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Das Jahr 2017 fängt ja gut an! Schon im Januar sind einige fesselnde Neuerscheinungen in unserer Buchhandlung angekommen, von denen ich Ihnen hier meine Lieblinge vorstelle. 

Martin Suter: Elefant
Diogenes 2017, € 24,00.

Martin Suter ist ein regelmäßiger Gast auf den Bestsellerlisten, und auch mit seinem neuen Roman „Elefant“ hat er sich wieder schnell an die Spitze der meistverkauften Bücher gesetzt.

Völlig zu Recht. Der Inhalt mutet zwar ein wenig phantastisch an – einem Obdachlosen erscheint ein rosa Elefant, der im Dunkeln leuchtet. Nun ja, denkt man zunächst, vermutlich eine Halluzination, dem Alkoholmissbrauch geschuldet, und wäre wohl schon geneigt, das Buch wieder beiseite zu legen, würde nicht die Buchhändlerin hektisch eingreifen und dringend zur Lektüre raten!

In sich ist diese Geschichte um einen Mini-Elefanten nämlich absolut stimmig und glaubwürdig. Der rosa Elefant ist keine Einbildung, sondern reales Ergebnis von fragwürdigen Versuchen skrupelloser Wissenschaftler, die aus Profitgier Genmanipulation betreiben. Es geht um große Themen wie die Vereinbarkeit von Zukunftstechnologie, Fortschritt und Moral, um Tierversuche, Ethik, und Fürsorge.
Süffig geschrieben und spannend – die perfekte Lektüre für ein verregnetes Wochenende.

Hanya Yanagihara, Ein wenig Leben
Hanser Berlin 2017, € 28,00.

Manchmal raunt es schon vor Erscheinen eines Buches durch Feuilleton und Literaturblogs, dass da etwas Großes kommen wird. Anhand von Vorabexemplaren wird dafür gesorgt, dass das Buch direkt besprochen und von den Buchhandlungen bestellt wird.

Manchmal schürt der Verlag eine besondere Neugier, so auch im Fall dieses Romans. Hanser lud einige Literaturblogger, Buchhändler und Journalisten in ein einsames Landhaus für ein Wochenende ein, wo sie nur eines tun sollten: dieses Buch lesen. Daraufhin äußerten sie sich in den sozialen Medien begeistert über dieses Buch, alle waren hin und weg. Hymnische Besprechungen in nahezu jeder größeren Tageszeitung folgten.

Auch ich konnte angesichts dieser ungeteilten Begeisterung nicht widerstehen und habe begonnen, dieses Buch zu lesen. Aus „nur mal kurz einen Blick reinwerfen“ wurde der nächtliche Exodus aus dem gemeinsamen Schlafzimmer, weil mein Lebensgefährte nachts irritierenderweise schlafen will, ich aber nicht. Ich will lesen, lesen, lesen.

Dieses Buch hat bei mir eingeschlagen wie eine Granate und ich gebe zu: gern wäre ich bei diesem Lese-Wochenende im Landhaus dabei gewesen, denn drei Tage am Stück nur in diesem Buch lesen zu dürfen, das wäre momentan genau mein größter Wunsch.

Kurz zum Inhalt, ohne zuviel zu verraten: Es geht um vier Männer und ihre Freundschaft, die seit Collegezeiten den roten Faden in ihrem Leben bildet. Das Zentrum dieser Gruppe und des Romans bildet Jude, dessen dunkle Dämonen ihn und seine Freunde an den Rand des Abgrunds ziehen.

Dieses Buch entfaltet eine magische Sogwirkung, eine herzergreifende, traurig-schöne, düstere und zugleich hoffnungsvolle Geschichte über Freundschaft und unendlichem Leid. Ein Buch, das einem unter die Haut geht und das man nicht vergisst.

Charles Foster: Der Geschmack von Laub und Erde
Malik 2017, € 20,00.

Wer gern Sachbücher liest, wird in diesem Jahr ebenfalls nicht zu kurz kommen. Das anregendste Sachbuch im Januar war für mich dieses Buch eines vielgereisten englischen Tierarztes, zu dessen Publikationsschwerpunkten neben Tierbeobachtung Recht, Philosophie und Ethik gehören.

Er versucht in diesem Buch, sich nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch in Tiere hineinzuversetzen und die Welt mit ihren Sinnen zu erleben. Wie er das umsetzt, ist wirklich spektakulär und in seinem Streben, sich möglichst vollständig in die Perspektive des Tieres hineinzuversetzen, erfrischend verschroben.

Pia Patt und Birgit Jongebloed führen die Buchhandlung Funk in Bensberg

So lebt er zeitweise wie ein Dachs und haust unter der Erde. Er versucht, sich in ein Wesen zu verwandeln, das stärker vom Geruchssinn geprägt ist als der Mensch mit seiner visuellen Wahrnehmung. Dazu nimmt er an Blindverkostungen teil und versucht, seinen ganzen Alltag stärker auf eine olfaktorische Erfassung seiner Umgebung auszurichten.

Dieses Buch ist bei allem philosophischen und erkenntnistheoretischen Anspruch nie trocken oder gar langweilig, sondern immer ausgesprochen kurzweilig. Der Dachs-Episode folgt das Erleben aus der Wahrnehmung eines Otters. Otter entleeren ihren Darm, um ihr Revier zu markieren. A

lso schickt Foster seine Kinder zum Fluss, um zu markieren („Aber fallt nicht drauf, und seid zum Essen zurück.“), was aber leider nicht sofort klappt („Menschenkinder können ihren Darm nicht auf Befehl entleeren, und ihnen nur diesem Buch zuliebe Abführmittel in die Rice Crispies zu mischen wäre gemein“).

Als es dann doch gelingt, untersucht Foster die Hinterlassenschaften, um herauszufinden, wie eindeutig sie jeweils auf den Urheber zurückführbar seien, wie einzigartig also diese Markierung ist („Das war eine ekelhafte Aufgabe, und es muss ziemlich pervers ausgesehen haben, wie wir schnüffelnd das Flussufer entlangkrabbelten.“).

Es folgen ähnlich erfrischende Exkursionen in die Wahrnehmungswelt und Lebensweise eines Fuchses in der Großstadt und eines Mauerseglers. Ideal für Naturliebhaber und Freunde unterhaltsamer Wissenschaftsbücher.

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

Sie können alle Bücher in unserem Online-Shop bestellen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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