Foto: Thomas Merkenich

Stichtag 1. Januar 2024: Dann wechselt die Trägerschaft der beiden Berufskollegs in Bergisch Gladbach wie geplant an den Rheinisch-Bergischen Kreis. Formal werden dazu in den kommenden Wochen entsprechende Beschlüsse der beteiligten Stadt- bzw. Gemeinderäte und des Kreistages gefasst und der bisherige Träger, der Berufsschulzweckverband (BSV), aufgelöst. Damit soll nicht zuletzt die berufliche Bildung mit Blick auf Fachkräfte gestärkt werden.

Die bereits im November und Dezember 2022 von den Räten der Städte und Gemeinden Bergisch Gladbach, Rösrath, Overath, Odenthal und Kürten sowie dem Kreistag des Rheinisch-Bergischen Kreises auf den Weg gebrachte Übergabe der Trägerschaft der beiden Bergisch Gladbacher Berufskollegs an den Rheinisch-Bergischen Kreis zum 1. Januar 2024, nimmt jetzt konkrete Formen an.

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Seit der Entscheidung über die Grundsatzbeschlüsse wurden gemeinsam mit den beteiligten Kommunen sowie den jeweiligen Schulleitungen die erforderlichen Prozessschritte für die Übergabe der Trägerschaft vereinbart und viele wichtige Fragen wie Personal IT Gebäude und Finanzen umfangreich geklärt.

Auflösung Zweckverband

Nun geht der Prozess der Übergabe der Schulträgerschaft der Berufskollegs in die Zuständigkeit des Rheinisch-Bergischen Kreises in die nächste Runde. Ab Ende August bis Ende Dezember werden in den beteiligten Gremien die erforderlichen Beschlüsse für die Übergabe zum 1. Januar 2024 getroffen. Formal bedarf es eines Auflösungsbeschlusses des BSV, sowie der Bestätigungsbeschlüsse der beteiligten Stadt- bzw. Gemeinderäte und des Kreistages.

In den nächsten Wochen beschließen die Räte der den Berufsschulzweckverband tragenden
Kommunen den Wechsel der Trägerschaft durch dessen Auflösung. Der Rheinisch-Bergische Kreis wird dann in direkter Rechtsnachfolge neuer Schulträger, das bedeutet einen nahtlosen Übergang aller Rechte und Pflichten auf den Kreis.

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Berufskollegs sollen zum Kreis gehen – und auf das Zanders-Areal wandern

Die Schülerzahlen an den beiden Berufsschulen in Bergisch Gladbach sinken, Fachpersonal wird immer dringender gesucht. Dem will die lokale Politik durch eine Umstrukturierung der Bildungslandschaft begegnen: Die Berufskollegs sollen künftig vom Kreis getragen werden. Und möglichst eine neue Heimat auf dem Zanders-Areal finden. Das ist jedoch noch Zukunftsmusik.

Bestehende Fachklassen sichern, neue gewinnen

Es geht aber nicht ausschließlich um den Wechsel einer Trägerschaft, sondern entscheidend für diese weitreichende Veränderung ist, dass ein den Bedürfnissen der Betriebe und Auszubildenden entsprechendes Angebot bereits aktuell spürbar beeinträchtigt ist und in den Strukturen des Berufsschulzweckverbandes zukünftig nicht sichergestellt werden kann.

Der Rheinisch-Bergische Kreis will künftig das derzeit viel zu geringe Angebot an zukunftsweisenden Fachklassen an den beiden Berufskollegs in Bergisch Gladbach ausbauen und damit dem Bedarf der Unternehmen in der Region und dem Arbeitsmarkt Rechnung tragen. Dies ist von großer Bedeutung, da derzeit rund 80 Prozent der Berufseinsteigerinnen und -einsteiger, die eine duale Ausbildung absolvieren, an ein Berufskolleg im Umland auspendeln.

