Beim Neujahrsempfang bot Lutz Urbach Bilanz und Ausblick zum Thema Flüchtlinge. Vor allem aber präsentierte er auf der Bühne, was die „Gutmenschen und guten Menschen” in Bergisch Gladbach bereits jetzt für die Zufluchtsuchenden leisten. Eine Dokumentation.

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Durch den Neujahrsempfang der Stadt Bergisch Gladbach führt Bürgermeister Lutz Urbach. Nach einer musikalische Eröffnung durch Chor „Stimmen der Welt“ hielt er die traditionelle Neujahrsrede. Wir dokumentieren die Rede und den weiteren Verlauf des Nachmittags im Bergischen Löwen. 

Herzlich willkommen, meine sehr geehrten Damen und Herren,

zum Neujahrsempfang der Stadt Bergisch Gladbach. Auch wenn wir bereits Ende Januar haben: Für gute Wünsche ist es nicht zu spät. Also wünsche ich Ihnen für 2016 Gesundheit, Zufriedenheit, viele glückliche Momente sowie beruflichen und privaten Erfolg! Möge Gott Sie begleiten!

Mit vielen von Ihnen habe ich im neuen Jahr bereits sprechen dürfen, viele von Ihnen habe ich eben persönlich begrüßen dürfen. Aber gestatten Sie mir, an dieser Stelle besonders zu begrüßen:

  • die Ehrenbürger der Stadt Bergisch Gladbach : Walter Hanel, Franz Heinrich Krey mit Frau Inge Krey
  • Ich freue mich über zahlreiche Vertreter aus dem Rat und der Verwaltung der Stadt Bergisch Gladbach
  • Ganz besonders heiße ich Frau Emilie Schönges-Greis willkommen, die unseren Neujahrsempfang nun schon viele Jahre durch ihre großzügige finanzielle Zuwendung sehr unterstützt.

Neujahrsempfang 2016 im Bergischen Löwen. Foto: V. Rogowski

Als musikalisches Intro haben wir den Chor „Stimmen der Welt“ unter der Leitung von Alicja Gulzc gehört – mit instrumentaler Begleitung Flügel und Cayon. Der Chor hat sich als Projekt der Kreativitätsschule im Oktober 2015 gebildet.

Er besteht mehrheitlich aus Flüchtlingskindern der städtischen Unterkunft in der Senefelderstraße. Auch Sie, liebe Frau Gulzc und euch, liebe Kinder, heiße ich herzlich willkommen.

Im vergangenen Jahr hat uns ein Thema mehr denn je beschäftigt: Der Zustrom von Zuflucht suchenden Menschen

In den Medien, im gesellschaftlichen Leben, aber sicherlich auch im privaten Bereich erfolgten Berichterstattungen, aber vor allem auch der Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Und gerade deshalb widmen wir den heutigen Neujahrsempfang auch jenem Thema, dass Sie und auch mich im Jahr 2015 sehr beschäftigt hat und auch in diesem Jahr sehr beschäftigen wird.

Bürgermeister Lutz Urbach im Bergischen Löwen

Dank an die Gutmenschen und guten Menschen von BGL

In diesem Zusammenhang wurde vor einigen Tagen das „Unwort des Jahres 2015“ gekürt. Meine sehr verehrten Damen und Herren, kaum zu glauben: Das Unwort des Jahres 2015 ist „Gutmensch“. Nicht etwa, weil Gutmenschsein schlecht ist. Vielmehr geht es um den Gebrauch und die Wirkung dieses Wortes im Zusammenhang mit der Flüchtlingshilfe. Das Wort „Gutmensch“ diffamiert an dieser Stelle die Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm und weltfremd, als Helfersyndrom oder moralischen Imperialismus. Es ist negativ behaftet und wird abwertend – wie ein Schimpfwort – verwendet.

Den „Gutmenschen“ und guten Menschen sei Dank haben wir in Bergisch Gladbach seit über 20 Jahren eine ausgeprägte Willkommenskultur. Diese zeigt sich vor allem durch ein starkes und breit gefächertes Netzwerk, ohne das die Aufgaben der Erstaufnahme und der Integration nicht leistbar wären.

Ein ganz besonderer Gast

Und gerade deshalb konnten wir 2015 auch einen ganz besonderen Gast in Bergisch Gladbach begrüßen: unseren Bundespräsidenten Joachim Gauck. Ein Besuch, der Einblicke in die derzeitige Situation, aber auch die Probleme der Kommunen mit den aktuellen Herausforderungen exemplarisch darstellen sollte. Die Probleme und Schwierigkeiten konnten wir aufzeigen. Aber vor allem konnten wir zeigen, wie wir in Bergisch Gladbach gemeinsam diese Probleme angehen.

