Timo Schumacher bleibt Optimist

Timo Schumacher hat trotz Corona eine Menge zu tun. Er storniert in seinen Reisebüros in Refrath und Schildgen die Urlaube genervter Kunden. Corona trifft ihn hart. Aber er nutzt die Krise zur Investition in die Zukunft: Er treibt sein Startup „Shakebox“ voran – das nichts Geringeres als das „Amazon des Reisens“ werden soll.

„Die letzte Reise haben wir vor Karneval gebucht, bis Mitte Mai war dann Pause“. Knapp und nüchtern schildert Timo Schumacher, Geschäftsführer im Reisehaus Schumacher, die Lage seines Unternehmens.

Zwölf Mitarbeiter sind seit Beginn der Corona-Krise in Kurzarbeit. Gemeinsam mit dem Seniorchef und zwei Azubis kümmert er sich seither um Stornierungen und Umbuchungen von Kunden, deren Reisen geplatzt sind.

Ärger auffangen

„Das ist Service am Kunden“, erklärt er. „Denn zuständig für Umbuchungen und Stornierungen sind die Veranstalter. Das ist nicht unsere Aufgabe.“ Eigentlich.

Denn die Veranstalter gehen laut Schumacher auf Tauchstation und beantworten Anfragen der Kunden kaum. Die Branche sitze das Thema aus und wolle entgegen der Gesetzeslage Gutscheine statt Rückerstattung durchdrücken, meint Schumacher.

Das sorgt für Frust bei den Kunden. Die wollen ihr Geld zurück und werden von den Veranstaltern hingehalten. Den Ärger fängt Schumacher auf, lässt sich aber selbst nicht anmerken, dass die Lage gerade nicht so rosig ist.

Vor der Krise habe das Reisehaus Schumacher mit einem Umsatz im siebenstelligen Bereich zu den TOP 50 beim Veranstalter DER gehört. Im Luxussegment seien sie mit dem Online-Service Finest Luxury gar unter den TOP TEN im deutschsprachigen Raum.

Corona hat die Touristik insgesamt hart erwischt, die Reisebranche macht eins-zu-eins die Wanderung des Virus rund um den Globus mit: „Wir stecken durch den Verkauf weltweiter Reisen am längsten in der Krise. Erst ging es in Asien los, Airlines und Hotels stoppten den Service, dann schwappte Corona nach Italien.

Das Buchungsaufkommen war gleich null, und damit auch unser Umsatz“, erklärt der Reiseprofi. Denn Null Buchungen gleich Null Provisionen. Und davon lebt sein Geschäft, auch als unabhängiger Anbieter.

Hinzu komme, dass er längst erhaltene Provisionen rückerstatten müsse, von Reisen die er z.B. bereits im vergangenen Jahr gebucht habe. Das belastet die Kasse zusätzlich.

Tourismus statt Autos fördern

Unterstützung von Verbänden bekomme er kaum, meint Schumacher. Dort hätten die Veranstalter das Sagen. Statt in Kaufprämien für Autos solle Berlin lieber die Reisebranche schützen.

Klar, es ist sein Metier. Aber es leiden nicht nur die Reisebüros, von denen 70 Prozent in Deutschland die Krise nicht überstehen würden, so Schumacher. Auch Busunternehmen, Hotels, Gaststätten und viele mehr würden durch die Reise-Pause an den Rand der Existenz gedrängt.

Timo Schumacher investiert trotz Corona in die Zukunft und plant das “Amazon des Reisens”

Über 250 Buchungen wickeln er und sein Vater mit den Azubis derzeit ab. Kunden bekämen in der Regel innerhalb von 24 Stunden ein Feedback.

Diese profitieren damit von den Vorteilen eines lokalen Unternehmens. „Online wartet man ewig auf Feedback der Veranstalter. Wir kümmern uns direkt um unsere Kunden“ so Schumacher zu den Vorzügen, die man bei der Reisebuchung vor Ort statt bei Online-Anbietern genießt.

Solide gewirtschaftet – und dennoch in der Patsche

„Wir haben solide gewirtschaftet, setzen aber dennoch auf die Soforthilfe, um über die Runden zu kommen“, erklärt Schumacher. Stand heute muss er niemanden entlassen. Aber sollte die Krise bis zum Jahresende dauern, wäre dies auch für das Reisehaus Schumacher der Ernstfall.

Er schaut indes positiv in die Zukunft: „Wenn erste Infos ankommen, welche Möglichkeiten Urlauber in diversen Zielgebieten haben, wenn klar ist wie der Corona-Schutz läuft, dann geht das Reisegeschäft auch wieder los“, zeigt er sich zuversichtlich.

Urlauber sollten sich beim Auswärtigen Amt über Reisewarnungen informieren. Angaben des Veranstalters seien da nicht rechtsverbindlich.

Das Amazon des Reisens

Zugleich sieht er die Krise als Chance und erfindet gerade sein Unternehmen neu. Im Start-up „Shakebox” entwirft er zusammen mit einem jungen Team eine webbasierte App.

Sie digitalisiert die Reiseplanung für Gruppen. Flexibel, nach einem Baukastensystem, mit Angeboten von Spezialisten für individuelle Wünsche. „Wir streben nach Unabhängigkeit. Shabebox wird das Amazon des Reisens. Mit einem Marktplatz für Spezialanbieter“, freut sich Schumacher und zeigt auf seinem Bildschirm auf ein Reisemagazin. Es wächst gerade aus den Beiträgen von über 400 Bloggern, die ihre Erlebnisse bei Shakebox veröffentlichen. Klar, dass die Trips der Blogger gleich online gebucht werden können.

Unter www.shakebox.de werden derzeit in Refrath neue, digitale Optionen zur Reisebuchung entwickelt

„Damit investieren wir in die Zukunft“, macht Schumacher klar. Die Entwicklung der Plattform stemmt er aus eigener Kraft, die Ressourcen setzt er trotz Corona frei. Oder vielleicht gerade wegen Corona. Marktstart für Shakebox soll im Sommer 2020 sein.

Start-up Atmosphäre vor Ort, in Refrath, statt in hippen Hinterhof-Lofts der Großstadt. Cool, aber: „Man muss auch junge Mitstreiter finden, die hier raus nach Bergisch Gladbach kommen, um an einem Start-up mitzuwirken. Hier gibt es nun einmal nicht gleich einen Veganer um die Ecke.“

Ob er schon seinen Urlaub für 2020 gebucht hat? Schumacher lacht: „Es wurden schon einige meiner Reisen abgesagt. Geplant ist nun Sri Lanka im August, um Destinationen zu testen.“ Schumacher bleibt trotz Corona ein Optimist.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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