Seit Mittwoch gilt im Rheinisch-Bergischen Kreis die gelockerte Notbremse, also Einkaufen mit negativem Test. Wir waren unterwegs und haben es getestet. Prinzipiell funktioniert alles reibungslos. Gleichwohl gibt es Kritik von Medizin und Handel.

Hinweis der Redaktion: Nach nur zwei Tagen Laufzeit hat der Rheinisch-Bergische Kreis die Lockerung der Notbremse wieder aufgehoben, ab Montag müssen die Geschäfte geschlossen bleiben und dürfen Abholstationen, Onlineshops und Lieferdienste anbieten. Alle Details dazu in diesem Beitrag.

Benötigt wird für „Click, Test & Meet” zunächst ein Schnelltest. Den gibt es zum Beispiel als kostenlosen Bürgertest: Wo diese zu bekommen sind finde ich in der Übersicht des Bürgerportals. Ich rufe bei der Praxis Zieriacks in der Innenstadt an. Ein Termin ist schnell für den darauffolgenden Tag vereinbart.

Bei der Ankunft gebe ich meine Krankenversichertenkarte für die Abrechnung des Tests ab. Kurz darauf befinde ich mich im Sprechzimmer. Frau Zieriacks nimmt den Test vor, ich bekomme einen Rachenabstrich. Geprüft wird auf einem Teststreifen, den man von den Selbsttests kennt.

Ärztin Petra Zieriacks beim Corona-Schnelltest in ihrer Praxis

Falsche Sicherheit durch Tests

Während das Ergebnis auf sich warten lässt, frage ich, wie das Testgeschehen anläuft. „Unterschiedlich, bei manchen Teststationen sieht man längere Schlangen, in der Praxis haben wir rund fünf Tests pro Tag”, erklärt die Ärztin. Davon seien rund fünf Prozent positiv.

Die Tests mit Einkaufen vor Ort zu verbinden hält Petra Zieriacks nicht für sinnvoll. „Dies wiegt die Menschen in falscher Sicherheit”, erklärt sie. Ganz zu Beginn einer Infektion fällt ein Test in der Regel negativ aus. Gleichwohl seien die Menschen bereits ansteckend.

„In Städten, wo das Modell Click, Test & Meet angewandt wurde – wie Tübingen oder Rostock – gehen die Inzidenzwerte wieder nach oben”, sagt Zieriacks.

Einen Überblick über die Corona-Regeln im April mit Notbremse und Testoption finden Sie in diesem Beitrag.

Vor dem Hintergrund steigender Inzidenzen mache zudem der Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht kaum Sinn. „Das soziale Miteinander ist für die Kinder wichtig, keine Frage.” Doch wenn man die Schulen öffne, würden die Ansteckungswerte nach oben gehen. „Überall dort, wo Gruppen aufeinandertreffen, breitet sich das Virus aus”, meint sie. Es gebe nicht den einen klassischen Hotspot.

Für Eckhard Bremer machen kurzfristig angelegte Aktionen wie Einkauf mit Negativtest keinen Sinn

Test-Option kommt bei Kunden schleppend an

Auch Eckhard Bremer, Inhaber des Taschen- und Koffergeschäfts Bremer und Vorstandsmitglied der IG Stadtmitte, sieht beim Thema Test-Option noch viel Optimierungspotential. „Das größte Problem ist für uns das stete Hin und Her”, meint er. Es sei mehr Vorlauf vonnöten, um die vielen ad hoc-Regelungen umzusetzen und die Kommunikation anzuschieben.

Auch bei der Umsetzung sei Luft nach oben. Seine Mitarbeiter müssten bei Kunden vor Ort zunächst den Test mit den Personalien abgleichen. Ein Bändchen wie Tübingen oder eine Digitallösung per App würde den Handel an dieser Stelle entlasten.

Ob die gelockerte Notbremse bleibe, wisse man nicht. Sinnvoll wäre es aus seiner Sicht gleichwohl, diese Variante beizubehalten, zum Beispiel bis zum Aufbau eines ausreichenden Impfschutzes. Nur eine Woche sei zu wenig. „Unter den aktuellen Bedingungen arbeiten wir nicht annähernd kostendeckend”, schildert er.


Jetzt sind Sie dran: Wie erleben Sie die Notbremse mit Testoption? Klappt der Einkauf mit Negativtest reibungslos? Oder gibt es Stellen wo es hakt? Schreiben Sie uns, im Kommentar unter diesem Beitrag oder per Mail an redaktion@in-gl.de

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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6 Kommentare

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  1. Geschäfte des täglichen Bedarfs muss die Bevölkerung jederzeit aufsuchen dürfen. Es wäre rechtlich unverhältnismäßig, von jemandem, der eine Tüte Milch kaufen möchte, um einmal dieses plakative Beispiel zu nennen, vorher einen Test zu verlangen.

  2. Jeden Supermarkt oder Discounter kann ich ohne Test jederzeit besuchen!Beim Einzelhandel und Geschäften wie C&A und Anderen brauche ich einen Test,obwohl ich da immer einen mehrfach größeren Abstand zu Anderen einhalten kann als bei ALDI und Co !!! Wer soll diesen Blödsinn noch verstehen???

  3. Wir haben nochmals nachgefragt – das Einlesen der Karte ist notwendig, um die vorgesehene Ziffer für den Test abrechnen zu können.

  4. Zu “Ein Hausarzt”: Wäre es nicht fairer gewesen, Sie hätten die in dem Artikel genannte Arztpraxis persoenlich darauf hingewiesen, dass der Test nicht über die Versichertenkasse und damit über die gesetzliche Krankenkasse bezahlt wird, anstatt coram publico den Vorwurf der, gelinde gesagt, Unkorrektheit zu erheben? Und darf mein Ihren Klarnamen erfahren?

  5. Es ist nicht richtig, dass die Abrechnung von sogenannten Bürgertests – Schnelltests bei symptomlosen Personen -, die in Arztpraxen durchgeführt werden, über die Krankenkassen erfolgt! Für die Bürgertests in Arztpraxen ist es nicht notwendig, dass die Krankenkassenkarte eingelesen wird. Die Bürgertests werden vom Bundesamt für soziale Sicherung bezahlt. Es reicht, in der Arztpraxis seinen vollständigen Namen, die Anschrift und das Geburtsdatum anzugeben. Das ist auf der Internetseite http://www.coronavirus.nrw nachzulesen.

    Wenn eine Arztpraxis auf dem Einlesen der Krankenkassenkarte besteht, entsteht der Verdacht, dass sie so die sogenannte Grundpauschale für Arztpraxen, die pro in der Praxis behandeltem Patienten pro Quartal von den Krankenkassen bezahlt wird, abrechnen will…

  6. Jetzt wird ja wahrscheinlich deutlich mehr getestet als zuvor. Zum einen weil es kostenlos ist und zum anderen weil man den Test jetzt oft braucht. Auch ich habe schon die Möglichkeit genutzt mich testen zu lassen. Zum Glück ist das in BGL ja sehr unkompliziert möglich. Allerdings nutze ich es eher wenn ich weiß das ich einen privaten Kontakt habe oder ein Arzttermin ansteht.

    Interessant fände ich, wie viele der positiven Schnelltests durch einen PCR Test bestätigt werden. Kann man die rasant steigenden Zahlen auch zum Teil auf die vielen Testungen zurück führen?