Burkhardt Unrau. Auf der Kirmes.

Die Pandemie stellt seit einem Jahr unser Leben auf den Kopf, mit mehr oder weniger einschneidenden Wirkungen. Wir lassen Bergisch Gladbacher:innen zu Wort kommen, die ihr Leben in der Pandemie beschreiben. In dieser Folge meldet sich Burkhardt Unrau mit einem „Offenen Brief“ zur Wort.

Von Burkhardt Unrau

Ein Jahr Corona und an ein einigermaßen normales Leben ist einfach nicht zu denken! Seit nunmehr fast 4 Monaten befinden wir uns nun in einer vierwöchigen Lockdown-Schleife und immer noch ist kein Ende in Sicht! Das ganze Land steht weitgehend still! Auch eine nachhaltige Strategie fehlt meines Erachtens völlig! Das kann unmöglich so weitergehen ohne Folgen, die wir alle zur Genüge täglich selber sehen und am eigenen Leib erfahren!

Jetzt wird wieder verlängert, bis in den März hinein und vielleicht sogar bis Ostern und für weite Teile vielleicht noch darüber hinaus!

Ja, die Schulen stehen im Vordergrund und das ist auch absolut richtig so! Doch was ist mit den anderen Bereichen, wie Einzelhandel, Gastronomie, der gesamten Kultur, Veranstaltungstechnik, Messen, Kirmessen und noch vieles mehr? Es sind halt ganz viele Menschen direkt oder indirekt betroffen und die müssen einfach alle berücksichtigt werden. 

Hinweis der Redaktion: Burkhardt Unrau ist Geschäftsführer des Schauerstellerverbands Bergisch Gladbach und seit vielen Jahrzehnten (u.a.) der erste Lobbyist der Kirmes als Volksfest in unserer Stadt. Diesen „Offene Brief“ hat er aber als persönlich Meinungsäußerung verfasst.
Wollen Sie berichten, wie Ihr Corona-Jahr aussah? Was sich verändert hat, worunter Sie leiden, was Sie gelernt haben? Dann schreiben Sie bitte an redaktion@in-gl.de

Die Wirtschaftshilfen kommen nicht an, die Impfung geht nicht oder nur schleppend voran und keiner weiß, ob die erhoffte Rettung durch die Impfung überhaupt funktioniert!

Es gibt keine Perspektiven, keine Stufenpläne zur Öffnung des normalen Lebens und nur wenig Hoffnung auf Besserung!

Man redet nur noch von Inzidenzzahlen und droht regelrecht damit! Ist das wirklich der einzige Weg zur Bekämpfung einer Pandemie? Mit Angst und Schrecken die Menschen in Ihrer Freiheit so einzuschränken, dass am Ende wirklich alles am Boden liegt?

Dass wir alle nicht wussten, was eine Pandemie ist und vor allem, was es für uns alle im Alltag bedeutet, ist wohl jedem klar! Jetzt über die im letzten Jahr gemachten Fehler zu lamentieren oder Schuldzuweisungen auszusprechen, bringt uns alle nicht weiter. Man sollte aber aus den Fehlern lernen und auch andere Strategien zur Bekämpfung der Pandemie überdenken.

Es gibt doch gute Beispiele in der ganzen Welt und, welch ein Wunder, sogar ganz hervorragende Beispiele in Deutschland, siehe Tübingen oder Rostock, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Ich würde mir sehr wünschen, dass in so einer schweren Zeit alle Politiker:innen näher zusammenrücken würden und ihr Parteibuch einmal an die Seite legen. Der Kampf gegen die Pandemie kann nur gemeinsam erfolgreich geführt werden und da müssen alle Menschen an einem Strang ziehen und nicht Egos oder Wahlkampf in den Vordergrund stellen.

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Das bedeutet, die weitere Vorgehensweise muss auf einer viel breiteren Grundlage unter Einbindung von Entscheidungsträgern aus vielfältigen Bereichen aufbauen. Hierzu gehören neben den Politiker:innen insbesondere Menschen aus dem ethischen, philosophischen, historischen Bereich sowie aus der Medizin, aus Pflegeberufen, aus Lehrberufen und Schulen, aus dem Erziehungsbereich, der Gastronomie, aus dem Schaustellergewerbe, dem Veranstaltungsbereich, dem Einzelhandel, aus dem Dienstleistungsbereich, der Tourismusbranche sowie der gesamten Wirtschaft.

