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Bergisch Gladbach ist eben doch nur eine „kleine Großstadt“. Die meisten Großstädte in Deutschland haben nämlich einen positiven Pendlersaldo. Das heißt, mehr Menschen pendeln zum Arbeiten in die Stadt als aus der Stadt heraus. In Bergisch Gladbach ist das andersherum.

Mit dem interaktiven Beitrag „Die Pendlerrepublik” bietet Spiegel Online spannende Einblicke in das Pendelverhalten der Deutschen. Grundlegende Erkenntnis – wie der Titel schon sagt: Deutschland ist das Land der Pendler. 60 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten reisen zwischen ihrem Wohn- und ihrem Arbeitsort hin und her. Vor 20 Jahren waren es noch 52 Prozent. 

Wir haben die Daten für Bergisch Gladbach herausgefiltert und ausgewertet.

Mehr Bergisch Gladbacher arbeiten in Köln als in GL

In Bergisch Gladbach leben 38.616 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (siehe „Hintergrund“). Davon hat nur ein Drittel – 12.885 Menschen – einen Arbeitsplatz in der Stadt. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt für die sogenannten Binnenpendler liegt bei 40 Prozent.

Entsprechend liegt der Anteil derer, die in anderen Orten arbeiten, bei zwei Dritteln, und damit sehr hoch:

Insgesamt arbeiten 25.731 Bergisch Gladbacher außerhalb der Stadtgrenzen. Und hier sind nur die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gezählt; Schüler, Studenten oder Selbständige fallen unter den Tisch. IT.NRW zählt auch die mit – und kommt für das Jahr 2016 auf 32.500 Auspendler, oder 59 Prozent aller  Berufstätigen. 

Die mit Abstand meisten Bergisch Gladbacher, nämlich 13.599, arbeiten in Köln. Das sind knapp 35 Prozent aller Beschäftigten – und 53 Prozent aller Auspendler:

Rund 500 Gladbacher fahren noch sehr viel weiter zu ihren Arbeitsstellen, zum Beispiel nach Frankfurt am Main (171), Berlin (131), Olpe (115) oder Essen (115). Wie oft sie diese Strecken fahren, ist aus den Daten nicht herauszulesen. Laut Spiegel Online weiß die Forschung darüber bislang wenig.

Die Einpendler

Es gibt nicht nur viele Gladbacher, die in Köln arbeiten – die Kölner stellen auch die größte Gruppe der Einpendler, also derer, die zum Arbeiten nach Bergisch Gladbach fahren: 

Auch aus weiter entfernten Städten kommen Menschen für den Beruf nach Gladbach, die meisten aus Essen (54), Berlin (46), Aachen (43) und Mönchengladbach (40).

Insgesamt sind es 20.353 Beschäftigte, die in Bergisch Gladbach arbeiten und woanders leben. Die Stadt hat also einen negativen Pendlersaldo.

Damit steht Bergisch Gladbach im Gegensatz zu den meisten deutschen Großstädten, die einen positiven Pendlersaldo aufweisen. Laut Spiegel Online leben viele Menschen wegen der niedrigeren Miet- und Grundstückspreise, aber auch wegen der Ruhe und Natur im Umland und pendeln täglich zum Arbeiten in die Stadt.

Hintergrund: Spiegel Online verwendet Daten der Bundesagentur für Arbeit zum Pendelverhalten von 32 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten aus dem Jahr 2017. Selbstständige, geringfügig Beschäftigte, aber auch Schüler und Studenten sind demnach nicht Teil dieser Statistik.

Der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) hat andere Zahlen, weil alle Erwerbstätigen gezählt wurden. Hier bezieht sich die aktuellste Statistik auf 2016.

Demnach hat Bergisch Gladbach 32.500 Auspendler – das sind 59 Prozent der Berufstätigen – und 26.200 Einpendler. Während andere Großstädte an den Werktagen wachsen, „schrumpft“ Gladbachs Bevölkerung tagsüber von circa 113.000 auf knapp 105.000.

Mehr zum Thema: Auf der Webseite des Projekts können die Daten für weitere Städte abgefragt werden, außerdem gibt es zusätzliche Infos zum Zeitaufwand des Pendelns nach Geschlecht und nach Ortsgröße, zu den verschiedenen Verkehrsmitteln und zu den Auswirkungen der Pendelei auf die Gesundheit.

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Laura Geyer

Journalistin. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg, ein Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro. Jetzt glücklich zurück in Schildgen.

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