Wer Spuren von Max Bruch sucht, findet in der Stadt viel bekanntes: Zwei Denkmäler, eine Musikschule, eine Straße. Richtig spannend wird es, wenn man sein Leben im Detail nachzeichnet. Dann trifft man auf weitgehend unbekannte Orte. Wie „sein” Klavierzimmer in der Villa Zanders. Mein #Lieblingsort in GL.

Das Klavierzimmer von Max Bruch in der Villa Zanders. Foto: Thomas Merkenich

Wenn Max Bruch sich im Bergischen aufhielt, wohnte er in den späteren Jahren in der Villa. „Ein Zimmer war ständig für ihn reserviert und Maria Zanders sorgte dafür, dass er völlig ungestört an seinen Kompositionen arbeiten konnte“, heißt es in einem Buch von Hildegard Neuhauser (S. 61). Sie widmet sich darin der Musikpflege im Bergischen.

Wo befindet sich das Zimer? Betritt man die Villa, schreitet man durch das Foyer in den Raum hinten links, Blick Richtung Schnabelsmühle. Die Mitarbeiter helfen beim Stichwort „Klavierzimmer” gerne weiter.

Die Villa Zanders beherbergt heute das Kunstmuseum der Stadt, hier von der Rückseite gesehen. Foto: Thomas Merkenich

Arbeitszimmer von Onkel Max

Und schon befindet sich der Besucher genau in dem Raum, in dem ein maßgeblicher Komponist der Spätromantik seine Stücke zu Papier brachte. Hier erlebte die Familie Zanders, wie Bruchs Kompositionen entstanden.

Hier widmete sich „Onkel Max”, wie er liebevoll genannt wurde, der musikalischen Früherziehung der Kinder. Oder spielte den Kindern Varianten seiner Stücke vor, um sie entscheiden zu lassen, welche Musik es nun sein solle:

„Da sprach ich eines Morgens mit Greta von der Sache (Vertonung von Schillers Glocke, die Red.), spielte ihr dann beide Melodien vor und fragte sie dann: „Liebes Kind, welche Melodie scheint Dir am besten?“ Da antwortete das junge Kind ohne Besinnen, mit der größten Bestimmtheit: „Die in G-Dur, 2/4 Takt – die solltest Du nehmen, Onkel Max!“ Das that ich dann auch, und genau diese Melodie hat in allen Teilen der Welt unzählige Herzen erfreut, gerührt und erhoben.“

Hildegard Neuhauser, Musikpflege in Bergisch Gladbach im 19. Jahrhundert, Musikverlag Burkhart Muth

Salon mit Palmen

In der Publikation von Anna Caspary (Maria Zanders. Das Leben einer bergischen Frau, Jena 1923) wird vom „grünen Salon“ als Musikzimmer gesprochen. Das Klavier muss von mächtigen Palmen umstellt gewesen sein, eine Art Wintergarten schaffte ein wundervolles Ambiente.

Maria Zanders, Ölgemälde aus der Sammlung der Villa Zanders,

Mich haben die Bedingungen und Umstände, unter denen große Kunst entsteht, schon immer fasziniert. Vielleicht weil es, wie das Klavierzimmer, Gelegenheit für eine kleine gedankliche Reise in die Vergangenheit bietet. Daher ist dies mein #Lieblingsort in GL.

Beim Verlassen der Villa blickt Maria Zanders von der Wand. Sie hat dafür gesorgt dass Max Bruch überhaupt hier arbeiten konnte. Fast scheint es, als halte sie meine Wahl geradezu für selbstverständlich.

Hinweis der Redaktion: Unter dem Stichwort #Lieblingsorte in GL stellen wir Ort in der Stadt vor, die für die Autoren eine besondere Bedeutung haben. Das ist subjektiv, bringt aber den Lesern Orte nahe, die sonst vielleicht nicht die Beachtung finden, die sie verdienen. Und wir lernen unsere Stadt noch ein wenig besser kennen. Haben Sie einen Lieblingsort, den Sie gerne beschreiben möchten? Dann schreiben Sie uns bitte per Mail an redaktion@in-gl.de.

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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