Zwingend einzubinden sind auch die Kultur und der Freizeitsport. Das heisst, dass bevor Entscheidungen getroffen werden, zwingend mit all diesen Bereichen gesprochen werden muss, damit deren Aspekte in die Entscheidungsfindung einfließen können.

Hierdurch ergibt sich nicht nur ein breiteres Fundament sondern es eröffnet auch die Chance für andere Sichtweisen bzw. Möglichkeiten zur Bekämpfung der Pandemie und nur das schafft Vertrauen für die weiteren Entscheidungen und Vorgehensweisen. 

Wichtig sind einheitliche Vorgehensweisen, die jeder Einzelne verstehen und nachvollziehen kann und bei denen sich keiner benachteiligt fühlt. Unabdingbar ist eine begleitende offene und einheitliche Kommunikation, die jeden Einzelnen auch erreicht. Nur das schafft Akzeptanz für weitere Maßnahmen. 

Diese weiteren Maßnahmen müssen Planungssicherheit schaffen und vor dem Hintergrund erfolgen, dass wir alle lernen müssen, mit dem Virus und seinen Mutationen zu leben. Dies muss die Grundlage für das weitere Vorgehen sein. Sonst geht alles kaputt, was wir in den letzten Jahrzehnten aufgebaut haben. Dies darf den Menschen nicht zugemutet werden. 

Wichtig ist es jetzt, Hoffnung in die Zukunft durch vernünftige und verhältnismäßige Maßnahmen zu schaffen, eine respekt- und liebevolle Umgangsweise untereinander herzustellen und Hass und Hetze zu verbannen, um somit eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern!

Bitte bleiben Sie alle gesund, aber auch vernünftig!

Burkhardt Unrau

ist Kirmes-Fan seit Kindesbeinen und seit 20 Jahren ehrenamtlicher Geschäftsführerdes Schausstellerverbandes Bergisch Gladbach. Ein Portät über ihn finden Sie hier: https://in-gl.de/?p=81279

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12 Kommentare

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  1. @ Mehmet Schreiner
    Nazikeule???

    https://www.youtube.com/watch?v=kk_Z_laYfbw

    Es ist schon richtig beobachtet, dass ich relativ häufig Bezüge zur Nazizeit oder zu dieser Ideologie herstelle. Das hatt allerdings auch einen einfach zu erklärenden Grund. Dieser liegt in der Tatsache, dass ich mich relativ häufig mit der AfD und anderen rechtsextremistischen Erscheinungen auseinandersetze.

    Warum ich das tue? Weil ich 1. den Rechtsextremismus für eine akute Bedrohung unserer demokratischen Gesellschaft halte und 2. “der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch”, um mit Brecht zu reden. Das zeigt die Präsenz der AfD, aber auch viele Erscheinungen der Gegenwart, wie NSU-Prozess, Nazis bei Polizei und Bundeswehr, unzählige Naziparteien, -verbindungen, -kameradschaften, Querdenkerdemos, Kommentatoren im Social-Net usw. usw.

    Wer mich dafür kritisiert, wird seine Gründe haben.

  2. Das war zu erwarten, lieber Herr Schneider, dass Sie die Nazi-Keule auspacken.
    Mehr Argumente haben Sie ja meist nicht.

  3. @ Mehmet Schreiner

    Zu ihrer Argumentation fallen mir spontan ein: “Deutschland, Deutschland über alles” und “We make America great again”.

    Das hier verlinkte Video ist ganz einfach zu verstehen, beschreibt aber deutlich die Denkmuster, denen ihr Beitrag folgt: https://www.youtube.com/watch?v=rhojpLRC_IU

  4. @Schneider:
    “spätkolonialistischen Vorgehen”? Geht es noch größer?

    Ohne diese bösen Staaten, die die Impfstoffe nicht weltweit gleichmäßig verteilen, gäbe es gar keinen Impfstoff. Wie würden die ärmeren Länder dann da stehen?

    Es gibt da so einen Amtseid, den einige abgelegt haben: “Zum Wohle des Deutschen Volkes” oder neuerdings “Zum Wohle des Landes Nordrhein-Westfalen”. Das bedeutet also erstmal die eigenen Einwohner zu schützen, zu impfen und deren Lebensunterhalt zu sichern.
    Und ja, die Politik hätte daher in den Wettbewerb einsteigen sollen, dazu sind sie förmlich verpflichtet gewesen.

    Grenzen kann man schließen, kontrollieren, regulieren, da macht auch ein Virus an den Grenzen Halt. Und wenn ein Virus in ein geimpftes Gebiet kommt, ist es auch nicht tragisch.

