Schon seit längerem arbeiten Soldaten und eine Soldatin im Lagezentrum des Kreises RheinBerg. Jetzt werden einige auch in einem Altersheim eingesetzt.

Das Gesundheitsamt hat sein Lagezentrum aufgestockt, um die große Zahl neuer Corona-Fälle nachverfolgen und Kontakte aufspüren zu können. Doch das reicht schon längst nicht mehr aus, die Beschwerden häufen sich. Nun wird der Kreis von zehn Soldaten unterstützt. Um die zweite Welle zu bewältigen müssten aber alle Bürger:innen mitziehen.

Schritt für Schritt hatte der Kreis sein Lagezentrum im Kreishaus wieder ausgebaut – doch die rasant steigenden Zahlen seien von den eigenen Kräften längst nicht mehr zu bewältigen, sagt Erik Werdel, Kreisdirektor und Leiter des Krisenstabes. Markus Fischer, Gesundheitsdezernent und Leiter des Lagezentrums, spricht von „harschen Beschwerden“.

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Daher sei der Kreis für die Hilfe durch neun Soldaten und einer Soldatin sehr dankbar. Die Bundeswehr leiste „einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung der Corona-Lage im Rheinisch-Bergischen Kreis“, betont Werdel.

Sitzungssaal wird zum Lagezentrum

Im Lagezentrum sind nach Angaben der Kreisverwaltung derzeit knapp 20 Angestellte des Gesundheitsamtes im Einsatz, außerdem rund 15 Freiwillige aus anderen Abteilungen. Etwa 20 Personen seien neu eingestellt worden, 15 bis 20 weitere sollen folgen.

Der große Sitzungssaal des Kreishauses Heidkamp wurde bereits wieder – wie im Frühjahr – für das Lagezentrum freigeräumt. Dort ist jetzt auch die Bundeswehr eingezogen.

„Harsche Beschwerden über lange Wartezeiten“

Allerdings ist der Kontakt mit den Bürger:innen offenbar alles andere als konfliktfrei. Die Beschäftigten würden mit „teils harschen Beschwerden über lange Wartezeiten“ konfrontiert, sagt Gesundheitsdezernent Fischer.

Auch dem Bürgerportal liegen Berichte von Betroffenen vor, die zum Teil tagelang auf Rückrufe warten und dann von einem Team auf das andere verwiesen werden. Einige Beschwerden beziehen sich auf Tests, deren Ergebnisse verschwinden oder erst mitgeteilt würden, wenn die Quarantäne längst vorbei ist.

Gerade Betroffene, die sich vorsichtig verhalten und versuchen, alle Regeln einzuhalten, fühlen sich nicht ernst genommen und zweifeln an der Funktionsfähigkeit der Behörden.

Ablaufstellen bereits überfordert

Der „sprungartige Anstieg“ der Fallzahlen überfordere bereits jetzt die öffentlichen Anlaufstellen, wie das Bürgertelefon, die Quarantäne-Hotline und die Kontaktpersonennachverfolgung, räumt Fischer ein.

Daher bittet Fischer darum, den zivilen und uniformierten Beschäftigten im Lagezentrum die Arbeit so weit wie möglich zu erleichtern. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Kontaktverfolgung so schnell wie möglich geht“, sagt Fischer.

Kontakte notieren, Abstand halten

Zum Beispiel könne es bei einer Infizierung sehr hilfreich sein, wenn die betroffene Person zuvor ein Kontakt‐Tagebuch geführt habe. Wer alle persönlichen Treffen regelmäßig notiere schütze seine Kontakte und erleichtere dem Gesundheitsamt die Arbeit.

Wichtig sei es jetzt, warnt Fischer, dass die Zahl der Infizierten nicht weiter so schnell zunehme wie bisher. Der Kreis könne das Personal zwar noch ein Stück weit aufstocken, „doch auch dieses Mittel hat organisatorische Grenzen.“

Wegen der „massiv gestiegenen Infektionszahlen” appelliert der Krisenstab erneut an das Verantwortungsbewusstsein der Bürger:innen. „Bitte reduzieren Sie Ihre Kontakte und halten Sie sich an Abstandsgebot und Hygieneregeln“, sagt Kreisdirektor Werdel. Nur so könne der Kreis „die zweite Welle ebenso wie die erste auch jetzt noch bewältigen.“

Informationsstellen und -Quellen

Das Bürgertelefon des Rheinisch-Bergischen Kreises ist von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr sowie Freitag von 8 bis 15 Uhr unter der Telefonnummer 02202 131313 erreichbar.

Bürger-Hotline des NRW-Gesundheitsministerium: 0211 91191001 

Arztpraxen und Testzentren, die Corona-Tests durchführen, listet die Kassenärztliche Vereinigung auf

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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1 Kommentar

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  1. Bundeswehr unterstützt Gesundheitsamt
    Warum greift die Verwaltung eigentlich nicht auf weitere staatliche Beschäftigte zurück, die zur Zeit aus Gründen persönlicher Krankheitsrisiken bei voller Bezahlung freigestellt sind (z.B. Lehrer*innen über 60 u.a., die sich nicht Menschenmengen aussetzen dürfen), aber doch an einem Computer-Telefonarbeitsplatz nicht gefährdet wären.
    Oder die Mitarbeiter*innen der Airlines, die auch in staatlich subventionierter Kurzarbeit sind