50 km schnell darf man in Herrenstrunden fahren; ein Smiley weist jetzt darauf hin. Foto: Thomas Merkenich

Gastronomie und Tourismus standen beim 3. Forum des Strundetalvereins im Vordergrund. Die Tourismusagentur „Das Bergische“ will die Angebote im Tal aufwerten, aber im Grundsatz war man sich schnell einig, dass eine bessere Vernetzung und Anbindung ausreichen. Und dass es immer noch die alten Probleme sind, die das Strundetal quälen. Allen voran der Verkehr.

Wer sich im Strundetal niederlässt, dem können drei Dinge nicht entgehen, über die das Gebiet am östlichen Rand von Bergisch Gladbach im Überfluss verfügt: Wunderbare Natur, viel Wasser, lauter Verkehr.

Daher mussten die Teilnehmer:innen des 3. Strundetalforums des Strundetalvereins im Biergarten der Gaststätte „Zur Quelle der Strunde“, die über sanften Tourismus und Hochwassergefahren redeten, immer mal wieder eine Pause einlegen. Bis der Lastwagen oder der beschleunigende Sportwagen sich entfernt hatte.

Der Verkehr überlagert das Tal so stark, dass Ragnar Migenda, Beigeordneter der Stadt Bergisch Gladbach, den Bewohner:innen ihre Anerkennung dafür aussprach, dass sie noch nicht längst das Weite gesucht hätten.

Der Verkehr war auch Strundetalforum vor zwei Jahren Schwerpunktthema, und Migenda räumte ein, dass sich seither nur sehr, sehr wenig getan habe. Immerhin sei es auf Initiative des Bürgervereins Herrenstrunden endlich gelungen, einen sogenannten „Smiley“ zu installieren, der den Autofahrer:innen anzeigt, wie schnell sie gerade fahren.

Details zu den Smileys in Herrenstrunden

Bei dem jetzt installierten Smiley handelt es sich um das Gerät aus Bensberg, das während des Umbaus der Schlossstraße nicht benutzt wird. Der Bürgerverein Herrenstrunden hatte schon 2021 in Kooperation mit der AWO-Kita ein Gerät getestet und bei der Stadt die Einrichtung von zwei dieser Tempohinweisern beantragt. Die Geräte zeigen das gefahrene Tempo an, unter 50 erscheint ein grünes lächelndes Gesicht (Smiley).

Der Bürgerverein will 2000 Euro an Spenden einsammeln, um den Wunsch der Anwohnerschaft zu untermauern. Diese Sammlung beginnt in Kürze im Ort – und sobald das Geld da ist will die Stadt ein oder zwei neue Smileys installieren. Die Geräte kosten pro Stücken zwischen 2000 und 3000 Euro.

50 Kilometer pro Stunde darf man auf der gut ausgebauten Straße im Ort fahren, auf derm Stück hinter dem Ortsausgangsschild Richtung Innenstadt sind sogar 100 km/Stunde erlaubt. Weil es eines Landesstraße ist hat die Stadt darauf wenig Einfluss. Auch mit dem Ausbau des Radwegs sowie der Ausweisung von Tempo 30 im Ort selbst komme man nicht voran, räumt Migenda ein. Und nicht einmal mit den Smileys gehe es so rasch vorwärts, wie er sich das wünsche.

Aufgrund der schwierigen Verhandlungspartner Kreis und Land, aber auch einiger Widerstände in der eigenen Verwaltung. Migenda setze sich für Tempo 30 im Tal ein, das würde die Lebensqualität im Dorf deutlich verbessern.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Personal- und Finanznot der Stadt sei das bürgerschaftlichen Engagement so wichtig. Das nicht nur für den Smiley gesorgt hatte. Auch beim Sorgenkind „Altes Pfarrhaus“, das von der Eigentümerin vernachlässigt wird, war es zum Schluss der Bergische Geschichtsverein, der einen Kontakt herstellen konnte und sich eigenhändig um die Säuberung des Vorgartens kümmerte.

Das Alte Pfarrhaus verfällt, immerhin der Garten wurde freigeschnitten. Foto: Thomas Merkenich

Wieviel Tourismus verträgt das Tal?