  5. Lieber Herr Unrau, es geht hier nicht um z. B. die Bepflanzung des Kreisels, es geht um Leben und Tod. Damit meine ich nicht das Leben und den gefühlten Tod der Gastronomie, des Schaustellergewerbes, oder des Veranstaltungsbereichs und dem Einzelhandel, sondern realen Tod von Menschen, der uns nur als Zahl erreicht (68.505, neu gestern 444). Und Sie wollen ernsthaft Lobbyisten der Gastronomie, aus dem Schaustellergewerbe, dem Veranstaltungsbereich, dem Einzelhandel, aus dem Dienstleistungsbereich, der Tourismusbranche sowie der gesamten Wirtschaft in die Entscheidungsfindungen der weiteren Pandemiebekämpfung mit einbeziehen? Gott bewahre und ich bin mir sicher, das Sie das an einem runden Tisch im “Bock” (ach sorry, zu) machen können, aber wie gesagt ” Gott sei dank” nicht für Deutschland. In diesem Sinne ein nachträgliches Alaaf.

  6. Danke Herr Havermann. Auf den Punkt gebracht.

    Ergänzen möchte ich noch, dass z.B. die fast durchgängig geübte Kritik an der Nichtverfügbarkeit der Impfstoffe nach meiner Meinung sehr fragwürdig ist. Man beklagt, dass Deutschland bzw. die EU nicht in den Poker um Impfstoffe eingetreten und deshalb die Impfquote niedriger sei als in Israel oder Großbritannien.

    Amnesty befürchtet, dass die ärmeren Länder der Welt dieses Jahr max. 10 % ihrer Bevölkerung impfen können, während die wohlhabenderen Staaten bis Ende des Jahres fertig sein wollen.

    Jedem halbwegs mit Intelligenz ausgestatteten Menschen muss klar sein, wie dumm dieses rücksichtslose Vorgehen ist, als würde das Virus Ländergrenzen respektieren. Von der moralischen Bewertung dieses spätkolonialistischen Vorgehens abgesehen. Mich wundert allerdings, dass dieses Argument der Fairness – zumindest nach meiner Wahrnehmung – nicht öffentlich diskutiert wurde.

    Mir scheint, dass die breite Masse der Bevölkerung geduldiger und klüger reagiert als die vielen “nicht Wissenden”. Die Zustimmung zu den getroffenen Maßnahen ist immer noch erstaunlich hoch und auch die Impfbereitschaft scheint kontinuierlich zu steigen.

    Das heißt nicht, dass ich die Ungeduld und die Frustration vieler Betroffener nicht nachvollziehen kann. Und natürlich gibt es auch berechtigte Kritik an undurchdachten Maßnahmen. Das Problem bürokratisch zu lösen, wie es Herr Unrau vorschlägt, ist allerdings das Letzte, auf das wir setzen sollten.

  7. Ich denke, dass wir alle wenig begeistert sind von der Pandemie und ihren Auswirkungen. Darum scheint es nicht nötig, jeden Tage vom nicht regierenden Politiker über bisher nicht bekannt gewordene Experten und Mediziner bis in dieses Forum hinein von Menschen zu hören, die es leid sind. Das bin ich auch, aber mir geht ehrlich gesagt der ständige Beschuss durch all diese Theoretiker über die Hutschnur. Mir scheint, die ganze Suppe aus Wissen, Pseudo-Wissen, Ignorierung und politischen (Fehl)entscheidungen wird immer wieder umgerührt, neue Gewürze in Form neuer Erkenntnisse kommen nicht hinzu, es sei denn, das Virus mutiert. Damit geht nun der ganze Zirkus von vorne los und auch die nicht Wissenden meinen, ihren Mangel an Wissen wieder ins Licht zu stellen.

    Natürlich gibt es sehr sehr viele Verlierer der Pandemie. Herr Unrau hat sie alle aufgezählt, nur die alten und Menschen mit Behinderungen hat er vergessen. Er fordert auch, “Planungssicherheit” herzustellen, und das unter Einbeziehung aller Bereiche des öffentlichen, kulturellen, medizinischen, wissenschaftlichen und politischen Lebens. Nirgendwo trifft der Satz mit den vielen Köchen besser zu als bei diesem Vorschlag. Natürlich z.Zt. nur digital, aber wer soll an einer Konferenz teilnehmen, die einen derartigen Umfang hat, und wer bestimmt die Teilnehmer, wer entscheidet über Entscheidungen und wer verkauft sie der Bevölkerung und setzt sie durch?

