Das Ordnungsamt der Stadt stellt klar, dass die sogenannten Face-Shields aus Kunststoff die Gesichtsmasken nicht ersetzen. Gleichzeitig versorgt die Stadt alle Schulen im Kreis über eine Spende mit diesen Schutzvisieren – als Ergänzung dort, wo keine Maskenpflicht herrscht.

Nachdem die industrielle Massenproduktion angelaufen ist tauchen auch in Bergisch Gladbach immer mehr der sogenannten Face-Shields im Straßenbild aus. Visiere aus Kunststoff, die über ein Stirnband am Kopf befestigt werden und für viele eine bequeme Alternative zum Mund-Nase-Schutz bieten.

Genau das sind sie aber nicht, betont das Ordnungsamt in einer Stellungnahme: Überall dort, wo die Corona-Schutzverordnung eine Textil-Bedeckung von Mund und Nase fordert, könnten Face-Shields nur als Ergänzung zusätzlich und nicht als Alternative getragen werden.

Im Geschäft oder im Bus könne auf die Maske oder zur Not einen Schal vor Mund und Nase nicht verzichtet werden. Darauf habe das Gesundheitsministerium in einer internen Mail alle Ordnungsämter ausdrücklich hingewiesen.

„Wir bitten um das Verständnis aller Bürgerinnen und Bürger, die von uns ermahnt werden müssen, wenn sie lediglich mit einem Face-Shield einkaufen gehen”, sagt Ute Unrau als Leiterin der Ordnungsbehörde.

Wer den Mund-Nase-Schutz weglasse, begehe eine Ordnungswidrigkeit. Zudem müsse ihm der Zutritt zum Beispiel zum Ladenlokal verwehrt werden.

Der Grund: Ein Face-Shield dichtet nicht ab, und es kann zu viel Atem mit Tröpfchen und oder den feineren Aerosolen nach unten und rechts und links ausweichen. Die Mund-Nasen-Bedeckungen dienen dem Drittschutz, also dem Schutz anderer Personen vor einer Tröpfcheninfektion. Gesichtsschilder bieten keinen gleichwertigen Schutz, weil sie nicht eng anliegen.

Bürgermeister Lutz Urbach und Igus-Geschäftsbereichsleiter Tom Krause

Face Shields für alle Schulen

Allerdings versorgt die Stadt Bergisch Gladbach selbst gerade alle Schüler:innen und Lehrkräfte der Stadt mit diesen Face Shields, die von der Firma Igus gespendet worden waren.

Diese Schenkung und das Austeilen in den Schulen begründet Bürgermeister Lutz Urbach mit dem Argument, das in den Klassenräumen keine Maskenpflicht bestehe. Ein Visier könne daher einen gut tragbaren Schutz darstellen.

„Das Face-Shield kann den Mund-Nase-Schutz z.B. in Bus und Bahn nicht ersetzen, aber es ist ein zusätzlicher Schutz im Klassenzimmer”, erläuterte Urbach bei einen Pressetermin zur Übergabe der Spende.

Schulen entscheiden über Einsatz

An der GGS Gronau werden die Visiere bereits von Lehrer:innen getragen. Das Lehrerkollegium halte sie gerade bei Grundschulkindern für wichtig, da die Mimik besser zu sehen sei.

Ob und wie die Face Shields eingesetzt werde, müsse jede Schule für sich entscheiden, erklärt die Stadtverwaltung auf Nachfrage. Das gilt auch für die Gesichtsmasken – hier hatten einige Schulleiter eine Maskenpflicht verfügt.

Schneller Einstieg in die Produktion

Bis Anfang Juni erhalten alle Schüler und Lehrer im Rheinisch-Bergischen Kreis insgesamt 35.000 Schutzschilder. Gespendet werden sie vom Bergisch Gladbacher Unternehmer Frank Blase, dessen Firma Igus von 1973 bis 1994 ihren Sitz in Bergisch Gladbach hatte und dann nach Porz abwanderte.

Igus ist im Bereich Kunststofftechnik tätig und begann in der Corona-Krise kurzfristig mit der Produktion von Kopfbändern für Face-Shields. „Die Idee, diese Face-Shields selbst im Spritzguss-Verfahren herzustellen, stammt von zwei jungen Kollegen“, berichet Firmenchef Blase.

