Die Linken sind zwar nicht mehr im Stadtrat vertreten, aber über den Beschwerdeausschuss haben sie eine Anregung in den Rat eingebracht, das Parken in Bergisch Gladbach teurer zu machen. Die Stadtverwaltung stellt sich im Grundsatz hinter diese Anregung, am Dienstag berät der zuständige Ausschuss.

„Eine moderate Erhöhung der Parkgebühren, um damit die kommunale Verkehrswende sozial gerecht zu gestalten“ hatte die „Linke Basisgruppe GL“ vorgeschlagen, der Beschwerdeausschuss hatte diese Anregung in den zuständigen Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität (ASM) verwiesen – und der soll nun am Dienstag beraten. Dafür hat die Stadtverwaltung eine Stellungnahme vorgelegt, die es in sich hat.

Die Anhebung der Parkgebühren wäre ganz im Sinne der Ziele des Mobilitätskonzeptes, das eine Verlagerung des Autoverkehrs hin zum ÖPNV, Fuß- und Radverkehr vorsehen. Das von der Linken vorgeschlagene Gebührenmodell müsse zwar sowohl in der Verwaltung und in der Politik diskutiert werden, könne aber als erster Anhaltspunkt in Betracht gezogen werden.

Zum geforderten Wegfall der heiß umstrittenen „Brötchentaste“ (15 Minuten frei parken) bezieht die Stadt nicht direkt Position, stellt aber fest: „Durch die „Brötchentaste“ wird die Bürgerschaft animiert selbst für kleine Besorgungen das Auto zu nutzen.“

Die Grünen hatten das Ende der Brötchentaste schon mehrfach gefordert, waren damit aber ebenso gescheitert (u.a. an der Linken) wie die CDU, die eine Verlängerung auf 30 Minuten vorgeschlagen hatten.

Auch die Abschaffung des kostenlosen Parkens an Adventssamstagen würde den Zielen des Mobilitätskonzeptes dienen. Die Linke schlägt vor, an diesen Tagen freie Tickets für Bus und Bahn auszugeben.

Bus und Bahn immer teurer, Parken nicht

Schon aus Gründen der gleichberechtigten Behandlung von Auto, Bus und Bahn sei eine Erhöhung notwendig – denn während die ÖPNV-Tickets immer teurer werden wurden die Parkgebühren seit vielen Jahren nicht angehoben, schreibt die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage.

Das Anheben der Parkgebühren müsse zudem durch den Ausbau und die Verbesserung des Rad- oder Fußverkehrsnetzes begleitet werden, damit Alternativen zum Auto bereit stehen, schreibt die Stadtverwaltung.

Die letzte größere Anpassung der Parkgebühren in Bergisch Gladbach fand 2011 statt, mit der teilweisen Erhöhung der Parkgebühren von 1,00 auf 1,50 Euro sowie der Ausweitung der Parkzeit bis 20 Uhr. 

Konkret empfiehlt die Verwaltung dem Ausschuss drei Punkte:

  1. Der Ausschuss beschließt, die Verwaltung soll eine neue Gebührenordnung für das Parken erarbeiten, die jedoch erst nach Abklingen der Corona-Pandemie in Kraft treten soll.
  2. Der Ausschuss beschließt, die Anregung des kostenlosen ÖPNV-Tickets an Adventssamstagen an den Rheinisch-Bergischen Kreis mit der Bitte um Prüfung sowie Berechnung der durch die Stadt zu übernehmenden Kosten weiterzuleiten.
  3. Der Ausschuss beschließt, dass die Verwaltung prüft, inwiefern die Mehreinnahmen zur Finanzierung einer klimafreundlichen Mobilität eingesetzt werden können.

Die gesamte Anregung der Linken und die Stellungnahme sind im Ratsinformationssystem einsehbar. Der ASM behandelt das Thema in seiner Sitzung am Dienstag ab 17 Uhr.

