Malteser Mühle. Foto: Thomas Merkenich

Das Hochwasser hat nach Einschätzung des Bergischen Naturschutzvereins gezeigt, dass der bisherige Umgang mit starken Regenfällen nicht mehr funktioniert und die Verdichtung heftige Wirkungen zeigt. Daher müsse die gesamte Bauleitplanung neu gefasst werden – mit konkreten Folgen für die Bergisch Gladbacher Projekte Zanders, Wachendorff, Schlodderdeichs Wiese, Malteser Komturei und einige mehr.

Für eine völlige Neuorientierung der Bauleitplanungen in den Städten und Gemeinden des Rheinisch-Bergischen Kreises angesichts der Hochwasser- und Starkregenauswirkungen spricht sich der (Rheinisch)-Bergische Naturschutzverein (RBN) aus. Wie sich gezeigt hat, muss die bisherige Planung, Wasser möglichst schnell in die vorhandenen Vorfluter, meist kleinere Siefen und Bäche, abzuleiten, grundlegend überprüft und überarbeitet werden.

Gerade die schmalen Bäche schwollen zu meterbreiten Fluten an, hatten keinen Platz in den engen Tallagen, sich auszubreiten, was zwangsläufig zu noch schnelleren Abflüssen führte. Die größeren Flüsse wie Dhünn, Sülz und Agger aber waren aufgrund ihrer beengten Lage nicht imstande, die erheblichen Wassermassen aufzunehmen.

„Wir müssen die immer stärker um sich greifende Versiegelung drastisch herunterführen und in den Bach- und Flusslagen vorhandene Grünflächen so ausgestalten, dass sie Wasser in großem Maße zurückhalten können“, fasst der RBN-Vorsitzende Mark vom Hofe die vorrangigen planerischen Aufgaben zusammen. 

Mark vom Hofe

Kritische Bauvorhaben in GL prüfen

Parallel dazu müssen Bauvorhaben, die in gültigen Flächennutzungsplänen und Bebauungsplänen in von Überschwemmungen bedrohten Tal- und Flussbereichen genehmigt werden könnten, unverzüglich zurückgenommen werden.

„Wir appellieren dabei beispielsweise an Rat und Verwaltung in Bergisch Gladbach, den gerade aufgestellten Flächennutzungsplan vor diesem Hintergrund nicht nur zu überprüfen, sondern entsprechend zu ändern – Beispiele, wo neu gedacht werden muss, sind die Schlodderdeichs Wiese in Gronau, wo nahezu eine komplette Aue in unmittelbarer Nähe der Strunde überbaut werden soll, ebenso aber auch das Wachendorff-Gelände sowie letztendlich auch das Zanders-Gelände, das gerade wegen seiner Neustrukturierung im Strundebereich jetzt die Chance bietet, großflächig an Retentionsräume zu denken“, fordert der RBN-Vorsitzende. 

Auf dieser Wiese hinter dem Schlodderdicher Weg soll das neue Gebäude der Psychosomatischen Klinik entstehen; rechts hinter den Bäumen fließt die Strunde

Verdichtung von Baulücken stoppen, Dächer begrünen

Es sind aber nicht nur die Bebauungspläne, die Sorge bereiten; genauso gravierend sind die Einzelbauvorhaben in Baulücken in Gebieten, in denen es keinen Bebauungsplan gibt. Die Vergangenheit zeigt, dass, wo früher Einfamilienhäuser standen, großflächige Bauvorhaben umgesetzt wurden mit etlichen Wohnungen, Tiefgarage und „pflegeleichtem“ asphaltierten, gepflastertem Umfeld, das die Möglichkeit, Wasser versickern zu lassen, kaum noch darstellt.

Jedes Grün, ob Baum, Rasen oder Blühwiese, so der RBN, nimmt Wasser auf, führt es nicht in den nächsten Kanal oder Bach ab. „Deshalb muss der Versiegelungsgrad gravierend zurückgefahren werden – Dachbegrünungen können dabei etwas helfen, noch erheblich mehr allerdings der Verzicht darauf, alles zu pflastern und selbst die Pflanzen im Vorgarten noch in ein Schotterbett mit Folie drunter zu pressen!“ 

Ein Entwurf für eine mögliche Bebauung des Teichs an der Malteser Komturei. Foto: Ratsinfosystem Stadt GL

Neue Fragen zur Malteser Komturei

Nicht unerwähnt lassen will der RBN seine erheblichen Bedenken gegen die Überlegungen, in Herrenstrunden im Bereich der Strunde Neubauten an der Malteser-Komturei zu errichten.

