Der Bahnhof wird kräftig erweitert, ein zweites Gleis gebaut - damit irgendwann die Züge fast im 5-Minuten-Takt nach Köln fahren können. Foto: Redaktion

Das komplexe Projekt „Zweites Gleis für die S 11″ hat eine wichtige Hürde genommen: Das Eisenbahnbundesamt hat den Planfeststellungsbeschluss für den Bauabschnitt vom S-Bahnhof in Gladbach bis zur Tannenbergstraße genehmigt. Damit kann die Bahn die ersten Ausschreibungen starten und die Sperrzeiten planen. Ein konkreter Zeitplan ist aber noch immer nicht absehbar.

Das Eisenbahnbundesamt hat die Pläne der DB InfraGO für den Ausbau der S 11-Strecke zwischen Bergisch Gladbach und Köln in zwei ersten Abschnitten genehmigt. Für die zwei wichtigen Teilstrecken in der Kölner Innenstadt sowie für den Bereich vom Gladbacher Bahnhof bis zum Übergang Tannenbergstraße liegt damit Baurecht vor. Die Bahntocher kann die ersten Ausschreibungen für Vorarbeiten starten und die Sperrzeiten planen, teilten DB InfraGo und go.Rheinland am Freitag mit.

Für die zwei noch fehlenden Abschnitte rechnet go.Rheinland zwar erst frühestens Mitte 2027, die beiden Abschnitt an den Bahnhöfen könnten aber bereits unabhängig davon bearbeitet werden, erläuterten Sprecherinnen von go.Rheinland und Bahn auf Nachfrage.

+ Anzeige +

Wann die Bauarbeiten für die Erneuerung und Ausbau des S-Bahnhofs in Gladbach sowie für das zweite Gleis tatsächlich beginnen, könne nach wie vor nicht seriös abgeschätzt werden, so Buhl. Das hänge zum einen davon ab, wie schnell die Bahn geeignete Bauunternehmen finden und wann sich die notwendigen Streckensperrungen in die regionale Planung der Bahn einpassen ließen.

„Zum heutigen Zeitpunkt können wir noch keinen genauen Baustart benennen. Bis zum eigentlichen Baubeginn gibt es für die DB InfraGO noch einiges zu tun – der Planfeststellungsbeschluss ist der erste wichtige Schritt dorthin“, so die Bahnsprecherin.

Im Detail: Das für den Abschnitt Bergisch Gladbach Bahnhof – Tannenbergstraße geplant

Der Bereich zwischen dem Bergisch Gladbacher Bahnhof und dem Bahnübergang Tannenbergstraße wird zukünftig zweigleisig ausgebaut.

Im Zuge dessen modernisiert die DB auch den Bahnhof Bergisch Gladbach: Das Projektteam baut einen zusätzlichen neuen Mittel- sowie einen neuen Außenbahnsteig. Alle Bahnsteige werden zudem barrierefrei ausgebaut, sodass Fahrgäste hier künftig stufenfrei ein- und aussteigen können. Zusätzlich entsteht hier auch ein neuer Wetterschutz.

Darüber hinaus ist geplant, den Bahnübergang an der Tannenbergstraße aufzulösen und durch eine neue Unterführung für Fußgänger:innen und Radfahrende zu ersetzen.

Im Detail: Das ist am Kölner Hauptbahnhof geplant

Um zukünftig mehr Züge auf die Schiene zu bringen sowie die heute noch häufig auftretenden Wartezeiten auf der Hohenzollernbrücke deutlich zu reduzieren, baut die DB InfraGO am Breslauer Platz zwei neue S-Bahngleise sowie einen neuen Bahnsteig. Am zukünftigen Bahnsteig an den Gleisen 12/13 werden dann ausschließlich Züge in Richtung Köln Hansaring abfahren. Den bereits bestehenden Bahnsteig an den Gleisen 10/11 fahren wiederum nur Züge in Richtung Messe/Deutz an. Somit können in jede Fahrtrichtung zeitgleich zwei S-Bahnen am Hauptbahnhof halten.
 
Der neue 215 Meter lange Mittelbahnsteig wird 96 Zentimeter hoch und ermöglicht damit mobilitätseingeschränkten Fahrgästen den stufenlosen Einstieg in die S-Bahnen. Darüber hinaus wird die DB für den barrierefreien Zugang zum Bahnsteig auch neue Rolltreppen und Aufzüge bauen.
 
