Im Streit um die Zahl der Stellplätze auf der künftigen Schlossstraße gibt es einen neuen Vorschlag: Die Stadt plädiert für 95 Parkplätze. Weniger, als von den Händlern gefordert, aber mehr als zunächst geplant. Beim Zeitplan für den Umbau gibt es Probleme: der Bereich vor der neuen Schlossgalerie wird wohl erst Mitte 2020 fertig werden.

Die Interessensgemeinschaft Bensberger Handel (IBH) zählt aktuell gut 160 Parkplätze in der Schlossstraße und hatte gefordert, dass bei der geplanten Modernisierung der Einkaufsmeile mindestens 140 erhalten bleiben – sonst sei ihre Existenz gefährdet.

Nach Zählung der Stadtverwaltung gibt es derzeit exakt 142 Parkplätze; das Büro Club L94 hatte den Architektenwettbewerb mit einem Entwurf gewonnen, der zunächst von 65 Parkplätzen in linearer Reihe ausging:

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Der Vertrag zwischen Stadt und dem Club L94 ist zwar noch nicht unterschrieben, die Planer haben aber dennoch ein wenig weiter gearbeitet. Das Preisgericht hatte den Architekten aufgetragen, die Parkplatzsituation genauer zu betrachten – ohne den Geist des Siegerentwurfs mit seiner einheitlichen Gestaltung und der hohen Aufenthaltsqualität zu verwässern.

Das Ergebnis präsentierten die Stadtverwaltung und Frank Flor vom Club L94 am Dienstag in Form eines aufwendigen „Themennachmittags” in nichtöffentlicher Runde. Geladen waren Vertreter von Politik, Händlern und Immobilienbesitzern der Schlossstraße.

Am Mittwoch stellten Bürgermeister Lutz Urbach, Baurat Harald Flügge, Fachbereichsleiterin Elisabeth Sprenger, Planungschef Wolfgang Honecker und Projektleiterin Kamila Kozak den Stand der Dinge der Presse vor.

Der Grundgedanke, gibt Urbach vor: „Für eine kluge Städtebau-Förderung  zählen die größeren Zusammenhängen: sie denkt nicht in Steinen, sondern in Funktionen.” Genau das mache das Integrierte Handlungskonzept (InHK) Bensberg, bei dem die Kernfrage sei, wie sie die in die Jahre gekommene Schlossstraße entwickeln könne.

Parkplätze: längs, quer oder schräg

Bei den Parkplätzen geht es zunächst um die Frage der Anordnung: längs, quer oder schräg. Der ursprüngliche Entwurf von von Club L94 (siehe Karte oben) hatte einer Anordnung der Stellplätze in einer langen Reihe entlang der gesamten Schlossstraße vorgesehen, der Länge nach hintereinander:

Die Händler hatten sie die Schräg-Variante gewünscht, weil das für die eher ältere Kundschaft bequemer sein. Das würde so aussehen:

Mit vielen Argumenten werben die Stadtplaner jetzt noch einmal für die längst angeordneten Plätze: das sei sicherer, lasse einen besseren Blick auf die Geschäftsfronten zu und es bleibe mehr Platz für andere Nutzungen.

Diese Parkstreifen sind 2,5 Meter breit, für die Schräg-Variante werden 4,5 Meter benötigt. Damit würde es an Markttagen vor der neuen Schlossgalerie sehr eng werden.

Zwei neue Varianten: 95 oder 105

Die neue Variante 1 sieht eine Kombination vor: im Kernbereich der Schlossstraße bleibt es bei der Hintereinander-Anordnung. In der oberen Schlossstraße (hin zur Kölner Straße) gibt es 22 Parkplätze quer zur Fahrrichtung. Und im unteren Teil (vor dem Sportgeschäft Häger) kommt eine zweite Parkspur auf der nördlichen Straßenseite hinzu.

Der Effekt: die Zahl der Parkplätze steigt von 65 auf rund 95. Konkret könnten es aber auch 90 oder 100 werden.

Die Variante 2 sieht eine Anordnung mit schräg platzierten Stellplätzen im oberen und mittleren Teil der Schlossstraße vor, nur im unteren Bereich soll es bei der Hintereinander-Struktur bleiben. Bei dieser Variante steigt die Zahl noch deutlicher, auf ungefähr 105 Parkplätze.

