Am Tag danach schauen wir uns die Ergebnisse der Bundestagswahl im Rheinisch-Bergischen Kreis etwas genauer an, setzen sie in einen historischen Kontext und legen so die großen Trends offen. Denn hinter der Gewinner-/Verlierer-Rechnung steht eine deutliche Veränderung der politischen Landschaft.

Wer hat denn nun gewonnen, wer verloren bei der Bundestagswahl in Rhein-Berg? Wie so oft fallen die Antworten sehr unterschiedlich aus, alles ist relativ.

Eindrücke vom Wahlabend. Sie können jedes Bild mit einem Klick groß stellen. Fotos: Thomas Merkenich

Hat die CDU gewonnen, weil sie mehr Zweitstimmen erhielt als die SPD? Haben die Grünen verloren, weil sie so weit hinter den Erwartungen zurück geblieben sind? Und wie stark sind die Sozialdemokraten eigentlich?

Für etwas Klarheit sorgt der historische Vergleich. Die Zweitstimmen-Ergebnisse seit 1987 zeigen in der Übersicht einige kräftige Ausschläge, im Folgenden betrachten wir die einzelnen Parteien und Kandidaten.

Die CDU

Die CDU hatte sich im Spielgelsaal des Bergischen Löwen versammelt. Foto: Thomas Merkenich

.... hat ihre Dominanz verloren: schon 2017 hatte sie acht Prozentpunkte eingebüßt, und jetzt weitere acht Punkte. Damit liegt sie bei den Zweitstimmen nur noch zwei Prozentpunkte vor der SPD.

Allerdings war das auch früher schon mal so, bei der Wahl 2002. Und 1998 lag die CDU sogar ein Stück hinter der SPD.

Ein lokaler Exkurs: In Burscheid, Leichlingen und Rösrath landen die Konservativen in diesem Jahr knapp hinter der SPD, dafür liegen sie in Odenthal um 16 Punkte vorne, in Bergisch Gladbach führt die CDU sehr knapp mit 26,3 zu 25,2 Prozent. Die Ergebnisse zu den einzelnen Städten finden Sie ganz unten.

Immerhin liegt die CDU Rhein-Berg in diesem Jahr drei Prozentpunkte über dem bundesweiten Ergebnis - aber das ist ein schwacher Trost.

Das Direktmandat gewinnt Hermann-Josef Tebroke zwar erneut für die CDU, aber bei den Erststimmen sieht die Talfahrt der CDU noch dramatischer aus: der Kandidat verliert zehn Prozentpunkte und erreicht noch 30 Prozent. Vor acht Jahren hatte sein Vorgänger Wolfgang Bosbach noch fast 60 Prozent gewonnen.

Dabei übertrifft Tebroke mit den Erststimmen das Ergebnis seiner Partei bei den Zweitstimmen in diesem Jahr immer noch um 2,6 Prozent. Im Kurzinterview am Wahlabend verbirgt Tebroke seine Enttäuschung nicht:

Die SPD

Die SPD traf sich im Gasthaus Paas. Foto: Thomas Merkenich

... feiert das Abschneiden am Sonntagabend, aber dabei verstellt der Blick auf die Bundespolitik ein wenig die Lage vor Ort. Bei den Zweitstimmen legen die Sozialdemokraten zwar um 4,3 auf 25,7 Prozent zu, bleiben damit knapp hinter dem bundesweiten Ergebnis zurück. Die Zeiten mit Werten deutlich über 30 Prozent, wie in den 90er und 00er Jahren scheinen nun auch für die SPD unerreichbar.

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Bei den Erststimmen verliert Direktkandidat Kastriot Krasniqi jedoch um 1,8 Prozent gegenüber 2017, als Nikolaus Kleine angetreten war. Kein Vergleich zu den Verlusten der CDU - aber dennoch bleibt Krasniqi mit 22,7 Prozent knapp sieben Prozentpunkte hinter dem Gewinner Tebroke zurück.

Zudem wählen in Rhein-Berg mehr Menschen die Partei SPD als den Kandidaten Krasniqi, die Erststimmen für den Direktkandidaten liegen um 2,6 Prozent hinter den Erststimmen.

Die FDP

Die Vertreter der FDP am Wahlabend im Kreishaus. Foto: Thomas Merkenich

... verliert bei den Zweitstimmen 2,8 Prozentpunkte gegenüber der vergangenen Bundestagswahl, und landet mit 13,9 Prozent ungefähr bei ihrem langjährigen Durchschnittswert. Damit schneidet der Kreisverband der Liberalen aber immer noch um 2,4 Prozentpunkte besser als die Bundespartei ab.

Direktkandidat Christian Lindner erzielt bei den Erststimmen mit 16,8 Prozent ein noch einmal deutlich besseres Ergebnis als seine Partei hier vor Ort und verbessert sich auch gegenüber 2017 um 1,1 Prozentpunkte. Dennoch muss er den dritten Platz bei den Direktkandidaten an den Bewerber der Grünen abgeben.

Christian Lindner im BürgerClub des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

Auf Platz 1 der Landesliste in NRW zieht Christian Lindner natürlich trotzdem wieder in den Bundestag ein - und wird bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen eine wichtige Rolle spiele.

