Franziska Hock leitet die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Foto: Thomas Merkenich

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Newsletter-Leser Endre möchte wissen: „Wie erklärt man dem Kind, dass die Eltern sich trennen?“ Eine Frage, die Franziska Hock als Ehe-, Familien- und Lebensberaterin gut kennt. Sie gibt eine konkrete Anleitung – von der Vereinbarung eines Gesprächtermins über die richtigen (und die falschen) Worte bis hin zur Zeit nach dem Gespräch.

Wenn Eltern sich trennen, ist das immer eine schwierige Situation – auf mehreren Ebenen. Eine davon ist die, es dem Kind mitzuteilen. Viele würden das wahrscheinlich gern hinauszögern, weil sie sich davor fürchten, ihrem Kind wehzutun. Doch Kinder haben feine Antennen. Sie spüren, wenn zwischen den Eltern etwas nicht stimmt. Daher ist es wichtig, zeitnah mit dem Kind zu sprechen. So lernt es nämlich auch, dass es seinem Gefühl vertrauen kann.

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Wie Sie es dem Kind sagen, hängt natürlich von dessen Alter ab. Allerdings gibt es ein paar Grundregeln, an denen sich alle Eltern orientieren können:

  • Das Gespräch sollte nicht zwischen Tür und Angel geführt werden. Am besten vereinbaren beide Eltern zusammen mit dem Kind einen Termin, zum Beispiel so: „Am Sonntag nach dem Frühstück möchten wir dir noch etwas mitteilen.“
  • Bereiten Sie sich zusammen auf das Gespräch vor und einigen sich darauf, was Sie dem Kind genau sagen.
  • Sie sollten das Gespräch auch gemeinsam führen. Das signalisiert dem Kind, dass trotz der Trennung beide Eltern für ihn oder sie da sind.
  • Kommen Sie direkt zum Punkt: „Vielleicht hast du in letzter Zeit gemerkt, dass Mama und Papa sich nicht so gut verstanden und häufiger gestritten haben. Darum haben wir beschlossen, uns zu trennen“.
  • Wichtig ist es, dem Kind mitzuteilen, dass man sich als Paar trennt, nicht aber als Eltern. Hier helfen Sätze wie: „Wir werden als Eltern immer für dich da sein. Du wirst nach wie vor zu Mama und Papa Kontakt haben. Du musst dich nicht zwischen uns entscheiden, denn wir sind und bleiben deine Eltern“. Das sind sehr zentrale Botschaften. Botschaften, die das Kind auch nach dem Gespräch immer wieder hören kann!
  • Sprechen Sie auch über das, was jetzt kommt, was sich verändern wird, wer wo hinzieht, wie der Alltag aussehen wird. Teilen Sie dem Kind außerdem mit, was gleich bleiben wird. Das vermittelt ihm Sicherheit und Orientierung. Es zeigt dem Kind, dass sie gemeinsam als Eltern einen Plan haben. Seien sie hierbei ehrlich, versprechen sie nur Dinge, die sie auch einhalten können.
  • Anschuldigungen und genaue Gründe für die Trennung gehören nicht in das Gespräch, das sind Themen auf der Paar-Ebene. Wenn größere Kinder danach fragen, kann man eventuell später mit ihnen darüber sprechen. Paar-Konflikte hinten anzustellen fordert Paare sehr heraus, da Trennungen oft mit unguten Gefühlen einhergehen. Diese gilt es für das Kind hintenanzustellen und für sich zu bearbeiten (z.B. indem man mit Freunden redet oder in eine Beratung geht).

Es gibt keine „gute“ Art, wie das Kind auf diese Nachricht reagiert. Jedes Kinder verarbeitet solche Informationen anders. Akzeptieren Sie daher jede Reaktion: Möchte das Kind für sich alleine im Zimmer sein, ist das genauso ok wie wenn es erst einmal zu Freunden geht.

Sie werden merken, dass ein einmaliges Gespräch nicht ausreicht. Fragen Sie immer wieder nach, wie es dem Kind geht, lassen Sie seinen Gefühlen Raum. Vielleicht hat es Fragen oder Ängste? Wenn das Kind merkt, dass seine Gefühle ausgehalten werden, dass Sie beide nach wie vor für das Kind da sind, dann wird es wieder Vertrauen finden.

Und nicht vergessen: Sagen Sie dem Kind immer wieder, dass es keine Schuld an der Trennung hat, dass Sie es genauso lieb haben wie davor, und dass sie immer beide für das Kind da sein werden!


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

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Franziska Hock

leitet seit 2021 die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bergisch Gladbach. Nach der Ausbildung zur Krankenschwester studierte sie „Soziale Arbeit“ und schloss einen Master of Counseling in Ehe-, Familien- und Lebensberatung ab. Eine Ausbildung zur systemischen Familientherapeutin ergänzt...

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