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Unsere Buchtipps entführen Sie mit einem cleveren Ermittlerduo nach Kopenhagen, mit einer verhaltensauffälligen Supermarktaushilfe nach Japan und mit einer feministischen Historikerin in das antike Griechenland.

Katrine Engberg: Krokodilwächter.
Diogenes Verlag 2018, € 22,00.

Durch eine offene Tür angelockt, findet der alte Gregers in der Nachbarwohnung die fürchterlich zugerichtete Leiche der jungen Literaturstudentin Julie. Die Frau wurde in ihrer Wohnung, die sie sich mit einer Freundin teilt, grausam ermordet.

Jeppe Kørner und Anette Werner von der Kopenhagener Mordkommission nehmen den Fall auf und beginnen mit ihren Ermittlungen im Haus.

„Ein Tatort erinnerte in vielerlei Hinsicht an ein Theaterstück. Eine Vielzahl von Aussagen, die zusammen eine Art Ganzes ergeben. Stichworte und Einsätze. Jeppe gab es ungerne zu, aber er mochte diese Dynamik, diesen Rhythmus, der an Tatorten zu spüren war.“

Die Vermieterin Ester de Laurenti, eine emeritierte Musikprofessorin mit Hang zum Alkohol, wirft bei ihrer Befragung mehr Fragen auf als sie beantworten kann. Die Gespräche mit  Julies Vater und ihrer Stiefmutter sorgen für Verdachtsmomente und auch sonst gibt es mehr und mehr Ungereimtheiten und Ermittlungsansätze als tatsächliche Spuren.

Als Ester de Laurenti mehr Einzelheiten zum Mord an ihrer Mieterin erfährt, ist sie zutiefst erschüttert und erst nach einiger Zeit bemerkt sie etwas für sie völlig Unglaubliches: Der Mörder scheint sich nach ihrem bisher unveröffentlichtem Manuskript für einen Kriminalroman zu richten. Und wieder gibt es neue Spuren, denen das Ermittlerteam folgen muss.

„Krokodilwächter“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimireihe, die in Kopenhagen spielt. Dieser sprachlich und inhaltlich ausgefeilte Krimi macht Lust auf mehr. Perspektivwechsel sind clever eingeflochten und erhöhen die Spannung noch weiter.

Auch wenn der Fall wirklich gruselig beginnt, wird in „Krokodillwächter“ nicht auf Effekt gesetzt, sondern auf einen spannenden Plot, der sich langsam entfaltet und mich als Leserin immer mehr in seinen Bann zog. Zwar verzichtet Katrine Engberg, wie viele ihrer skandinavischen Kollegen, nicht auf einen melancholischen Ermittler mit privaten Problemen, und auch dieser wird von einer cleveren Co-Ermittlerin unterstützt, aber hier hören die Klischees auch schon auf. Das interessante Ermittlerduo wird bestimmt in weiteren Büchern noch viel Freude machen.

Ein durch und durch gelungener Krimi, der mich immer wieder überraschen konnte.

erlesen von Pia Patt

Sayaka Murata: Die Ladenhüterin.
Aufbau Verlag 2018, € 18,00.

Die Japanerin Sayaka Murata entfaltet mit leichter Hand einen Roman über das Anderssein in einer von Normen und Konventionen geprägten modernen Welt. Sie hält der Gesellschaft gnadenlos den Spiegel vor und stellt immer wieder die Frage: Was ist eigentlich normal und ist das vermeintlich Normale nicht auch anormal? Im Laufe der Geschichte entstehen dadurch teilweise absurde Situationen, die manchmal auch ins Komische abgleiten, wobei das Lachen dem Leser oft förmlich im Halse stecken bleibt.

Die Protagonistin, Keiko, aus einem liebevollen Elternhaus stammend, ist schon in der Vorschulzeit verhaltensauffällig. Ihr angeborener Empathiemangel bringt sie ständig in unerfreuliche Situationen, so dass sie sich schließlich völlig verschließt und ihre Kommunikation mit der Außenwelt auf ein Mindestmaß reduziert, um ihrer Familie weiteren Kummer zu ersparen.

Während des Studiums bewirbt sie sich in einem sogenannten Konbini, einem 24h-Supermarkt, als Aushilfe. Hier blüht sie richtig auf, da alles strengen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Neben den Arbeitsabläufen sind auch der Umgang mit den Kunden, die Kommunikation und die Mimik streng reglementiert.

