Patricia Wright wurde 1996 in Hand von einem Rechtsextremisten ermordet. Foto: privat

Die studentische „Erinnerungspolitische Initiative Bergisch Gladbach“ hat sich neu ausgerichtet und konzentriert sich nicht mehr auf die Umbenennung des Hindenburgsplatzes. Nun fordert sie – mit den Angehörigen – einen öffentlichen Gedenk-Ort für Patricia Wright, die als junge Frau von einem Rechtsextremisten getötet worden war und in diesem Jahr 50 Jahre alt geworden wäre.

Vor einem Jahr hatte die „Erinnerungspolitische Initiative“ über Nacht die Straßenschilder am Hindenburgplatz in Bensberg überklebt und damit eine Neuauflage der Debatte um die Bennenung des Platzes ausgelöst. Trotz einiger Gespräche mit dem Bürgermeister und einzelnen Fraktionen ist der Vorstoß in der Kommunalpolitik am Ende im Sande verlaufen.

Daher habe sich die Initiative neu aufgestellt und „eine gewisse Ernsthaftigkeit“ bekommen, berichtet ein Sprecher dem Bürgerportal. Wie alle Vertreter:innen der Gruppe will er anonym bleiben; die Initiative sei rund zehn Mitglieder groß und bestehe vor allem aus Student:innen.

Nun will die Gruppe selbst eine politische Initiative starten und ihr Anliegen über eine formale Anregung in den Ausschuss für Anregungen und Beschwerden in den Stadtrat einbringen. Ziel sei jetzt nicht mehr der Hindenburgplatz, sondern die Schaffung eines öffentlichen Gedenk-Ortes für Patricia Wright.

Wright war am 3. Februar 1996 in ihrer Wohnung in Hand durch den rechtsextremen Serienmörder Thomas Lemke brutalst vergewaltigt und ermordet worden war. Die 23-Jährige hatte sich mit einem „Nazis raus“-Sticker auf der Jacke positioniert. Sie ist zwar offiziell als Opfer rechtsextremer Gewalt anerkannt, ihr Schicksal war in Bergisch Gladbach jedoch fast völlig in Vergessenheit geraten.

Gerade das hatte die jungen Aktivisten schockiert. „Wir selber, die alle in Bergisch Gladbach aufgewachsen sind, erfuhren erst als junge Erwachsene durch Zufall auf Insta vom Nazimord in unserer eigenen Stadt – nicht jedoch in den Schulen, die wir besuchten, der Lokalpresse oder sonstiger städtischer Öffentlichkeit“, erklären sie jetzt erneut.

Kontakt zu den Hinterbliebenen

Nach der ersten Aktion im vergangenen Jahr, so berichten sie nun, hätten sie über Umwege Kontakt zu Hinterbliebenen und Angehörigen von Patricia Wright aufbauen können. Bei diesen sehr emotionalen Begegnungen sei deutlich geworden, dass auch die Angehörigen ein öffentliches Gedenken an Patricia Wright wünschen.

Da am 16.6.2022 Patricia Wrights 50. Geburtstag gewesen wäre fordere die Initiative gemeinsam mit den Angehörigen einen zentralen öffentlichen Gedenkort. 

Sie zitieren Wrights Mutter: „Mir geht es nicht um meine private Erinnerung an meine Tochter, sondern ich finde es bedauernswert, dass es noch immer keine öffentliche Erinnerung an einem zenralen Ort gibt, damit die Tat  nicht in Vergessenheit gerät.“

Ein Mitglied der Initiative schreibt: „Dass die Stadt es versäumt einem offiziell anerkannten und gut dokumentierten Mord der extremen Rechten zu Gedenken ist ein Skandal. Das verbreitete Unwissen unter unseren Friends und Verwandten untermauert die Wichtigkeit räumlich sichtbarer Erinnerung, einem beherzten Eintreten für Demokratie, Vielfalt,
Menschenrechte und Emanzipation sowie einem aktiven Bekenntnis gegen die extreme Rechte.“

Die Angehörigen, so erläutert die Initiative, wollten nicht in der Öffentlichkeit auftreten, daher kümmerten sich die Aktivisten in enger Absprache mit den Hinterbliebenen um die Gestaltung und weitere Organisation.