Unterschiedliche Präferenzen

Die Stadtverwaltung plädiert eindeutig für Variante 1, weil damit jeder Laden direkt vor der Tür ein bis zwei Parkplätze bekomme, die Straße sicherer werde und genug Platz für die Straße der vielen Begegnungen bleibe. „Das ist der Königsweg”, bilanziert Planungschef Honecker.

Würden mehr als diese 95 Parkplätze eingerichtet, wäre das Ergebnis „ein Parkplatz”, zitiert Fachbereichsleiterin Sprenger einen externen Fachmann. Ein Parkplatz, so Sprenger, sei jedoch keine städtebauliche Aufwertung – und dafür gebe es auch keine Fördermittel. Ein wichtiges Argument, sollen doch große Teil der rund sechs Millionen Euro für den Umbau der Schlossstraße vom Land kommen.

Zudem gebe es viel Potenzial für mehr Parkplätze im direkten Umfeld der Schlossstraße: in der bislang wenig genutzten städtischen Schlossberg Garage (78 Plätze) und vor allem durch den Bau einer Parkpalette an der Steinstraße (siehe Skizze).

Das ist ein uraltes privates Projekt, das Baurat Flügge jetzt durch Gespräche mit den zehn einzelnen Grundstückseigentümer endlich in Gang bringen will. Hier könnten 80 bis 130 Stellplätze entstehen, die gerade für die vielen auswärtigen Besucher ideal wären.

Allein die Parkpalette und die Aufwertung der Schlossberg-Garage könnten den Verlust der (nach städtischer Rechnung) 47 Parkplätze auf der Schlossstraße um ein vielfaches überkompensieren.

„Je mehr Parkplätze, desto besser”

Die Händlerschaft ist anderer Meinung. Sie will Variante 2, mit 105 Stellplätze. Ob längst, schräg oder quer, dass müssten die Fachleute entscheiden, sagt IBH-Sprecher Markus Kerckhoff. Für die Händler gelte: „Je mehr Parkplätze, desto besser.”

Daher werde die IBH versuchen, die Mitglieder des Stadtrats zu überzeugen, die Haltung der Verwaltung zu überstimmen. 105 Parkplätze seien zwar weniger als 165 oder 140 – „aber angesichts der 65 Plätze, die im Raum standen, wäre das ein sehr gutes Ergebnis”, sagt Kerckhoff.

So geht es weiter: die Politik entscheidet

Die Verwaltung bereitet jetzt eine Beschlussvorlage (auf Basis der Variante 1 mit 95 Stellplätzen) vor, darüber wird der Stadtplanungsausschuss am 2. Oktober beraten und der Ausschuss für Umwelt, Klima, Infrastruktur und Verkehr am 30. Oktober entscheiden.

Die Ratsvertreter, die bei dem Themennachmittag dabei waren, hatten zur Zahl der Stellplätze zunächst keine Stellung bezogen, berichtet die Verwaltung. Sie hätten aber klar gemacht, das der Wettbewerbsentwurf aus der Feder des Club L94 steht – und nicht noch einmal grundsätzlich diskutiert wird.

Nach dem Beschluss im Ausschuss arbeitet der Club L94 – noch einmal unter Einbezug der Beteiligten, von Händlern bis hin zur Inklusionsbeauftragten – den eigentlichen Entwurf für die neue Schlossstraße aus. Darin werden dann auch die Materialien und andere Details festgelegt.

Über diesen Entwurf soll der Stadtrat endgültig im Februar 2019 entscheiden – und erst dann kann die konkrete Ausführungsplanung beginnen, können die Gelder für die einzelnen Bauabschnitte abgerufen werden.

Vor der Schlossgalerie wird die Straße erst 2020 fertig

Damit ist klar, dass der ursprüngliche Zeitplan, synchronisiert mit dem Umbau des Löwencenters zur Schlossgalerie, nicht haltbar ist. Das hatten wir bereits berichtet, doch jetzt zeigt sich, dass die Verzögerung noch gravierender ausfällt.

