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Ein Roman über drei unterschiedliche Frauen, der Sie nicht mehr loslässt. Eine berührende und skurrile Geschichte, die Sie ebenfalls in ihren Bann ziehen wird. Und ein Sachbuch über die Geschichte der Netzwerke.

Laetitia Colombani: Der Zopf.
S. Fischer 2018, € 20,00.

Smita ist eine Dalit, eine „Unberührbare“, die abseits der indischen Gesellschaft lebt. Für ihre kleine Tochter wünscht sie sich ein besseres Leben, doch dafür müssen die zwei eine lange, gefährliche Reise auf sich nehmen.

Giulia hingegen nimmt den Kampf gegen Traditionen und Vorurteilen mit der eigenen Familie auf. Sie versucht mit unkonventionellen Mitteln, die Fabrik ihres Vaters vor dem Ruin zu retten.

Sarah muss sich als alleinerziehende Mutter in einer von Männern dominierten Arbeitswelt, in einer Anwaltskanzlei, behaupten. Durch ihre eiserne Disziplin steht sie kurz davor, Partnerin der Kanzlei zu werden, bis eine tragische Nachricht ihr Leben aus der Bahn wirft.

Die Autorin Laetitia Colombani schafft es, diese drei unterschiedlichen Lebenswege geschickt zu verknüpfen. Durch ihre klare Sprache wird der Roman nie seicht. Er erzählt von Frauen, die sich nicht ihrem Schicksal ergeben und bereit zu Veränderungen sind. Besonders gut hat mir das hoffnungsvolle und positive Gefühl beim Lesen gefallen. Ein Buch, das man nach den ersten Seiten nicht aus der Hand legen kann.

erlesen von Viviana Domokos

Genki Kawamura: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden.
C. Bertelsmann 2018, € 18,00.

Als Bedienstete von zwei Katzen hat mich der Titel natürlich erschüttert und ich musste erfahren, worum es in diesem Buch geht. Es erzählt die berührende Geschichte eines jungen Briefträgers, der an einem unheilbaren Hirntumor erkrankt. Nur noch wenige Tage bleiben dem Mann. Wie betäubt geht er in seine Wohnung zu seinem Kater Weißkohl und versucht, seine Gedanken und Gefühle zu ordnen. Nicht nur die Endgültigkeit der Diagnose schockiert ihn, sondern besonders die Feststellung, dass er keine dringenden Dinge, keine Aufgabe zu erledigen hat, bevor er stirbt. Ihm fällt schlicht nichts ein.

Zuhause ist er nicht lange alleine. Doch der unerwartete Besuch ist niemand anderes als der Teufel persönlich.

„Haben Sie schon mal den Teufel gesehen? Ich schon. Er ist nicht behaart, hat keine Hörner und auch keinen Schwanz. Nicht einmal eine Mistgabel hat er. Der Kerl sah genauso aus wie ich. Er war mein exakter Doppelgänger!“

Ohne viel Umschweife bietet der dem jungen Mann einen Pakt an: für jeden Tag, den er länger leben kann, muss eine Sache von der Erde verschwinden. Welche das sind, entscheidet der Teufel. Nach kurzem Zögern stimmt er zu. Zusammen mit Aloha (so nennt er den Teufel, denn der trägt grelle Hawaiihemden) entscheidet er sich für die Telefone. Und so beginnt der nächste Tag in einer Welt ohne diese einfache Möglichkeit, sich anderen mitzuteilen.

Was bitter und traurig beginnt, entwickelt sich zu einer Suche nach dem Sinn des Lebens. Ich war schnell in den Bann dieser ungewöhnlichen Geschichte gezogen und sehr gespannt, welche Entscheidungen der junge Mann trifft.

Die wunderbar skurrilen Dialoge zwischen der Hauptperson und dem Teufel sind ausgesprochen gut gelungen. Sie leiten mit viel Humor die nächste Entscheidung ein. Jede Entscheidung für etwas, das von der Welt verschwinden kann, führt zu wichtigen Erlebnissen und Personen aus der Lebensgeschichte des Mannes.  Dabei wird dem Leser immer wieder vor Augen geführt, wie wichtig den Menschen ganz alltägliche Dinge sind, ohne dass sie sich dessen bewusst sind.

„Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden“ erzählt ganz ungewöhnlich die Lebensgeschichte eines Mannes, der einen ganz normalen Alltag lebt und in diesem Rhythmus unbewusst vergisst, was ihm wichtig ist. In ihrer Einfachheit und dem hintergründigen Humor lässt sich die Geschichte schnell lesen, aber sie bleibt im Kopf. „Genki Kawamura hat einen inspirierenden Roman darüber geschrieben, was im Leben wirklich zählt.“, steht auf dem Buch. Dem kann ich absolut zustimmen.

Ich werde dieses Buch so schnell nicht vergessen.

erlesen von Pia Patt

Niall Ferguson: Türme und Plätze.
Propyläen 2018, € 32,00.

Mit seinem Buch „Der Westen und der Rest der Welt“ ist Niall Ferguson einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden. Das Buch war dick, ungewöhnlich aufgebaut, eingängig geschrieben und prall an Wissen. Ich habe es geliebt. Nun ist ein neues, ebenso vielversprechendes Buch von ihm erschienen, wieder ein Wälzer, wieder mit einem ungewöhnlichen Zugang zur Geschichte.

In „Türme und Plätze“ geht es um Hierarchien, Netzwerke und ihren Einfluss auf den Gang der Geschichte. Ich gebe zu, ich habe das Buch noch nicht ganz zuende gelesen, sondern stecke noch mittendrin. Das Buch ist nämlich erst vor wenigen Wochen erschienen und fordert volle Konzentration, zumindest am Anfang.

Deshalb bin ich nicht so schnell vorangekommen, wie ich gedacht hatte, bin mir aber sehr sicher, dass ich dem Buch viele Leser wünsche und empfehle es Ihnen hiermit aus voller Überzeugung. Anfangs ist es tatsächlich ein wenig mühselig, aber es lohnt sich. Die ersten siebzig Seiten sind nämlich eine Art Einführung in den Stoff, und dieser Stoff hat es einfach in sich. Doch dann ist man auf dem neuesten Stand der Netzwerktheorie und kann sich in die praktischen Beispiele vertiefen.

Birgit Jongebloed und Pia Patt führen die Buchhandlung Funk

Und die sind spannend genug. Nach einem kurzen Blick auf frühe hierarchisch organisierte politische Systeme geht es weiter mit dem ersten vernetzten Zeitalter, der Renaissance. Bis in die Gegenwart hinein folgt Ferguson dem Wirken von vielen vollkommen unterschiedlich organisierten Gruppen.

Ob offene, kreative Netzwerke mit Innovationspotential, ob strategisch operierende Hierarchien – die Organisationsform einflussnehmender und oft auch im Hintergrund agierender Personen kommt in dieser präzise untersuchten Form eher nicht in Geschichtsbüchern vor. Plötzlich fällt ein ganz neues Licht auf viele Dinge.

Ein typischer Ferguson, weil er wieder dank eines ungewöhnlichen Zugangs zur Geschichte einen neuen Blick freigibt auf die Welt. Alles ist einwandfrei hergeleitet und wissenschaftlich belegt. Auch wenn daraus nicht notwendigerweise eine Neuinterpretation des einen oder anderen Sachverhalts folgen muss, finde ich es immer wieder ausgesprochen bereichernd, mit einer neuen Perspektive ausgestattet zu werden.

erlesen von Birgit Jongebloed

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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