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In unserer Kolumne haben wir bislang Sachbücher ein wenig vernachlässigt. Um dieses Versäumnis aufzuholen, stellen wir Ihnen heute gleich fünf bemerkenswerte Neuerscheinungen vor.

Gabriel Gorodetsky (Hrsg.), Die Maiski-Tagebücher
C.H. Beck Verlag, €34,95

Iwan Maiski war von 1932 bis 1943 russischer Botschafter in London, die politische Elite Europas kannte er also bestens. Seine Tagebücher aus diesen Jahren beschreiben das politische und gesellschaftliche Tagesgeschehen und sind in der vorliegenden Ausgabe stark gekürzt und kenntnisreich ediert. Maiski beeindruckt mit einem prosaischen, eleganten Stil und hintersinnig-klugen Kommentaren.

Seine detailreichen Aufzeichnungen über Gespräche mit Churchill und andere führende Persönlichkeiten konnten der wissenschaftlichen Forschung ein paar neue Gesichtspunkte hinzufügen. Ein spannender Typ war dieser Maiski auf jeden Fall. Er war schon früh der Meinung, dass man den aufstrebenden Nationalsozialismus in Deutschland bekämpfen sollte.

War das Führen eines Tagebuchs an sich schon riskant genug, so war die schriftliche Fixierung von Gedanken, die nicht der offiziellen sowjetischen Linie entsprachen, noch gefährlicher. 1953 wurde Maiski verhaftet, kam noch mal davon – aber die Tagebücher wurden beschlagnahmt. Einem glücklichen Fund in russischen Archiven ist es zu verdanken, dass sie nun überhaupt erscheinen konnten.

Bettina Baltschev, Hölle und Paradies
Berenberg Verlag, €22,00

Gleiche Zeit, anderer Blickwinkel: In diesem Buch geht es um die Geschichte des Querido Verlags in Amsterdam, der deutschen Exilschriftstellern ein Zuhause (und Hoffnung) gab. Die Autorin wandert auf den Spuren von Fritz Landshoff und seinem Freund Klaus Mann durch das heutige Amsterdam und beschwört vergangene Zeiten.

Moment – Fritz wer? Fritz Landshoff war Verleger beim Gustav Kiepenheuer Verlag, geriet 1933 wie sein Verlag ins Visier der Nationalsozialisten und nahm daher das Angebot von Emanuel Querido dankend an, in Amsterdam einen deutschen Exilverlag zu führen.

Ein kurzer Blick auf die Liste der Autoren zeigt schnell, welche Bedeutung dieser Verlag und diese Verleger für die deutsche Literatur hatten: Irmgard Keun, Lion Feuchtwanger, Alfred Kerr, Joseph Roth, Alfred Döblin und natürlich die Manns waren hier untergekommen in einer Zeit, in der sie aus Deutschland ins Exil gezwungen wurden. Kurzweilig und locker geschrieben, ist dieses Buch ein Muss für alle, die sich für deutsche Kulturgeschichte interessieren.

Alle Bücher dieses kleinen, feinen Verlags sind übrigens neben ihrer Beschäftigung mit außergewöhnlichen Themen von so schöner Haptik, dass man sie am liebsten alle besitzen möchte. Fadengeheftet, Halbleinen, hochwertiges Papier – so mögen wir das.

Pia Patt und Birgit Jongebloed führen die Buchhandlung Funk in Bensberg

Nun noch ein paar Bücher, die wir toll finden, über die wir aber an dieser Stelle nur ein paar kurze Sätze verlieren können.

Michael Köhlmeier & Konrad Paul Liessmann, Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam?
Hanser Verlag, €20,00

Eine schöne Idee: Michael Köhlmeier erzählt Geschichten, die sich um jeweils einen Grundbegriff des Menschseins ranken und auf antiken Mythen oder Sagenstoffen basieren. Ob „Neugier“, „Schönheit“, „Rache“ oder „Schicksal“ – spannende Unterhaltung ist bei diesem Autor garantiert.

Konrad Paul Liessmann gerät darüber ins Philosophieren und überlegt, welche grundlegenden Fragen in dem jeweiligen Mythos behandelt werden. Dieselben Themen, die uns heutzutage bewegen, waren schon vor Jahrtausenden von Bedeutung.

Herfried Münkler & Marina Münkler, Die neuen Deutschen
Rowohlt Berlin, €19,95

Ein wichtiges Buch in einer aktuellen Debatte. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre für Politiker sein, so in etwa lautete das Urteil des SPIEGEL. Das Autorenpaar, er Politikwissenschaftler, sie Literaturwissenschaftlerin, holt nach, was die Politik bisher versäumt hat: Sie erarbeiten ein europäisch geprägtes Leitbild für gelingende Integration. Sie benennen aber auch Risiken und Gefahren und sind dabei erfrischend sachlich.

Jens Schwochow & Thomas Ramge, Wirtschaft verstehen
Econ, €38,00

111 Infografiken zeigen in diesem aufwendig illustrierten Großformat, dass es manchmal gar nicht vieler Worte bedarf, um komplizierte Zusammenhänge einfach zu erklären. Schon ein Blick in das ansprechend gestaltete Inhaltsverzeichnis lässt erahnen, dass hier mit viel Liebe zum Detail gearbeitet wurde und einige Überraschungen warten.

Wissen Sie bespielsweise, wer Elon Musk ist? Welche internationalen Organisationen einen Ordnungsrahmen schaffen für den globalen Kapitalismus? Wie planvoll und subversiv ein modernes Supermarkt-Design ist? Selbst wenn Sie diese Fragen mit „Ja“ beantworten konnten – so wie in diesem Buch haben Sie die Zusammenhänge noch nie gesehen!

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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