Zum Schwerpunktthema des Forums 2023, den Entwicklungsperspektiven für das „Naherholungsgebiet Strundetal“ erläuterte Gabi Wilhelm, Geschäftsführerin der Naturarena Bergisches Land GmbH („Das Bergische“), welche Potenziale sie für das Tal im Bereich des „sanften Tourismus“ sieht.

Zum Beispiel durch Themen-Wege (Höhlen, Mühlen und Papier, Märchen und Sagen, Wasser) und geführte Wanderungen könne das Profil gestärkt und für Tagestouristen aus Köln noch bekannter gemacht werden. Herrenstrunden stehe ohnehin für ein Konzept, dass für „Das Bergische“ sehr wichtig sei: naturverträglicher Tourismus.

Hintergrund: Bauprojekt Malteser Komturei: Nach wie vor offen ist die Frage, ob und wie die Reithalle an der Komturei für Wohnzwecke ausgebaut wird. In wenigen Tagen finden weitere Gespräche zwischen Eigentümer und Baubehörde statt; der Abgeordnete Ragnar Migenda hofft auf Ergebnisse noch in diesem Jahr, die sowohl für den Eigentümer wie für die Dorfgemeinschaft verträglich sind. Hintergrund

Einig ist sich die Runde schnell, dass behutsame Maßnahmen ausreichen, um die Qualität der Angebot zu heben. Gerade an den Wochenenden, wenn sich Wandersleute, Ausflügler:innen und Gäste der Eventgastronomie im Tal knubbeln, sei die Auslastung schnell erreicht. Dafür jetzt die vorhandenen Parkplätze auszubauen sei jedoch der falsche Ansatz. Statt dessen sollte der Busverkehr ausgebaut und das Tal besser an die Innenstadt angebunden werden.

Lebendigkeit erhalten

David Roth, Vorsitzender des Strundetalvereins, warb für den Erhalt der Lebendigkeit in Herrenstrunden, die auch für den Erhalt der Arbeitsplätze eine wichtige Basis sei. Der Bestattungsunternehmer erinnerte an die große Kapazität an Parkplätzen, die im Gewerbegebiet Strundepark am Ortsausgang der Innenstadt zur Verfügung stehe.

Wenn man sich mit dem Betreiber einige könnten die Stellplätze am Wochenende für Ausflügler gekennzeichnet werden und das Tal entlasten. Solche Gespräche mit dem Betreiber müsste die Stadt führen, das könnten die Vereine nicht leisten, betont Roth.

Save the Date: Das nächste Strundetalfest findet am 1. September 2024 statt.

Alteingesessene erinnerten daran, dass schon vor 100 Jahren die Kölner:innen und Kölner in Scharen mit dem Bus angereist waren, in Herrenstrunden und Umgebung eingekehrt seien und dann über Herkenrath die Rückreise angetreten hätten. Wieder mit dem Bus.

Jedes Projekt, egal ob im Bereich Tourismus, lokale Wirtschaft oder Bau, müsse sich an der Nachhaltigkeit messen lassen, betonte der Beigeordnete Migenda. Welche brutale Kraft das Wasser entwickeln könne, sei gerade entlang der Strunde beim Hochwasser 2021 deutlich geworden. Nach wie vor seien die Schäden nicht komplett aufgearbeitet, räumte er ein.

Wasser festhalten

Falk vom Hofe, Vorsitzender des Rheinisch-Bergischen Naturschutzbundes (RBN), nutzte die Gelegenheit, die Natur noch stärker in den Vordergrund zu stellen. Das gelte für den Schutz von natürlichen Wiesen im Tal und aller Flächen, die Wasser festhalten könnten. Zwar stünden große Teile des Tals unter Naturschutz, ein wichtiger Teil der Hänge jedoch nicht.

Vom Hofe appellierte an die Stadt, neue Möglichkeiten zum Ankauf der Flächen zu nutzen und Mischwald aufzuforsten. Planungsfehler, wie ein neuer großer Durchlass bei der Sanierung der Straße am Hombach, müssten vermieden werden. Alle Maßnahmen, die das Wasser zurückhielten, würden nicht nur der Natur helfen, sondern auch dem Schutz vor Hochwasser.

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Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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