Die Containerunterkunft zwischen IGP und Kombibad in Paffrath wartet auf Bewohner

Die Stadt Bergisch Gladbach legt sich nicht fest, wann und in welchem Umfang die Container-Unterkunft hinter der IGP in Paffrath belegt wird. „Innerhalb der nächsten Wochen” sollen die ersten Flüchtlinge einziehen, sagte Stadtsprecherin Marion Linnenbrink beim einem weiteren Besichtigungstermin am Mittwoch. Datum und Zahlen stünden noch nicht fest.

Dabei ist nach vielen Verzögerungen fast alles parat: in einem dreistöckigen Block und drei L-förmigen Modulen ist Platz für 200 Personen, die Küchen sind eingerichtet die Außenanlagen geteert. Nur die Möbel in den Zimmern und die Spielplatzeinrichtung fehlen noch. Ein Teil-Bezug wäre schon morgen möglich. Ursprünglich war ein Bezug des ersten Moduls für November 2015 geplant, seit fast sieben Monaten wird auf der Wiese gebaut und gebaut.

Die Stadtverwaltung nimmt sich auch jetzt weiterhin Zeit, um vor allem aus den Belegschaften der Notunterkünfte in Katterbach, in der Feldstraße (Heidkamp) und in der Schwerfelstraße (Refrath) geeignete Personen auszusuchen. Auch aus Haus Pohle (Schildgen) können einige dazu kommen. Vorrangig sollen in Paffrath Familien einziehen, dazu einige alleinstehenden Männer – um in der neuen wie in den alten Unterkünften eine vernünftige Sozialstruktur sicher zu stellen.

Diese lange Vorbereitung kann sich die Stadt leisten, weil der Druck derzeit sehr niedrig ist. Nach wie gibt es keine neuen Zuweisungen, die Zahl der Flüchtlinge nimmt ab.

Viele wollen gar nicht mehr weg aus Katterbach

Hinzu kommt, dass auch die Flüchtlinge gar nicht drauf drängen, aus Katterbach, Heidkamp oder Refrath in die deutlich hochwertigere Unterkunft in Paffrath umzuziehen. „Viele sind inzwischen angekommen, haben Kontakte geknüpft und sind in der Umgebung verdrahtet”, berichtet DRK-Kreisgeschäftsführer Reinhold Feistl. Daher würden derzeit viele Einzelgespräche geführt, es werde keine „Zwangsumsiedlungen” geben.

Schauen Sie selbst: Evelyn Barth war heute vor Ort und hat
die Innenräume in einer Fotoreportage dokumentiert

Angesichts der relativ entspannten Lage will die Stadt in Paffrath nur die drei L-Module mit jeweils maximal 50 Personen belegen. Der 3-Stöcker soll vorerst für Büros des DRK und des Sicherheitsdienstes sowie für soziale Zwecke genutzt werden. Hier könnten weitere 50 Flüchtlinge wohnen, allerdings gibt es nur kleine Büroküchen.

Die Investitionskosten für die gesamte Anlage gibt die Stadt mit 2,5 Millionen Euro an; pro Bett wären das 12.500 Euro. Das wäre für den ordentlichen Standard relativ günstig, in anderen Städten wurden 20.000 Euro und mehr pro Platz investiert. Zu den Betriebskosten macht die Stadt keine Angaben.

Die Stadt hat auch in neue Kühlschränke und Herde investiert

Das DRK wird auch die Anlage in Paffrath betreiben, ist hier allerdings nur für die sozialarbeiterische und medizinische Betreuung zuständig. Dafür will sie (je nach Belegung) bis zu neun Vollzeitkräfte rund um die Uhr einsetzen.

Darüber hinaus wird es einen 24-Stunden-Wachdienst geben. Dieser aufwendige Sicherheitsdienst hatte maßgeblich zur Kostenexplosion bei der Flüchtlingsunterbringung beigetragen. Er wird aus Haftungsgründen aber für notwendig gehalten – vor allem, um die Einrichtung und die Bewohner zu schützen.

Die Flüchtlinge in Paffrath sollen sich selbst versorgen, selbst waschen und die eigenen Räume putzen. Für die Gemeinschaftsflächen hat die Stadt einen externen Dienstleister vorgesehen, doch Feistl kündigte an, dass das DRK dafür sorgen werde, dass die Bewohner das selbst in die Hand nehmen.

Die Containerunterkunft in Paffrath. Links liegt die IGP, rechts hinter dem 3-Stöcker der Parkplatz des Kombibads

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Was mit den anderen Unterkünften geschieht … 

Ob und in welchem Umfang nach der Belegung von Paffrath die Unterkünfte in den Hallen in Katterbach und in der Feldstraße benötigt werden kann im Moment niemand sagen. Nach wie vor gibt es von der Bezirks- und Landesregierung keinerlei Hinweise zur künftigen Zuweisungspraxis.

Derzeit bemühen sich vor allem die Großstädte wie Köln noch immer verzweifelt, ihre Quoten zu erfüllen; in kleineren Städten stehen seit Wochen viele Betten leer. „Eine widersinnige Situation. Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung ist in den Kommunen jetzt noch größer als im vergangenen Herbst”, sagt Feistl, der im Rheinisch-Bergischen Kreis bereits die ersten Unterkünfte wieder geschlossen hat.

Die Turnhalle in der Schwerfelstraße soll möglichst bald zurück gegeben werden. Wahrscheinlich werden die 34 Bewohner, die inzwischen eine enge Gemeinschaft gebildet haben, komplett in ein Paffrath Wohnmodule ziehen.

Ob aus Haus Pohle in  Schildgen einzelne Personen nach Paffrath ziehen wird derzeit ebenfalls geprüft. Auch dort sind vor allem Männer untergebracht. Grundsätzlich versucht die Stadtverwaltung, für eine gesunde Mischung von Männern und Familien in allen größeren Unterkünften zu sorgen – und „Restunterkünfte” mit reiner Männerbelegschaft zu vermeiden. Allerdings sinkt der Anteil der Familien in den großen Unterkünften stetig. Die Stadt hat inzwischen bereits rund 100 Wohnungen im gesamten Stadtgebiet angemietet und vor allem mit Familien belegt.

Die Turnhalle in Sand, eine Erstunterkunft des Landes, wird Ende Juni geschlossen; die ebenfalls vom Land finanzierte Unterkunft in der Feldstraße wechselt dann ganz in die Hand der Stadt und soll vorerst als Reservekapazität erhalten bleiben.

Große Unterkünfte in Bergisch Gladbach. Zudem wurden rund 100 Wohnungen gemietet.

Lückerath kommt – aber erst später

An den Plänen für die weitere Containeranlage mit 300 Betten in Lückerath hält die Stadt unverändert fest, um nach und nach die provisorischen Unterkünfte aufgeben zu können und für eine mögliche neue Flüchtlingswelle gewappnet zu sein. Dort haben die Bodenarbeiten bereits begonnen.

Allerdings wird sich auch in Lückerath der Bezug deutlich nach hinten verschieben. Nicht wie ursprünglich angedacht schon im Juli, sondern wohl erst im November sollen dort die ersten Bewohner einziehen, heißt es jetzt.

Auch dort gilt das Prinzip: die Menschen kommen erst, wenn die gesamte Anlage fertig ist. Zu tief sitzt die Erfahrung der schrittweisen Optimierung des Hallenkomplexes in Katterbach im laufenden Betrieb, der erst jetzt, wo er fast überflüssig geworden sind, wirklich fertigt ist.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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