Als Ende des letzten Jahres in einem Bebauungsplanverfahren die Bauabsichten, statt der vorhandenen Reithalle vier Wohneinheiten zu bauen, bekannt wurden, forderte der Verein in einer Stellungnahme eine konsequente Offenlegung der Strunde mit Randstreifen auf beiden Seiten und eine völlige Beibehaltung der Teichfläche, die nichts anderes als der historische Burggraben ist.

Nachdem bei dem Hochwasserereignis vor drei Wochen auch die Komturei im Eingangsbereich unter Wasser stand, stellen sich für den Verein hier Fragen, wie sich diese neue Sachlage auf die Bauabsichten auswirkt:

  • Kann vor der Wahrscheinlichkeit, dass es zukünftig immer häufiger Starkregenereignisse gibt mit stundenlangem Dauerregen, noch in von Überflutungen bedrohten Bereichen gebaut werden?
  • Wo kommen die erforderlichen Retentionsflächen her, müssen sie nicht direkt in den Bachlagen ausgewiesen werden, um dort so viel Wasser wie möglich zurückzuhalten?
  • Müssen darüber hinaus die Kanäle im Untergrund noch viel breiter werden, etwa wie in der Bergisch Gladbacher Innenstadt mit bis zu vier Metern Durchmesser?“
Betonbauteile für den Regenwasserkanal am Buchmühlenparkplatz in Bergisch Gladbach

Alte Praxis ist nicht mehr haltbar

Der RBN sagt klar und eindeutig, dass die bisherige Praxis, wie sie besonders gern in Odenthal, Overath und Kürten angewandt wurde, nicht mehr haltbar ist, nämlich dass die Regenwasserableitung der Neubausiedlungen nahe am nächsten Siefen erfolgte.

Sie sind damit ein wesentlicher Grund dafür, dass manchmal nur periodisch wasserführende Bachläufe plötzlich drastisch anschwellen und weitere zufließende Wassermassen nicht mehr aufnehmen können:.

Das traf im Bergisch Gladbacher Stadtgebiet beispielsweise auf die von Herkenrath herunterkommenden Asselborner Bach und Hombach zu, die meterbreit wurden und all das, was in den Siedlungen oberhalb aus den Straßenabwässern eingeleitet wurden, nicht mehr aufnehmen konnten, dafür die Straße nutzten und letztlich zu den Fluten im Strundetal führten. 

Der RBN fordert, dass beispielsweise die Stadt Overath, die ihren Flächennutzungsplan neu aufstellen will, diesen Erkenntnissen Rechnung trägt und im Sülz- und Aggertal flussnahe Flächen keiner weiteren Bebauung zuführt.

Dazu zählt insbesondere die Talaue zwischen Untereschbach und Lehmbach, die konsequent freigehalten werden muss und stattdessen als Bereich, der als Retentionsraum dient mit Mulden und Vertiefungen, mithilft, Hoffnungsthal und Rösrath nicht wieder absaufen zu lassen. 

Gleiches gilt für Rösrath, das bei allen anstehenden Planungen, etwa der Neuauflage des Landschaftsplans für Bergisch Gladbach und Rösrath der Versuchung widerstehen sollte, im Sülzbereich weitere Flächen für Wohnen oder Gewerbe auszuweisen. Das gilt für Bereiche in Lehmbach, wo in Sülznähe „noch was gehen könnte“ genauso wie für eine Umwidmung der Erweiterungsfläche des Volberger Friedhofs wie für Lagen kurz vor der Lohmarer Stadtgrenze.

„Selbst wenn diese Flächen nicht überschwemmt waren – sie neu zu versiegeln, würde das Grundproblem nur verstärken und falsche Signale setzen“, so der RBN. 

Pläne für Odenthal neu betrachten

Vor dem Hintergrund der Überschwemmungen der Dhünn in Altenberg und Odenthal sieht sich der Verein in seiner äußerst kritischen Haltung zu Überlegungen gestärkt, denen zufolge im Odenthaler Ortskern Terrassen an der Dhünn angelegt werden könnten.

Jegliche Form der baulichen Eindämmung von Flüssen oder Bächen führen zu einem schnelleren Abfluss, was zu Lasten der Unterlieger gehe, aber keinerlei Abhilfe bei der dringlichen Ausweisung von Retentionsflächen schafft.

Deshalb lehnt der RBN jegliche Baumaßnahmen an der Dhünn sowie in Dhünnnähe ab, da alle neuen Versiegelungen das Überschwemmungsproblem steigern – im Bereich der umstrittenen Ponywiese hatte auf mögliche Auswirkungen im Bauleitplanverfahren die Untere Wasserbehörde nachdrücklich hingewiesen. 

