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Eine warme Mahlzeit – die gibt es an vier Tagen die Woche, 52 Wochen im Jahr, in der Suppenküche von St. Laurentius in der Stadtmitte. Das zieht vor allem die Alten und Einsamen an, deren Bedrängnis weit vor der Wohnungslosigkeit beginnt. Die Suppenküche ist zugleich ein gutes Beispiel, wie Kirche abseits von Skandalen ohne großes Aufhebens ganz selbstlos für Menschen da ist.

Es ist Montag, der Nikolaustag. Vor dem Gebäude der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius in der Innenstadt machen sich Pfarrvikar Artur Schmitt und ein Mann im Nikolauskostüm startklar. Unter dem Arm ein Korb mit Schokoladen-Nikoläusen. Und in der Hand eine Sammeldose.

„Die beiden sammeln in der Stadt Spenden für unsere Suppenküche“, erklärt Gemeindereferentin Ingrid Witte. Sie kümmert sich in der katholischen Pfarrgemeinde von St. Laurentius unter anderem um karitative Dienste. Wie zum Beispiel die Suppenküche für Bedürftige.

Ingrid Witte, Gemeindereferentin und Mitglied im Pastoral-Team der katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius, Foto: Holger Crump

Vier Tage pro Woche, 52 Wochen im Jahr

„Die Suppenküche gibt es bei uns seit 2012. Anfangs nur einmal die Woche, wurde das Angebot nach und nach ausgebaut“, erklärt sie. Mittlerweile teilt die Gemeinde an vier Tagen die Woche – Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag – kostenlose Mittagessen für Bedürftige aus. 52 Wochen im Jahr durchgehend warme Küche. Mitten in der Stadt, ein paar Meter abseits des hektischen Treibens auf dem Marktplatz.

Finanziert wird das Angebot auch über Spenden, jede Mahlzeit kostet 2,50 Euro, ist aber für die Besucher:innen umsonst. „Die Anschubfinanzierung erfolgte durch eine größere Geldstiftung“, berichtet Ingrid Witte. Aber der laufende Betrieb sei ohne regelmäßige weitere Spenden nicht denkbar. Daher auch die Aktion von Pfarrvikar Schmitt samt kostümierter Begleitung in der Innenstadt.

Pfarrvikar Artur Schmitt sammelt am Nikolaustag Spenden für die Suppenküche, Foto: Holger Crump

Speisen im Saal und to go

In einem Saal der Gemeinde im Erdgeschoss werden die Mahlzeiten ausgegeben, zwischen 13 und 14.30 Uhr. Ein Team von drei bis vier Ehrenamtlern aus der Gemeinde kümmert sich dann um die Gäste.

Man kann vor Ort essen – natürlich mit entsprechendem Abstand – oder sich die Speisen einpacken lassen. Unter der Woche gibt das Team von St. Laurentius rund 40 bis 50 Mahlzeiten pro Tag aus. „Am Wochenende kommen wir auf 70 bis 80 Portionen“, berichtet Witte.

Suppenküche von St. Laurentius
Montag, Mittwoch, Freitag und Sonntag
13 bis 14.30 Uhr
Laurentiusstraße 4, 51465 Bergisch Gladbach
Infos, Kontakt und Spendenkonto auf den Webseiten von St. Laurentius

Während des Lockdown habe man die Gäste komplett „to go“ versorgt. Im Herbst habe man dann das Konzept dann wieder umgestellt. „Wir haben ein Registrierungssystem eingeführt, mit Kärtchen und einer Nummer“, erklärt die Gemeindereferentin, die zum Pastoralteam von St. Laurentius gehört. Dies würde die Nachverfolgung im Fall der Fälle erleichtern.

Im Speisesaal der Suppenküche von St. Laurentius, nach dem täglichen Besuch der Gäste, Foto: Holger Crump

„Es schmeckt!“ Seit eineinhalb Jahren komme er in die Suppenküche, berichtet ein älterer Herr. Er hat gerade zu Ende gegessen und steht an seinem Tisch. Er hat alleine gegessen. Corona-konform, auf Abstand. Und er scheint auch sonst wenig soziale Kontakte zu haben.

