Eine Grundschule registriert an einem einzelnen Tag positive Pooltests in jeder Klasse, immer mehr Kitas schließen. Das Bild ist unvollständig, aber die Omikron-Welle trifft gerade die Kinder mit voller Wucht, die Nerven der Familien liegen blank. Eine neue Teststrategie an den Grundschulen und fehlende PCR-Tests in den Kitas sorgen für weiteren Frust. Wir haben mit den Betroffenen gesprochen, auf beiden Seiten.

Eine Kita im Zentrum von Bergisch Gladbach. Die Kinder ziehen sich gerade für das Spielen im Garten um, sind endlich wieder in „ihrer“ Kita. Aber erst seit kurzem: „Wir waren eine ganze Woche komplett dicht, zudem eine Woche im reduzierten Betrieb“, schildert eine Erzieherin. Rund die Hälfte der 85 Kinder und der 13 Betreuerinnen hatten sich mit Corona infiziert.

Es sei rasend schnell gegangen, laufend kamen neue Fälle hinzu. Omikron sei hochansteckend, eine Maske aber nicht wirklich keine Option in pädagogischen Alltag gewesen: „Trösten und Schimpfen mit Maske ist doof. Da hört keines der Kinder mehr zu.“

Gerade die Kommunikation mit den Kleinsten funktioniere aber nicht nur mit den Augen. Hinzu komme das Problem mit dem Abstand bei kleinen Kindern, die Geborgenheit und Nähe suchten.

Doch nun trage man wieder Masken.

Das Infektionsgeschehen in Kitas mitcAHA-Regeln einzudämmen stößt mit der Omikron-Variante an seine Grenzen

Nerven liegen blank

Problematisch sei zudem die Testsituation. Für die Kitas sind Schnelltests auf freiwilliger Basis vorgesehen, welche die Eltern zuhause durchführen sollen. „Wir erfahren leider nicht immer, ob unsere Kita-Kinder getestet wurden und wie das Ergebnis aussieht“, schildert die Erzieherin die Lage vor Ort.

Zudem fehle die Gesprächsroutine: „Durch das Abstandsgebot kommt es kaum noch zu den wichtigen Gesprächen mit den Eltern, beim Bringen oder Abholen der Kinder.“ Infos, was in den Familien gerade los ist, ob es zum Beispiel ein infiziertes Geschwisterkind gibt – all dies erreicht die Kita nicht. Mit bekanntem Ergebnis.

„Die Eltern sind dünnhäutig geworden“ sagt die Erzieherin. Sie sorgten sich um die Betreuung, müssten stets abwägen wann ein Kind noch in die Kita darf und wann nicht. Das münde auch in Vorwürfen an die Kita: „Wir müssen das Ganze im Blick haben. Die Familien können Rückfragen zur Einhaltung der Quarantäne und entsprechender Tests aber teils nicht mehr nachvollziehen.“ Der Vorwurf der Hysterie werde laut.

Der Bedarf der Eltern an Betreuung kollidiere da oft mit der Aufgabe der Kita, das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten. Da werde selbst ein Kind mit Erkältung, das zum Auskurieren nach Hause geschickt wird, schnell zum Reizthema.

Notbetrieb, kurz vor Schließung

Von steigenden Zahlen berichtet auch der Mitarbeiter einer weiteren Kita in GL. Zunehmende Infektionszahlen bei den Kindern, eine Infektionsrate von über 50 Prozent bei den Erzieher:innen. „Wir sind bereits in einem Notbetrieb. Jede weitere Infektion eines Mitarbeiters könnte die Aufrechterhaltung des Betriebs unmöglich machen.“

Fehlerhafte Tests und das Problem, die Tests bei den kleinen Kindern korrekt durchzuführen, hält der Erzieher für die Hauptursache der rasanten Infektion unter den Kitas: „Was uns auffiel war, dass zu Beginn viele Mitarbeiter erkrankten, aber keine kranken Kinder da waren. Vermutlich schlagen die Schnelltests einfach selten bei den Kindern an.“

Hinzu käme, dass man die Tests bei kleinen Kindern meist nicht korrekt durchführen könne. Zudem sei die Einhaltung der AHA-Regeln schwierig. Letzeres sei für ihn ein zentraler Grund, warum Kitas stärker als Schulen betroffen seien. „An den Schulen gibt es einen viel geringeren direkten Kontakt unter den Kindern, insbesondere mit infektiösen Körperflüssigkeiten.“

Leere Spielplätze bei den Kitas sind derzeit die Regel in der Stadt, Foto: Thomas Merkenich

Pooltests dringend gefordert

Was sollte sich ändern? „Die Pooltests müssen vorangetrieben werden, das würde helfen“, sagt die Erzieherin. Es würde die Last von den Eltern nehmen, es würde die unangenehme Situation der Kontrolle durch die Erzieherinnen beenden, Infektionen früher aufdecken.

„Verbindlichkeit wäre wünschenswert“, ergänzt der Kita-Mitarbeiter. Damit man auch den Eltern etwas antworten könne. Ob die Pooltests überhaupt noch eingeführt werden? „Ich habe irgendwas vom 14. Februar gehört, aber bin skeptisch ob das tatsächlich noch kommt“, so der Erzieher.