Die Grünen

Die Grünen feierten ihr Ergebnis und ihren Direktkandidaten Maik Außendorf im Theas Theater. Foto: Thomas Merkenich

... waren auch in Rhein-Berg mit sehr hohen Erwartungen in den Wahlkampf gestartet, daher fallen die Reaktionen am Wahlabend zunächst gedämpft aus. Dabei können die Grünen in allen Kategorien die höchsten Zuwächse vorweisen.

Bei den Zweitstimmen schwankten sie seit fast 40 Jahren zwischen acht und maximal elf Prozent, jetzt verdoppeln sie ihren Stimmenanteil von neun auf 18,4 Prozent. Gewinnen also noch mehr dazu, als die CDU verliert.

Damit schneiden sie um 3,6 Prozent stärker ab als die grüne Bundespartei.

Bei den Erststimmen schiebt sich Direktkandidat Maik Außendorf mit 18 Prozent knapp an FDP-Chef Lindner vorbei; gegenüber 2017 verbessert er sein persönliches Ergebnis sogar um elf Prozentpunkte.

Auch Außendorf war über die Landesliste abgesichert und gewinnt damit einen Sitz im Bundestag.

Die AfD

Harald Weyel (AfD) in der WahlArena des Bürgerportals. Foto: Thomas Merkenich

... kann ihr Ergebnis bei den Zweitstimmen von 2017 nicht halten, fällt um 2,3 Prozentpunkte auf 5,7 Prozent zurück. Bundesweit kommt die rechte Partei auf fast einen doppelt so hohen Stimmenanteil.

Bei den Erststimmen erhält Harald Weyel mit 5,4 Prozent nur minimal weniger Stimmen als sein Kreisverband. Vor vier Jahren hatten Direktkandidat Roland Hartwig knapp zwei Prozentpunkte mehr gewonnen.

Auch Weyel zieht über die Landesliste in den Bundestag, als vierter Abgeordneter des Rheinisch-Bergischen Kreises.

Die Linke

Isabelle Casel hatte für die Linke kandidiert. Foto: Thomas Merkenich

... fällt bei den Zweistimmen um 3,4 Prozentpunkte weiter zurück, erzielt noch drei Prozent der abgegebenen Stimmen und liegt damit auch hinter dem bundesweiten Ergebnis (4,9) deutlich zurück.

Direktkandidatin Isabelle Casel rangiert mit 2,76 knapp hinter ihrer Partei; auch das ein Verlust um zwei Prozentpunkte gegenüber 2017.

dieBasis

Die Querdenker-Partei dieBasis gewinnt 2240 Zweitstimmen und damit einen Anteil von 1,3 Prozent. Ihre Direktkandidatin Helga Aufmkolk bekam bei den Erststimmen 1,4 Prozent.

Die Freien Wähler

Freie Wähler: Uwe Wirges und Rainer Röhr verfolgen die Wahlergebnisse im Kreishaus. Foto: Thomas Merkenich

... konnten bei den Zweitstimmen zwar um 0,5 Prozentpunkte zulegen, erreichen aber dennoch nur ein Prozent. Ihr Direktkandidat Uwe Wirges erzielt mit 2,1 Prozent ein doppelt so gutes Ergebnis.

Volt

... erzielt bei den Zweitstimmen nur 0,6 Prozent, ihr Kandidat Markus Blümke erhält 0,8 Prozent der Erststimmen.

Die Wahlbeteiligung

... lag bei einer sehr starken Briefwahl mit insgesamt 81,46 Prozent leicht über dem Wert von 2017 (80,22).

Dokumentation: Vorläufiges Ergebnis

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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1 Kommentar

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  1. Hoffnung keimt auf. Mittlerweile haben m. E. zwei von 10 Wählern verstanden, dass es mit den sich abzeichnenden massiven Änderungen des Klimas keine unveränderte Wirtschaft, Sozialsysteme, Wohnsituation, Verkehrssysteme und Infrastruktur geben wird. Bisher war es nur einer von 10.

    Ist dieses langsame Erkennen schnell genug?

    Glauben die Menschen wirklich, der Klimawandel lässt sich abwenden, ohne dass wir uns alle mäßigen und anfangen, zu verzichten? Mäßigen und verzichten beim Konsum, Fliegen, Autofahren, Wohnraum beanspruchen, Fleisch essen, …

    Alle ernsthaften Wissenschaftler sind sich einig: wenn wir es nicht schaffen, den Klimawandel aufzuhalten, werden wir durch die Erderwärmung Dinge erleben, gegen die die Flutkatastrophe 2021 ein winziges Nichts war.

    Die Meeresspiegel werden durch das Abschmelzen des Poleises so stark steigen, dass alle Küstenregionen unbewohnbar werden – die Gladbacher werden ihr Haus mit einer Hamburger Familie teilen müssen.

    Der Golfstrom kann zum Erliegen kommen. Dann wird es bei uns nicht wärmer, sondern kälter. Bergisch Gladbach liegt deutlich nördlicher als Montreal – wissen Sie, wie kalt es dort ist?

    Die jungen Menschen verstehen dass wohl besser als die Älteren – siehe Fridays for Future und deren Wahlverhalten.