Es gibt eine Radroute, die Bensberg und Refrath (fast) mit der Stadtmitte verbindet – entlang des Bahndamms. Sie soll jetzt endlich beleuchtet werden. Doch damit ist nur ein Teil der Probleme gelöst, kritisiert der Radler-Verein ProVelo.

Wenn es mehr und bessere Radwege gibt, steigen mehr Menschen auf das Fahrrad um. Davon profitieren alle, gerade auch Fußgänger und Autofahrende. Dazu gehört aber auch eine gute Beleuchtung.

Die dunkle Jahreszeit neigt sich dem Ende entgegen, die Fahrräder werden wieder aus dem Keller oder der Garage geholt. Doch in Bergisch Gladbach ist das kein ungetrübtes Vergnügen: Radfahrende müssen sich den begrenzten Verkehrsraum in der zugebauten Stadt mit Autos und Fußgängern teilen, was nicht immer stress- und konfliktfrei abläuft.

Es fehlt ausreichend Platz für den Fuß- und Radverkehr, vor allem fehlen separate Radwege. Ein paar wenige gibt es zwar – aber die sind oft in schlechtem Zustand und alles andere als sicher zu befahren. Unfälle sind so durch die mangelhafte Infrastruktur bereits programmiert.

Ein gutes Beispiel ist der Weg entlang des alten Bahndamms. Er beginnt am Finanzamt am Refrather Weg (über einen schmalen Zickzackweg schon an der Mülheimer Straße) und führt in schnurgerader Linie an Golfplatz und Saaler Mühle vorbei bis zu den Schienen der KVB-Linie 1, nahe der Haltestelle Neuenweg.

Eigentlich eine wunderbare Verbindung von der Stadtmitte oder Gronau nach Frankenforst und Lückerath. Aber viele Radfahrende kennen diese gar nicht, was auch an der schlechten Ausschilderung liegen dürfte: Hinter der Eissporthalle zeigt ein Wegweiser nach „Bergisch Gladbach Zentrum” sogar falsche Richtungen an, da er sich auf das wenig bekannte „Knotenpunktsystem” bezieht.

Das größte Manko des Bahndammwegs ist jedoch die fehlende Beleuchtung auf dem Teilstück vom Wendehammer der Robert-Schuman-Straße bis Obersaal (etwa 900 Meter). Zwar werden die Tage inzwischen länger, doch nach 19 Uhr ist es dort immer noch stockdunkel – im Dezember sogar schon um 17 Uhr.

Viele Radfahrende, besonders Frauen und Mädchen, fühlen sich in dieser finsteren, einsamen Umgebung unsicher und nutzen den Weg daher nicht. Sie nehmen weite Umwege in Kauf oder sehen sich gezwungen, das Fahrrad stehenzulassen.

Bekannt ist das Problem auch in der Stadtverwaltung seit langem. Nachdem die Aufstellung von Laternen immer wieder in Aussicht gestellt wurde, soll der Weg nun im ersten Halbjahr 2019 „drankommen”.

Begründet wird die Verzögerung mit den bisher fehlenden Kabelschächten, was die Sache erheblich verteuere – auch das war freilich immer bekannt.

Immerhin: Im letzten Jahr wurde der nahegelegene Radweg von Frankenforst nach Kippekausen entlang der Linie 1 mit einer schönen neuen Oberfläche und Laternen versehen. Das macht Hoffnung, dass den Worten nun tatsächlich Taten folgen. Zu spät für die dunklen Tage, aber der nächste Winter kommt bestimmt.

Es wäre zu wünschen, dass bei der Installation von Laternen am Bahndamm auch eine Sanierung des Bahndammwegs angegangen wird, die zumindest die gröbsten Sicherheitsmängel beseitigt: schlechte Oberfläche, geringe Breite, Kreuzungen.

Stellenweise weist der Weg Aufsprengungen durch Baumwurzeln auf. Anderswo ist er unter 1,50 Meter breit, was ein Ausweichen bei Gegenverkehr schwierig macht – vor allem, wenn Hecken im Sommer die Sicht verdecken.

Schwieriger ist die notwendige Umgestaltung der höchst gefährlichen Querungen Sieglindenweg, Obersaal und Saaler Straße. Und warum endet der Weg eigentlich so abrupt, statt den S-Bahnhof mit der Kölner Straße in Bensberg zu verbinden?

Grundsätzlich gilt: Das Potential des nichtmotorisierten Verkehrs, also zu Fuß oder mit dem Fahrrad, ist bei weitem nicht ausgereizt; sein Anteil am ‘Modal Split’ der Verkehrsträger könnte deutlich steigen.

Ihn gezielt auszubauen ist nicht nur ökologisch und platzsparend, sondern auch finanziell attraktiv: Studien zufolge sind die Gesamtkosten des Fuß- und Radverkehrs negativ, da er die Ausgaben für Gesundheits- und Umweltschäden senkt. Auch wer lieber (weiterhin) Auto fährt, sollte bedenken, dass ein gutes Angebot an Radwegen, Bussen und Bahnen zur Entlastung von Straßen führt und damit zu weniger Zeitverlust im Stau.

Der Abschied vom alten Leitbild der „autogerechten Stadt” kommt somit Allen zugute!

Kennen Sie den Bahndamm? Bergisch Schön hat die gesamte Strecke dokumentiert:

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ProVelo BGL

ist eine Interessengemeinschaft, die sich für Verbesserungen im Bereich Radverkehr einsetzt.

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