Dieser Mikrokosmus ermöglicht ihr, sich wie ein „normaler“ Mensch zu fühlen. Das geht soweit, dass sie selbst die Verhaltensweisen, die Art zu sprechen und die Kleidung ihrer Kollegen kopiert, um sich noch mehr dazugehörig zu fühlen. Mittlerweile ist sie Ende Dreißig und arbeitet immer noch als Aushilfe in demselben Kombini und ist glücklich dort.

Der Supermarkt mit seinen Menschen, Waren und Geräuschen (das Piepen und Summen der Geräte ist wie Musik für sie) ist ihre Welt. Dann betritt ein junger Mann diese „heile“ Welt und bald ist nichts mehr, wie es vorher war und die Geschichte strebt einem unaufhaltsamen Showdown entgegen.

Sayaka Murata, 1979 geboren und Mitarbeiterin in einem Konbini, erhielt für ihre literarische Arbeit bereits mehrere Auszeichnungen. Für den vorliegenden Roman gewann sie 2016 den renommiertesten japanischen Literaturpreis. „Die Ladenhüterin“ ist in Japan ein Bestseller. Übersetzt wurde das Buch von Ursula Gräfe, die auch Haruki Murakami ins Deutsche übertragen hat.

erlesen von Sylvia Jongebloed

Mary Beard: Frauen und Macht.
S. Fischer 2018, € 12,00.

„Soweit wir in der westlichen Geschichte zurückschauen können, gibt es eine radikale – reale, kulturelle und imaginäre – Separierung der Frauen von der Macht.“

Frauen in traditionell männlichen Funktionen sorgen auch im Jahre 2018 immer noch für Aufsehen und werden von teilweise unschönen Diskussionen begleitet. Über Angela Merkel, Theresa May und Hillary Clinton wird allzu oft in einer abwertenden und sexistischen Art und Weise geschrieben, wie es ein männlicher Spitzenpolitiker noch nie erleben musste.

Oder die bösartigen Beleidigungen und Androhungen geschlechtsspezifischer Gewalt, mit denen die ZDF-Sportkommentatorin Claudia Neumann angesichts ihres Einsatzes bei der Fußball-WM konfrontiert war. Dabei ging es nicht um die Qualität ihrer Berichterstattung, sondern um ihr Geschlecht und den vermeintlichen Angriff auf eine noch immer als männlich geltende Domäne.

Birgit Jongebloed und Pia Patt führen die Buchhandlung Funk

Gerade zum richtigen Zeitpunkt ist mir nun das im Frühjahr erschienene Buch „Frauen und Macht“ der Historikerin Mary Beard in die Hände gefallen. Es untersucht Frauenfeindlichkeit im öffentlichen Raum und zeigt, dass unser kulturelles Erbe auch in Bereichen weiter fort wirkt, wo es eher nicht zu vermuten gewesen wäre.

Ein großer Teil des Buches widmet sich dem oft zu beobachtenden Versuch, Frauen den Mund zu verbieten. Beard erzählt von antiken Mythen und der Rolle der Frau in der griechischen Gesellschaft. Aus diesen kulturellen Traditionen zieht sie Rückschlüsse auf unsere eigenen Denkweisen und Interpretationen.

Es ist erstaunlich zu sehen, wie sehr sich die gesellschaftlichen Reaktionen in der Antike und in der Gegenwart ähneln, wenn Frauen das öffentliche Wort ergreifen oder nach Macht streben. Umso klarer lässt sich erkennen, dass wir uns die Denkmuster, die hinter diesen Reaktionen stecken, dringend bewusst machen müssen, dass sie infrage gestellt und überarbeitet werden müssen.

„Doch falls jemand bezweifeln sollte, dass der Ausschluss der Frauen von der Macht kulturell sehr tief verankert ist, oder nicht recht glauben will, dass die klassischen Methoden, diesen Ausschluss zu formulieren und zu rechtfertigen, weiterhin erfolgreich sind – dann verweise ich ihn auf Trump und Clinton, Perseus und Medusa und beende damit meine Beweisführung.“

erlesen von Birgit Jongebloed

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Birgit Jongebloed und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Jongebloed bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Buchhandlung Funk

Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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