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30 Kommentare

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  1. Nach Einkommensverlusten durch Inflation, kommunale Gebührenerhöhungen und Verteuerung der Kosten für Strom, Gas und Öl ist eine Verteuerung der Parkgebühren asozial, eine weitere Abzocke der Autofahrer. Die Haltung der Kommune und der Parteien finde ich zum Erbrechen. Ökologisch vertretbar ist aber die Abschaffung der sogen.
    BRÖTCHENTASTE

  2. Es hat mich schon immer gestört, dass in einigen Geschäften das Parkticket erstattet wird, als ÖPNV-Nutzer erhalte ich nichts.
    Und es gibt immer Gründe für die eigene Bequemlichkeit, argumentiert wird aber mit sozialen Aspekten.
    Wenn jeder, der zwei gesunde Beine hat, eine alternative Mobilität wählt, ist genügend Parkplatz vorhanden.
    Wenn jeder, der gute Busverbindungen vor der Türe hat, diese nutzt ebenfalls.
    Was soll der Aufschrei über den Wegfall der Brötchentaste, wenn mein Auto mehrere tausend Euro gekostet hat.

    1. Das Ticket ist der Schutz gegen Wildparker. Würden die Menschen sich an Regeln halten, wären die Parkplätze an Supermärkten kostenfrei und es würder niemand etwas erstattet bekommen. Weder Autofahrer noch ÖPNV Nutzer.

    2. @Mehmet Schreiner
      Bei welchen Supermärkten ist das Parken kostenpflichtig?

      @Gabriele Apicella
      Perfekt auf den Punkt gebracht.

  3. Hallo zusammen,

    Ok ich werde in Zukunft halt bei Amazon oder auch OttO bestellen. Das scheint ja so gewollt zu sein.
    Ich denke die Menschen haben im Moment schon genug Stress und die Stadt tut alles dafür, den Stresslevel noch zu erhöhen.
    Bergisch Gladbach ist einfach keine Fahrradstadt und wird es auch nicht.
    Viel lieber soll das Ordnungsamt mal seinen Job machen und vermehrt Halteverbote an im Moment neuralgischen Punkten wie z.B. Buchholzstrasse zu kontrollieren, damit der Verkehr fliessen kann.
    Schönen Tach

  4. Es empfiehlt sich vielleicht zunächst über eine Rückzahlung der „recht großzügig“ ausgefallenen Verdienstausfall-Entschädigungen für die ehemalige Fraktion „Linke/Bürgerpartei GL“ zu sprechen. Eine Rückführung der zuletzt abgerechneten EUR 57.700 könnten der Stadt deutlich mehr bringen, als der Wegfall der Brötchentaste oder gar eine Erhöhung der Parkgebühren. Immerhin bedarf es hierfür auch einen Dienstleister, welcher die Parkautomaten neu konfiguriert. Dies sicherlich nicht ohne entsprechendes Entgelt.

    1. Sehr geehrter Herr van Orthen,

      DIE LINKE. Basisgruppe Bergisch Gladbach hat sich immer gegen die hohen Entschädigungen ausgesprochen und ihre Vertreter haben auch als erste auf diese Problematik öffentlich hingewiesen. Siehe hier aus 2015: https://www.santillan.de/2015/04/15/bürgerpartei-gl-vorsicht-rechte-partei/ oder hier aus 2015:
      https://www.santillan.de/2015/11/27/bürgerpartei-gl-sabotiert-integrationsrat-bergisch-gladbach/

      Die Mitglieder der Basisgruppe haben keine „recht großzügig“ ausgefallene Entschädigungen erhalten. Lediglich ich als Ratsmitglied haben Entschädigungen erhalten, die aber in der Summe von ca. 315,- € / monatlich deutlich unter allen anderen Ratsmitglieder mit Fraktionszugehörigkeit lag. Bis auf ein anderes fraktionsloses Ratsmitglied haben alle anderen Ratsmitglied (SPD, GRÜNE, CDU, FDP, ..) monatlich mehr Entschädigungen für die gleiche Tätigkeit und Aufwand bekommen.

      Den größten Anteil der hohen Entschädigungssummern hat ein Mitglieder das Bürgerpartei GL kassiert. Tatsächlich handelt es sich um eine Problem der Bürgerpartei GL, denn DIE LINKE. hat sich als Partei davon distanziert und Teile sogar deshalb aufgelöst. Siehe hier: https://www.dielinke-rbk.de/nc/partei/aktuell/detail-aktuell/news/die-linke-zieht-kandidatur-zum-stadtrat-bergisch-gladbach-zurueck-ortsverband-aufgeloest0/
      Die Ratsmitglieder handeln aber nach ihrem persönlichen Gewissen.

