Kristina Menninghaus ist Therapeutin für Kinder und Jugendliche. Foto: Thomas Merkenich

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Gegen Ende des dritten Lebensjahres fangen Kinder an, in kleinen Gruppen miteinander zu spielen. Dabei kann es passieren, dass ein Kind ein anderes haut, beißt oder kratzt. Auch die Eltern erwischt es manchmal. Die Kinder- und Jugendlichentherapeutin Kristina Menninghaus sagt: Es ist normal, dass Kinder in dem Alter Unterstützung von Erwachsenen brauchen, um Konflikte gewaltfrei zu lösen. Sie erklärt, warum das so ist – und zeigt Wege auf, wie Eltern damit umgehen können.

Kinder im Kindergartenalter befinden sich in einer rasanten Entwicklung, in der sich die sozialen, emotionalen und kognitiven Kompetenzen schnell weiterbilden. Gegen Ende des dritten Lebensjahres beginnen Kinder vermehrt in kleinen Gruppen miteinander zu spielen anstatt, wie zuvor, nebeneinander.

Am häufigsten bilden sie in diesem Alter Gruppen von drei bis sechs Teilnehmer:innen. Darin gibt es gemeinsame Zielsetzungen oder ein gemeinsames Spielthema. Das ist ein großer Schritt, der prägend für die weitere Entwicklung der Kinder ist, der aber auch mit inneren und äußeren Konflikten einhergeht.

Diese sollte Eltern ihre Kinder erst einmal ohne Hilfe lösen lassen. Wenn Bezugspersonen zu schnell eingreifen, hemmt das die Autonomieentwicklung der Kinder und die selbstregulierende Kraft der Gruppe. 

Das Kind liebevoll begrenzen

Dabei kann es aber auch passieren, dass ein Kind ein anderes schlägt, haut, beißt oder kneift – um seine Bedürfnisse, Gefühle oder Interessen zu äußern und durchzusetzen. Dann ist es wichtig, das Kind liebevoll konsequent zu begrenzen und zu beruhigen, mit ihm ins Gespräch zu kommen über das, was geschehen ist, und ihm Alternativen aufzuzeigen.

Warum hat das Kind dem anderen Kind weh getan? Was ist passiert? Was glaubt das Kind, wie sich das andere Kind fühlt? Was gibt es für andere Möglichkeiten, die eigenen Bedürfnisse oder Interessen zu äußern statt dem anderen Kind weh zu tun?

So kann das Kind nach und nach lernen, auf innere Spannungen nicht direkt aus dem Affekt heraus zu handeln, sondern darüber zu sprechen und Konflikte auszuhandeln.

Hinweis der Redaktion: Diese Kolumne erscheint regelmäßig im Familien-Newsletter von Laura Geyer des Bürgerportals. Hier können ihr euch anmelden, wenn ihr nichts verpassen wollt, „was Familien in GL wissen müssen“.

Reden statt wehtun

Mögliche Alternativen dazu, einem anderen Kind wehzutun, können sein:

  • sich abgrenzen, wenn man etwas nicht möchte: „Stopp“, „Hör auf“, „Ich will das nicht“ sagen.
  • sein Bedürfnis äußern: „Können wir etwas anderes spielen?“ „Kann ich das Spielzeug auch mal haben?“ „Können wir uns abwechseln?“
    Hier können die Bezugspersonen mit einer Eieruhr helfen: Erst darf das eine Kind das Spielzeug fünf Minuten haben, dann das andere Kind.
  • sein Gefühl äußern: „Ich fühle mich wütend, wenn du immer bestimmst, was wir spielen.“ „Ich bin neidisch, weil du das Spielzeug hast, das ich auch so toll finde“ oder „weil du zuerst ein Stück Apfel bekommen hast.“
    Hierbei brauchen Kinder häufig Unterstützung bei der Zuordnung ihrer Gefühle. Die Bezugspersonen können Gefühle vorschlagen, die sie bei dem Kind vermuten, etwa so: „Ich könnte mir vorstellen, dass du gerade ärgerlich bist, weil du das Spielzeug auch gerne haben möchtest.“

Darüber hinaus sollten die Bezugspersonen das Kind immer wieder ermutigen, sich Hilfe bei einer erwachsenen Vertrauensperson zu holen, wenn sie sich unwohl fühlen oder merken, dass sie einen Konflikt nicht alleine lösen können.

Wenn es die Eltern erwischt

Es kann auch vorkommen, dass ein Kind Erwachsenen wehtut – vor allem den primären Bezugspersonen. Das kann ein Versuch sein, Gebote, Verbote und Grenzen zu überprüfen. Hat das Kind zum Beispiel in der Kita gelernt, dass man nicht schlagen darf, möchte es überprüfen, ob diese Regel auch zu Hause gilt. In diesem Fall gilt es ebenso, wie oben beschrieben, mit dem Kind ins Gespräch zu kommen.

Im Kindergartenalter benötigen Kinder noch recht häufig die Unterstützung von Erwachsenen, um Konflikte gewaltfrei zu lösen. Es ist ein wichtiger und schöner Beitrag, den Bezugspersonen hier leisten können und der auf Liebe, Achtung und Vertrauen beruht. So unterstützen sie Kinder darin, demokratisch und offen miteinander umzugehen.

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Kristina Menninghaus

Ich bin Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, psychoanalytisch und tiefenpsychologisch fundiert, im ersten Beruf bin ich Diplom-Kunsttherapeutin. Ich arbeite mit Säuglingen, Kindern, Jugendlichen und ihren Familien im Alter von null bis 21 Jahren, habe eine Weiterbildung als Säuglings-, Kleinkind-,...

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