Ursprünglich sollte Igus nur den Rohstoff für die Kopfbänder per 3D-Drucker liefern. Dort hätte der „Ausdruck” eines Kopfbands aber zwei Stunden gedauert. Statt dessen bot Igus an, die Bänder im Spritzgussverfahren massenhaft herzustellen, schneller und günstiger.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

6 Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Gefahr durch AEROSOLE auch IM FREIEN / “draußen” – aber geringer als in geschlossenen Räumen / “drin”

    Das Gesundheitsamt Köln teilte am 29.05.2020 auf Anfrage, ob die AEROSOL-Infektionsgefahr beim ab heute RECHTLICH wieder erlaubten Rudern mehrerer Personen aus mehr als zwei Haushalten in größeren Ruderbooten (z.B. in 3er- oder 4er-Ruderbooten) aus MEDIZINISCHER Sicht unbedeutend ist, folgendes mit:

    “Laut der zum 30. Mai gültigen CoronaSchutzverordung NRW dürfen Sie sich mit 10 Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen. Dementsprechend können Sie rein RECHTLICH in größeren Booten rudern.

    Diese neue Regelung kommt daher, dass die Fallzahlen aktuell so niedrig sind, dass im Fall eines positiven Covid-Falls alle Kontaktpersonen zurückverfolgt werden können. (!!!)

    Aus MEDIZINISCHER Sicht können Sie sich natürlich anstecken, sobald Sie mit mehreren Menschen zusammen sind.”

    _________

    Das Landesgesundheitsamt NRW (www.lzg.nrw.de) teilte auf dieselbe Anfrage mit:

    “Gemäß aktualisierter Coronaschutzverordnung NRW muss der geforderte Mindestabstand von 1, 50 m immer eingehalten werden. Wenn der geforderte Abstand nicht eingehalten werden kann, sollte eine Mund-Nasen-Bedeckung getragen werden.

    Die Frage zur Übertragbarkeit von Sars-CoV-2 durch AEROSOLE ist noch nicht abschließend geklärt. Es deutet aber einiges darauf hin, dass die Konzentration an der frischen Luft geringer ist. Daraus lässt sich leider nicht ableiten, dass es kein Infektionsrisiko „draußen“ gibt. Die Übertragungswahrscheinlichkeit ist im Freien eben nur geringer, aber vermutlich NICHT VERNACHLÄSSIGBAR. ”

    Die aktuelle „Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (Coronaschutzverordnung – CoronaSchVO)“ sowie die Anlage „Hygiene- und Infektionsschutzstandard“ findet man hier: http://www.land.nrw/corona

  2. Sehr geehrte Denise B.,

    es gibt leider “keinen Sinn in dieser Aktion”, wenn Sie als Sinn den Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus definieren. Visiere sind zum Schutz vor AEROSOLEN völlig unbrauchbar.

    Das Gesundheitsamt der Stadt Köln schreibt auf die Frage “Kann ich anstatt einer textilen Mund-Nasen-Bedeckung auch ein Visier tragen?” folgendes:
    ________________________
    Visiere sind kein Ersatz für die in § 12a CoronaSchVO geforderte Mund-Nase-Bedeckung.

    Ein Visier ist eine für bestimmte Fälle notwendige Ergänzung der persönlichen Schutzausrüstung im medizinischen Bereich. Es wird zusammen mit einem qualifizierten Mund-Nasen-Schutz getragen. Ein Visier ohne Mund-Nasen-Schutz schützt seinen Träger in Bezug auf COVID-19 nur vor direkt anfliegenden Partikeln, nicht jedoch vor der gesamten Partikelwolke (z.B. Husten), weil es an drei Seiten offen ist. Das Visier bedeckt weder Mund noch Nase. Umgekehrt setzt der Träger des Visiers z.B. beim Husten eine Partikelwolke frei, die vom Visier nicht aufgefangen werden kann wie eine direkt am Gesicht anliegende Mund-Nasen-Bedeckung.

    http://www.stadt-koeln.de/leben-in-koeln/gesundheit/infektionsschutz/corona-virus/mund-nasen-bedeckung
    ________________________

    Unterricht in Schulräumen mit angemessenem Schutz bedeutet nach derzeitigem Forschungsstand wohl:

    1. LehrerIn trägt mindestens “textile Mund-Nase-Bedeckung” (“Community-Maske”, Stoffmaske) oder besser FFP2-Maske und alle SchülerInnen tragen Stoffmasken, besser FFP2-Masken. Sobald die Masken durchfeuchtet sind (was schnell geht, wenn man viel spricht -> LehrerInnen!), müssen sie gewechselt werden. Außerdem müssen Pausen vom Masketragen gemacht werden.

    2. Alle Fenster des Raums sind weit geöffnet und die Klassenraumtür steht mindestens einen Spalt auf -> permanentes Lüften, am besten mit Durchzug. Noch besser wäre, wenn es zusätzlich einen Ventilator in der Nähe der Fenster gäbe, der die Luft aus dem Klassenraum zum Fenster hinausbefördert.

