Die eine Lösung, wie man als Eltern damit umgeht, wenn das Kind ständig krank wird, gibt es nicht. Die Systemische Therapeutin Josefine Jung empfiehlt, schon im Vorfeld klare Absprachen zu treffen. Außerdem sprechen wir mit ihr über das schlechte Gewissen, wenn man sich schon wieder kinderkrank melden muss – und wie man sich besser auf die ständigen, unfreiwilligen Planänderungen einlassen kann.

Wie organisiert man sich am besten, wenn beide Eltern erwerbstätig sind und das Kind krank wird?
Josefine Jung: Zunächst einmal ist es ein Idealzustand, dass zwei Elternteile da sind und die Betreuung eines kranken Kindes gemeinsam organisieren können. Wer in dieser glücklichen Lage ist, dem empfehle ich, schon vorab klare Absprachen zu treffen, wie man es handhaben will, wenn das Kind krank wird, und nicht erst im Akutfall.

Wie könnte eine solche Absprache aussehen?
Das hängt von vielen Faktoren ab und ist daher sehr individuell: Wie ist das Rollenverständnis der Elternteile? Wer fühlt sich für was verantwortlich? Wer hat gerade welche Karriereambitionen? Diese Punkte sollten in die Besprechung mit einfließen.

Eine Möglichkeit ist dann zum Beispiel, die Wochentage fest zu verteilen: Montag bis Mittwoch bin ich zuständig, falls das Kind krank wird, Donnerstag und Freitag bist du dran. Man kann aber auch von Woche zu Woche gucken, wer welche Termine hat und wer wann übernehmen könnte.

Wenn es sich gar nicht vereinbaren lässt oder man das Gefühl hat, in eine Schieflage zu geraten, kann man auch gemeinsam überlegen, ob man sich externe Unterstützung holen kann.

Wer kommt da zum Beispiel in Frage?
Ein Babysitter, eine Au-Pair. Man kann sich mit anderen Eltern zusammenschließen und eine Reihum-Betreuung organisieren. Wenn das Kind nicht gerade ansteckend ist, sondern vielleicht aus anderen Gründen nicht zur Kita kann, sind auch Leih-Omas und -Opas ein schönes Konzept.

Josefine Jung hat Business Psychology studiert und eine Ausbildung zur systemischen Beraterin und Therapeutin/ Familientherapeutin absolviert. Sie arbeitete in der Personal- und Organisationsentwicklung verschiedener Unternehmen sowie in der Psychologischen Beratungsstelle für Ehe-, Lebens- und Erziehungsfragen Leverkusen. Seit 2019 hat sie eine eigene Coaching- und Beratungspraxis in Bergisch Gladbach. Foto: privat

So oder so werden Eltern nicht darum herumkommen, immer wieder in der Arbeit auszufallen. Wie geht man mit dem schlechten Gewissen um?
Da würde ich zuerst fragen: Kommt das schlechte Gewissen von außen? Beschweren sich die Kollegen oder die Chefin? Dann muss ich im Außen versuchen, etwas zu ändern: durch ein Gespräch mit der Chefin, oder im schlimmsten Fall durch einen Jobwechsel, wenn mir gar kein Verständnis entgegengebracht wird.

Oft kommen die Schuldgefühle aber aus einem selbst. Viele Menschen tragen tiefsitzende Glaubenssätze in sich wie „Ich muss mich anstrengen“, „Ich muss perfekt sein“. Wenn man das für sich feststellt, sollte man sich damit auseinandersetzen, warum das so ist.

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Ein weiterer Stressfaktor ist für viele Eltern, dass das Leben kaum planbar ist, weil gefühlt ständig etwas dazwischenkommt.
Das Leben mit Kind ist tatsächlich deutlich weniger planbar, als man das von früher kennt und als man sich das je vorstellen konnte. Das ist eine Fremdbestimmtheit, auf die man sich erst einmal einlassen muss. Ich habe viele Klienten, die sich damit schwertun.

Ihnen rate ich, sich zu fragen: Was kann ich noch kontrollieren? Welche Möglichkeiten habe ich, dass der Tag trotzdem schön wird, obwohl er anders läuft als geplant?

Dafür kann man sich, auch schon im Vorfeld, fünf Dinge aufschreiben, die man tun kann, wenn das Kind krank ist: auf dem Sofa kuscheln, zusammen ein Hörspiel hören; als Elternteil abends, wenn das Kind schläft, in der Badewanne entspannen. Kleine Sachen, mit denen man den Tag ein bisschen schöner gestaltet.

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Laura Geyer

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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