      Sie wissen, dass die Fraktionen öffentliche Körperschaften sind und damit unabhängig von den Parteien arbeiten, so wie es der Gesetzgeber vorsieht. Es handelt sich um Entschädigungen an Privatpersonen und nicht an die Parteien. Wenn sie eine Rückzahlung fordern, sollten sie sich an die einzelnen Personen wenden.

      Die Partei DIE LINKE. hat sich in Bezug auf die hohen Entschädigungen deutlich distanziert und gegen 3 Mitglieder der Partei ein Parteiordnungsverfahren mit dem Ziel des Parteiausschluss eingeleitet. Zwei der betroffenen Mitglieder haben in der Zwischenzeit die Partei selbst verlassen. Ein Verfahren ist noch offen, aber alle Beobachter gehen davon aus, dass er aus der Partei DIE LINKE. ausgeschlossen wird, da er für eine andere Partei zur Kommunalwahl angetreten ist und für diese aktiv Tätig ist. In der Partei DIE LINKE. über er aktiv weder Mandat noch Amt aus.

      Da es sich um Personenzuwendungen handelt, die nicht an die Parteien gehen, kann DIE LINKE ihre Forderung auch nicht erfüllen. Sie hat das Geld nie erhalten. Bitte wenden sie sich an die Bügerpartei GL. Dort sind diejenigen noch tätig, die eine großen Teil des Geldes erhalten hat. In der Zwischenzeit ist klar, dass ein Ratsmitglied sogar Geld an die Stadt zurückzahlen muss. Siehe hier: https://www.ksta.de/region/rhein-berg-oberberg/bergisch-gladbach/gericht-entschied-ratsherr-muss-entschaedigung-fuer-verdienstausfall-zurueckzahlen-39345122

      Hier ein paar Weblinks zu Thema, über denn sie sich über den Hintergrund informieren können:
      aus 2017: https://www.santillan.de/2017/02/28/wie-die-bürgerpartei-gl-bei-der-stadt-abkassiert/
      aus 2020: https://www.santillan.de/2020/07/04/die-bürgerpartei-gl-ist-eine-asoziale-vereinigung-um-bei-der-stadt-legal-abzukassieren/

      Mit solidarischen Grüßen,

      1. 1. Parken müsste dann ja gerade auch am Sonntag Morgen Geld kosten… aber wer möchte schon sonntags kontrollieren..und arbeiten, außer den „letzten“ Bäckern!!
        2. ALDI, Kaufland & Co. haben kostenlose Parkplätze direkt vor der Tür, die der Einzelhandel nicht bieten kann… also müssten diese dann ja auch Gebühren erheben!
        Aber nein, obwohl man dort SO VIEL einkauft, daß man einen großen Kofferraum benötigt. In einer EINKAUFSstraße bummelt man aber nur mit einer kleinen Tasche, und kann ein Parkhaus in 200m Entfernung benutzen…und bezahlen. Bei Wind und Wetter?
        3. Die Parkplatzgebühr ist nicht fair, sondern der Weg dorthin- es geht also nur über eine Mautgebühr für ALLE Kfz…
        4. Für wen eigentlich noch Einzelhandel- schon jetzt leiden die wenigen Geschäftsinhaber- es entwickelt sich folglich wie überall- nur noch Ketten, hier mal ein Arzt, da eine Versicherung, hier ein Sanitätshaus, da eine Apotheke und Bank…total attraktiv zum Schaufenster bummeln!!!
        Ich sehe nur noch Master of Desaster!

      2. Lieber Herr Santillán,

        vielen Dank für Ihren Hinweis. Die von Ihnen angegebenen Artikel / Kommentare sind mir bekannt. Sie mögen mir bitte nachsehen, wenn ich Ihre epische Kommentierung belächeln muss. Schließlich haben Sie doch den heutigen Parteivorsitzenden der Bürgerpartei über Jahre auf seinem Weg in die Kommunalpolitik protegiert, oder nicht? Es kann der Eindruck entstehen, dass nunmehr das „ungeliebte Kind“ verteufelt wird, weil es seinen Lehrmeister hintergangen hat.