Wir in Bergisch Gladbach haben 2015 alle Kräfte gebündelt, um die an uns gestellte Herausforderung zu meistern. Im vergangenen Jahr gab es eine rasante Entwicklung, die selbst uns in Bergisch Gladbach, trotz starkem Willen und herausragender Unterstützung in der Bevölkerung, an die Grenzen unserer Kräfte gebracht hat.

Der Zustrom der Zuflucht suchenden Menschen wuchs massiv an. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte lässt sich das erkennen:

  • Von Januar bis Dezember 2015 ist die Zahl der Menschen, die bei uns Zuflucht suchen, um mehr als 1.000 gestiegen.
  • Etwa 1/3 der Menschen kommt aus dem Nahen Osten, 1/3 aus Afrika und 1/3 vom Balkan. Rund 66 % der 2015 in Bergisch Gladbach Zuflucht suchenden Personen ist männlich, 34 % weiblich.
  • Unter den im Jahr 2015 in Bergisch Gladbach aufgenommenen Flüchtlingen sind insgesamt 287 minderjährige Kinder und Jugendliche verschiedensten Alters.
  • Seit Anfang des Jahres 2016 betreuen wir über 1600 Flüchtlinge in Bergisch Gladbach, während sich die Zahl täglich, ja beinahe stündlich verändert.

Mehr Informationen zur Flüchtlingsstatistik

Und nun müssen wir uns fragen, was die Zukunft bringen wird. Sichere Prognosen über Zahlen von Zuflucht suchenden Menschen gibt es nicht und wird es auch in Zukunft nicht geben. Sie alle werden dieses Thema in der Presse miterlebt haben.

Im Jahr 2015 wurden die Statements, die auch von mir zu diesem Thema abgegeben wurden, vorsichtiger. Von „Wir schaffen das“ über „Noch schaffen wir das“ beim Besuch des Bundespräsidenten im Oktober sagte ich Ende 2015: „Nicht noch mehr – sonst schaffen wir das nicht mehr“.

Unser Bundespräsident sagte mir damals: Ein Bürgermeister darf auch mal meckern und sagen, wo die Grenzen sind!

Die Grenzen des faktisch Machbaren

Meine sehr verehrten Damen und Herren, das habe ich getan! Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich plädiere nicht für eine zahlenmäßig festgelegte Obergrenze.

Aber wir kommen an die Grenzen des faktisch Machbaren!

In dieser Geschwindigkeit können wir so viele Menschen nicht mehr unterbringen. Es geht zu schnell und sie sind zu viele!

Und genau das soll die Überlastungsanzeige bei der Bezirksregierung Arnsberg klarstellen: Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an der Aufgabe, neue Plätze zu schaffen.

Aber: Wir stellen transparent dar, was wir im Rahmen unserer Kapazitäten schaffen können. Das schaffen wir! Nicht weniger, aber eben auch nicht mehr!

Es hat eine unglaubliche Menge an Energie, Ideen, Kraft und auch Geld gekostet, innerhalb von wenigen Monaten die erwähnten zusätzlichen 1.000 Unterbringungsplätze zu realisieren. Wir sind darauf vorbereitet, dass wir die Plätze weiter ausbauen.

Nach wie vor arbeiten alle hauptamtlich und ehrenamtlich Beteiligten mit genauso viel Engagement und Einsatz an der Schaffung neuer Möglichkeiten. Aber auch Arnsberg soll wissen, dass es faktische Grenzen gibt! Grenzen der Kraft, Grenzen an Raum, Grenzen durch Einschränkungen der Bürgerinnen und Bürger.

Wir müssen unseren Lebensstil zeigen und erklären

Abgesehen von den Aufnahmekapazitäten fragen wir uns weiter, was wir in 2016 und den folgenden Jahren noch schaffen wollen und müssen.

Und hier steht eines im Vordergrund: Die Integration jener Zuflucht suchenden Menschen, die bei uns leben werden. Integration meint aber keinesfalls nur den Deutschkurs, also das Erlernen der deutschen Sprache. Integration meint, und das soll bei den aktuellen Vorkommnissen in Köln besonders betont werden, dass wir unseren neuen Mitmenschen unseren Lebensstil zeigen und erklären müssen.

