Bei der CDU streben zwei Ratsherren aus dem Ehrenamt in die politische Spitze der Stadt: Christian Buchen und Oliver Renneberg stellen sich jetzt bei der Jungen Union vor – und lassen erkennen, womit sie im Wahlkampf gegen die „Ampel” punkten wollen. 

Am 6. November entscheiden die Mitglieder der CDU, wer im Kampf um die Nachfolge von Bürgermeister Lutz Urbach gegen Frank Stein, den gemeinsamen Kandidaten von SPD, Grünen und FDP, antreten darf.

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Dabei wird es wohl weniger um politische Inhalte gehen, sondern um Persönlichkeit, Erfahrung und  lokale Verbundenheit. Dass Buchen dabei als Favorit in die Mitgliederversammlung geht, wurde auch bei der Vorstellungsrunde auf Einladung der Jungen Union deutlich.

Oliver Renneberg ist selbständiger Bauingenieur, 53 Jahre alt, Vorsitzender des Ortsverbands Stadtmitte und lebt seit 2004 in Bergisch Gladbach.

Er arbeitet ehrenamtlich als Leichtatlethik-Schiedsrichter beim TV Herkenrath, ist Vorsitzender des DSK SSV Ommerborn und arbeitet bei dem Verein Hilfe für Belarus mit. Und er sitzt für die CDU im Stadtrat, wenn auch in der hinteren Reihe.

Christian Buchen ist Wirtschaftsinformatiker aus Herkenrath und koordiniert für einen Schweizer Konzern aus dessen Kölner Büro heraus große IT-Projekte.

Der 39-Jährige kommt aus der KJG und übt eine Vielzahl von ehrenamtlichen politischen Ämtern aus: als stellvertretender Fraktionsvorsitzender, als stellvertretender Kreisvorsitzender und nicht zuletzt als Vorsitzender des wichtigen Ausschusses für Umwelt, Klima, Infrastruktur und Verkehr. Und er ist Karnevalist mit Leib und Seele.

Spagat zwischen Ehrenamt und Beruf

Beide Kandidaten begründen ihre Bewerbung sehr ähnlich: Sie betrieben ihre ehrenamtlichen Aufgaben mit großem Einsatz, neben dem ebenso großen beruflichen Engagement. Jetzt sei es an der Zeit, sich für eins von beiden zu entscheiden, erläutert Buchen ebenso wie Renneberg.

Entweder klappe es jetzt mit der hauptamtlichen politischen Arbeit als Bürgermeister, oder sie würden ihre ehrenamtlichen Aufgaben reduzieren und sich auf den Beruf konzentrieren. Renneberg will in einem solchen Fall seinen Wahlkreis in Sand aufgeben, Buchen nur noch als Stadtrat weiter machen und die anderen Ämter abgeben.

„Ich will gestalten, führen und Verantwortung tragen – und das im Ehrenamt wie im Beruf. Dieser Spagat kann auf Dauer nicht funktionieren”, bringt es Buchen auf den Punkt.

„Sauberkeit, Sicherheit, Service”

Seine inhaltlichen Schwerpunkte bringt Renneberg auf die Formel „Sauberkeit, Sicherheit, Service”. Als Verkehrsexperte liegt ihm natürlich auch die Mobilität am Herzen – die er allerdings nicht durch große Infrastrukturprojekte, sondern durch eine grüne Welle fördern will. Es gebe in Bergisch Gladbach keinen Klimanotstand (in dieser Frage hatte er nicht mit der CDU-Fraktion gestimmt), sondern einen Schulnotstand – sowohl bei den Gebäuden wie beim Lehrkörper.

Buchen nennt Mobilität und Verkehr an erster Stelle bei seinen inhaltlichen Schwerpunkten. Dicht dahinter folgt die Modernisierung der Verwaltung, worunter er vor allem eine Optimierung der Prozesse durch den Einsatz von IT versteht. Also Digitalisierung.

Ein Wir-Gefühl für die ganze Stadt

Besonderen Wert legt der Wirtschaftsinformatiker Buchen aber auf ein emotionales Thema: Wie die Kölner müssten die Bergisch Gladbacher ein positives Gefühl für ihre Stadt und ihr Veedel entwickeln, gerade beim Gemeinschaftsgefühl für die ganze Stadt sei noch viel zu tun. „Damit die Bürger stolz auf Bergisch Gladbach sind, müssen die Stadt sauberer und sicherer werden, wir brauchen aber auch mehr Kita-Plätze”, so lautet Buchens Übersetzung des CDU-Slogans „Metropolnahes Wohnen im Grünen”.

Das sieht Renneberg genauso: Er setzt bei der gefühlten Sicherheit an, und bei der Aufenthaltsqualität: „Es gibt viele Stellen in der Stadt, wo mal ein Parkplatz weg und ein Baum hingehört.”

Der Klimaschutz kommt – über das Thema Mobilität und Ausbau des ÖPNV hinaus – bei beiden Kandidaten an diesem Abend nicht vor, das Publikum fragt auch nicht danach.

Ohne Verwaltungserfahrung?

Beide CDU-Kandidaten räumen ein, dass sie keine Verwaltungserfahrung haben, nie eine Mitarbeiterschaft von 1000 Personen geführt haben. Ganz im Gegensatz zum Kandidaten von Rot-grün-gelb: Frank Stein nimmt seit Jahrzehnten Führungspositionen im öffentlichen Dienst ein, zunächst in Leverkusen, jetzt in Bergisch Gladbach.