        Wie auch immer. Eine Fraktion ist halt eine Einheit und wird in der Öffentlichkeit auch so wahrgenommen. Sich nun hinzustellen und seinen ehemaligen Fraktionspartner als Alleinverantwortlichen hinzustellen, steht der Aussenwirkung Ihrer Partei nicht gut zu Gesicht. Einmal mehr gilt der Grundsatz „Augen auf bei der Partnerwahl“; auch in der Politik.

  5. Wofür wird die Brötchentaste benötigt. Das Parkdeck auf der Schlossgalerie ist nicht ausgelastet und dort ist kostenloses Parken bei einem Einkauf möglich. Deshalb drastische Erhöhung der Parkgebühren und Verhinderung des Wildparkens vor dem Rewe. Bei solch einem Autokorso kann auf der Schlossstr. keine Aufenthaltsqualität entstehen.

    1. Guter Hinweis. Die Händler selbst können über die nicht ausgelasteten privaten Parkhäuser, die zum Teil ja zu Einkaufszentren gehören, kostenloses Parken für die ersten 15 Minuten ermöglichen.
      Die Zerstörung der Fußgängerzone in Bensberg ist ein städtebaulichen Desaster und bringt dem Handel nichts.

    2. Die Schlossstraße ist nur einer der vielen Orte im Stadtgebiet, an denen der Parkraum bewirtschaftet wird. Was dort sinnvoll ist, kann andernorts völlig kontraproduktiv sein.

      1. Richtig.
        Es gibt Straßen, da machen die Geschäfte um 18:00 zu aber Parken zahlt man bis 20:00.
        Da ist nicht wirklich anwohnerfreundlich, die heute schon unter knappem Parkraum leiden. Insbesondere Mieter, wo zwei auf ein Auto angewiesen sind.

        Die Stadt sollte mehr Parkraum auf Grundstücken fordern anstatt die Zahl sogar zu reduzieren. Dann ist auch mehr Raum für Fahrradinfrastruktur

  6. Wie unsensibel ist die Stadt ?
    Erst wird die Grundsteuer kräftig erhöht, die Preise für Energie,
    Strom, Gas und Benzin schießen durch die Decke und just in dieser
    Zeit erhöhen die Politiker in Bergisch Gladbach auch noch die Parkgebühren. Ist das der richtige Weg um eine neu zu gestaltende City Bensberg in die Zukunft zu führen. Nein, bestimmt nicht, denn auf die Einzelhändler kommt auch noch eine zwei- bis dreijährige Umbauzeit der „Neuen Schlossstrasse“ hinzu mit all den Einschränkungen die Baustellen so mit sich bringen.
    Anstatt dem Corona-geplagten Einzelhandel zu helfen werden ihm Hürden in den Weg gestellt die den Bürger eigentlich auffordern doch direkt bei Amazon zu bestellen. Über die Verluste bei der Gewerbesteuer will ich gar nicht reden.
    Eine Erhöhung der Parkgebühren ist leicht in den Raum gestellt wenn man die Konsequenzen nicht sehen will. Etwas mehr Weitsicht wünschen ich den Politikern unserer Stadt

  7. Die Erhöhung der Parkgebühren und der Wegfall der sogenannten Brötchentaste ist neben der höchsten Inflationsrate seit 20 Jahren ein weiterer Beweis dafür, die Bürger und Bürgerinnen weiter zu belasten. Solange die Nahverkehrsmittel so teuer und unpünktlich sind, wird keiner auf sein Auto verzichten.

  8. Dem Homo parkiensis als jahrzehntelang erfolgreichster Gattung wird schwer beizukommen sein.

    Das Parken, idealerweise kostenfrei und natürlich unmittelbarst vor jeder Ladentür, gehört nun ‘mal zu den Grundfesten unserer Zivilisation …

    Aber Ernst beiseite:
    Auch hier steckt einfach viel Psychologie drin.