Dass durch Begegnungen unsere Werte vermittelt und unser Wertesystem als verbindlicher Maßstab für das Zusammenleben verdeutlicht werden müssen. Diese Integration kann und wird nicht auf Landes- oder Bundesebene stattfinden. Diese Integration ist unsere Aufgabe, sie muss hier bei uns in Bergisch Gladbach stattfinden.

Das Integrationskonzept wird überarbeitet

Unser Integrationskonzept wird gerade von den Kolleginnen und Kollegen im Fachbereich Jugend und Soziales überarbeitet und an die Situation angepasst. Wahrscheinlich werden wir eine eigene Abteilung Integration aufbauen müssen, um das Notwendige leisten zu können.

Die zahlreichen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer allerdings leisten bereits hervorragende integrative Arbeit. Und deshalb bleibt auch weiterhin das ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt ein starkes Standbein. Die Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler bilden das Rückgrat, das zum Gelingen dieser Aufgabe führt.

Aber auch hauptamtliche Arbeit ist gefordert: Wir haben ca. 30 Vollzeitkräfte hinzusetzten müssen, die Einstellung von Sozialarbeitern und Hausmeistern war dringend notwendig. Auch die hauptamtlichen Kräfte beim DRK in den Camps leisten einen entscheidenden Beitrag und tragen eine große Verantwortung.

Mein herzlicher Dank gilt allen helfenden Händen, den Ehren- und Hauptamtlern, für ihren stetigen unermüdlichen Einsatz!

Integration fordert die Schaffung von geeignetem Wohnraum

Dennoch: Eine erfolgreiche Integration wird dauerhaft nicht in Containerdörfern, Notunterkünften und Zeltstädten möglich sein.

Eine erfolgreiche Integration fordert auch die Schaffung von geeignetem Wohnraum. Wohnraum, der nicht am Rande des Geschehens entstehen soll.

Wir wollen keine Ghettos oder Randbezirke schaffen. In Bergisch Gladbach besteht ohnehin ein hoher Bedarf an angemessenem Wohnraum, denn im Speckgürtel von Köln erkennen auch andere die Attraktivität unserer Stadt, was zu einem angespannten Wohnungsmarkt führt. Gerade deshalb soll zukünftig neuer, angemessener Wohnraum in Bergisch Gladbach für alle Wohnungssuchenden geschaffen werden.

Hierbei setzen wir auf drei Säulen: Zum einen beabsichtigt die Stadt die Gründung einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft, um bezahlbaren Wohnraum in Bergisch Gladbach zu schaffen. Darüber hinaus wird auch zukünftig eine enge Zusammenarbeit mit Rheinisch-Bergischen Siedlungsgesellschaft, insbesondere im Bereich der Großprojekte, erfolgen. Als dritte Säule setzt die Stadt Bergisch Gladbach auf die privaten Bauherren und Anbieter im Stadtgebiet.

Also werden wir auch in diesem Bereich auf gemeinsame Lösungen für die an uns gestellten Herausforderungen setzen.

Sehr geehrte Damen und Herren, der diesjährige Neujahrsempfang steht ganz im Zeichen jenes Themas, dass uns in 2015 in Atem gehalten hat. Wir haben viel geschafft. Heute bekommen Sie Einblicke in einige Projekte, die durch die starke Gemeinschaft und ein gut aufgestelltes Netzwerk in Bergisch Gladbach überhaupt erst möglich geworden sind.

Lassen Sie sich nun durch ein vielseitiges, informatives und auch kurzweiliges Programm führen. Viele haben mitgewirkt, um Ihnen Eindrücke unserer neuen Nachbarn und Beispiele der Integration in Bergisch Gladbach zu geben.

Die jüngsten Teilnehmer der Castingshow aus dem KiWo Bensberg

Castingshow: „Deutschland sucht den Super-Immi“

Speziell für diesen Neujahresempfang konzipiert sehen Sie jetzt eine Castingshow der besonderen Art: „Deutschland sucht den Super-Immi“. Wir bewegen uns in einen Bereich, in dem es nicht in erster Linie um aktuelle Flüchtlinge geht, sondern um Menschen mit Migrationshintergrund. Der Kinderwohnpark Bensberg, kurz KiWo genannt, steht seit vielen Jahren für hervorragende Integrationsarbeit.

Der Schwerpunkt liegt bei der Kinder- und Jugendarbeit, obwohl die Arbeit Beziehungen mit Menschen aller Altersstufen- vom Kind bis zu dessen Großeltern beispielsweise – umfasst. Hier ist Multikulti Alltag. Über 20 Nationalitäten sind im Wohnpark Bensberg zuhause. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: iranische Flüchtlinge -Jesiden-, die zum Teil schon 8 Jahre in Bergisch Gladbach leben, Türken in der 2. und 3. Generation, Pakistaner u.s.w.