Mit dem Ausbau wird zudem die Fassade des größten NRW-Bahnhofs komplett modernisiert. Eine Jury, bestehend aus Vertreter:innen der DB, des Aufgabenträgers go.Rheinland sowie der Stadt Köln, hat in einem mehrmonatigen Auswahlverfahren verschiedene Gestaltungsentwürfe geprüft. Den Zuschlag erhielt das Architekturbüro J.MAYER.H und Partner aus Berlin.

Außerdem entsteht ein Arkadengang für die Gäste des Hauptbahnhofs, der zusätzlichen Wetterschutz bietet.

Im Details: So wird die S 11 ausgebaut

Um dem prognostizierten Wachstum des Reisendenaufkommens gerecht zu werden, sorgt die DB – in enger Abstimmung mit go.Rheinland – mit den zahlreichen Neu- und Ausbauprojekten für mehr Kapazität im vielbefahrenen Eisenbahnknoten Köln. Dazu gehört auch der S-Bahn-Ausbau zwischen Bergisch Gladbach und Köln.

Nach Abschluss der Bauarbeiten werden die S-Bahnen zunächst im Zehn-Minuten-Takt zwischen Bergisch Gladbach und Köln unterwegs sein, der in der Hauptverkehrszeit perspektivisch auf einen annähernden 5-Minuten-Takt weiter verdichtet werden soll. Aktuell fährt die S 11 auf dieser Strecke alle 20 Minuten.

Um den Takt zwischen Bergisch Gladbach und Köln zu verkürzen, ist der Bau eines zweiten Gleises zwischen Dellbrück und Bergisch Gladbach notwendig. Auf der Strecke baut die DB auch alle Stationen zwischen Köln-Holweide und Bergisch Gladbach barrierefrei aus oder errichtet sie komplett neu.

Die Bahn hatte schon Anfang des Jahres eine große Baustelleneinrichtungsfläche am Gladbacher Bahnhof angelegt. Sie belieferte zunächst Brückenbauarbeiten entlang der Strecke, die bereits in diesem Sommer eine monatelange Stilllegung der S Bahn erforderte.

Mehr zum Thema

Innenstadt-Verkehr: Die Sache mit der Bahn

Die Deutsche Bahn hat am S-Bahnhof und damit mitten in der Innenstadt von Bergisch Gladbach eine sogenannte Baustellen-Einrichtungsfläche angelegt. Die Dimensionen lassen auf ein langfristiges Projekt und starke LKW-Frequenz schließen. Wir haben bei Bahn und Stadt nachgefragt, was dort passiert und wie der Verkehr geregelt wird.

Im Frühjahr waren zudem weitere Sperrzeiten bekannt geworden, aus denen die Umrisse eines Zeitplans für das zweite S-Bahn-Gleis hervorgingen. Die Bahn plane für die Zeit vom vierten Quartal 2030 bis zum ersten Quartal 2032 eine Stilllegung der S-Bahn, teilte der erste Beigeordnete Ragnar Migenda im Ausschuss für Mobilität und Verkehr mit.

Daraus lässt sich schließen, dass die Bahn den Bau des zweiten Gleises von Herbst 2030 bis Frühjahr 2032 plant. Eine offizielle Bestätigung gibt es dafür nach wie vor nicht; für eine Festlegung des Start- oder gar des Fertigstellungstermins stehen offenbar noch viel zu viele Unwägbarkeiten im Raum.

Vorläufige Sperrzeiten der S 11 im Überblick: 

  • 10.4. bis 3.7.2026 wegen weiterer Brückenbauarbeiten und der Generalsanierung des Hochleistungsnetzes Köln-Wuppertal-Hagen
  • 9.7. bis 15.10.2027 wegen weiterer Bauarbeiten der Bahn, u.a. Neubau der Verkehrsstationen Köln-Holweide und Köln-Dellbrück
  • 10.12.2027 bis 7.1.2028
  • Februar bis März 2029
  • November 2029
  • 4. Quartal 2030 bis 1. Quartal 2032 (voraussichtlich)

Quellen: Go.rheinland, Stadt Bergisch Gladbach. Alle Angaben sind vorläufig, die Entscheidungen liegen bei der Bahn (DB Regio und DB InfraGO)

Das Projektteam von DB InfraGO konzentriere sich in den nächsten Monaten vor allem auf die Ausschreibung der ersten bauvorbereitenden Maßnahmen für den Kölner Hauptbahnhof und den Bergisch Gladbacher Bahnhof, sagte die Bahnsprecherin. Dazu zählten zum Beispiel die Sicherung und das Umverlegen von Kabeln und Leitungen im Baufeld sowie umwelttechnische Vorabmaßnahmen.