    Wenn man sich z.B. ’mal die Lage in Bensberg-City, besonders vor der Schlossgalerie beschaut,
    lässt sich zumal abends gern ein burleskes Blechballett vor dessen Eingang beobachten,
    manchmal 15 – 20 Karossen in (kosten)frei gedrängter Reihung unmittelbar vor deren Eingängen,
    dazu oft mittelkunstvolles Rangieren nicht immer zum Takt der zeitgleich dichten Kfz-Karawane durch die künftige „Zone hoher Aufenthaltsqualität” ..,

    Dabei verfügt allein dieselbe Schlossgalerie über zwei komplette, kaum je ausgelastete Parkdecks mit unmittelbaren Fahrstuhlkontakt in’s Einkaufsparadies (Ticket kann man an den Ladenkassen einlösen).

    Und gerade zu Bensberg wird um jeden Parkplatz vor jedem Laden bis zum letzten (störenden) Baum gerungen …

    Will sagen:
    Ein Kopf- und Tat-Switch weg vom allzeitflexibel universell automobilen Stadtbummel mit individuell platzprivilegiertem Zwischenstopp wird, neben einer strukturellen und technischen Revolution neuer Vetkehrslogistik, auch eine weitere Evolution des Geistes fordern …

  9. Richtig, erhöht die Parkgebühren auf 10 € die Stunde, damit das einfache Volk endlich von der Straße in die Busse verlegt wird und mein SUV direkt in der Innenstadt parken kann.

    Nein im ernst, welcher Autofahrer wird sich von 50 Cent mehr die Stunde beeindrucken lassen. Schlimmstenfalls fährt der ein oder andere halt gar nicht mehr in die Stadt und bestellt per Amazon.

    1. Sie sprechen einen wichtigen Punkt an. Tatsächlich wäre es auch notwendig, die Ticketpreise für den ÖPNV im besten Fall aus „ticketlos = 0“ zu senken, um Anreize für Klimaschutz zu schaffen und dabei soziale Gerechtigkeit herzustellen. Wir haben ja auch ein Problem bei den Benzinpreisen, denn die „Reichen und Schönen“ zahlen jeden Preis, während die Pendler und Arbeiternehmer*inne unter den Preissteigerungen leiden. Um dieser Ungerechtigkeit entgegenzuwirken müssen wir den ÖPNV nicht nur günstiger machen, sondern auch massiv ausbauen. Die Menschen müssen schnell und bequem an ihren Arbeitsplatz kommen oder einkaufen können. Außerdem sollte die Anzahl der öffentlichen Parkplätze weiter reduziert werden, um diesen öffentlichen Raum wieder öffentlich nutzbar zu machen. Auf den Parkplätzen können Grünflächen entstehen und sie können auch für kulturelle Dinge verwendet werden. Und vielleicht kommen wir dann in der Zukunft dazu, dass Autos ganz aus den Innenstädten verbannt werden und in einen autofreien Innenstadt, Stadtmitte oder Schlossstraße auch keine SUV mehr parken dürfen. Die Verkehrswende fängt erst an!

  10. „Durch die „Brötchentaste“ wird die Bürgerschaft animiert selbst für kleine Besorgungen das Auto zu nutzen.“

    Da wäre ich aber sehr gespannt, ob die Stadtverwaltung für diese Behauptung irgendwelche belastbaren Belege hat. Plausibel sind nämlich auch die Argumente der Befürworter. Unter dem Aspekt der Wirtschaftsförderung wird angeführt, dass eine kostenlose Parkmöglichkeit Spontankäufe „auf der Durchreise“ befördert. Andere sehen sie als niederschwelliges Mittel, den Leuten das legale Parken per Ticket anzutrainieren. Und eine dritte Position sieht darin einen Weg, knappen Parkraum durch kurze Verweildauern effizienter zu nutzen.

    Ich will nicht entscheiden, wer hier Recht hat, aber dem Ansatz der Verwaltung, eine ggf. erforderliche Evaluierung durch eine Behauptung zu ersetzen, kann ich auch nicht folgen.