Nur für den ersten Bauabschnitt, die große Freitreppe vom Markt hinunter in die Schlossstraße an der linken Gebäudekante der Schlossgalerie, sind die Mittel bereits bewilligt worden. Damit soll möglichst rasch nach dem Ratsbeschluss im Februar begonnen werden, damit die Treppe gleichzeitig mit der Schlossgalerie im Herbst 2019 (oder gar Sommer, siehe Foto oben) fertig wird.

Der zweite Bauabschnitt, die Straße direkt vor der Schlossgalerie, von der ehemaligen Naturbühne bis zur Treppenanlage am Schlossbistro, soll 2019 begonnen werden. Wann genau, ist offen, eine Fertigstellung auf jeden Fall erst 2020 möglich, bestätigt Fachbereichsleiterin Sprenger. Die weiteren Bauabschnitte folgen später.

Planungssicherheit? Vertrauenskrise?

Einen Umstand, den die IBH zwar bedauert, aber inzwischen als unabänderlich akzeptiert. Die fehlende Planungssicherheit war ein weiterer Kritikpunkt der Händler an die Adresse der Stadtverwaltung. Sowie der Eindruck, von den Planern nicht ernst genommen zu werden. Gar von Vertrauensverlust hatten die Vertreter der Händler und Immobilienbesitzer gesprochen.

Beim „Themennachmittag” am Dienstag waren diese Kritikpunkt kein Thema. Man habe das bewusst nicht angesprochen, sondern sich auf die Sache konzentriert, sagt IBH-Sprecher Kerckhoff.

Die Stadtverwaltung weist den Vorwurf, die Anregungen und Wünsche der Beteiligten nicht erst zu nehmen, mit großer Entschiedenheit zurück. Ziel der ganzen Aktion Schlossstraße, zu der im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes 16 der insgesamt 27 Maßnahmen zählen, sei es doch, die Einnahmen der Einzelhändler zu erhöhen und die Kosten der Immobilienbesitzer zu senken, sagte Planungschef Honecker.

Das eigentliche Problem des Handels seien nicht die Parkplätze, sondern die Online-Konkurrenz. Um die Kunden vom Sofa und von Amazon weg zu bekommen müssten die Städte sehr viel attraktiver werden, referiert Honecker. Und genau das sei ja der Kern des Konzepts des „Boulevard der vielen Begegnungen” für die Schlossstraße.

Was sonst noch wichtig ist

Ein Stellplatzproblem? Insgesamt gebe es rund 650 Parkplätze im unmittelbaren Umfeld der Schlossstraße (ohne die Plätze in der Schlossstraße mit zu zählen), sagt die Stadt. Die Parkplätze am Markt und am Rathaus könnten künftig durch den Aufzug in der Schlossgalerie barrierefrei erreicht werden. Das neue Einkaufszentrum selbst werden 28 Plätze mehr haben als das alte Löwencenter.  „Alles in allem”, so Honecker, „gibt es kein Stellplatzproblem”.

Anwohnerparkausweise: Aktuell gibt es rund 30 Parkausweise für Anwohner auf der Schlossstraße. Die laufen aus, damit wird die Parkplatzsituation tendenziell entlastet; die Anwohner könnten u.U. Plätze in der Schlossberg Garage zugewiesen bekommen.

Lieferverkehr: Um zu vermeiden, dass Lieferfahrzeuge die normalen Parkplätze belegen könnten auf der gegenüberliegenden Straßenseite Parktaschen für die Lieferanten angelegt werden.

Bäume: Die Forderung der Händler nach einer zweiten Baumreihe auf der Schattenseite der Schlossstraße lehnt die Stadt ab. Für eine durchgehende zweite Reihe fehle der Platz, sagt Sprenger. Aber einzelne Baumgruppen seien denkbar, zum Beispiel im Bereich des Spielplatzes. Zudem sollen die neuen Bäume weiter in den bisherigen Straßenraum rücken, könnten damit in der Krone deutlich größer werden und auch die nördliche Seite der Straße beschatten.

