten Bensberger Einkaufsmeile zur „Straße der vielen Begegnungen“ kommt nur zäh voran. Nach dem ersten Bauabschnitt, der Fertigstellung der Schlosstreppe und der provisorischen Anlage des Areals rund um die Schlossgalerie, hätte der nächste Bauabschnitt eigentlich schon in diesem Frühjahr beginnen sollen, die Bäume sind dort bereits gefällt worden.

Doch erst jetzt wurde die Ausschreibung fertiggestellt, teilt die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung im Ton einer Erfolgsmeldung mit: „Die vorbereitenden Abstimmungen für den Baustart in der Schloßstraße liefen seit Monaten auf Hochtouren. Am Freitag, den 24. Juni 2022 wurde die Ausschreibung veröffentlicht.“

Die Frist läuft nun bis zum 16. August. Nach der Prüfung der Angebote und dem Ablauf einer Einspruchsfrist der Bieter sei „im Herbst mit der Unterzeichnung des Bauauftrages zu rechnen“. Theoretisch könnten die Bagger dann anrollen, aber damit das „Weihnachtsgeschäft der Händlerinnen und Händler nicht beeinträchtigt“ wird soll der Bau erst im kommenden Jahr beginnen.

Die graue Realität und die Vision der Planer für die Schlossstraße.

Zur Sache: Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes (InHK) wird Bensberg umfangreich umgestaltet, zum größten Teil finanziert aus Mitteln des Landes. Größtes Projekt ist der Umbau der Schlossstraße hin zu einer Fußgänger-zentrierten „Straße der vielen Begegnungen“.

Dabei wird die Straße komplett neu gepflastert, viele Parkplätze fallen weg, der Emilienbrunnen wird versetzt und ein großer Teil der Bäume ersetzt, insgesamt soll es später mal mehr Bäume geben.

Foto: Helga Niekammer

In einem ersten Bauabschnitt waren die große Schlosstreppe gebaut und das Areal rund um die im vor zwei Jahren neu eröffnete Schlossgalerie (früher: Löwenzentrum) neu gestaltet, aber nur provisorisch gepflastert worden. Die Bauabschnitte 2 bis 4 sollen ab 2023 erfolgen, Schrittweise von West nach Ost. Als Datum der Fertigstellung nennt die Stadt jetzt vage „bis 2026“.

Wird es ein wirtschaftliches Angebot geben?

Allerdings gibt es da noch einige Unsicherheiten: Angesichts der überhitzten Baukonjunktur und den Versorgungsproblemen auf dem Baustoffmarkt ist es nicht sicher, ob sich überhaupt ein Unternehmen findet, das ein entsprechendes Angebot abgibt – und ob der Ausschreibungssieger dann auch kurzfristig freie Kapazitäten hat.

Für die Verzögerung der Ausschreibung nennt die Stadt zwei Gründe: Erstens musste auf einen vorgeschriebenen Überflutungsnachweis länger gewartet werden, als geplant. Nach dem Hochwasser im Sommer 2021 sei es schwierig gewesen, ein geeignetes Büro zu finden.

Zudem gab es Probleme mit der zwei Vorgaben des Stadtrats: der hatte sich für eine Pflasterung aus Naturstein entschieden – und zugleich festgelegt, dass er aus Europa stammen müsse, um Kinderarbeit oder andere unfaire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung zu vermeiden.

Dann hatte sich herausgestellt, dass diese Einschränkung rechtlich nicht zulässig ist und international ausgeschrieben werden muss. Das führte wiederum dazu, dass für den womöglich längeren Transportweg der Steine eine Co2-Kompensation eingeplant werden musste.

Im Bereich bis zur Nikolausstraße sind schon alle Bäume gefallen. Foto: Thomas Merkenich

Vorarbeiten im westlichen Teil im Sommer

Auch wenn der eigentlich Baustart wieder in die Ferne rückt soll die Schlossstraße schon im Sommer aufgerissen werden, teilt die Stadt mit. Im westlichen Bereich zwischen Gladbacher Straße und Nikolausstraße (Hausnummern 1 bis 16) werde die RheinEnergie schon einmal Leitungen und Hausanschlüsse verlegen bzw. erneuern. Dort waren bereits im Frühjahr alle Bäume gefällt worden.

Diese Arbeiten könnten, wie bereits eine erste Etappe am östlichen Ende der Schlossstraße, nicht in einem Zug mit den eigentlichen Bauarbeiten erledigt werden, sagt die Stadtverwaltung. Denn das würde zu gegenseitigen Behinderungen und weiteren Verzögerungen führen.

Details zu diesen Arbeiten und den genauen Bauablauf liegen noch nicht fest, darüber werde man die Betroffenen vor Ort später informieren. Auch diese Arbeiten sollen so terminiert werden, dass sie nicht mit dem Weihnachtsgeschäft kollidieren.

Einen Überblick über das Geschehen gibt die Stadt auch in ihrem Bautagebuch.