Freuen Sie sich auf garantiert kurzweilige Unterhaltung mit den KiWo-Kids.

Video und Musik

Ganz herzlichen Dank an die Kids und an den Chor, ihr wart großartig!

Herzlichen Dank auch die älteren Akteure: Gianne DiMaggio, Olivia Sailer und Ferdinand Linzenich. Und an Ameli Dziemba, Leiterin des KiWo-Chors.

Besonders danke ich der charmanten und gewandten jungen Moderatorin Gianne DiMaggio; sie ist übrigens die Tochter von Olivia Sailer. Gianne ist in die Arbeit im KiWo hineingewachsen und übernimmt seit einiger Zeit dort auch Verantwortung.

Olivia Sailer ist seit 2012 Leiterin der Kulturstelle im Wohnpark Bensberg und sie hat maßgebend mit den Kindern für diese Show an der Basis gearbeitet. Also gehört der größte Applaus ihr.

Ferdinand Linzenich muss ich Ihnen sicherlich nicht vorstellen – weil ich sicher bin, dass ihn jeder kennt. Er war der Initiator für die Castingshow und wo er ist, da sprudeln natürlich Ideen. Sein Partner Thomas Brückner war ebenfalls am Projekt beteiligt – seine Stimme haben wir im Intro gehört.

Ein Exkurs: Ferdinand Linzenich – stellvertretend für viele

Erlauben Sie mir einen kleinen Exkurs – wo ich gerade bei Ferdinand Linzenich bin: Ferdi ist seit vielen Jahren als Wohltäter für die Stadt Bergisch Gladbach unterwegs und ich hatte die Ehre, ihn dafür vorgestern mit der EN in Gold auszuzeichnen – auch hier auf dieser Bühne.

Ich erwähne dies deshalb, weil nicht allein Ferdi, sondern auch viele von Ihnen, meine lieben Gäste, mit einer städtische Ehrennadel ausgezeichnet wurden – ebenfalls wegen Ihrer Verdienste um das Ansehen und Wohl der Stadt Bergisch Gladbach. Jede und Jeder von Ihnen leistet in seinem Umfeld Großartiges für unsere Stadt. Der eine im Seniorenbereich, die andere im Bereich Sport, der Dritte im Bereich Umweltschutz oder bei der Feuerwehr u.s.w.

Es ist mir jedes Jahr ein Herzensanliegen, Sie zu dem städtischen NJE einzuladen und ich freue mich, dass viele Trägerinnen und Träger der Ehrennadeln der Stadt Bergisch Gladbach heute hier sind. Über all die ehrenamtlich Engagierten im Bereich der Flüchtlingsarbeit dürfen wir Ihr Engagement nicht vergessen.

Liebe Gäste, im Folgenden versuchen wir, Ihnen Teile des großen Netzwerkes für Flüchtlinge, das wir in Bergisch Gladbach haben und auf das wir zu Recht stolz sein dürfen, am Beispiel einzelner wichtiger Akteure filmisch darzustellen.

Ich betone, dass es nur ein kleiner Ausschnitt dessen ist, was an Flüchtlingsarbeit geleistet wird. Die ungeheure Breite der Netzwerkarbeit für die Versorgung und Integration der Flüchtlinge ist im Foyer an einem speziellen Themenstand erahnbar. Für den Besuch dieses Themenstandes im Foyer nach dem offiziellen Teil dieses Empfangs werbe ich hiermit schon einmal ausdrücklich. Dort steht Ihnen meine Kollegin Frederike Henning für Fragen rund um das Netzwerk zur Verfügung.

„Ankommen in Bergisch Gladbach”

Hier im Saal geht es jetzt also in die Praxis. Wir sehen einen Film unter der Überschrift  „Willkommen in Deutschland – Ankommen in Bergisch Gladbach“

Aus Sicht des Flüchtlings wird der Weg dargestellt, den er ab seiner Ankunft in Bergisch Gladbach gehen muss und welche Menschen ihm auf diesem Weg begegnen. Film ab.

