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Unsere Bücher des Monats erzählen von unbekannten Seiten des Wilden Westen, vom Schicksal einer Gefängnisinsassin und von einer romantisch-unterhaltsamen Geistergeschichte.

Carys Davies: WEST.
Luchterhand 2019, € 20,00.

In Ihrem Romandebüt erzählt die britische Autorin Carys Davies von einem Wilden Westen, wie er aus glorifizierenden Filmen nicht bekannt ist. Damit schließt sie nahtlos an die Tradition von Huckleberry Finnund Cold Mountainan.

Pennsylvania 1815: Der verwitwete Maultierzüchter Cyrus Bellman liest in der Zeitung von einem spektakulären Knochenfund im Westen Amerikas. Von da an hat er nur noch ein Ziel, er möchte diese Tiere mit eigenen Augen sehen. Er lässt schweren Herzens seine geliebte 10-Jährige Tochter Bess in der Obhut seiner griesgrämigen Schwester in einem ausgesprochen bigotten Umfeld zurück.

Er macht er sich mit dem Versprechen auf die Reise, in spätestens zwei Jahren zurück zu sein. Von allen wird er verlacht. Nur seine Tochter glaubt an ihn. Unterwegs begegnet er zahlreichen zwielichtigen Gestalten und findet in dem jungen Indianer „Alte Frau aus der Ferne“ einen Helfer, ohne den er sein Abenteuer nicht weit vorantreiben könnte. Nach zwei harten Wintern hat er sein Ziel immer noch nicht erreicht und muss sich irgendwann der Frage stellen, bis hierhin oder weiter.

Das Buch erzählt vom harten Überlebenskampf des Menschen, von Wünschen und Träumen, vom Scheitern, Wiederaufstehen und Kämpfen. Eine sparsame Erzählweise bringt alles auf den Punkt: Kein Wort zu viel in einer spröden Sprache ohne Kitsch und Pathos und bei aller Tragik mit durchaus  komischen Elementen.

Das Buch erinnert an Seethalers Ein ganzes Leben. Es gibt psychologisch mehr Rätsel auf als es löst und lässt den Leser nachdenklich zurück. Ein Buch, das lange nachhallt und letztlich die Frage stellt, was wirklich wichtig im Leben ist.

Für mich eines der besten Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ein kleines Meisterwerk.

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erlesen von Sylvia Jongebloed

Rachel Kushner: Ich bin ein Schicksal.
Rowohlt 2019, € 24,00.

Romy Hall ist 29 Jahre alt, als sie in San Francisco für den Mord an ihrem Stalker zu zweimal lebenslänglich verurteilt wird. Eine unvorstellbare Strafe, deren Tragweite und hoffnungslose Endgültigkeit durch die Lektüre dieses Romans verstörend nachfühlbar wird.

Das Buch erzählt vom Leben im Knast. Davon, wie dort eigene Regeln entstehen, von Freundschaften und vom Überleben unter lebensfeindlichen Bedingungen. Und von einem Strafvollzugssystem, das sich zu einem lukrativen Wirtschaftszweig entwickelt hat. Unter sein Joch geraten vor allem die Armen und die sozial Benachteiligten.

Rachel Kushner zeichnet eine kalte, brutale Gesellschaft, in der nicht die Gerechtigkeit über das Schicksal entscheidet, sondern allein der soziale Rang. In dieser Welt leiden vor allem Mädchen und Frauen. In Rückblenden erzählt Romy von ihrer Kindheit in einem fragilen Zuhause, von ihrer frühen Konfrontation mit Gewalt und Missbrauch.

Sie landet in einem Strip Club mit dem sinnstiftenden Namen „Mars Room“ (gleichzeitig der englische Originaltitel – viel passender als der verschwurbelte deutsche Titel). Sie bekommt einen kleinen Sohn und erlebt eine Liebesbeziehung. Dann kommt der Stalker, der Mord, der Knast und das Leben ist vorbei. Doch draußen ist noch Romys Sohn Jackson, erst 7 Jahre alt. Er braucht seine Mutter…

„Diese Männer dimmten mein Licht. Sie machten mich taub für Berührungen, und zornig. Ich gab etwas und bekam im Tausch dafür etwas anderes, aber es war nie genug.“

Keine Frage: Romy ist nicht nur ein Opfer. Sie hat sich schuldig gemacht und büßt zu Recht eine Strafe ab. Doch beim Lesen stellt sich schnell die Frage: Was wäre, wenn?