„Ich habe kein hohes Budget, lebe von Grundsicherung,“ berichtet er. Alleine zu kochen mache keinen Sinn, daher sei er für das kostenlose Angebot sehr dankbar. Zumal er sich im Haushalt schwer tue, nachdem er lange im Rollstuhl gesessen habe. „Es schmeckt“, sagt er. „Kann man nicht anders sagen!“

Vor Ort gilt die 3G-Regel. Und die wird gewissenhaft eingehalten: Es klopft an der Fensterscheibe. Eine junge Frau fragt nach einem Essen. Nach der Prüfung des Impfausweises wird klar, dass die zweite Impfung noch aussteht.

„Kein Problem – wir packen es ein!“ heißt es bei den Ehrenamtlern. Ruck-zuck verschwindet die warme Mahlzeit in Transportboxen. „Wir weisen keinen ab“, sagt Witte.

Essen per Ehrenamt
Drei bis vier Ehrenamtler kümmern sich bei St. Laurentius an jedem Ausgabetag um die Gäste. Teilen die Speisen aus, schenken Getränke ein, halten den Speisesaal in Ordnung. Während unseres Besuchs sind es vor allem Seniorinnen, die sich engagieren. Viele sind über Jahre hinweg dabei.

„Es gibt auch Männer, die uns unterstützen. Einer hilft während seiner Mittagspause mit. Nach zwei Stunden Suppenküche kehrt er wieder zurück an seinen Schreibtisch“, schildert Ingrid Witte.

Heute gibt es Reis mit Hühnerfrikassee. Dazu einen Tee oder Wasser. Es duftet aromatisch aus den Speisebehältern. Ingrid Witte erklärt: „Das Essen kommt von GL Service, das klappt reibungslos.“

Alte, Einsame, Bedürftige

Essen, das sei ein Grundbedürfnis. Und gerade in der Pandemie seien die Ärmsten besonders betroffen. „Da ist es für uns als Kirche einfach unsere Aufgabe, da zu sein!“ Besonders ältere, einsame Menschen mit geringem Einkommen oder einer Wohnung in einer Notunterkunft würden zu den Gästen bei St. Laurentius gehören.

Sie würden nicht für sich alleine kochen, würden hier vor allem die Gesellschaft suchen, sich ein wenig über Abwechslung freuen. Aber auch Wohnungslose, geflüchtete Menschen oder Empfänger von Sozialleistungen würden das Angebot wahrnehmen. Eine Anmeldung oder ein Nachweis der Bedürftigkeit sei nicht erforderlich. Wer den Weg in die Suppenküche finde, der erhalte eine Mahlzeit.

Vor Corona, berichtet Witte, hätten sich manche der Gäste in der Suppenküche verabredet, auf einen Plausch. Das sei aus verständlichen Gründen nicht mehr der Fall. Das nette Gespräch in großer geselliger Runde entfällt. Corona ist allgegenwärtig.

Mit ihnen läuft es rund in der Suppenküche: Die Ehrenamtlerinnen Matthilde Geve, Adwiya Ali-Mohammed und Marlies Göbel (von links), Foto: Holger Crump

Kirche nah dran

„Dennoch suchen unsere Gäste oft eine Unterhaltung“, meint die Mitarbeiterin von St. Laurentius. Die Mitglieder des Pastoralteams seien ansprechbar, seien gerne vor Ort, würden sich mit den Gästen austauschen.

Die Wertschätzung der Gäste steht dabei ganz weit oben, das wird vor Ort schnell klar. Die Ehrenamtler und Mitarbeiter von St. Laurentius begegnen ihren Gästen unvoreingenommen, respektvoll. Das „Sie“ ist selbstverständlich.

Weitere Hilfen für Bedürftige und Obdachlose
Stadt Bergisch Gladbach: Beratung und Obdachlosenunterkünfte
Verein Die Platte.e.V.
Netzwerk Wohnungsnot
Initiative „Bensberg isst was!“ der ev. Kirchengemeinde Bensberg

An Heilig Abend hat die Suppenküche ebenfalls geöffnet. „Dann richten wir den Saal besonders hübsch her, mit zusätzlichem Gedeck, einem Weihnachtsbaum“, berichtet Witte. Sie würde dann zur Gitarre greifen und etwas Musik machen, schmunzelt sie.

Es klingt so selbstverständlich, und ist es eben nicht. Ähnliche Angebote sind – wenn überhaupt – rar gesät in der Stadt.

Und die Suppenküche macht deutlich, was Kirche abseits der Schlagzeilen und Skandale eben auch leisten kann. An der Basis, in der Gemeinde. Dort, wo das Team von St. Laurentius nah dran an den Bedürfnissen der Menschen ist.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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