Die Erklärung und Forderung nach einem Gedenk-Ort, so heißt es weiter, richte sich auch direkt an Bürgermeister Frank Stein und die Fraktionen im Stadtrat.

Mit dem Hindenburgplatz hat die Gruppe auch noch nicht ganz abgeschlossen. Hier sei es nun aber die Aufgabe der Fraktionen, das Thema voran zu bringen.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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6 Kommentare

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  1. Gut, dass junge Leute den Fall aufgreifen und im öffentlichen Bewusstsein verankern wollen – beschämend, dass das in den letzten 25 Jahren nicht passiert ist! Auch ich habe davon vor einigen Jahren zufällig erfahren; im Jahr des Mordes ist es komplett an mir vorbeigegangen. Ich hoffe sehr, dass die Stadt daran ebenfalls ein Interesse hat und in endlicher Zeit(!) tatsächlich ein Gedenkort eingerichtet wird!

    Auch eine weitere Beschäftigung mit dem Hindenburgplatz würde ich sehr begrüßen. Eine Umbenennung ist dabei nur eine Möglichkeit. Denkbar wäre auch eine Tafel, die die Rolle Hindenburgs bei der Machtübertragung an die Nazis thematisiert. Oder ein Friedensdenkmal, das der unsäglich militaristischen Säule auf dem Deutschen Platz“ gegenübergestellt wird. Geschichtsschreibung entwickelt sich, lernt ständig dazu – das muss auch für die Erinnerungskultur gelten!

    @Tom Gerlach: Wer keine inhaltlichen Argumente hat, greift zu ad hominem-Attacken. Uralter, durchschaubarer Trick.

    1. Auch die „unsäglich militaristische Säule“ ist ein Teil der Erinnerungskultur! Sie mag ihnen weder optisch noch inhaltlich gefallen, sie als „unsäglich“ zu bezeichnen ist ungehörig. Es ist ein Denkmal und bleibt es auch. Es wird weder der Krieg, noch ein einzelner Soldat verherrlicht, sondern der Gefallenen gedacht. Dass sie für ein Unrechtssystem getötet wurden, spielt dabei keine Rolle. Ob sie freiwillig in die Schlacht (welch furchtbares Wort) zogen oder „gezogen“ wurden, ist der Säule nicht zu entnehmen.

      Der Hinweis auf eine Hinweistafel zu Herrn Reichspräsident Hindenburg (den damaligen Verhältnissen entsprechend zu Recht in dieser Position) und dessen (der damaligen Zeit geschuldeten) Mitwirkung an der Ernennung Hilters zum Reichskanzler, ist zu begrüßen. Hier von einer „Schuld“ oder „Mitschuld“ zu sprechen, ist für uns Bundesbürger leicht. Welche Möglichkeiten er hatte, diese unglückliche Ernennung zu vermeiden, wird nach meiner Kenntnis auch von Historikern diskutiert.

  2. @Tom Gerlach: Wählen Sie die AFD?
    Das politische Aktivisten in einem bestimmten Umfeld lieber anonym bleiben wollen, zeigt ja gerade der Mord an einer jungen Frau, die sich politisch gegen Rechts positioniert hat.

      1. Nazi-Morde seit 1990: über 200
        linksextreme Morde: 2 (RAF, Anfang der 90er)

        Noch Fragen?

  3. Habe ich etwas überlesen, oder gab es noch nie auch nur einen Namen der „Aktivisten“?
    So lange das anonym ist, würde ich da keinen Millimeter an Zugeständnissen machen!
    Wer nicht mit seinem Namen für eine Initiative einsteht, hat etwas zu verbergen.