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Rhein-Berg trudelt ohne Sicht durch die Omikron-Brandung

200 Corona-Ausbrüche in Kitas und Schulen muss das Lagezentrum des Rheinisch-Bergischen Kreis im Blick behalten, tägliche einige hundert neuer Infektionen erfassen, ständig auf neue Ausfälle aller Art reagieren. Das Krisenmanagement ist überlastet, wo Rhein-Berg in der Pandemie steht und wohin die Reise geht, kann der Kreis zur Zeit nicht beantworten.

Die Kitas arbeiten unter schwer kontrollierbarem Virendauerbeschuss, in Altersgruppen mit vergleichsweise hohen Inzidenzen. Gleichwohl gibt es nach wie vor keinen konkreten Termin für die Einführung von Pooltests bei den Kitas durch die Stadt. Die Kommune will laut jüngsten Verlautbarungen an der Einführung festhalten, verweist aber auf Abstimmungsbedarf mit dem Land.

Der Druck wächst. Die Vertreter des Jugendamtelternbeirats (JAEB) monieren ein Spiel auf Zeit. Das müsste nicht sein: Außerhalb von Bergisch Gladbach gibt es die Pooltests in Kitas. Der Rheinisch-Bergische hat das Testprozedere immerhin schon zum 17. Januar in den Kitas eingeführt.

Alle Tests positiv

PCR-Pooltests, die gibt es an den Grundschulen. Die Testergebnisse dort lassen erahnen, wie dynamisch das Infektionsgeschehen tatsächlich ist. „Alle Pooltests aller Klassen positiv, innerhalb eines einzigen Tages“, schildert die Vertreterin einer Elternpflegschaft. „Die Tendenz bei positiven Pools ist eindeutig steigend“ heißt es an einer anderen Schule.

Die Mutter eines Grundschulkindes im O-Ton

„Aktuell werden definitiv nur die positiven Kinder in Quarantäne geschickt, nicht die komplette Klasse. Auch in einer Klasse, in der von 24 Kindern sieben positiv getestet wurden, wird mit den übrigen Kindern weiter in der Schule unterrichtet.“

„Das Gesundheitsamt wurde informiert über die Lage und den Missstand … bisher ohne Erfolg oder Ideen der Änderung.“

„Es ist einfach nur frustrierend & nervend. Es sind unsere Kinder die mit Vollspeed durchseucht werden sollen.“

Sorgen bereitet die Umstellung des Testverfahrens, die in der vergangenen Woche kurzfristig vom Land angeordnet worden war: Nachtests positiver Pools müssen demzufolge vor Ort, in den Klassen durchgeführt werden. Alternativ können Eltern mit ihren Kindern vor Schulbeginn zum Bürgertest.

Zuvor hatten Labore diese Nachtestungen übernommen. Fehlende Kapazitäten in den Laboren sollen der Grund für die Umstellung sein. Die Last des Nachtests tragen nun Schulen und Eltern.

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„Die Schulen leisten zur Bewältigung der Pandemie erhebliche Mehrarbeit“, kommentiert der Schulleiter einer GGS. „Die neue Testsituation hat diese zusätzlichen Belastungen ein weiteres Mal zugespitzt: Nochmals erhöhter organisatorischer Aufwand, kaum mehr leistbares Kommunikationsvolumen mit Familien, Institutionen sowie innerhalb des Systems etc.“, so die nüchterne Schilderung. Alles das koste weitere Unterrichtszeit.

Tests stressen

Wenig Verständnis gibt es für das Procedere, infizierte Pools – also eine Klasse mit mindestens einem positiven Corona-Fall – zur Nachtestung in den Klassenräumen zu versammeln. Das sorge für erhebliche Verunsicherung, so der Pädagoge. Auch wenn man mit Umsicht agiere, oder manche Kinder stattdessen zum Bürgertest gingen.

„Die Sorge in den Familien bleibt. Und hier nehme ich wahr, dass die Nöte und Sorgen der Familien ohnehin nur noch von den Schulen vor Ort aufgefangen werden“, macht der Schulleiter unmissverständlich klar.

Eine Mutter, die dem Bürgerportal von ihrer Schule berichtet, teilt den Frust: „Die Art der Pooltestung bzw Nicht-Nachtestung stresst. Tägliches Testen von symptomfreien Kindern ist in vielen Familien nun an der Tagesordnung“, berichtet sie. Manche Familien gingen zum Bürgertest, der Unterrichtsbeginn verzögere sich dadurch. „Die Kinder tröpfen nacheinander im Klassenzimmer ein.“

Verband kritisiert fehlende Unterstützung

Andreas Schmitz, Kreisvorsitzender im Verband Bildung und Erziehung VBE, kritisert mit deutlichen Worten die Lage. Er moniert, „dass die Schulen hier mit all diesen Problemen auch nach zwei Jahren Pandemie weitgehend alleine gelassen werden.“

Ein angemessenes Maß an Fürsorge gegenüber Mitarbeiter:innen genauso wie gegenüber den Kindern und Familien könne er nicht erkennen, der ohnehin teils gravierende Personalmangel in Schulen und Kitas müsse „glaubhaft“ angegangen werden muss.