  11. Meine (persönliche) Einschätzung: alleine der Ausbau inkl. attraktiver Preisgestaltung des ÖPNV bringt die Leute tatsächlich nicht zum Umsteigen. Ich glaube selbst bei kostenlosem ÖPNV bzw. Bürger-Ticket etc., würden sehr viele Menschen immer noch den eigenen PKW bevorzugen. Denn wenn man die meisten objektiven Argumente gegen die Nutzung von Bus und Bahn ausräumt (also Takt, Entfernung, Umstiege etc), bleiben immer noch die mächtigsten subjektiven Argumente: persönliche Bequemlichkeit und Gewohnheit. Dagegen scheint leider wirklich nur der Appel an den Geldbeutel zu wirken. 
    Bevor ich jetzt in der Luft zerrissen werde: ich rede nicht davon die Preise künstlich in die Höhe zu treiben, sondern lediglich die realen Kosten an die Pkw-Nutzer weiterzureichen, sprich existierende Subventionen für den motorisierten Individualverkehr nach und nach zurückzufahren.

    1. Welche „existierenden Subventionen“ meinen Sie denn?
      Die Kaufprämien für E-Autos oder die Steuerersparnis bei E-Hybriden bei Firmenwagen?

      1. Nein, die meine ich nicht. Ich meine 70 Mrd jährliche Ausgaben für Straßenverkehr gegenüber 50 Mrd Einnahmen aus ebendiesem (davon aber nur Ca 25 Mrd zweckgebunden). Der ganze Rest wird quasi bezuschusst. Und das ist übrigens mehr als alle Investitionen in z.B. den Schienenverkehr insgesamt.
        Dazu kommen noch Folgekosten von Ca. 150 Mrd Euro / Jahr für den Verkehr, von denen Ca. 95% der Straßenverkehr ausmacht.

        Quelle z.B.: https://www.heise.de/news/Studie-Strassenverkehr-deckt-Kostenbedarf-nur-zu-36-Prozent-6196574.html
        https://www.zdf.de/nachrichten/heute/studie-was-der-strassenverkehr-kostet-100.html

        Die Kaufprämien sind wieder ein anderes Ärgernis (in meinen Augen), da sie vor allem denen nutzen, die gar nicht darauf angewiesen sind.

    2. Zum Glück gibt es keine Benutzungspflicht für den ÖPNV und so darf man auch jedem seine „persönliche Bequemlichkeit und Gewohnheit“ zugestehen, ganz davon abgesehen, dass viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen auf einen Pkw angewiesen sind.

      Man könnte ja auch die tatsächlichen Kosten des ÖPNV an den Bürger weiterreichen, denn auch dieser wird subventioniert, wenn auch nicht so hoch wie der Pkw-Verkehr, da Tickets sonst unerschwinglich wären.

      Das Argument, dass der Autoverkehr ja so hoch subventioniert wird, ist für mich nicht „zu Ende gedacht“. Wie hoch wären denn wohl die Subventionskosten für den ÖPNV, wenn man sowohl Linien- und Haltestellennetze und den Zeittakt kräftig ausbauen und ggfs. Tickets vergünstigen würde und das deutschlandweit?

      Um den ÖPNV attraktiv zu machen bräuchte man eine massive Erhöhung der Taktfrequenzen rund um die Uhr, einen sehr umfangreichen Ausbau von Haltestellen/Linien (auch in Randgebieten, ländlich und in, teils engen, Wohngebieten, die bisher nicht oder in sehr geringem Umfang angebunden sind) und dementsprechend auch sehr viel Personal.

      Ein deutliches Minusgeschäft, das Subventionen in schwindelerregenden Höhen erforderlich machen würde.

      1. @Ina,
        ja, die Entscheidungsfreiheit gibt es und sollte es immer geben, aber die muss dann auch ihren realen Preis haben.
        Ja, es gibt Menschen die unbedingt auf das Auto angewiesen sind, was mitunter an den hier so gewachsenen (fehlenden) Strukturen liegt. Aber dass das wirklich eine Mehrheit der Bevölkerung ist, darf stark bezweifelt werden.
        Und ja, der ÖPNV wird ebenfalls hoch subventioniert und muss es auch werden. Es sind nun mal Massentransportmittel und die gehören zu den Versorgungspflichten eines Staates. Hohe Subventionierungen für die Öffentlichen UND den motorisierten Individualverkehr braucht es dagegen eigentlich nicht, da diese ja in Konkurrenz zueinander stehen. Welches davon hinsichtlich Ökologie und Effizienz das Rennen macht, steht wohl außer Frage.
        Und ja, unbestreitbar wird es noch viele Investitionen brauchen um die Versäumnisse der Vergangenheit zu kompensieren und die werden natürlich auch Geld kosten. Was die Attraktivität des ÖPNV angeht, habe ich ja in meinem ersten Beitrag schon geschrieben: der wird immer in Konkurrenz zur persönlichen Bequemlichkeit stehen und ist damit auch eine Frage der Perspektive.
        In den meisten Nachbarländern ist der ÖPNV klassischerweise bereits deutlich mehr gefördert (in den Pro-Kopf-Ausgaben) und trotzdem billiger (eben wie beim Autoverkehr hier). Diesen Ländern ist es das einfach wert. Nur hat man in Deutschland halt Jahrzehntelang – nicht zuletzt auf Druck der Automobil-Lobby – das Auto bevorzugt, was sich nun langsam zu wandeln scheint.