Hintergrund: Für die Trägerschaft der Berufskollegs hatten die Städte und Gemeinden Bergisch Gladbach, Rösrath, Overath, Odenthal und Kürten einen Berufsschulzweckverband (BSV) gegründet, der bislang diese Aufgabe übernommen hat. Im Herbst des vergangenen Jahres waren die fünf Bürgermeister mit dem Vorschlag an den Kreis herangetreten, die Trägerschaft der beiden Berufskollegs zu übernehmen.

Es wurden Ende letzten Jahres in allen Räten die erforderlichen Entscheidungen für den Übergang der Trägerschaft getroffen. In Nordrhein-Westfalen ist es der gesetzliche Regelfall, dass Berufskollegs von den kreisfreien Städten und Kreisen getragen werden, durch den Berufsschulzweckverband bildete der Rheinisch-Bergische Kreis hier bisher eine Ausnahme.

Der Grund dafür ist das fehlende Angebot an den hiesigen Berufskollegs. Dies birgt die Gefahr, dass die neuen Fachkräfte nach ihrer Ausbildung nicht im Rheinisch-Bergischen Kreis bleiben und für die regionale Wirtschaft verloren gehen. Ebenso steht auf der Agenda, die vorhandenen wichtigen Fachklassen
zu sichern.

Entwicklungsplanung für Berufskollegs

Die Basis für eine erfolgreiche sowie leistungsstarke Bildungslandschaft will der Rheinisch-
Bergische Kreis durch eine Berufskolleg-Entwicklungsplanung legen. Diese soll im Rahmen eines breit aufgestellten dialogischen Prozesses erarbeitet werden. Ziel ist es, dadurch das
Entwicklungspotenzial für die kommenden Jahre aufzuzeigen sowie fundierte Entscheidungsgrundlagen für weitere Planungsprozesse zu legen.

Die Planung nimmt dabei das gesamte Kreisgebiet in den Fokus und geht über den Einzugsbereich der beiden Bergisch Gladbacher Berufskollegs hinaus. Zudem plant der Kreis, gemeinsam mit den Kommunen und der Politik in eine Leitziel-Entwicklungsplanung einzusteigen. Gemeinsam sollen im Rahmen des „Pakts für die berufliche Bildung“ Visionen und Leitplanken für die Ausgestaltung der beruflichen Bildung im Kreisgebiet erarbeitet werden.

Noch Zukunftsmusik: Nach ersten Ideen der Verwaltung könnten die Berufskollegs auch auf einen “Bildungscampus” auf dem Zanders Areal wechseln,

Keine zusätzlichen Kosten

Finanziell kommen auf die fünf beteiligten Kommunen durch den Trägerwechsel keine höheren Kosten zu. Bereits im Jahr 2026 fließen nach der diesjährigen Musterrechnung rund 1,1 Millionen Euro mehr in das Berufsschulsystem als dies derzeit der Fall ist. Dies liegt daran, dass der Übergang der Trägerschaft auf den Kreis finanzielle Vorteile bringt, da das Land in dieser Konstellation höhere Zuweisungen für die Schülerinnen und Schüler zahlt, als dies bei der Trägerschaft eines Zweckverbands der Fall ist.

Ferner steigt für den Rheinisch-Bergischen Kreis künftig auch die Schulpauschale, die der Kreis vom Land erhält. Für die Jahre 2024 und 2025 geht der Rheinisch-Bergische Kreis von Aufwendungen in Höhe von rund 5,8 und 5,6 Millionen Euro aus. Dem stehen – vor allem durch eine differenzierte Kreisumlage der fünf Kommunen – Erträge von rund 5,2 bzw. 5,1 Millionen Euro gegenüber. Um das Defizit von jeweils rund 500.000 Euro in den Jahren 2024 und 2025 zu schließen, geht der Kreis in Vorleistung.

Durch erhöhte Schlüsselzuweisungen ab dem Jahr 2026 kann dieses aber wieder ausgeglichen werden. Der Rheinisch-Bergische Kreis ist derzeit in Gesprächen mit dem Land, um diese Lücke, die aufgrund der ausgewöhnlichen Situation des Schulträgerwechsels entsteht, gegebenenfalls noch zu schließen.

Rheinisch-Bergischer Kreis

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