Schmitz: „Hier stellt sich erneut die Frage nach dem Stellenwert, den die Bildungs-Chancen von Kindern in unserer Gesellschaft wirklich haben.“


Hinweis der Redaktion: Die Namen aller Gesprächspartner:innen sind der Redaktion bekannt.

Holger Crump

ist Reporter und Kulturkorrespondent des Bürgerportals.

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5 Kommentare

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  1. Ob eine Durchseuchung gewollt ist oder nicht, sei mal dahingestellt. Fakt ist jedenfalls, dass sie angesichts der Höhe an Fallzahlen wohl nicht mehr zu verhindern ist. Omikron ist scheinbar so ansteckend wie ein Schnupfen oder eine Grippe, trifft obendrein auf eine immuntechnisch „naive“ Bevölkerung (da die Impfungen leider auch eine Infektion nicht mehr verhindern können) und damit nicht mehr aufzuhalten, es sei denn alle bleiben zu Hause.

    Die einzig gute Nachricht: Omikron scheint bei weitem nicht mehr so gefährlich zu sein, wie seine Vorgänger, sonst wären die Intensivstationen in Deutschland schon wieder voller und im Ausland mit teilweise 5x höheren Inzidenzen entsprechend 5x so voll. Das sind sie aber zum Glück nicht und insofern müssen wir da wohl leider jetzt anscheinend alle durch.

    Die Frage, die man sich eigentlich stellen sollte: Macht es überhaupt noch Sinn, gegen etwas anzutesten, was sich offensichtlich eh nicht mehr verhindern lässt und am Ende nur für Stress sorgt?

    Viele Länder, darunter Spanien, Dänemark, England und sogar Israel haben angesichts der Faktenlage beschlossen, Omikron nicht mehr anders zu behandeln wie eine Grippe. Viele andere Länder lockern die Maßnahmen deutlich, trotz weit höherer Inzidenzen als in Deutschland (u.a. Frankreich, Irland und die Niederlande).

    Mein Vorschlag: Hygiene-Maßnahmen aufrecht erhalten, soweit sie gut umzusetzen sind, aber die Panik vor Corona in der Bevölkerung endlich durch objektive Information statt ständigem Warnen und Spekulieren abbauen. Und ob jetzt jemand in der Kita eine Maske trägt oder ob es leider bei den Kleinen nicht durchzuhalten ist, muss dann einfach vor Ort im Einzelfall durch die Betreuer bzw. Betreuerinnen entschieden werden. Wenn es geht, gut. Wenn es nicht geht, dann macht es auch keinen Sinn, seine ganze Energie darauf zu verschwenden, das Unmögliche durchzusetzen.

    Es wäre schön, wenn unsere Regierenden diese Strategie offen zugeben würden und für eine klare Kommunikation und damit auch ein besseres Gefühl sorgen würden, statt die Chimäre einer Verhinderungsstrategie aufrecht zu erhalten zu versuchen, vor irgendwelchen theoretischen Gefahren zu waren und damit alle nur unnötig zu verunsichern und zu verängstigen, sodass am Ende alle Beteiligte (Eltern, Kitabetreuer etc.) logischerweise extrem dünnhäutig unterwegs sind, was ganz sicher in der aktuellen Situation alles andere als hilfreich ist.

    Ein Kampf gegen Windmühlen war bisher jedenfalls nur selten erfolgreich…

  2. Es ist mittlerweile wirklich ein Witz. Aus meiner Sicht als Betroffene kann man sich die Pooltestungen für die wir Eltern seit mehr als 8 Monaten kämpfen nun auch sparen. Offenbar ist ja eine Durchseuchung in den Kindergärten absolut gewollt. Dann muss man jetzt meines Erachtens aber auch nicht mehr Kinder in Quarantäne stecken sondern dazu stehen wie es gewollt ist. Die Art wie hier mit Eltern und Kindern umgesprungen wird zeigt ganz deutlich welchen Stellenwert Kinder in unserer Gesellschaft haben. Nach der Zerstörung der Umwelt ist doch die ständige Sorge und Isolation ein weiteres tolles Geschenk für die süßen Kleinen. Herzlichen Glückwunsch.

      1. Absolut. Den Stellenwert von Erzieherinnen und Pflegekräften können diese ja schon länger problemlos auf ihrer Gehaltsabrechnung einsehen.

    1. Was für Stellenwerte?
      Oberste Priorität in jeder Krise hatte, hat und wird immer haben, der uneingeschränke Statuserhalt von Politikern und Beamten. Dazu zählt auch die Einnahmensicherung von Steuern und Gebühren. Warum wohl wurden fast nur Bereiche geschlossen, die aufgrund fehlender Gäste sowieso hätten schließen müssen, die überwiegend subventioniert werden oder die z. B. durch Onlinehandel ersetztbar sind? Kitas und Schulen müssen aufbleiben, da die Steuerzahler (Eltern) sonst zuhause blieben, um ihre Kinder zu betreuen.