Mit zusätzlichen Ausgaben in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro rechnet die Stadt Bergisch Gladbach bereits in diesem Jahr, ein Notfallplan ist in Vorbereitung, erste Einsparmaßnahmen beim relativ hohen Energieverbrauch soll der Stadtrat Ende August beraten. Wir machen vorab eine Bestandsaufnahme.

Rund 15 Millionen Kilowattstunden an Strom verbraucht die Stadt Bergisch Gladbach pro Jahr, beim Gas sind es 31 Millionen. Und dabei sind die drei Bäder und die GL Service gGmbH noch gar nicht mitgerechnet.

Kein Wunder also, dass die steigenden Energiepreise auf den Haushalt durchschlagen: mit Mehrkosten in Höhe von sieben, acht oder auch neun Millionen Euro sei zu rechnen, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Und das, obwohl sie langfristige Lieferverträge über in der Regel zwei bis drei Jahre abschließt

Hinzu kommt eine sehr hohe Abhängigkeit vom Gas. Der Druck, rasch Sparpotentiale zu finden und auch umzusetzen, ist entsprechend hoch. Dem Stadtrat werden in seiner nächsten Sitzung am 30. August erste Maßnahmen vorgelegt, kündigt die Verwaltung an.

Viel oder wenig? Ob der Energieverbrauch in GL relativ hoch ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Aber es gibt Anhaltspunkte. Hannover hat Zahlen vorgelegt und ein Einsparziel von 15 Prozent verkündet. Hannover ist fünfmal so groß wie Bergisch Gladbach.

Die Stadtverwaltung dort verbraucht aber nur knapp dreimal soviel Strom wie GL. Bei Erdgas liegt der Faktor bei 4,5, hier fällt Bergisch Gladbach also nicht so weit zurück.

Allerdings: Hannover betreibt Kitas selbst, Bergisch Gladbach nicht. Dafür sind hier viele Schulen und Bürogebäude schlecht isoliert. Und so wird es weitere Parameter geben, die einen exakten Vergleich verhindern.

Dabei ist die Stadt Bergisch Gladbach fast vollständig auf Energielieferungen von außen angewiesen. Zwar produzieren zwei Blockheizkraftwerke im Klärwerk Beningsfeld aus dem Klärgas Strom und etwas Nahwärme, aber das wird gleich vor Ort verbraucht. Solar- oder Windanlagen gibt es auf städtischen Gebäude bislang nicht in nennenswerter Größe.

Foto: Thomas Merkenich

Zu 90 Prozent abhängig vom Gas

Über 90 Prozent des Bedarfs der Stadt für Wärme werden mit Erdgas produziert. Darüberhinaus weist der städtische Energiemix nur kleine Mengen an Heizöl und Klärgas aus.

Diese Abhängigkeit der öffentlichen Einrichtungen vom Gas könnte bei Lieferengpässen gefährlich werden. Die Frage, ob die Beheizung von Schulen und Verwaltungsgebäuden im Winter gesichert sei, beantwortet die Stadt zwar mit „Ja“. Aber nur unter der Bedingung, dass „genügend Erdgas mit ausreichendem Druck fließt“.

In welchen Bereichen es im Fall der Fälle zuerst Einschränkungen geben würde, lässt die Stadt offen. Aber ein Notfallplan sei in Arbeit.

Die alten Stadthäuser am Markt sind nicht mehr zu sanieren, die Verwaltung will in das AOK-Gebäude umziehen

Große Einsparpotenziale, die rasch zu heben wären, sind nicht erkennbar. Andere Städte haben zwar schon das warme Wasser in Stadthäusern und Turnhallen abgestellt und die Beleuchtung öffentlicher Gebäude ausgeschaltet – aber die Einsparungen sind marginal.

Im Winter könnten die Heizungen runtergedreht werden. Das wird jedoch in Schulen und Büros, die wegen Corona regelmäßig gelüftet werden müssen, problematisch. Für die Beschäftigten wäre die Arbeit im Home Office eine Option, für die Schüler:innen nicht (schon wieder).

Die Stadtbücherei am Forum verschlingt viele Energie. Eigentlich sollte sie in ein neues Stadthaus umziehen, der Plan ist allerdings geplatzt.. Foto: Thomas Merkenich

Energetische Sanierungen brauchen Zeit

Zudem hat die Stadt einige Sparoptionen bereits umgesetzt: alle Ampelanlagen und die Straßenbeleuchtung sind auf sparsame LED-Leuchten umgestellt worden. Einige Sporthallen und das Rathaus Bensberg wurden energetisch saniert.

