Das Kreishaus am Rübezahlwald. Foto: Thomas Merkenich

Vor drei Wochen hat die Belkaw eine Verunreinigung entdeckt und abgestellt, seither gibt das Unternehmen Chlor ins Trinkwasser. Wann diese Vorsichtsmaßnahme beendet werden könne, dazu sei noch keine Aussage möglich, teilt das Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises auf Nachfrage mit.

Chlor im Trinkwasser ist gesundheitlich unbedenklich, und dennoch eine Belastung für die Bevölkerung. Daher häufen sich auch in der Redaktion des Bürgerportals Anfragen von Menschen, die sich durch die Maßnahme beeinträchtigt fühlen. Rein geschmacklich, aber einige sorgen sich auch um ihre Gesundheit und berichten von Allergien, Hauptproblemen und Magenbeschwerden.

Dennoch reagieren sowohl die Belkaw als auch das Kreisgesundheitsamt auf konkrete Nachfragen zu Dauer, Dosierung und Auswirkungen der Aktion zurückhaltend. Wir dokumentieren diese Informationen vollständig.

„Eine Aussage, wann die Chlorung beendet wird, ist jetzt noch nicht möglich“, teilte das Gesundheitsamt Rhein-Berg heute mit, fünf Tage nach der Anfrage.

Die Frage, welche Menge an Chlor zugesetzt wird, und ob sich diese Dosierung im Laufe der vergangenen drei Wochen verändert habe, wird so beantwortet: „Im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen wurde und wird Chlor in einer Menge zugesetzt, die eine ausreichende Wirksamkeit garantiert, ohne den maximal erlaubten Grenzwert zu überschreiten.“

Zudem hatten wir gefragt, ob das Gesundheitsamt einen Ermessensspielraum habe, was Dauer und Länge der Chlorung angehe. Die Antwort: „Die Chlorung erfolgt bis zum sicheren Ausschluss einer gesundheitlichen Gefährdung der Bevölkerung ohne dass gechlort wird.

Unsere Bitte um eine Einschätzung der Hinweise und Beschwerden über gesundheitliche Probleme erfährt eine knappe Antwort: „Die Beschwerden hielten sich in dem für diese Ereignisse typischen Rahmen.“

Der Kreis hatte die Fragen des Bürgerportals zunächst an die Belkaw bzw. das Mutterunternehmen RheinEnergie weitergegeben; von dort gibt es jedoch keine weiteren Informationen. Sobald die Chlorung im Einvernehmen mit dem Gesundheitsamt eingestellt werden könne, werde man sich melden, so ein Unternehmenssprecher.

Zum Hintergrund: am 24. November hatte die Belkaw mitgeteilt, dass in der neuen Druckerhöhungsanlage in Gierath coliforme Keime in geringer bakterieller Konzentration nachgewiesen worden seien. Sie seien mit neuen Komponenten eingetragen worden. Das eigentliche Verteilnetz für Trinkwasser sei nicht betroffen. In Abstimmung mit dem Gesundheitsamt werde das Trinkwasser vorübergehend gechlort, um einen Eintrag ins Wassernetz zu verhindern. Betroffen sei fast das gesamte Stadtgebiet, mit Ausnahme von Bensberg, Frankenforst und Refrath.

Service: Chlor verdampft relativ rasch. Daher kann es helfen, das Trinkwasser zunächst in einer Karaffe stehen zu lassen und/oder es abzukochen. Auch Wasserfilter können für eine Reduzierung des Geruchs sorgen. Die Verwendung des gechlorten Wassers ist laut Belkaw auch für Schwangere und die Zubereitung von Säuglingsnahrung unbedenklich, solange keine spezielle Allergie vorliegt.

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Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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19 Kommentare

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  1. Ich koche das Wasser mehrmals ab und es schmeckt weiterhin immer noch nach Chlor und riecht auch echt extrem. Selbst die Toilettenspülung riecht nach Chlor. Meine Kinder haben immer wieder Magenschmerzen. Habe schon soviel Geld für Wasser ausgegeben nur um damit zu kochen. Zusätzlich zu dem was wir sonst zuhause auch trinken. Zwischendurch ist es echt schwer noch stilles Wasser zu bekommen. Ich hoffe das es bald zusende ist.

  2. Chlor ist flüchtig, im warmen stärker als im kalten Wasser.

    Wer also das Chlor nicht verträgt, abkochen und dann einfach etwas stehen lassen.
    Das gilt für Menschen als auch für Tiere.

    Wir sind nur das gute Grundwasser aus Refrath gewöhnt. Aber Gebiete mit Talsperrenversorgung werden oft dauerhaft gechlort.