Filmischer Einblick in die Vielfalt der Flüchtlings- und Netzwerkarbeit am Beispiel einzelner Akteure

Die Akteure im Film möchte ich Ihnen natürlich nicht vorenthalten, daher bitte ich jetzt auf die Bühne Jolanta Mirski, Ingeborg Schmidt mit Matthias Burghardt, Paula Schäfer mit Lucrecia Lopez, Klaus Farber und Szymon Bartoszewicz

Jolanta Mirski, Sozialarbeiterin der Stadt Bergisch Gladbach und „Mädchen für alles“, was die Betreuung und Versorgung der Flüchtlinge angeht. Natürlich steht sie u.a. mit der Betreiberin der Flüchtlingsunterkünfte, dem DRK und Kollegen der Stadtverwaltung aus den anderen Fachbereichen, in engem Kontakt. Immer wieder müssen Probleme mit der Unterkunft gelöst werden, manchmal sind Umsetzungen erforderlich. Bei der Findung von Wohnungen auf dem freien Wohnungsmarkt begleitet sie die Flüchtlinge. Auch mit vielen Behörden und Hilfseinrichtungen stehen Jolanta Mirski und ihre vier Kolleginnen und Kollegen in Verbindung.

Ingeborg Schmidt, erste Vorsitzende DRK-Kreisverband und Matthias Burghardt, Leiter der Unterkunft der Hallen Katterbach für das DRK. Das Deutsche Rote Kreuz ist Betreiberin von fünf großen Flüchtlingsunterkünften in Bergisch Gladbach: Hallen Katterbach, Turnhalle Sand, Sporthalle Feldstraße, Mobile Einrichtung Taubenstraße, Turnhalle Schwerfelstraße. Das DRK übernimmt damit eine Aufgabe der Stadt Bergisch Gladbach. Ingeborg Schmidt setzt sich seit 30 Jahren für das DRK ein. Seit Monaten begleitet sie die Flüchtlinge und die Helfer von Anfang an persönlich: eine anstrengende, aber auch erfüllende Arbeit – so ließ sie sich einmal zitieren. Und ich hoffe, dass der zweite Teil des Zitates auch heute noch zutrifft.

Auch Matthias Burghardt darf ich zitieren als er einmal das positive Klima des Betreuerteams beschrieben hat: „Hier gehen Theorie und Praxis Hand in Hand, hier bewegt jeder jeden Tag etwas“.

Paula Schäfer und Lucrecia Lopez als Vertreterinnen des sogenannten „Mentorenprojekt Bergisch Gladbach“. Dieses Projekt, ein Jahr alt, ist ein wunderbares Beispiel für die Netzwerkarbeit und die Kooperation einzelner Einrichtungen und Akteure. Es wurden gemeinsam Strukturen für die gezielte und bedarfsorientierte   soziale Betreuung von Flüchtlingen geschaffen – auch mit Hilfe der Kirchen und der Stadt, dem Integrationsrat und der Bürgerstiftung Bergisch Gladbach.

Konkret übernehmen hier Freiwillige für ca. ein halbes Jahr, bei Bedarf aber auch für längere Zeit, die persönliche Betreuung für Flüchtlinge, die der Stadt zugewiesen wurden. Mit Kontakt auf Augenhöhe helfen sie den Menschen bei der Orientierung in Bergisch Gladbach. Die Flüchtlinge lernen die Lebensverhältnisse in Bergisch Gladbach und Deutschland kennen und werden für das selbständige Leben in unserer Gesellschaft fit gemacht. Die Begleitung zum Arzt im Krankheitsfall, die Begleitung zu Behörden, die Anmeldung zur Schule oder zu Kursen und Hilfe bei der Wohnungssuche gehören zum typischen Aufgabenfeld.

Klaus Farber als Vertreter der Initiative “Herwi”: Herzlich Willkommen. „Herwi“ ist eine von mehreren Initiativen, die sich gebildet haben, um Flüchtlinge willkommen zu heißen und ihnen bei der Integration zu helfen. Klaus Farber hat die Initiative “Herwi” sogar ins Leben gerufen. Er organisiert unter anderem Sprachkurse für Flüchtlinge in Herkenrath und Frankenforst, die von Ehrenamtlichen – meist pensionierten Lehrerinnen und Lehrern – gehalten werden.

Weitere größere Initiativen und integrative Projekte sind zum Beispiel „Willkommen in Schildgen“, „Willkommen in Refrath und Frankenforst“, „Willkommen in Paffrath- Hand“, „Neue Heimat Bergisch Gladbach“ und MiKibU. Wir haben ja eben den Abspann gesehen, wo einige aufgelistet wurden. Darüber hinaus gibt es aber auch viele Veranstaltungen und Projekte zur Förderung der Integration, die schon seit Jahren durchgeführt werden. Wie zum Beispiel das „Fest der Religionen und Kulturen“ – u.a. auch von Klaus Farber initiiert – oder das „Apfelblütenfest“ am Baum der Religionen in Bensberg. Übrigens: Vieles wird von den Kirchen unterstützt!