Ähnliche Investitionen in die längst abgeschriebenen Stadthäuser, in die Stadtbücherei oder in die maroden Schulen erscheinen kaum sinnvoll. Erst der Neubau oder Umzug in neue Gebäude könnten hier Abhilfe schaffen.

Die Erzeugung von erneuerbarer Energie, etwas durch Photovoltaik-Anlagen auf allen städtischen Dächern soll ein wichtiger Baustein des Klimaschutzkonzeptes werden – aber auch das geht nicht kurzfristig.

Die Außenanlagen des Kombibads Paffrath sind 2020 saniert worden.

Schwimmbäder drosseln die Temperatur

Eine wichtige Rolle spielen die städtischen Bäder: das Milchbornbad, das Hans-Zanders-Bad und das Kombibad verbrauchen zusätzlich rund eine Million Kilowattstunden Strom und über fünf Millionen KWh Gas pro Jahr.

Für dieses Jahr rechnet die Bädergesellschaft, eine Tochter der Stadt, mit rund 20 Prozent höheren Ausgaben für Energie, in 2023 könnten noch einmal zehn Prozent oder mehr hinzukommen.

Auch die Bädergesellschaft verweist darauf, viel Geld in einen sparsamen Energieverbrauch investiert zu haben. Alleine die im Kombibad installierte Abdeckung spare jährlich fast 750.000 kWh Gas ein. Eine gerade in Auftrag gegebene Optimierung der Steuerungselektronik verspreche eine Minus von 100.000 kWh/a beim Strom.

Vor allem aber heizt die Bädergesellschaft das Badewasser nicht mehr so stark auf: um durchschnittlich zwei bis drei Grad sei die Temperatur reduziert worden; alleine damit könnten laut Experten bis zu 25 Prozent der Energie eingespart werden. Auch die Beleuchtung der Bäder soll geprüft werden.

Empfehlungen an die Bürger:innen

Wie hoch der Energieverbrauch der privaten Haushalte und der Unternehmen in Bergisch Gladbach ist, darüber hat die Stadt keine Informationen. Hier liegt es ohnehin in der Entscheidung der Betroffenen – aber die rasant steigenden Preise sorgen schon von alleine für Veränderungsdruck.

Dafür hat nicht zuletzt die Belkaw gesorgt, die eine Verdopplung der Gaspreise zum Oktober angekündigt hat. Gleichzeitig will sie – anstatt einen Hilfefonds aufzulegen – die Kund:innen intensiv über individuelle Sparmaßnahmen beraten.

Diesen Weg will auch die Stadt gehen: „in zeitlicher Nähe“ zur nächsten Ratssitzung wolle die Verwaltung Empfehlungen veröffentlichen.


Falls Sie solange nicht warten wollen: Umfangreiche Energiespartipps haben auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz oder die Verbraucherzentrale.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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15 Kommentare

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  1. Ist es vielleicht eine Option, in den Abend- und Nachtstunden die ein oder andere der zahlreichen Ampeln auszuschalten? Meines Erachtens haben wir ohnehin seit Jahren versäumt, den Verkehr anderweitig (ohne Ampeln) zu organisieren.

  2. ‚Zitat‘ Laut Stadtverwaltung wurden alle Straßenlaternen umgerüstet, bei den Ampelanlagen wurde damit 2008 begonnen, allerdings „sukzessive“, bislang ist die Umstellung nicht abgeschlossen.
    Herrlich auf was für einen Zeit – Horizont man sich einstellen muss bis ein Vorgang abgeschlossen ist. 14 Jahre und kein Ende in Sicht.

  3. „In zeitlicher Nähe zur nächsten Ratssitzung“ will die Stadt diskutieren, welche individuelle Sparmaßnahmen sie der Bevölkerung vorschlagen will. Seit Monaten wissen die meisten Menschen in Deutschland, dass es erhebliche Änderungen in Bezug auf Energie-Rechnungen geben wird. Seit etlichen Wochen drohen alle Energie-Lieferanten mit hohen zusätzlichen Kosten. Die Bevölkerung beginnt zu sparen, Wärmepumpen sind aus verschiedenen Gründen erst nach Monaten lieferbar, mit neuen Heizungen verhält es sich ähnlich.