Zeitgleich müssten schrittweise die sogenannte Sperrpausen bewilligt werden. Sie seien für Bauarbeiten notwendig, die nicht bei laufendem Zugverkehr möglich sind. 

Große Aufgaben für die Stadt

Das Projekt stellt auch die Stadtplanung der Stadt Bergisch Gladbach vor große Aufgaben Zunächst müssen weitere große Baustellenflächen zur Verfügung gestellt werden, neben dem Areal am Bahnhof ist dafür das Gleisdreieck vorgesehen.

Als Ersatz für den Übergang Tannenbergstraße soll eine gewaltige Brücke von der Britanniastraße in die Innenstadt gebaut werden, die zum großen Teil von der Bahn bezahlt wird.

Mehr zum Thema

Eine Brücke wird kommen

In ungewohnter Einmütigkeit hat der Verkehrsausschuss dem Bau einer Auto-Brücke in der Innenstadt zugestimmt. Sie soll an der Britanniahütte gut acht Meter in die Höhe steigen, die S-Bahn queren und nach zwei scharfen Kurven an der Kalkstraße enden. Langfristig soll sie die Schließung des Bahnübergangs Tannenberg ausgleichen – und kurzfristig sicherstellen, dass der S-Bahn-Ausbau nicht ins Stocken kommt.

Reaktionen der Beteiligten

Jens Schäfer, Leiter Ausbau Knoten Köln bei der DB InfraGO, sagte: „Wir freuen uns sehr, dass wir direkt zwei Beschlüsse für den Ausbau der S 11 vom Eisenbahn-Bundesamt bekommen haben. Für das Projektteam ist das nach der jahrelangen Planung und Vorbereitung ein verdienter Meilenstein.“

Oliver Krischer, NRW-Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr: „Mit den Planfeststellungsbeschlüssen ist ein wichtiger Schritt geschafft. Insbesondere die Maßnahmen am Kölner Hauptbahnhof werden den Bahnverkehr künftig spürbar stärken. Das Land finanziert gemeinsam mit dem Bund den Ausbau der Infrastruktur auf der Kölner Stammstrecke bis nach Bergisch Gladbach. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für einen künftig dicht getakteten und leistungsfähigen S-Bahn-Verkehr.“
 
Norbert Reinkober, Geschäftsführer go.Rheinland:„Dass für zwei Abschnitte des S-11-Ausbaus nun bereits Baurecht besteht, ist der Verdienst eines gemeinschaftlichen Engagements über Grenzen von Strukturen und Zuständigkeiten hinweg. Wir sind stolz darauf, dass wir im Schulterschluss mit DB, Kommunen und Politik dieses wichtige Projekt aufgleisen und umsetzen konnten. Entscheidend waren dabei die frühzeitige Bürgerbeteiligung sowie die Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden und anderen Stakeholdern. Mein Dank geht an alle, die in den verschiedenen Ebenen und Fachdisziplinen am Projekt S 11 mitwirken. Ich bin glücklich, dass wir in Rekordzeit diesen wichtigen Schritt für die Region erreichen konnten.“

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

2

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. “Dazu zählten zum Beispiel die Sicherung und das Umverlegen von Kabeln und Leitungen im Baufeld […].”

    Richtig. Und zwar Kabel und Leitungen, die gerade erst bei der langen Sperrung im Mai und Juni dorthin verlegt wurden, wo später das zweite Gleis führen soll.

    “Ich bin glücklich, dass wir in Rekordzeit diesen wichtigen Schritt für die Region erreichen konnten.”

    Herr Reinkober scheint einen besonderen Sinn für Humor zu haben. Über ein zweites Gleis wird mindestens seit den 1990-er Jahren nachgedacht. Und einen Baubeginn möchte man jetzt immer noch nicht schätzen. Das ist wirklich Rekordzeit! Es dürfte kaum noch langsamer hinzubekommen sein.

    1. “Richtig. Und zwar Kabel und Leitungen, die gerade erst bei der langen Sperrung im Mai und Juni dorthin verlegt wurden, wo später das zweite Gleis führen soll.”

      Nicht zu vergessen: der Bahnübergang, der jetzt noch mal für viel Geld erneuert werden soll. Derselbe Bahnübergang, der mit dem zweiten Gleis wegfallen soll.

      “Das ist wirklich Rekordzeit!”
      In der “Rekordzeit” wäre wahrscheinlich eine dreispurige Straße fertiggestellt und schon 3x erweitert worden. Bei Schienen scheint das in Deutschland immer um den Faktor 10 länger zu dauern.