Die Schlossstraße im gegenwärtigen Zustand

Der Arbeitskreis Baukultur beobachtet die Debatte über die Neugestaltung der Schlossstraße mit großer Sorge. In einem Statement beziehen die acht Architekten klar Stellung.

Wer die Bensberger Innenstadt besucht, kann sich nicht wirklich wohl fühlen. Fußgänger quetschen sich durch die engen Bereiche der parkenden Autos, ein gegenläufiger Kinderwagen oder ein älterer Mensch mit Rollator führt bereits zu einem Stau. Die aus Platzmangel nur sehr wenigen Außentische der örtlichen Gastronomie sind meist belegt, wilde Parkmanöver lösen zum Teil bedrohliche Situationen aus, Angebote für Kinder sind kaum vorhanden.

Auch die Umfahrung der Stadt über die Steinstraße gereicht nicht zur Freude. Dem aufmerksamen Beobachter bietet sich eine trostlose Hinterhofsituation: Vernachlässigte Fassaden, wilde Zu- und Abfahrten zu den unaufgeräumten Parkplätzen, ungepflegte Begrünung.

Diese nicht nur die Bürgerinnen und Bürger, sondern auch Tourismus und Handel gleichermaßen behindernden Missstände auszuräumen, hat sich die Stadt dankenswerterweise entschlossen, einen Wettbewerb zur Neugestaltung der Schlossstraße auszurufen.

Ein „Boulevard der Begegnungen“ soll es werden, ein wichtiger und richtiger Schritt in die Zukunft unserer Stadt!

So stellt sich der Club L94 die neue Schlossstraße vor

Nach vielen vorbereitenden Gesprächen liegt nun ein Entwurf auf dem Tisch, der viele der eingangs beschriebenen Schwächen ausräumt.

Auch wurde ein Vorschlag entwickelt, durch den Neubau einer Parkpalette entlang der Steinstraße leicht erreichbare Stellplätze zu ermöglichen und gleichzeitig die dort vorhandene unwirtliche Situation mit einer „grünen Stadtmauer“ abzuschließen.

Leider wird aktuell deutlich, dass sowohl der Siegerentwurf des Wettbewerbs als auch der Vorschlag für die Steinstraße eher zerredet als umgesetzt werden.

Der Arbeitskreis Baukultur, ein Zusammenschluss von Architektinnen und Architekten der Stadt, sieht diese Entwicklung mit großer Besorgnis.

Wir fordern hiermit dazu auf, dass sich alle beteiligten Händler, Grundstückseigentümer, Politiker und Bürger ihrer Verantwortung für die Gesamtstadt bewusst werden und sich zu einem gemeinsamen Vorgehen zur Umgestaltung der Schlossstraße auf der Grundlage des bereits modifizierten Siegerentwurfs verständigen. Dieser sollte nun ohne wenn und aber akzeptiert werden.

Die von uns geplante Neugestaltung der Steinstraße ist eine ebenso dringende Notwendigkeit! Ein Schulterschluss aller Beteiligten sollte auch hier endlich gelingen und zur lange diskutierten Umsetzung des wichtigen Bauwerks führen.
Nur so kann ein Zentrum entstehen, das sich dem Namen „Schlossstadt Bensberg“ würdig erweist.

Für den Arbeitskreis Baukultur: Doro Corts, Bruno Franken, Uwe Grede, Jürgen Kreft, Bernd de Lamboy, Michael Unrath, Lisa Wendling.

Weitere Beiträge zum Thema:

Bensberger Händler fordern Planungssicherheit

Der Zeitplan für die Schlossstraße bleibt vage

Bensberg, wie Sie es kennen und …

Parkplatz-Debatte teilt Bensberg in zwei Lager

Smarte Lösungen für die Schlossstraße

CDU geht auf Distanz zu Schlossstraßen-Händler

SPD-Fraktion befürwortet Neugestaltung der Schlossstraße

Harte Debatte über Parkplätze in der Schlossstraße

Bensberg: So soll die neue Schlossstraße aussehen

Land bewilligt erste Million für Bensbergs Erneuerung

Stadtplaner polieren „die Krone der Stadt”

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

5 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Leider sieht es so aus, als wäre die Stadtverwaltung vor dem rückwärtsgewandten Teil der Händlerschaft eingeknickt: 30 zusätzliche Parkplätze in der Schloßstraße – das bedeutet mehr Abgase und Lärm, weniger Platz zum Flanieren und weniger Aufenthaltsqualität. Wer bleibt länger als unbedingt nötig im lauten, zugeparkten Bensberger Stadtzentrum?