    3. Zwischen allen Personen wird ein Abstand von 1,5 m, besser 2 m eingehalten.

    4. Es gibt häufige Pausen, in denen alle den Raum verlassen und in denen der Raum gut durchgelüftet wird.

    Freundliche Grüße,
    Anton Weber

  3. Nach meinem Kenntnisstand beziehen sich Vergleich und Bewertung des RKI auf FFP3-Masken, welche in hochprofessionllen Bereichen eingesetzt werden, nicht auf Schals, selbstgenähten und die Mund-Nasen-Masken einfacheren Typs. Ich denke, wir stehen jetzt bei dieser Auseinandersetzung noch am Anfang. Die Stoffmasken wurden ja Anfang April auch noch in Frage gestellt und heute sind sie Pflicht. Wenn die Hygienebeschränkungen noch über viele Monate anhalten sollen, muss auch über die allgemeine Freigabe von Faceshields ernsthaft nachgedacht werden. Die psychosozialen Effekte von Vermummungen werden die allgemeine Stimmung auf Dauer negativ beeinflussen.

  4. RKI

    Infektionsschutzmaßnahmen

    Stand: 04.05.2020

    Ist der Einsatz von Visieren anstatt einer Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Raum sinnvoll?

    Für die Bevölkerung empfiehlt das RKI das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung (MNB) (textile Barriere im Sinne eines MNS) in bestimmten Situationen im öffentlichen Raum (siehe “Ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in der Öffentlichkeit zum Schutz vor SARS-CoV-2 sinnvoll?”). Durch eine Mund-Nasen-Bedeckung können infektiöse Tröpfchen, die man z.B. beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt, abgefangen werden. Das Risiko, eine andere Person durch Husten, Niesen oder Sprechen anzustecken, kann so verringert werden (Fremdschutz). Eine solche Schutzwirkung ist bisher nicht wissenschaftlich belegt, sie erscheint aber plausibel.

    Die Verwendung von Visieren anstelle von MNB wird derzeit bereits von verschiedenen Herstellern beworben, ohne dass Belege für die Äquivalenz dieser Ersatzmaßnahme vorliegen. Gemäß den Hinweisen des BfArM für Anwender zur Handhabung von „Community-Masken“ (MNB) muss die MNB richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern möglichst eng anliegen, um das Vorbeiströmen von Luft an den Seiten zu minimieren. Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass fest gewebte Stoffe in diesem Zusammenhang besser geeignet sind als leicht gewebte Stoffe.

    Durch das Tragen einer MNB können gemäß BfArM die Geschwindigkeit des Atemstroms oder des Speichel-/Schleim-Tröpfchenauswurfs reduziert werden. Visiere dagegen könnten i.d.R. maximal die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen.

    Die Verwendung von Visieren kann daher nach unserem Dafürhalten nicht als gleichwertige Alternative zur MNB angesehen werden.

    https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste_Infektionsschutz.html

    “Die Anordnung zum Tragen einer textilen Mund-Nase-Bedeckung in bestimmten Bereichen, in denen die Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5 m zwischen Personen nicht umfassend sichergestellt werden kann, dient vor allem dem Drittschutz, also dem Schutz vor der Übertragung von SARS-CoV-2 durch potentiell infizierte Personen via Aerosole in der Atemluft, beim Nießen etc.. Diesen Schutz stellt auch nach Einschätzung des Robert Koch-Institutes – das Tragen eines Visieres (z.B. aus Plexiglas) nicht in der gleichen Weise sicher, wie eine eng am Gesicht anliegende Mund-Nase-Bedeckung. Daher stellen Visiere keinen grundsätzlichen Ersatz für eine Mund-Nase-Bedeckung dar.”

    Stabsstelle Corona – Juristische Fragestellungen (Öffentliches Leben, CoronaSchVO, Erlasse)

    Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen
    Fürstenwall 25
    40219 Düsseldorf
    Internet: http://www.mags.nrw

  5. Mir fehlen drei Hinweise in dem Beitrag.

    1. dass es noch keine wissenschaftliche Expertise gibt, um die Schutzfunktion der Visiere in ihrer Wirksamkeit im Vergleich zur Textilmaste zu beurteilen.
    2. dass es für Asthmatiker, welche wegen Atemproblemen von der Textilmaske befreit sind, eine brauchbare Alternative darstellt
    3. dass in Hessen das Faceshield der Textilmaske gleichgestellt wurde.

  6. Thema: Face Shield für alle SchülerInnen und Schüler
    Wozu müssen die Schülerinnen und Schüler jetzt noch mit einem Face Shield belastet werden, der nachweislich keinen Nutzen hat, wenn der Abstand von 1,5 m sowieso schon eingehalten wird? Oder kann dann der Unterricht bis zu den Ferien mit diesem “Schutz” wieder normal fortgesetzt werden, d.h. täglich für alle Schülerinnen und Schüler im Klassenverband? Sonst sehe ich keinen Sinn in dieser Aktion.