Erster Entwurf eines Schulradwegnetzes

Auf manche Probleme findet die Lokalpolitik einfach keine Antworte. Wie bringen wir besorgte Eltern davon ab, ihre Kinder mit dem Auto vor die Schultür zu bringen? Und wie machen wir den Radverkehr in dieser verkehrstechnisch verbauten Stadt so attraktiv, dass tatsächlich mehr Autofahrer umsteigen?

Das Mobilitätskonzept, dass am Mittwoch in den zuständigen Ratsausschüssen verabschiedet werden soll, enthält eine ganze Reihe von Ansätzen zum Radverkehr, die den einen jedoch zu weit, den anderen nicht weit genug gehen – und deren Wirksamkeit insgesamt bezweifelt wird.

Daher hat Andreas Ebert jetzt einmal quer gedacht. Im buchstäblichen Sinn. Ebert ist SPD-Ratsmitglied, aber auch Bauingenieur. Und daher ist ihm klar, dass Bergisch Gladbachs Straßennetz mit der vor Jahrzehnten festgelegten Konzentration auf ein paar Hauptrouten trotz aller Kritik ganz gut funktioniert. Da liege es doch nahe, auch für den Radverkehr ein Netz von Hauptrouten anzulegen, dass die Zweiradfahrer schnell und bequem durch die Stadt gleiten lässt. Aber nicht entlang der Hauptstraßen (oder wie von der IHK vorschlagen parallel) – sondern quer dazu.

Hinweis: Die gesamte Projektskizze dokumentieren wir unten.

Keine Zeit für Flickwerk – Beim Mobilitätskonzept geht noch mehr

Für ein solches Radwegenetz hat Ebert eine schnelle Skizze auf’s Papier geworfen und sich dabei auf die Otto-Hahn-Schulen und Refrath konzentriert, wo er sich gut auskennt. Dabei versteht er diesen Vorschlag ausdrücklich nicht als Änderungsantrag für das Mobilkonzept, das er unterstützt, sondern als zusätzliche Idee:

„Ich will, das wir endlich aus den ideologischen Gräben herauskommen. Mir geht es nicht um für oder gegen den Bahndamm, für oder gegen den Radverkehr. Irgendwann müssen wird doch mal aufhören zu reden – und etwas machen.”

Auf Refraths Stadtplan (siehe oben) hat Ebert einige Routen eingezeichnet, die entlang bestehender Straßen verlaufen, die nur noch entsprechend prioritsiert und zum Teil für den Radverkehr aufgerüstet werden müssen. Im ersten Schritt will Ebert die Schulen und die Wohnviertel verbinden – um so die Kinder auf’s Rad zu bringen und gleichzeitig die Straßen zur schlimmsten Stauzeit von den SUVs der Mütter zu entlasten.

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Aber schon die Verbindung der Schulen (siehe Karte) ergibt ein ordentliches Netz, das bereits den gesamten Stadtteil erfasst. Mit dem Radwegenetz, so Ebert könne man einfach mal anfangen. Und dabei sich bietende Chancen nutzen, um die Kosten gering zu halten. So muss die Ottostraße in Refrath nach dem Kanalbau demnächst ohnehin neu aufgebaut werden. Warum sollte man sie dabei nicht gleich fahrradfreundlich gestalten?

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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