Flexibilität: Die neue Gestaltung der Schlossstraße sieht keine Bordsteinkanten oder ähnliches mehr vor, die ganze Straße bekommt einen einheitlichen Belag und ist daher flexibel nutzbar. Flächen, die im Sommer für die Außengastronomie zur Verfügung stehen, können im Winter als Parkplätze genutzt werden. Veränderungen über die nächsten 15 Jahre seien ebenfalls nötig, sagt Planungschef Honecker jetzt: wenn sich Trends wie das autonome Fahren durchsetze und weniger Autos notwendig seien könnten weitere Parkplätze in Aufenthaltsflächen umgewandelt werden. Nur bauliche Veränderungen sind aufgrund der Förderrichtlinien ausgeschlossen.

Bessere Erreichbarkeit: Zu den 16 Projekten zugunsten der Schlossstraße gehören auch die verbesserte Erreichbarkeit – durch die Aufwertung des Tunnels zum Bus-/Stadtbahn-Bahnhof, durch eine neue Beschilderung, die Herausarbeitung der Wegebeziehungen am Berg und einiges mehr.

Standortmanager: Zu den Projekten gehört auch die Anstellung eines Standortmanagers für zunächst fünf Jahre, der die Händlerschaft unterstützt, sich womöglich um Leerstände, Veranstaltungen und vieles mehr kümmert, immer ansprechbar mit einem Büro in der Schlossstraße.

Private Investitionen: Insgesamt vier Fördertöpfe gibt es im Rahmen des InHK, mit dem kleinere und größere Projekte privater Investoren zu 50 Prozent bezuschusst werden – von der Fassadengestaltung bis zur Sanierung maroder Objekte.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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10 Kommentare

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  1. Wenn “M”, Chef/in der Truppe mit Tötungserlaubnis was von sich geben will, weiß der geneigte 007-Fan, dass jetzt was Lebenswichtiges kommt. So wie in ihrer/seiner Mitteilung zum o.a. Artikel, die Parkplätze der Schlossstraße betreffend, kann sie/er nicht anders, als mit ihrem/seinem weltweiten Überblick eine für sie/ihn unannehmbare Situation versuchen, zu retten. Da es sich in aller Regel um nicht mehr ganz frische Vertreter des weiblichen/männlichen Geschlechts auf diesem Posten handelt, ist der Wunsch, mit einem motorisierten Individualtransportmittel bis vor jede Theke, jeden Frisörsessel und jeden Tisch in einem Restaurant fahren zu können, verständlich. Das Unvermögen zur Drohung zu machen, 5 – 10 Minuten aus einem fernab liegenden Parkhaus die Geschäfte fußläufig erreichen zu müssen, scheint vom Sparzwang des britischen Geheimdienstes zu zeugen. Wurde “M” doch früher mit dem A . . . bis zum Klo gefahren, scheint man ihr/ihm nun zumuten zu wollen, ein Stückchen zu Fuß zu gehen. Das ist schon fast Blasphemie.

    Andererseits erfahren wir von einer wahrlich überragenden Möglichkeit, in die nahe Großstadt zu kommen und dabei eben so viel Zeit zu verlieren, als wenn man in Bensberg auf einem von nur 95 Parkplätzen müsste. Da wird wahrscheinlich geflogen, und das ist unfair. In diesem Zusammenhang hat der kostenbewusste Rat zu überlegen, ob er sich solche Bürger noch leisten kann.

  2. Bitte so viele Parkplätze wie möglich!
    Ja, eine autofreie Flaniermeile sieht auf den Entwürfen sehr schick aus.
    Als potentieller Kunde der Geschäfte in Bensberg möchte ich aber möglichst vor dem Geschäft parken.
    Wenn ich irgendwo fernab der Geschäfte im Parkhaus parken muss, dann 5-10 Minuten zum Geschäft gehen muss, kann ich auch schnell nach Köln reinfahren.
    Dann stehen bald die Geschäfte wegen fehlender Kunden leer, und die schöne Flaniermeile wird nicht genutzt.
    Das wäre doch schade….

  3. Mit der Steigerung von ca. 50 % ( gegenüber der bisherigen Planung) bei den Parkplätzen rückt die Stadt ab von dem Versuch die große Menge an Autos im Zentrum von Bensberg in der Zukunft zu begrenzen. Bisher war dies eine der zukunftsweisenden Grundideen des geplanten “Boulevard der Begegnungen”.

