Der Entwurf für den Flächennutzungplan sieht vor, Natur- und Feuchtwiesen mit hoher Wasserspeicherwirkung zur Bebauung freizugeben. Damit würde die Stadt alle Grundsätze für den Wasserschutz über Bord werfen.

Der im Bergischen häufig vorkommende Orts- und Landschaftsname Siefen kennzeichnet eine feuchte Niederung oder einen Bachlauf, meist verzweigt, sich aus mehreren Rinnsalen entwickelnd. Die Namenshäufigkeit kommt nicht von ungefähr, denn das Bergische Land gehört zu den niederschlagsreichsten Regionen in Deutschland. Mit über 800 mm Jahresniederschlag befindet sich Bergisch Gladbach in der Spitzengruppe der Regenstädte im Bundesgebiet.

Das ist nichts Neues. Den Regenschirm vergessen wir selten und die Hochwasserschutzmaßnahmen „Strunde hoch vier“ in der Innenstadt erinnern uns in schmerzlicher Weise täglich daran.

Vor ein paar Tagen wurde in der Volkshochschule eine die dortigen Baumaßnahmen begleitende Ausstellung der Stadt eröffnet. Im Internet gibt es dazu ein erläuterndes Dokument zum Download.

Darin findet sich gleich zu Beginn eine Passage, die bedeutsam für die Diskussion um den Flächennutzungsplan ist und die Auffassung des Bündnisses der Bürgerinitiativen bestätigt. Besonders bemerkenswert ist, dass dies durch die Stadt selbst geschieht. Dort heißt es:

„Jeder Tropfen Wasser, den wir trinken, benutzen oder auch verschwenden, war irgendwann mal ein Tropfen Niederschlag. Ein natürlicher, immer währender Kreislauf sorgt dafür, dass wir ständig mit Wasser versorgt werden. Allerdings kann bei uns das Wasser nicht mehr einfach überall versickern, denn viele Flächen sind zugebaut, der Boden ist versiegelt.“

Diese unbestreitbare Tatsache ist vor ein paar Tagen auch von anderer Seite bestätigt worden. Als wir in der Presse vom schlechten Zustand der Bäche und Flüsse in Deutschland hörten, war so mancher von uns aufgeschreckt, wurde doch in den letzten Jahren stets beteuert, die Gewässer hätten hierzulande eine noch nie dagewesene Qualität erreicht. Nun räumt die Bundesregierung überraschend deutlich ein, dass Flüsse und Bäche mit den sie begleitenden Auen doch und weiterhin zu den bedrohten Lebensräumen gehören.

Unter anderem wird ausgeführt:

„Naturnahe Auen erbringen eine Vielzahl von Ökosystemleistungen mit einem enormen Gewinn für die Gesellschaft. Sie bieten natürlichen Hochwasserrückhalt, halten Nährstoffe zurück, verbessern die Wasserqualität des Oberflächen- und Grundwassers und sie tragen zum Wohlbefinden und zur Erholung des Menschen bei. Moorreiche und nasse Niederungen leisten zudem einen Beitrag zum Klimaschutz, indem sie Treibhausgase zurückhalten. Auen, die sich in einem deutlich bis stark veränderten Zustand befinden, können diese Leistungen nur eingeschränkt erbringen.“

Wenn man sich nun die Pläne der Stadt ansieht, mit Hilfe des neuen, noch zu beschließenden Flächennutzungsplanes gerade solche Natur- und Feuchtwiesen mit hoher Wasserspeicherwirkung, ja sogar mit den typischen Siefen zur Bebauung freizugeben, muss man sich die Frage stellen, was die Verantwortlichen umtreibt, wenn sie ihre selbst aufgestellten Grundsätze über Bord werfen.

Bei massiver Überbauung kann nämlich gar nicht verhindert werden, dass Niederschlags-, Oberflächen- und Grundwässer möglichst geradlinig, teilweise unterirdisch mit hoher Fließgeschwindigkeit abgeleitet werden müssen. Der Bau und Unterhalt dafür notwendiger Abwassersysteme kostet übrigens auch Geld, unser Geld, das sollte man nicht vergessen, denn die Kosten werden letztlich auf uns Bürger umgelegt.

Noch mehr Geld wird es allerdings die großen Städte am Rhein kosten, den zukünftig noch aufwändigeren Hochwasserschutz zu finanzieren.

Allen Verantwortlichen der Stadt sei geraten, ihre Pläne auch unter Berücksichtigung dieser Aspekte zu hinterfragen und zu überdenken.

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Rainer Röhr

ist Bürger aus Schildgen und aktiv bei der Bürgerinitiative Sträßchen Siefen.

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1 Kommentar

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  1. Wir und vor allem die von uns gewählten Volksvertreter sind dabei den Ast abzusägen, auf dem wir alle sitzen. Deshalb spielt die drohende Umweltkatastrophe in der aktuellen Politik-wie auch in der Bundestagstagswahl- bei keiner der herrschenden Parteien eine allzu große Rolle. Symptomatisch ist auch, dass DIE Nachricht des vergangenen Jahres, nämlich das INSEKTENSTERBEN, in der öffentlichen Diskussion kaum noch vorkommt. Dabei wäre entschiedenes Handeln notwendig, nicht nur klein(lich)e Maßnähmchen. So ist es nur konsequent, wenn die Verantwortungsträger mit unserem Wasser ähnlich umgehen.