    Ob der Mangel an stillem Wasser nun am Chlor, Einlagerung wegen Blackout oder sonstigem liegt lässt sich nicht sagen.

  3. Wenn es nur KEIME sind, warum können wir das Wasse nicht einfach vor Gebrauch abkochen ,anstatt es mit Chlo zu versetzen?
    Es wird so STARK gechlort, dass Gegenstände / Hände, die unter Wasser reinigt werden, stark nach Chlor riechen, als hätte man die in Paffrath im Kombibad ins Wasser gehalten.
    Des Weiteren darf das Wasser für Heimvögel nicht gegeben werden, kann tödlich sein ,da die so einen kleinen Körper habe – sagt selbst Herr Gerlach vom Gesundheitsamt und der vogelkundige Tierarzt.
    Ich kann mir vorstellen ,dass das über einen längeren Zeitraum auch für den menschlichen Organismus
    nicht gesund ist

    1. „Wenn es nur KEIME sind, warum können wir das Wasse nicht einfach vor Gebrauch abkochen ,anstatt es mit Chlo zu versetzen?“

      Das erklärt sich doch eigentlich selbst: Wenn Sie immer nur das entnommene Wasser abkochen, bleibt die Verkeimung im Leitungssystem. Dort soll sie aber verschwinden, deshalb die Chlorung. Oder wollen Sie in alle Ewigkeit nur noch abgekochtes Wasser verwenden? Das wäre eine ziemliche Energieverschwendung.

      „Ich kann mir vorstellen ,dass das über einen längeren Zeitraum auch für den menschlichen Organismus nicht gesund ist“

      Deshalb ist das Gesundheitsamt involviert. Dort kann man fachlich sicher beurteilen, was unschädlich ist, und muss es sich nicht vorstellen.

    2. Sie könnten auch in den Obi fahren und dort ein Chlor Pooltest kaufen, dann können Sie Ihre Vermutung prüfen.

  4. Die Tatsache, dass gechlort wird, deutet tatsächlich wohl darauf hin, dass die sichere Trinkwasserversorgung funktioniert.

    Dennoch ist es in Deutschland ungewöhnlich, dass gechlort wird. Insofern halte ich den Satz aus der Pressemitteilung der Belkaw „In vielen anderen Städten und Gemeinden wird es [Chlor] routinemäßig rund ums Jahr eingesetzt“ für unzutreffend. In welchen Gemeinden Deutschlands wird das ganze Jahr über chloriert?

    Die Kommunkationsstrategie könnte besser sein. Ich erinnere mich, dass vor ca. 30 Jahren die betroffenen Haushalte einer Gemeinde Handzettel im Briefkasten hatten. Darauf könnte man heutzutage wohl verzichten. Andererseits sollten die Informationen viel prominenter und für jeden leicht auffindbar verfügbar gemacht werden. Auf der Homepage der Belkaw müsste die Meldung auf der Startseite hervorgehoben werden.

  5. Lieber Chlor als krank.

    Die Informationslage scheint mir aber wirklich irgendwie etwas dünn zu sein, so dass ich die Sorgen einiger Kommentatoren hier durchaus verstehen kann, ohne sie direkt in die „Alu-Hut“-Schublade zu stecken.

  6. Es wundert mich, dass sich die Redaktion mit dieser schmallippigen Antwort des Gesundheitsamts abspeisen lässt. Was spricht dagegen, jetzt nach dem Informationsfreiheitsgesetz eine umfassende Auskunft zu verlangen und Details wie die Menge des zugesetzten Chlors pro Kubikmeter sowie Art und Menge der ermittelten Erreger einzufordern?

    1. Dagegen spricht, dass wir darauf vertrauen, dass sich das Gesundheitsamt korrekt verhält. Und weil wir uns nicht anmaßen, Informationen über „Art und Menge der ermittelten Erreger“ angemessen beurteilen zu können.

      Was wir kritisieren ist die Informationspolitik des Gesundheitsamtes und der Belkaw.

    2. Mal von der (nachvollziehbaren) Antwort der Redaktion abgesehen: Man kann auch von einem Bürger-Portal nicht unbedingt erwarten, dass es umfangreichen Investigativjournalismus zu jedem Thema betreiben kann. Da sind auch einfach Grenzen, was das Personal angeht. Nehme ich mal an.
      Dafür wird hier schon viel geleistet und Informationen nachgefragt.