    Dies zeigt, wie sehr sich unser Bürgermeister und seine Führungskräfte dem Handel und insbesondere den Eigentümern der Immobilien verpflichtet sehen, während die Meinungen der Bürger, die auf Einladung der Stadt bei der Entwicklung dieser Grundideen beteiligt waren, nicht mehr so interessant sind. Die Bürgerbeteiligung erscheint eher als schmückendes Beiwerk.

    Dies wird richtig deutlich, wenn Herr Honecker -wie vom Bürgerportal berichtet- sagt: “Ziel der ganzen Aktion Schlossstraße,…, sei es doch, die Einnahmen der Einzelhändler zu erhöhen und die Kosten der Immobilienbesitzer zu senken”. Es zeigt, warum die Immobilienbesitzer gar nicht die Notwendigkeit haben, bei Bedarf an der Steinstraße selbst für Parkraum sorgen. Die Stadt springt ein…und die vielzitierte Attraktivität der Schlossstraße für Bürger/innen und Familien spielt in letzter Konsequenz keine so große Rolle.

    Also: Doch eher alles beim Alten in Bensberg.

  4. Wenn die Berichterstattung schon mit einer solchen Schlagzeile startet: Stadt legt 30 Parkplätze oben drauf und das, obwohl von der Redaktion der ganze Prozess des integrierten Handlungskonzeptes über mehr als zwei Jahre begleitet wurde, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Ausrichtung in die Zukunft mit dem tollen Ambiente was Bensberg ganz natürlich zu bieten hat, wenn diese Ausrichtung auf die Anzahl der Parkplätze im öffentlichen Bewusstsein reduziert wird, als ob es ein Handel mit Parkplätzen sei.
    Die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und der Erlebniseinkauf sollten neben weiteren Verbesserungen das Ziel des integrierten Handlungskonzeptes sein und die sind halt auf einem Parkplatz nur sehr eingeschränkt möglich oder aber nur für wenige Akteure darstellbar.
    Die für die Entscheidung politisch Verantwortlichen wissen das und werden bei ihrer Entscheidung die Wünsche aller Beteiligter berücksichtigen und vor allen Dingen den zukünftigen Veränderungen Rechnung tragen müssen.
    Wenn ich also weiß, dass bei möglicher schräg Anordnung der Fahrzeuge 25 % mehr Platzbedarf erforderlich ist für nur 10 zusätzliche Parkplätze bei den Stellmöglichkeiten, dann ist eben abzuwägen, ob das für alle Akteure, auch die flanierenden Besucher in einem zumutbaren Verhältnis steht zum Gesamtnutzen. Die zusätzlich entstehenden Einschränkungen wie Sichtbehinderung, Autobarriere beim queren der Straße, Verengung der Durchfahrt etc. sind bekannt. Zumal man sich weiter und weiter vom Siegerentwurf entfernt, den eigentlich alle gut finden.
    Schließlich geht es im Ganzen bei diesem Vorhaben um eine Investition öffentlicher Mittel von fast 16 mio € in den nächsten 5-8 Jahren, also um weit mehr als nur um Bensbergs Parkplaetze und diese Mittel sind Zweck gebunden.

  5. Der Fertigstellungstermin 2020 bezieht sich auf den 2. Bauabschnitt der Umgestaltung der Schlossstraße durch die Stadt. Die Schlossgalerie des privaten Investors Centerscape soll nach aktuellem Stand im Sommer 2019 fertig sein.

  6. Überaus traurig gestaltet sich nun der Zeitplan für die endgültige Fertigstellung von Schlosscenter und Schlossstraße. Sollte es 2020 wirklich werden, dann sind 15, in Worten fünfzehn, Jahre vergangen, bis aus Vorhaben, Planungen, Streitereien, Egoismus und gegen die Bevölkerung gerichtetes Denken etwas Herzeigbares wird. Sicher kann aber niemand sein – ob aus zeitlichen oder kreativen Gründen – denn der Streit geht weiter.

    Die Einzelhändler knatschen, weil sie “nur” 95 statt 165 (oder 142?) Parkplätze bekommen sollen und darin ihren Untergang sehen. Die Immobilieneigentümer sehen lieber den Müllplatz hinter Ihren Behausungen an der Steinstraße als dort eine Parkpalette zuzulassen. Die Stadt beharrt auf dem prämierten Entwurf und sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, man hätte die Händler nicht ins Boot genommen, sie dafür aber weitgehend ignoriert.