Der Strundepark war vollkommen überschwemmt, das Wasser hinterließ Tonnen von Schlamm. Foto: Thomas Merkenich

Fazit für den RBN: 

  • Überschwemmungsgebiete müssen neu ausgewiesen und anschließend ernst genommen werden. 
  • Bebauungspläne und Baugenehmigungen müssen Regelungen treffen, die die Versiegelung drastisch einschränken und verbindlich offene Flächen ausweisen, um das Wasser dem Boden zuzuführen. 
  • Grundsätzlich müssen in den Straßenkörpern und unter den Parkflächen gewaltige Rückhaltebecken oder Staukanäle eingebaut werden, um das Regenwasser dosiert an die Vorfluter abzugeben
  • Gleichfalls müssen in den Bach- und Tallagen natürliche Retentionsflächen festgesetzt werden. 

RBN

Der (Rheinisch-) Bergische Naturschutzverein ist seit 1975 die Stimme des Naturschutzes im Bergischen Land. Ursprünglich entstanden aus einer Bürgerinitiative engagieren sich Ehrenamtler quer durch das Bergische Land für den Schutz von Natur und Landschaft. Kontakt: info@bergischer-naturschutzverein.de

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5 Kommentare

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  1. Und ich hab doch noch dran geschrieben, dass es Ironie ist, Herr Humbach. Wir werden laut Statistik weniger Menschen in Deutschland. Das hat nichts mit Wunschdenken zu tun, es ist ein Fakt. Sollte für die Zukunft berücksichtigt werden, wenn es um Wohnungsbau geht.

  2. Frau Tüpker: Fragen Sie mal Refrather Bürger, die vor Jahren hinzogen um ruhiger und freier zu leben, ob sie mit der Verdichtung einverstanden sind. Grundsätzlich ist Verdichtung richtig. Aber sie muss sich der örtlichen Bebauung anpassen. Im übrigen hoffe ich nicht, dass wir weniger werden müssen um auch noch in Zukunft atmen zu können.

  3. @Nita
    Ja, der Plan ist wohl aktueller denn je. Und er sollte auf jeden Fall neu überdacht werden.
    @Günther Humbach
    Flutkatastrophen werden wohl kein Einzelfall bleiben, sondern eher öfter als alle 100 Jahre auftreten. Wenn man die Statistiken bemüht, werden wir trotz Zuwanderung auch nicht mehr Menschen, sondern weniger. Die Natur zeigt uns doch gerade massiv, dass sie die Stärkere ist, da kann man doch nicht völlig stumpf so weiter machen wie bisher! Zumal ein Teil der Flüchtenden Klimaflüchtlinge sind, die aus den Teilen der Welt flüchten, die zu einem guten Teil durch die maßlosen und rein auf Wachstum konzentrierten Industrienationen unbewohnbar geworden sind.

    Nachverdichtung, z.B. hier in Refrath, kann man weiter so handhaben – die Tiefgaragen der riesigen Kästen, die man hier auf Grundstücke geknallt hat, wo vorher ein kleines Einfamilienhaus mit Garten stand, haben super als Wasserrückhaltebecken funktioniert. Das Wasser stand zwar teilweise bis ins Erdgeschoss, aber dadurch wurde auf jeden Fall die ganz große Katastrophe verhindert. (Achtung, das war ironisch gemeint.)

  4. Nun ja, dann müssen wir eben aussterben. So machen es unsere Mitlebewesen, wenn sie nicht mehr nisten können. Es soll auch nicht mehr in Baulücken gebaut werden. Da bleibt ja nur noch die ein Kind Politik oder die Versiegelung von Schlafzimmer. Diese schreckliche Überschwemmungskatastrophe ist eine Heimsuchung und selbst wenn ähnliches nur alle hundert Jahre passiert, sollten wir alle möglichen Maßnahmen für die Zukunft ergreifen. Aber der Planet wird sich weiten drehen und auch in Zukunft wird immer mehr Wohnraum gebraucht werden, 80 zig Millionen Menschen sind auf der Flucht und sie wollen überwiegend in die westlichen Länder, die Erfordernisse der Zukunft werden uns den Weg aufzeigen. Global denken und gleichzeitig den Wohnraum zur Rarität werden lassen , das passt doch nicht zusammen.

  5. Am tiefsten Punkt in Bergisch Gladbach befi det sich das Klärwerk, soweit ich weiß. Direkt davor befindet sich in der alten Markrsreße eine Wiese,die wohl bebaut werde soll ist der Plan noch aktuell? Die Wiese war nach den Wassermassen überschwemmt. Das wäre vermutlich fahrlässig.