  7. Ist das noch normal?
    Warum wird man als Kunde nicht direkt von der Stadt bzw. der Belkaw informiert?
    Das keiner mehr dieses Wasser trinken möchte stellt man fest, da jegliches stille Wasser ausverkauft ist. Die Getränkehersteller freuen sich. Kann man das der Stadt/Belkaw in Rechnung stellen?
    Jeder Mieter würde auf Mietminderung klagen. Geht das nicht auch bei der Stadt/Belkaw, da die versprochene Leistung nicht erbracht wird?

    1. @Günther
      Was die „versprochene Leistung“ angeht, werden Sie feststellen, dass Sie gar keinen gesetzlichen oder vertraglichen Anspruch auf ungechlortes Wasser haben. Was Ihnen niemand garantiert, können Sie natürlich auch nicht einklagen. Es gibt Grenzwerte die von den Behörden vorgeschrieben und kontrolliert werden, wie u.a. hier auf in-gl.de auch immer wieder berichtet wird/wurde.

      P.S. bei mir wird auch gechlort und ich trinke das Wasser trotzdem, bisher ohne Nebenwirkungen.

  8. Was ist denn da jetzt wirklich sooo schlimm verseucht, wenn doch „Das eigentliche Verteilnetz für Trinkwasser sei nicht betroffen.“? Diese seltsame Formulierung enthält auch die aktuelle (?) Info auf der Belkaw Homepage vom 29.November (!).
    Ich traue dem Braten überhaupt nicht mehr, gerade weil die Verbraucher-Information so dürftig, und der Chlorgeruch so heftig wie nie ist: mein abgekochter „Reserveliter“ stinkt nach 12 Stunden leider immer noch. Meine Vermutung ist wie schon mal erwähnt, daß es mehr Keime als im Schwimmbad gibt.

    Aktueller Eintrag bei Wikipedia:
    „Die BELKAW GmbH ist ein regionales Versorgungsunternehmen für Strom, Erdgas, Wärme und Wasser mit Sitz in Bergisch Gladbach. Das Unternehmen versorgt in der Bergischen Region rund 200.000 Menschen. Die Gesellschafter der BELKAW GmbH sind die Stadt Bergisch Gladbach mit einem Anteil von 49,9 Prozent, die RheinEnergie AG mit Sitz in Köln hält einen Anteil von 50,1 Prozent. Die Kommunen Burscheid, Kürten, Leichlingen, Lindlar und Odenthal halten eine stille Beteiligung an der BELKAW GmbH. “

    Aah, Rheinenergie, das sind doch die Braunkohlkejunkies, ganz toller Laden…
    Vielleicht kann Bergisch Gladbach nochmal ganz vehement um 0,2 % der Anteile an der Belkaw bitten, dann hätten wir 50,1 % und damit den Einfluß, der einer 200.000 Seelen zählenden (und zahlenden) Bevölkerung zusteht.
    Dass dies nicht passieren wird ist mir natürlich klar, aber ich darf doch sicher fragen, warum ! Und wie war das noch mit ’ner Entschädigung ? Wohl bekomm’s

    1. Ich befürchte, sie verwechseln die RheinEnergie mit Rheinbraun (heute ein Teil von RWE). Mal davon abgesehen, dass ich nicht weiß, was das mit dem Thema zu tun haben soll.
      Zu der Polemik hinsichtlich „schlimm verseucht“ sollte ich mich wahrscheinlich gar nicht äußern, aber… Nein, es ist nichts schlimm verseucht. Aber es wird aus Sicherheitsgründen gechlort. Ist ärgerlich, aber man kann damit leben.
      Ich kann nur vermuten, dass es im Stadtgebiet unterschiedlich schlimm ist. Ich bin eigentlich auch eher empfindlich, aber bei uns ist es nicht so schlimm…

    2. Abgekocht und nach 12 Stunden riecht es immer noch? Wem wollen Sie denn das erzählen?
      Aber bei Ihren wirren Kommentaren, auch in der Vergangenheit, zur RheinEnergie und Braunkohle, wundert mich nichts mehr.

    3. @Lutzky
      „Ich traue dem Braten überhaupt nicht mehr“ (…) „Meine Vermutung ist wie schon mal erwähnt, daß es mehr Keime als im Schwimmbad gibt.“

      Wenn Sie diesen Verdacht- und gleichzeitig ein solches Misstrauen gegenüber Gesundheitsamt, Stadt, Kreis und Versorger- hegen, hindert Sie ja nichts daran, auf eigene Faust eine Wasserprobe bei einem privaten Labor untersuchen lassen. Und wenn Sie es dann immer noch nicht glauben, noch bei einem weiteren Labor usw.