    Die Steinstraße mag verkehrstechnisch notwendig sein, stadtplanerisch und ästhetisch ist sie ein Horror. Dass sich daran durch ‘gepflegte’ Begrünung und eine Parkpalette etwas ändern ließe, mag glauben wer will.

    Bensberg wird erst dann ein lebenswerter Ort werden, wenn die Stadtplanung nicht mehr auf Autos, sondern auf Menschen fokussiert. Wer Straßen und Parkplätze baut, erntet Autoverkehr – wer das nicht will, baut Fuß- und Radwege und Straßenbahnen.

  2. Ich habe etwas falsch aufgefasst, und so darf ich wie Herr Maaßen äußern: “Ich bin falsch verstanden worden”.

    Nein, mit dem Herrn möchte ich nicht verglichen werden. Mich dünkte, Immobilien-Eigentümer und IBH hätten verschiedene Interessen hinsichtlich der Parkplätze. Das wurde mir aber als falsch von einem Mitbürger erklärt, der die Nase tiefer im Wind hat. Dafür bin ich dankbar und gelobe Besserung.

  3. Zu diesem Thema hatte ich bereits geschrieben, muss mich jetzt aber nochmals äußern, um die durchaus richtige Stellungnahme des AK Baukultur anzuschließen. Nur durch eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger wird man tatsächlich erfahren können, wie deren Vorstellungen im Einzelnen aussehen. Das aber ist nicht möglich, und, pardon, der jetzt stattfindende Kinderkram scheint um so peinlicher, weil man sich, da nichts mehr der Verwaltung vorgeworfen werden kann, nun gegenseitig zum Nachteil mindestens der Bensberger die Köpfe einschlägt. Tut mir leid, mein ehemals vorhandenes Verständnis für beide Seiten tendiert gegen Null!

  4. Fördern statt Fordern,

    ich kann den Ausführungen des AK Baukultur nur uneingeschränkt zustimmen. Die Welt in der Schlosstr. ist bereits seit langem nicht mehr in Ordnung. Die Schlossstadt Bensberg ist heruntergewirtschaftet und hat bereits seit langer Zeit ihre ursprüngliche Seele verloren. Diese gilt es, ihr in Zukunft wieder erneut einzuhauchen. Die Bürgerschaft hat in einem mehrjährigen Abstimmprozess zugunsten einer Straße der vielen Begnungen votiert. Der Club L94 hat mit ihrer Konzeption diesen Bürgerauftrag in einem Realisierungswettbewerb überzeugend dargestellt.

    Wenn sich nun vereinzelte Stimmen aus der Händlerschaft im Namen des IBH/ISG lautstark zu Worte melden, so repräsentiert dies wahrlich nicht dem bereits artikulierten und verabschiedeten Bürgerwillen. Dieser sollte nun ohne wenn und aber umgesetzt werden. In Zukunft sollten sich nach diesem Willen Menschen auf der Schlossstr. begegnen und nicht Autos … Autos haben bekanntermaßen im Gegensatz zum Menschen leider keine Seele.

  5. Herzlichen Dank an den Arbeitskreis Baukultur für diese Wortmeldung und klare Positionierung, das kann ich in allen Punkten nur unterstützen.

    Mir als Teilnehmer der Begehung im März diesen Jahres kommt die vom Arbeitskreis Baukultur gestellte Forderung gerade als so selbstverständlich vor, weil man sich den bis dahin abgelaufenen Prozeß vor Augen führen muß. Genau das war auch das Verständnis der Teilnehmer der Begehung im März diesen Jahres. Die Forderung:

    Wir fordern hiermit dazu auf, dass sich alle beteiligten Händler, Grundstückseigentümer, Politiker und Bürger ihrer Verantwortung für die Gesamtstadt bewusst werden und sich zu einem gemeinsamen Vorgehen zur Umgestaltung der Schlossstraße auf der Grundlage des bereits modifizierten Siegerentwurfs verständigen. Dieser sollte nun ohne wenn und aber akzeptiert werden.

    Genau zu dieser Forderung gab es von allen Beteiligten bereits im März diesen Jahres ein klares Ja. Um so unverständlicher ist für mich dieser Kurs der Verunsicherung der Öffentlichkeit und auch der Beteiligten.

    Das gemeinsame Gespräch wird Klarheit bringen.