  12. Parken erschweren bringt noch lange nicht die Wende, ist aber einfacher und publikumswirksamer zu machen. Damit sind aber lange noch nicht Busfahrten verbessert. Verbindungen von z.B. Bärbroich ins Zentrum sind nach wie vor katastrophal, trotz Versprechen der damaligen Grünen-Kandidatin. Hier muss auch mitbedacht werden, dass v.a. Alte nicht so ohne Weiteres vom Auto in den Bus umsteigen könnten, selbst wenn geänderte Fahrpläne es erlauben würden. Aber die sind ja noch lange nicht geändert. Politische Wolkenkuckuckspläne! Und die falsche Reihenfolge!

    Das schreibe ich als grundsätzlicher Befürworter einer Verkehrswende vom Auto weg hin zum Öffentlichen Nahverkehr. Aber -wie gesagt- die Reihenfolge der Maßnahmen muss stimmen.

  13. Bus und Bahn immer teurer! welch eine emotionelle ansage. NEIN! die werden nicht teurer. im vergleich zur autofahrt mit allen anfallenden kosten ist der ÖPNV immer günstiger. Carsharing ist auch günstiger.
    wenn man nun die Parkgebühren mit denen in Köln vergleichen würde…wäre das parken hier unverantwortlich günstig!
    Das Wort „Brötchentaste“ ist in der Tat ein „Witz“, denn in der Innenstadt gibt es ja kaum Bäcker, die auch am sonntag morgen Brötchen anbieten…
    reduziert endlich die Parkplätze für den Individualverkehr, sonst werden die Busse kaum voller…!

  14. Bevor so etwas beschlossen wird, wäre es sinnvoll, zunächst über das derzeitige Angebot des ÖPNV nachzudenken. Nur weil dort seit Jahren die Preise erhöht werden, heißt das ja nicht dass das Preis-Leistungsverhältnis attraktiv ist. Solange es nicht möglich ist, zuverlässig und pünktlich z.B. zur Arbeit oder zur Schule zu kommen, wird de ÖPNV nicht zum Mittel erster Wahl werden, nur weil man das Parken mit einem KFZ kostenpflichtig macht. Menschen zum Umdenken bewegen zu wollen, ohne das Angebot zu attraktiv zu machen, dass sie es gerne annehmen, ist die falsche Herangehensweise.

    Dass jemand, des Weiteren, nur deshalb in den Ort fährt, weil er die Brötchentaste ziehen kann, halte ich für fragwürdig. Ich vermute, aus der persönlichen Erfahrung heraus, es wird eher so sein, dass man auf dem Weg von A nach B anhält, um noch schnell etwas in einem Geschäft zu besorgen. Wenn das jetzt kostenpflichtig wird, wird der Käufer vermutlich auf Supermärkte ausweichen, bei den kostenloses Parken möglich ist.

    1. Hallo Carolin, vielen Dank für Ihre Anmerkungen! Das würde ich so 100% unterstreichen. Und zudem sehe ich auch das Problem, das die Innenstadt noch unattraktiver wird und somit die lokalen Geschäfte weiter darunter leiden werden……

      1. Absolut richtig! Vielleicht kann die Stadt ja die dann wegbrechende Gewerbesteuer durch die Parkgebühren kompensieren…! Fragt sich nur, wozu man dann noch dort parken sollte.