Mehr Infos: Ansprechpartner und Kontaktadressen der Flüchtlingshilfe

Maßgeblich mit Hilfe von Szymon Bartoszewicz kam der Film, den wir uns anschauen durften, zustande. Szymon Bartoszewicz war es auch, der das Mentorenprojekt Bergisch Gladbach initiiert hat. Er selbst arbeitet aktiv daran mit, zählt zu den großen Netzwerkern unserer Stadt im Bereich der Integrationsarbeit. Für unseren NJE hat er sich gleich mehrfach stark engagiert. Achten Sie auf die Fotoausstellung im Foyer von Markus Bollen. Hier und für den Film war Szymon Bartoszewicz Projektverantwortlicher und hat sehr viel Zeit und Energie eingebracht.

Liebe Gäste, Sie sehen es – es wird aufgebaut – : Jetzt kommt Theater!

Theaterstück der Kreativitätsschule: „Wann kommt der scheiße Bus – gehen ist besser als warten“

Der Titel des Theaterstücks klingt in Ihren Ohren sicher fremd, er lautet: „Wann kommt der scheiße Bus – gehen ist besser als warten“

Ich darf zu mir bitten: 7 junge Menschen aus 5 verschiedenen Nationen mit Almut Wiedenmann und Gernot Schmidt.

Die jungen Menschen – sie kommen aus Guinea, Kongo, Algerien, Afghanistan und dem Kosovo – befinden sich im offenen Asylverfahren oder sind in Deutschland geduldet.

Diese Menschen aus unterschiedlichen Teilen der Welt haben eines gemeinsam: Sie sind aus ihrer Heimat vor Not, Krieg oder Unterdrückung geflohen – und treffen sich in unserer Stadt. Sie nehmen seit Sommer 2015 an einem Theaterprojekt der Kreativitätsschule teil.

Das szenische Theaterstück, welches wir sehen werden, wurde von den Flüchtlingen miterdacht und entwickelt. Innerhalb der vergangenen Monate nahm das Theaterstück mehr und mehr Form an, gemeinsam wurden Szenen ergänzt und verändert.

Wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt aus einem mittlerweile großen Ganzen.

Die Theaterarbeit ist eine manchmal aufwühlende und immer leidenschaftliche Aufgabe für alle Beteiligten. Nicht selten werden sensible Punkte berührt, die Aufmerksamkeit und Feingefühl verlangen. Initiiert und pädagogisch begleitet wurde und wird das Projekt von Almut Wiedenmann, Projektleiterin bei der KREA und durchgeführt von dem Theaterpädagogen und Schauspieler Gernot Schmidt.

„Wann kommt der scheiße Bus – gehen ist besser als warten“ ist eine Geschichte von zufälligen Begegnungen an einer Bushaltestelle in Bergisch Gladbach. Die Szene, die wir sehen werden, handelt von Veränderung und Offenheit – und davon, wie wichtig es ist auf einander zu zugehen. Und nun geht es los.

Theater: „Wann kommt der scheiße Bus – gehen ist besser als warten“

Ganz herzlichen Dank für Ihren und euren Beitrag! Es hat mir sehr gut gefallen. Es ist sehr mutig von euch, heute zum ersten Mal vor so vielen Menschen euer Theaterstück aufzuführen. Ich habe gehört, dass ihr im Sommer euer komplettes Stück zeigen werdet. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich einladet, damit ich zuschauen kann und euer Gast bin.

Lieber Herr Schmidt, Theater spielen gilt zu Recht als hervorragendes Instrument der Integration. „Deutsch lernen durch Theater spielen“, damit kennen Sie sich aus. Ganz herzlichen Dank Ihnen für Ihren wertvollen Beitrag zur Integration dieser jungen Menschen.

Frau Wiedenmann danke ich an dieser Stelle nicht allein für Ihre Arbeit im Zusammenhang mit dem Theaterprojekt. Sie hat sich – im Verborgenen – auch für andere Programmpunkte dieses Neujahresempfangs engagiert. Ohne Sie hätten wir weder das Theaterstück, noch den Chor und auch nicht die Ausstellung von Bildern, gemalt von Flüchtlingskindern, im Foyer zu Gesicht bekommen.