    Wenn Herr Unrau die Begründung für Einschränkungen mit Inzidenzzahlen als “Angst und Schrecken” empfindet, dann fühlt er völlig an den Tatsachen vorbei. Meint er, seine Multi-Konferenz aller Bedenkenträger gegen das Virus käme ohne Gradmesser aus? Und wer hat bisher verlauten lassen, dass “am Ende wirklich alles am Boden liegt?” Meint Herr Unrau, mit Umständen wie in Süd- und Nord- Amerika besser leben zu können?

    Ich kann den Frust Herrn Unraus und aller Mitmenschen absolut nachvollziehen und verstehen. Allerdings ist Kritik eher angebracht, wenn man Besseres zu bieten hat. Das aber kann ich in diesem Artikel nicht erkennen.

  8. Sehr geehrter Herr Unrau,
    Vielen Dank für diese klaren und besonnenen Worte!
    Sie sprechen aus, was uns alle betrifft.
    Gerade die Menschen, die in den Bereichen Kunst und Kultur ihren Lebensunterhalt verdienen, aber genauso alle Geschäftsinhaberinnen, Gastronominnen und auch Eltern, deren Kinder sehr unter den gegenwärtigen Umständen leiden, sollten sich Ihre Worte sehr zu Herzen nehmen, und darauf drängen, andere Wege aus der Krise zu finden als den Jetzigen.

    Sebastian Weisskapp

  9. Alle Schutzmaßnahmen/Hygienekonzepte nützen nichts, wenn wenige Vollidioten jegliche Öffnung mit Füßen treten und Ihrem “Feier-Ego oder Querdenkerhirn freien Lauf lassen. Aktuell zu sehen am Beispiel Irlands, das bis Weihnachten ein Musterschüler in der Pandemieeindämmung war, und durch zu frühe Öffnung in den härtesten Lockdown bis Mai gelaufen ist. Wenn die oben erwähnten Vollidioten nicht eingedämmt werden, steht uns das gleiche Schicksal bevor. RIP Einzelhandel, Kultur und Gastronomie

  10. Wie kürzlich nicht nur Markus Otto, macht (neben anderen) auch Burkhardt Unrau hier darauf aufmerksam, das die „Coronaden“ viele Dimensionen haben und die tendenziell „flächenmonogamen“ Uniset-Maßnahmen mittlerweile eigene Kollateralschäden von mindestens bedenklichem Ausmaß produzieren, die durch einen Schuss mehr Phantasie, Mut und v.a. Vertrauen auf Können und Willen vieler derzeit lahmgelegter Profis entschieden eingedämmt werden können.

    Und er weist darauf hin (wie es auch in jener, wie gesagt, empfehlenswerten „Lanz“-Sendung vom 17.02. angenehm entspannt und sehr konstruktiv zum Ausdruck kam), dass es hierzuland’ immer noch ein fruchtbares Potential an (unausgeschöpft) technischen, logistischen, kreativen und organisatorischen Möglichkeiten gibt, mit dem „Corona-Setting“ differenzierter, beweglicher und eben auch „öffnender“ umzugehen.

    Natürlich: 114,5%ige Sicherheitsgarantien kann es hier wie nirgendwo geben (gibt es aber auch jetzt – und gerade in den stets viel zitierten Senioren- / Sorge-Einrichtungen – nicht);

    andererseits stünde es bei beweglicherer Handhabung besagten Settings doch jedem frei, ggf. wieder angebotene „Lebensräume” gemäß seiner zu respektierenden Entscheidung für sich zu nutzen oder eben (noch) nicht.

    Davon abgesehen droht das Ganze als „Coronarium tremens“ oder sich aufheizender Glaubenskrieg samt vieler und allzu verständlicher Verzweiflungen jetzt auch noch in die kmdn. Wahlkämpfe zu laufen –

    Ein breiter angelegter Blick und eben beweglicher (wie konstruktiver) ausgerichtetes Setting (also jenseits des planierenden Lockdown-Prinzips in Endlosschleife) könnte auch da vielleicht helfen, absehbaren „Entgleisungen” vorzubeugen …

  11. Wir sind glaube ich alle in Gedanken bei Ihnen und hoffen das dieses Trauma bald ein Ende hat. Volksfeste haben für die Menschen vor allem für Kinder eine herausragende Bedeutung.