Seit 2014 gibt es in Bergisch Gladbach ein Parkleitsystem. Aber nur im Zentrum

In das Projekt Marktgalerie kommt Bewegung, aber die Umgestaltung der Schlossstraße wird durch den Parkplatz-Streit blockiert. Dabei gibt es in Bensberg genügend Parkplätze. Was fehlt, ist ein Parkleitsystem.

Nach endlos langer Planung und Stillstand in Bensberg scheint nun tatsächlich Bewegung in die mittlerweile in die Jahre geratene Bensberger City zu kommen. Die Marktgalerie wird realisiert, der Bauzaun wird in den nächsten Tagen errichtet.

Die Umsetzung des Integrierten Handlungskonzept (InHK) Bensberg und die Umgestaltung der Schlossstraße gemäß des Entwurfs der „club L94 Landschaftsarchitekten GmbH”, Gewinner der internationalen Ausschreibung, steht mit diesem Startsignal nun unmittelbar bevor.

Der Grabenkampf der Händlerschaft gegen den Wegfall von 100 Parkplätzen auf der Schlossstraße ist allerdings bis heute noch nicht ausgetragen. Die Händlerschaft sieht weiterhin ihre Existenz durch den Wegfall der DriveInShoppingParkplätze zugunsten einer Flaniermeile als Ort der Begegnung in Verbindung mit einem entsprechenden Einkaufserlebnis bedroht.

Im InHK ist in einem Projektsteckbrief die Maßnahme Parkraumkonzept bereits dokumentiert. Dort wird erläutert, dass Bensberg über ein ausreichendes Stellplatzangebot verfügt, welches aktuell jedoch nicht effizient genutzt würde.

Dies läge unter anderem daran, dass ein Teil der Stellplätze den Nutzern nicht bekannt sei. Durch den Mangel eines Leitsystems entstünde Parksuchverkehr, der die ohnehin angespannte verkehrliche Situation zusätzlich unter Druck setze. Es soll eine Bestandsaufnahme durchgeführt und nach Analyse der IST-Situation ein bedarfsorientiertes Parkraumkonzept entwickelt werden.

Der Autor hat sich einmal der Mühe unterzogen, diese Situationsbeschreibung an einem Samstag in der für die Händler umsatzstärksten Zeit zwischen 12 und 13 Uhr zu hinterfragen. Die Momentaufnahme bestätigt die Aussage der Politik.

In dieser umsatzstärksten Zeit waren im SchlossCenterParkhaus über 140, in der SchlossbergGarage über 60 und im P+R Busbahnhof über 80 freie Stellplätze vorhanden. Auf der Steinstraße hinter den Geschäften waren zusätzlich über 50 Stellplätze frei, so dass in unmittelbarer, fußläufiger Nähe zur Schlossstraße über 330 freie Stellplätze vorhanden waren, obwohl die Schlossstraße zu diesem Zeitpunkt durch einen Verkehrsinfarkt völlig verstopft war.

Verkehrsinfarkt in Bensberg City

Diese Situation offenbart die Notwendigkeit, nicht erst in entfernter Zukunft ein Parkleitsystem für Bensberg City umzusetzen, sondern als Maßnahme mit höchster Priorität so schnell wie möglich. Dies hätte den Vorteil, dass jederzeit in Echtzeit die freien Stellplätze in den Parkhäusern identifiziert und sich somit der durch die Baumaßnahme der Marktgalerie zu erwartende, weiter eskalierende Parkplatznotstand entspannen könnte.

Sollte sich die Aussage der Politik und der Momentaufnahme bestätigen, dass in unmittelbarer, fußläufiger Nähe zur Schlossstraße Stellplätze im dreistelligen Bereich vorhanden wären, so wäre der emotional geführten Forderung der Händlerschaft nach einer Bestandsgarantie hinsichtlich der 160 Parkplätze der Nährboden entzogen und das Konzept des club L94 könnte uneingeschränkt umgesetzt werden.

Darüber hinaus soll das integrierte Handlungskonzept Bensberg über einen Zeitraum von acht Jahren umgesetzt werden, wobei auf der Schlossstraße drei Bauabschnitte geplant sind. Der dritte Bauabschnitt erstreckt sich vom Wendehammer der privaten Tiefgarage bis zur Straße Stockbrunnen auf der Höhe des Progymnasiums und des Aldi.

So stellen sich die Planer des club L94 die neue Schlossstraße vor

Sollte sich herausstellen, dass tatsächlich ein Parkplatznotstand entsteht, so könnte der dritte Bauabschnitt ja immer noch mit verdichteteren Parkplätzen umgeplant werden.

Voraussetzung für eine undogmatische Diskussion und realistische Einschätzung der bestehenden Parkplatzsituation in Bensberg City ist jedoch auf jeden Fall die schnellstmögliche Einführung eines Parkleitsystems, um bestehende Engpässe zeitnah identifizieren und darauf flexibel reagieren zu können.

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Heribert Thimme

wurde 1955 in Köln geboren und wohnt seit seiner Hochzeit 1977 in Refrath, seit 2015 in Bensberg. Er ist kein Mitglied einer politischen Partei, interessiert und engagiert sich jedoch für Themen, die sein persönliches Umfeld als Bürger der Stadt Bergisch Gladbach berühren.

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3 Kommentare

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  1. Wenn ich beim Metzger Himperich (oder dem Nachfolger) nur ein Schnitzel kaufen möchte, habe ich keine Lust/Zeit erst in ein Parkhaus zu fahren. Dann werde ich demnächst meine Schnitzel bei Edeka etc. kaufen. Und ich wette, das tun andere dann auch!
    Dieses ganze Konzept ist meiner Meinung nach von Männern gemacht, die nicht oder nur selten einkaufen gehen. Außerdem bin ich der Meinung, dass man auf die Geschäftsinhaber hören sollte. Die wissen doch am besten über ihre Kundschaft Bescheid!
    Man sieht in Bergisch Gladbach im Bereich Forumspark/VHS wie viele Geschäfte aufgeben mussten, weil sie durch die Baustellen nicht mehr so gut erreichbar waren. Und auch der Wegfall der Parkplätze an der Buchmühle hat vielen den letzten Stoß versetzt.
    Ich fände es sehr schade, wenn Bensberg noch mehr von den kleinen Geschäftchen mangels Unkomplizierter Parkmöglichkeiten verlieren würde!!!

  2. Lieber Herr Wolf, wie beschrieben, handelt es sich bei der Analyse lediglich um eine Momentaufnahme zur umsatzstärksten Zeit in Bensberg. Ich möchte auch gar nicht behaupten, dass diese Momentaufnahme repräsentativ für jeden Tag und jede Uhrzeit ist. Aber gerade deshalb benötigen wir als Wasserstandsanzeiger schnellstmöglich ein Parkleitsystem, um entstehende Engpässe objektiv identifizieren und flexibel darauf reagieren zu können.
    Herzliche Grüße
    Heribert Thimme

  3. Dadurch daß man eine Äusserung immer wiederholt wird sie noch nicht richtig ! Wie sie mitgeteilt haben wurde Ihre Erhebung an einem Samstag durchgeführt. Wie man sich denken kann, sind dann viele Parkplätze, die normalerweise von Arzpraxen, Büros und von der Verwaltung belegt wird sind dann natürlich frei. In der Woche ergibt sich dann ein ganz anderes Bild. Man darf auch keine privaten Parkplätze mitzählen, da diese für die Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehen. Tatsächlich sieht die Situation auch jetzt schon vollkommen anders aus !