Liebe Gäste, jetzt möchte ich auf ein besonderes Engagement zu sprechen kommen – und dafür auch durchaus werben:

Es geht um die Aktion „Fluchtpunkt Bergisch Gladbach – 100 Tage Spendenmarathon“. Die Spenden fließen in Projekte der Flüchtlingshilfe in Bergisch Gladbach, die zu benennen waren. Zahlreiche Menschen packten bereits tatkräftig mit an, um an vielen Stellen Aktionen zur Flüchtlingshilfe ins Leben zu rufen. Vereine, Initiativen, Unternehmen, Kirchengemeinden und Einzelpersonen hatten viele Ideen. Ein großer Teil der Spenden soll in Aktionen fließen, die vor allem Kindern zugutekommen. Integration ist das Stichwort.

Ende Oktober 2015 fiel der Startschuss für den „Fluchtpunkt Bergisch Gladbach – 100 Tage Spendenmarathon!“ Die 20.000-Euro-Marke wurde Mitte November geknackt, kurz vor Weihnachten die 40.000 € -Marke. Zurzeit sind wir bei 63.380 Euro. Sie sehen: die Resonanz ist riesig und das macht mich froh.

Das Besondere daran? Dank der Bethe-Stiftung und der Stiftung Solidarität und Menschenrecht – kurz SUM – werden die Spenden bis zu einem Betrag von 100.000 Euro verdoppelt!

Hinter den beiden Stiftungen stehen Bergisch Gladbacher Bürgerinnen und Bürger: die Eheleute Roswitha und Erich Adolf Bethe und Herr Rolf-Albert Schmitz.

Alle Informationen zum Spendenmarathon

Leider mussten sich die Eheleute Bethe für heute entschuldigen, aber Rolf-Albert Schmitz ist hier und ich möchte ihm gerne ein kleines persönliches Dankeschön für seine große Initiative überreichen.

Liebe Gäste, wir hören den Chor der Gemeinschaftsgrundschule Herkenrath: „Neue Brücken“ unter der Leitung von Ulrike Bittner.

Ulrike Bittner ist erst seit 3 1/2 Jahren an der Schule als Lehrerin tätig. Man darf ruhig sagen, dass unter ihrer Ägide der Chor kräftig gewachsen ist und immer noch wächst. Ab dem nächsten Halbjahr rechnen Sie damit, die 100er Marke zu übersteigen. Mittlerweile tritt der Chor auch nicht mehr allein schulintern auf, sondern – wie auch heute – bei diversen Veranstaltungen in Bergisch Gladbach.
Die vier Solisten darf ich auch schon vorstellen: Tobias Breidenbach, Friedrich Selbach, Oscar Lindlar und Lara Henselmann.

„Neue Brücken“ hat eine Botschaft, die zu unserem Neujahresempfang passt: Es geht um Toleranz und Rücksichtnahme – hören Sie selbst!

Zwischenmusik: Chor der Gemeinschaftsgrundschule Herkenrath: „Neue Brücken“

Sehr geehrte Damen und Herren, wir kommen zum Schluss des offiziellen Teils des Neujahrsempfangs und ich hoffe, dass die Beiträge Sie gut unterhalten, aber auch das ein oder andere Mal überrascht und sogar bewegt haben.

Der Besuch der Infostände und der Ausstellungen im Foyer ist sehr lohnend. Neben dem Infostand zur Netzwerkarbeit für Flüchtlinge und dem Infopoint zur Aktion „Fluchtpunkt Bergisch Gladbach – 100 Tage Spendenmarathon“ möchte ich Sie auf drei Ausstellungen aufmerksam machen: Dafür bitte ich Esther Penades Soler, Hartmut Schneider und Markus Bollen zu mir auf die Bühne.

Es gibt eine Kinder-Kunstausstellung unter der Überschrift „Ich erzähle von mir“: Hier haben Flüchtlingskinder aus dem Lübbehaus unter der künstlerischen Leitung von Kunstpädagogin Esther Penades Soler Bilder gemalt. Ergänzt werden die Bilder durch Steckbriefe zu den jungen Künstlerinnen und Künstlern. Dankeschön Ihnen, Frau Esther Penades Soler für die feinfühlige wochenlange Begleitung und Betreuung der Kleinen!

Zum Zweiten gibt es eine Fotoausstellung von Hartmut Schneider, die Sie sich auf dem Flachbildfernseher neben dem Saaleingang anschauen können. Die Fotos und Texte sind der Fotoausstellung „being refugee“ entlehnt, die Sie seit Ende November 2015 in der VHS – aber in Papierform – anschauen können.