    Wir alle wissen also, dass finanziell böse Zeiten auf uns zukommen. Nur die Politik in GL will erst Ende August befinden, was sie den Menschen raten soll. Dabei wird nun auch klar, wie gering die Sparmöglichkeiten der Stadt selbst sind. Marode Schulen und Stadthäuser, veraltete Ampelanlagen, bisher kaum über Energie-Verbrauch nachgedacht, falls das Beispiel Hannover kein Einzelfall ist. Wie an allen möglichen anderen Enden, was Planung, Struktur und vorausschauendes Handeln anbelngt muss man der Stadt auch beim Thema Energie eine schlechte Note ausstellen.

    1. Eine Verwaltung kann erst dann handeln, wenn sie eine sichere Rechtsgrundlage dafür hat. Dass die sich verzögert, kann man wohl kaum der Stadt anlasten.

  4. In meiner Arbeit an unterschiedlichen Schulen musste ich, gerade im Herbst/Frühjahr feststellen, dass dort Heizkörper eingeschaltet waren, obgleich dies, aufgrund der Außentemperaturen gar nicht mehr/noch nicht nötig gewesen wäre. Auf Rücksprache mit den LehrerInnen oder dem Hausmeister bekam ich immer die gleiche Antwort: Das sei zentral gesteuert und das könne man nicht ändern, denn das richtet sich nach dem Datum, nicht nach der Außentemperatur.
    Wenn das tatsächlich an vielen Schulen der Fall ist, sollte hier schnellstmöglich umgerüstet werden, was günstiger sein dürfte, als unnötiges Heizen.

  5. Seit wann sind denn alle Ampelanlagen auf LED umgerüstet worden? Die Mehrheit der Anlagen wurde zwar in den letzten Jahren umgerüstet, aber es gibt immer noch einige Anlagen mit Glühlampen (z. B. in den Stadtteilen Bensberg und Sand).

    1. Das hatten wir nachlässig formuliert. Laut Stadtverwaltung wurden alle Straßenlaternen umgerüstet, bei den Ampelanlagen wurde damit 2008 begonnen, allerdings „sukzessive“, bislang ist die Umstellung nicht abgeschlossen.

  6. [Es schreibt der Mensch, der dieses Pseudonym seit mehreren Jahren nutzt und dessen Name der Redaktion vorliegt…]

    Augenscheinlich gibt es viel zu tun. Der Energiebedarf ist groß, wir leben in einer – im Durchschnitt – wohlhabenden Stadt. Wo sind die Ideen für Bürgerbeteiligungen an Photovoltaikanlagen und Solarthermischen-Anlagen auf öffentlichen Gebäuden? Manch einer hat Geld, die Gemeinschaft die Dächer und Flächen…

    Wir haben eine städtische Ampel-„Regierung“ mit Menschen, die mindestens Ökologie und Ökonomie verbinden könnten. Wir haben viele Einwohner, deren Konten voll sind. Etwas Kreativität und man könnte sinnvolles miteinander verbinden.

  7. Was ist los mit der Qualität des Bürgerportals? So viele inhaltliche Fehler wo anscheinend die Autokorrektur komplett falsche Wörter eingesetzt hat. Bedeutung anstatt Beleuchtung ist nur ein Beispiel.
    Und diese Ersparnis erscheint mir utopisch:

    „Alleine durch die im Kombibad installierte Abdeckung spare jährlich fast 750.000 kW/h Gas ein“

    1. Danke für den Hinweis auf die Autokorrektur, ist behoben. Inhaltliche Fehler können wir allerdings nicht entdecken.

    2. Ein sachdienlicher Hinweis zum Inhalt: gemeint sind sicher 750.000 kWh (den Bezug auf das Jahr kann man sich erschließen) oder 750.000 kWh/a oder auch allgemeinverständlicher umformuliert 750.000 kWh pro Jahr.

      1. Korrekt. Aber das steht da ja auch: „spare jährlich fast 750.000 kW/h Gas ein“. Jährlich = pro Jahr = /a

      2. Nunja, der „geteilt durch Strich“ sollte entfernt werden. Die Einheit kWh bezeichnet eine Energie. Die Einheit kW/h hingegen würde so etwas wie eine zeitliche Änderung der Leistung bezeichnen. Sei es drum, es ist strenggenommen nur ein Tippfehler und kein inhaltlicher Fehler.