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

7 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Der „Umbau der Bensberger Schloßstraße“ ist als Jahrhundert-(/Jahrtausend-)Projekt wohl bloß noch vergleichbar mit dem Bau der Pyramiden, der Akropolis oder des Kölschen Doms …

    Wobei bei diesen drei Beispielen die Nachwelt immerhin noch heute beeindruckt vor den Resultaten steht …

    Aber wenigstens sind die Bäume schon einmal weg (braucht ja eh’ kein Mensch);

    jetzt heißt es für alle (natürlich ebenso ahnungs- wie v.a. fassungslosen) Beobachter,
    den weiteren Fortgang dieser Dramödie zwischen unbedingten Sichtachsen- und gut besonnten Betonfeld-Träumen postneroischer Planer, verwaltungstechnisch (vorbaulich) anspruchsvollen Dauerpolonaisen sowie unterdessen absehbar diversen logistischen Schwierigkeiten (das Ganze sicher auch wieder nachgewürzt mit einschlägigen Mehr-Parkplatz-Forderungen) zu ertragen …

    Aber angesichts allen übrigen Chaos‘ auf größerer Bühne scheint das auf hiesig üblich illustre Art fast schon weltvergessen „idyllisch” und wird sich in den wahrscheinlich zu erwartenden „Substanzbeben“ umfassender Art m.o.w. „verspielen“ …

  2. „Dominik“, zu feige, sich öffentlich zu machen, wirft der Redaktion vor, beleidigend zu sein. Da muss schon mal ein starkes Wort her, um Schreiberlinge abzuhalten, den anderen Lesern dieses Portals selbiges zu verleiden.

  3. Einen guten Tag,
    die bedauerliche Verschiebung der Schlossstraßen-Sanierung hat meiner Meinung nach ganz viel mit dem Weggang des Stadtplaners Wolfgang Honecker zu tun. Dieser Mann hatte in der Umgestaltung Bensbergs im Rahmen des Integrierten Handlungskonzepts den absoluten Durchblick und hielt wichtige Fäden in der Hand. Solche Menschen brauchen eine gute Portion Freiheit und Eigenständigkeit im Handeln.

    Es ist zu bedauern, dass Herr Honecker seinen Job geschmissen hat. Er hatte sicherlicher gute Gründe für diesen Schritt.
    Josef Schlösser (CDU)

  4. „aber Sie haben keine Ahnung.“. Solche Kommentare sollte eine (neutrale) Redaktion unterlassen. Durch solche, tendenziell beleidigende Aussagen gegenüber Lesern, die lediglich die mangelnde Kompetenz der Verwaltung und Politik darstellen sollen, kann man auch sehr schnell seinen Ruf als journalistische Plattform ruinieren. Sie können überhaupt nicht beurteilen ob ich Fachkenntnisse habe oder nicht.
    Ich habe aufgezeigt das diese Stadtverwaltung/ Politik schon bei den einfachsten Verkehrsmaßnahmen überfordert ist. Das sehen ganz viele Bürger und auch Fachleute so. Das ist aus meiner Sicht auch durch den Vorgang „Schildgen“, Schlossstraße usw. erkennbar.
    Ich habe eher den Eindruck das Sie durch Ihre aggressive Positionierung bei der Verwaltungsspitze noch mehr lieb Kind machen wollen. Inhaltlich ist das nicht begründbar und entspricht damit nicht einer seriösen journalistischen Vorgenweise.

  5. Stein und Konsorten – was für ein Trupp……
    Wer fast 2 Jahre für die Öffnung einer Einbahnstraße für Radfahrer in Gegenrichtung benötigt (Laurentiusstraße), der wird erst recht am Umbau einer kleinen Einkaufsstraße scheitern. Mir sagte ein befreundeter Verkehrsingenieur, dass Mitarbeiter in seinem Team solche Beschilderungs- und Markierungsmaßnahmen an einem Vormittag detailiert festlegen, abends sind die Texte zu Papier gebracht. Am nächsten Tag abends hat der Techniker die Pläne zu den Markierungen fertig. Dann gäbe es eine Mitteilung an die Politik (die das bereits vorher beschlossen hatte) und fertig. Vergabe wäre mit Angebotsbeiziehung möglich, eine gute Firma schafft die Beschilderung an einem Tag, dazu zwei bis drei Tage für die Markierungsarbeiten. Stein und Konsorten werkeln da seit zwei Jahren mit rum, haben 8.000 Euro für ein mittelmäßiges Planerbüro ausgegeben, dazu tausende Euro für einen Moderator einer Öffentlichkeitsveranstaltung, weitere sollen folgen. Und das Ganze ist Stand heute stümperhaft ausgeführt, fehlerhaft, schlecht. Und dennoch macht man weiter, beim Team GL….
    Und vergesst Euere Fahrradstraße. Ein Straße mit anliegenden Geschäften, Praxen. Dienstleistern kann man nicht „nur für Anlieger“ freigeben, alle sind Anlieger oder aber können es vorgeben. Einfach so lassen wie sie jetzt ist, dazu die vielen Mängel beseitigen und gut ist. Aber in Gl….

    1. Sehr geehrter „Dominik“, bei allem Respekt vor unseren Lesern – aber Sie haben keine Ahnung. Sind Sie in ihrem Leben schon mal in Bensberg gewesen, haben Sie die Debatte verfolgt? Hier geht es nicht um Beschilderungs- und Markierungsmaßnahmen.