Täglich wird über Flüchtlinge berichtet. Mit diesem Projekt aber wurde versucht, die individuelle Sicht der Flüchtlinge auf ihre Situation und ihre Umwelt mit dem Mittel der Fotografie darzustellen. Das Besondere: Flüchtlinge selbst wurden mit Kameras ausgestattet und haben fotografiert, wie sie die Erstaufnahmeeinrichtung in Sand, die Stadt und ihre Mitflüchtlinge erlebt haben.

Liebe Gäste, Hartmut Schneider hat als Lehrer über 35 Jahre Fotoworkshops und Fotografieunterricht gegeben. Fotografieren ist seine Leidenschaft. Ganz herzlichen Dank für Ihr ehrenamtliches Engagement für diese Veranstaltung.

Die dritte Ausstellung nennt sich „So wohnen wir in Bergisch Gladbach“ und sie stellt einen Querschnitt der Flüchtlingsunterkünfte dar. Hier war ein Profi für uns – ehrenamtlich – am Werk: Markus Bollen.

Der Bensberger Markus Bollen – mit eigenem großen Atelier gleich neben der Sankt Nikolaus-Kirche – hat in der Fotowelt einen Namen. Seine Bilder weisen über das hinaus, was sichtbar ist – so heißt es. Schauen Sie also genau hin.

Liebe Gäste, nach dem musikalischen Abschluss, lade ich Sie ganz herzlich ein, im Foyer miteinander ins Gespräch zu kommen. Sie wissen ja: Bergisch Gladbach im Gespräch!

Versäumen Sie nicht die Kostbarkeiten aus dem arabischen Raum zu probieren. Und tragen Sie sich bitte in unser Gästebuch ein, welches im Foyer ausliegt.

Nun bitte ich die beiden Chöre „Stimmen der Welt“ und den Chor der Gemeinschaftsgrundschule Herkenrathund in der 3. Strophe Sie alle – um Ihre Stimme bei einem Auszug aus der bekannten Ode „An die Freude“ aus der 9. Sinfonie von Ludwig van Beethoven.

Die Europäische Gemeinschaft hat das Hauptthema des letzten Satzes – mit der Ode „An die Freude“ – als offizielle Europahymne angenommen. In der Begründung heißt es, „sie versinnbildliche die Werte, die alle teilen, sowie die Einheit in der Vielfalt“. Wenn das kein schöner Gedanke zum Auftakt unserer Gespräche im Foyer ist!

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Chance verpasst! Sich selbst feiern reicht nicht.

    Der gestrige Neujahrsempfang des Bürgermeisters von Bergisch Gladbach hatte das Flüchtlinge zum Thema gemacht. Eine Veranstaltung bei der neben den üblichen Verdächtigen und Honoratioren auch engagierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen waren, die sich in der Flüchtlingsarbeit engagieren oder sich sonst für die Menschen in dieser Stadt verdient gemacht haben.
    Bürgermeister Lutz Urbach lobte die ehrenamtliche und hauptamtliche Arbeit und klopfte sich selbst, den Bürgerinnen und Bürgern, und der Stadt auf die Schulter.
    Leider hörten wir keine Stellungnahme zu der aktuellen politischen Debatte und rassistischen Forderungen und der rechten Kampagne, die uns ja nicht erst seit Silvester beschäftigen, kein Wort zu den Angriffen auf Flüchtlingscamps in Deutschland und kein Wort davon, dass neben der Aufgabe der Integration eine weitere Spaltung der Gesellschaft verhindert werden muss.
    Integration ist keine Einbahnstraße, die man allein durch Deutschkurse, Wohnungen und Wohlfahrt planmäßig in der Verwaltung erledigen kann. Es reicht eben nicht, die Flüchtlinge zu versorgen, sondern die Menschen in dieser Stadt müssen sich bewegen, mitgenommen werden und an der Integration mitwirken.
    Warum waren keine Flüchtlinge als Gäste geladen, sondern nur als Bühnenshow zu sehen, denen man applaudieren könnte.
    Ich hätte mir gewünscht, das man sich nicht nur selbst feiert, sondern dass man auch klare Ansagen und Aussage getroffen hätte, wie die Menschen, die gestern im Saal waren, sich zu denen stellen, die nicht nur Angst verbreiten, verunsichern und aufwiegeln, sondern konkret und immer häufiger mit Gewalt Flüchtlinge und die humanistischen und christlichen Werte angreifen, für die dieses Republik und die Mehrheit der Menschen stehen. Das wurde am gestrigen Nachmittag mit bunten Programm, Sekt und kleinen Speisen wohl bewusst ausgeblendet.

    Hier wurde eine Chance verpasst!