Was wäre, wenn sie frühzeitig Schutz erhalten hätte vor dem Mann, der sie bedrohte? Was wäre, wenn sie sich einen Anwalt hätte leisten können? Was wäre, wenn sie behütet von fürsorglichen Eltern einen anderen Lebensweg eingeschlagen hätte? Wenn der fehlerhafte Tausch nicht in ihr gebrodelt hätte und sich ihre Wut nicht die Bahn gebrochen hätte, die schließlich ein anderes Leben auslöschte?

Die Entdeckung dieses Buchs verdanke ich dem Tipp einer Kundin, und ich gebe diesen Tipp gern an Sie weiter. Ich bin ein Schicksalist bewegend, verstörend, spannend, lebendig und einfach nur unglaublich toll. Für mich eindeutig der Roman des Jahres.

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erlesen von Birgit Jongebloed

Kim Kestner: Heaven’s End – Wen die Geister lieben.
Fischer KJB 2019, € 17,00. Ab 12 Jahre.

Heaven´s End ist ein malerischer Küstenort in Schottland mit Schloss, Burgruine und urigem Pub. Hier lebt die 15-jährige Jojo mit ihrer Familie. Sie ist engagierte Mitarbeiterin der Schülerzeitung und spielt mit Leidenschaft Hockey. Alles wäre normal und eher gewöhnlich, wenn da nicht diese besondere Fähigkeit wäre, die sie mit den meistern Mitgliedern ihrer Familie teilt.

Jojo kann Geister sehen, verstehen und mit ihnen sprechen. Nicht nur ihre verstobenen und ziemlich eigenartigen Verwandten bevölkern Haus und Leben der jungen Frau, sondern auch zwei anhängliche und sehr gegensätzliche Tiergeister.

Birgit Jongebloed und Pia Patt führen die Buchhandlung Funk

Nicht einmal Jojos bester Freund weiß von ihrem Talent, denn die Familie hat beschlossen, dieses Geheimnis für sich zu behalten. Und dann ist da auch noch Zackary, Schwarm aller Mädchen, der Sohn des Schlossherren und Erbe des Earl of Glenshire. Zacks Charme kann auch Jojo nicht so richtig wiederstehen…

Ein bevorstehendes Großereignis in Heaven’s End bringt Jojos Alltag gehörig durcheinander. Der 500ste Todestag des bösartigen Schwarzmagiers Throckmorton soll publikumswirksam gefeiert werden. Man rechnet mit jeder Menge Touristen, die von dem sagenumworbenen Ereignis angezogen werden. Kurz vor dem großen Fest ereignen sich einige ausgesprochen seltsame und unheimliche Dinge. Jojo ist plötzlich nicht mehr so sicher, ob sie ihre Gabe weiter geheim halten kann und soll.

Kim Kestner hat die Personen liebevoll und unterhaltsam beschrieben, den mysteriösen Aspekt nicht übertrieben und genau die richtige Portion Spannung gefunden. Wenn man sich gerne gruselt, wenn Romantik nicht zu kurz kommen und das Ganze dann auch noch mit einer ordentlichen Portion Humor versehen sein soll, dann ist das hier das perfekte Buch!

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erlesen von Pia Patt

Viel Spaß beim Lesen.

Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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1 Kommentar

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  1. Oh, wie schön Heaven’s End hier vorgestellt zu sehen. Die Rezension liest sich so nett, ich habe sie gleich zwei Mal verschlungen. Viele liebe Grüße zu Euch nach Bergisch Gladbach. Wie glücklich sich Bensberg schätzen kann, so eine engagierte und persönliche Buchhandlung zu haben.

    Alles Liebe
    Kim Kestner