Diesen Nachteil sehen Buchen wie Renneberg jedoch als Vorteil. Die Stadtverwaltung brauche dringend jemanden, der von außen komme und die Strukturen mit den Erfahrungen eines Managers oder Unternehmers aufbrechen könne. Buchen verweist zudem darauf, dass er als Ausschussvorsitzender sehr viel mit der Verwaltung zusammen gearbeitet hat: „Ich habe dabei viel verstanden, wie das läuft und was man verbessern kann.”

Stein werde es im Wahlkampf ohnehin nicht leicht haben, drei sehr unterschiedliche Parteien und ihre Positionen zu vertreten, da ist sich Renneberg sicher. Das vorgelegte Grundlagenpapier lasse viele Fragen offen und täusche einen Konsens zwischen SPD, Grünen und FDP vor, den es in vielen Punkten nicht geben.

Unser Mann vor Ort

Am Ende, auch da sind sich beide Bewerber einig, könne bei der Bürgermeisterwahl ein ganz anderer Faktor entscheiden: „Die Wähler wollen jemanden, der hier aufgewachsen ist, der sich hier gut auskennt, der bei den Veranstaltungen greifbar ist”, sagt Buchen. Das gilt für die CDU, die in allen 26 Wahlbezirk tief verwurzelt ist, das gilt für Oliver Renneberg mit seinem breiten ehrenamtlichen Engagement, und das gilt besonders für Christian Buchen, der kaum eine Karnevalsveranstaltung auslässt.

Aber, das betont Buchen, ein Jahr vor der Bürgermeisterwahl am 13. September 2020 sei noch alles offen: „Wenn man sich die Ergebnisse der letzten Wahlen anschaut, dann liegen beide Lager ungefähr gleichauf. Noch ist nichts verloren, aber auch nichts automatisch gewonnen.”

Das gilt auf für die Entscheidung der CDU-Mitglieder in der nächsten Woche.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. @ Frau Angela Noelke

    Super, genau mit dieser Ansicht das die CDU für Fortschritt und Zukunft steht, hat es die letzten 20 Jahre nicht geklappt. Siehe Klimaziele (30 Jahre nur geschwafel und nichts passiert). Ständig wird nur Vetternwirtschaft und Begünstigung der gehobenen Schichten
    betrieben.
    Beim kleinen Mann kommt nichts an, ausser die Erhöhung von Energiekosten , Miete etc.
    Ich denke es wird endlich Zeit für einen Wechsel.

    Zum Thema Sicherheit fällt mir nur ein, das es unter CDU Führung erst möglich war, das sich rivalisierende Rockerbanden mit Nachtkonzession in BGL breit machen konnten und eine Schichabar nach der anderen eröffnet wird.

    Kleinen Eckkneipen hingegen wird das Leben mit Rauchverboten schwer gemacht.
    Alles in allem kann ich da keine Zukunftsarbeit erkennen.
    Nur Veränderung und lösen alter Seilschaften bringt Veränderung und Zukunft.

  2. Ich hoffe sehr für Bergisch Gladbach, dass der zukünftige Bürgermeister von der CDU kommt. Nur die CDU kann Zukunft. Bergisch Gladbach muss sicher bleiben, Täter müssen konsequent bestraft werden. Die Geflüchteten, die in der Mehrzahl bleiben werden, brauchen Wohnung und Arbeit, Deutsch können jetzt alle. Der Busverkehr und Bahnverkehr muss ausgebaut werden, es muss mehr Radwege geben und sozialen Wohnungsbau. Bergisch Gladbach ist eine reiche Stadt.

  3. Wenn die Junge Union eher auf Buchen setzt, wie beschrieben, ist BGL doch ein Karnevalsverein. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass er, weil er keine Karnevalsveranstaltung auslässt, gewählt werden wird.

    Beide Kandidaten hoffen, Ihrer Platznähe wegen Bürgermeister zu werden und die Verwaltung in den Griff zu bekommen, weil sie “von außen” kommen. Das entbehrt nicht einer gewissen Spannung, scheint doch eher die Verwaltung als die Politik gegen das gestanden zu haben und immer während zu stehen, was beide Politiker angehen wollen: Lösungen für das Verkehrschaos, Aufbruchstimmung, saubere und sichere Stadt etc.. Dass allerdings Klimaschutz und Klimanotstand die Herren wenig zu interessieren scheint, wird ihnen auf die Füße fallen.

    Dass Beide die Ampel gering schätzen, gehört zum Klappern, was wiederum zum Handwerk gehört. Wohl jeder, der zum ersten mal von der Ampel hörte, fragte sich, wie das gutgehen kann. Ich bin da gar nicht so pessimistisch, wenngleich man gespannt sein darf, wie die bisherigen, teilweise kolossalen Gegensätze überwunden werden sollen. In jedem Fall wird die Ampel den Wahlkampf beleben, diesen oder jenen Politiker zur Aussage spannender Wahlversprechen verlocken und keinesfalls der CDU ein Ergebnis früherer Größe angedeihen lassen, was der ja schon aus den letzten 4 Landtagswahlen bekannt ist.