    Alles Humbug.

    Einzelhandel, Immobilieneigentümer und natürlich die Stadt saßen von Anfang an am selben Tisch. Das wird nur gerne vergessen, weil keine Seite ihr Idealbild verwirklichen konnte. Der Handel bangt um seine Existenz bei weniger als 105 Parkplätzen, vergisst aber, dass andere Faktoren als ausgerechnet Parkplätze zu ihrem Niedergang führten wie die Hässlichkeit der Schossstraße, zu viele Parkplätze dort statt in einem Parkhaus an der Steinstraße, gegenseitige Eifersüchteleien, kein gemeinsames Öffnungszeiten-Konzept etc.. Welches Geschäft lädt denn zum Erlebniskauf ein, wo gibt es den Service, auf den man sich freuen würde, wo sind die eigenen Ideen zur Verbesserung der Lage? Mit 3 oder 4 Straßenfesten ist es nicht mehr getan, die gibt es in ähnlicher Zahl überall in der Peripherie.

    Die Vermieter der Läden sorgen für starke Fluktuationen und Leerstände durch überhöhte Mieten. Lieber 1/2 Jahr keine Miete, dafür dann aber 20% mehr als vorher, was sich nach 5 Monaten schon rechnet. Das ist reine Willkür und hat mit betriebswirtschaftlichen Belangen – außer Gewinnmaximierung – nur noch wenig zu tun, und mit Sorge um die Schlossstraße schon gar nicht.

    Die Stadt kommt immer wieder nicht aus dem Quark. Dass Herr Flügge jetzt mit den Eigentümer der Immobilien, die rückseitig an der Steinstraße liegen, reden will, um die Parkpalette doch noch umzusetzen, kommt im Angesicht der vergangenen Jahre fast einer Verweigerung gleich. Während der “Planungsphase” für das Schlosscenter kamen immer wieder Versäumnisse zum Vorschein, die man mit sorgfältiger Prüfung hätte viel früher vermeiden können.

    Die Liste der Dinge, wegen derer man sich mal an die eigene Brust hätte klopfen sollen, lässt sich leicht verlängern. Alle bemühen immer wieder die Sprüche, wie wichtig die Schlossstraße und die Einkaufsmöglichkeiten für Bensberg sind. Der Bürgermeister wollte sich nach seiner 1. Wahl besonders für Bensberg einsetzen. Genügend Denkanstöße und Vorplanungen hat es gegeben. Bis dann die entsprechenden Abteilungen des Rathauses tatsächlich mit Planungsberechnungen begannen, verging schon zu viel Zeit. Als Pläne standen, waren sie mangelhaft. Ich hätte mir da und dort und gerade auch jetzt ein Machtwort vom Bürgermeister gewünscht, um seine “Chefsache” voranzutreiben.

  7. Sehr enttäuschend, wenn der Bürgerwille, der in einem mehrjährigen Abstimmprozess formuliert und dokumentiert wurde nun ignoriert wird und einseitig hinter verschlossenen Türen zwischen Stadt und einer Handvoll Händlern faule Kompromisse ausgehandelt werden. So wird das nie etwas mit dem Anspruch an eine Schlossstadt Bensberg, die zum ErlebnisShopping und Verweilen einlädt. Da wird nichts aufpoliert, sondern der bestehende Rostfras wird entgegen dem artikulierten Bürgerwillen konsequent fortgeschrieben

  8. Um mal einen neuen Vorsschlag in die Diskussion um Parkplätze einzuwerfen:

    Wie wäre es denn mit einer riesengroßen Tiefgarage mit 2400 unterirdischen Parkplätzen? Aufzüge könnten dann die riesiggroßen Besucherströme direkt in die einzelnen Geschäfte fahren.

  9. Aufenthaltsqualität geht anders. Wer verbringt seine Freizeit schon gerne auf einem großen Parkplatz? Welche Eltern gehen mit ihren Kindern am liebsten zwischen Autos und Abgasen bummeln? So wird das nie was, liebe Händlerschaft.