So könnte eine Bebauung an Stelle der derzeitigen Reithalle aussehen. Skizze: Bergischer Geschichtsverein

Der Arbeitskreis Denkmalschutz und Stadtbildpflege des Bergischen Geschichtsvereins will sich mit den Plänen für vier futuristische Kuben im Stil der „Tessiner Moderne“ neben der Malteser Komturei in Herrenstrunden nicht abfinden – und hat einen konkreten Gegenentwurf ausgearbeitet.

Die in der Nachbarschaft zur denkmalgeschützten Malteser-Komturei geplanten Wohngebäude begeistern die Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz und Stadtbildpflege nicht. Die Idee des Architekten, vier futuristische Wohnkuben im Stil der Tessiner Moderne an dieser Stelle zu errichten wird von den Mitgliedern des Arbeitskreises abgelehnt.

Der Bergische Geschichtsverein Rhein-Berg e.V. hatte dazu bereits im März 2021 seine Stellungnahme im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung gemäß § 3 BauGB abgegeben. 

Die Stellungnahme allein ließ den Arbeitskreis aber nicht ruhen, ging es ihm doch um mehr, als nur gehört zu werden. In vielen Gesprächen, sowohl im Arbeitskreis, als auch mit vielen Interessierten, auch Ortsansässigen Bürgern und direkt Beteiligten wurden Anregungen diskutiert, Veränderungen gesammelt, das besondere Thema Wasser an dieser Stelle positioniert, die Materialien und Sichtachsen abgewogen, die Historie der Örtlichkeit mit eingebracht und wertgeschätzt, kurzum es wurde in intensiver Arbeit eine Entwurfsidee entwickelt. 

Gute Gespräche mit Bauherren und Stadt

Es wäre nicht angemessen, diese Überlegungen nun zu den Akten zu legen, mit Sicherheit dürfte ein öffentliches Interesse daran bestehen, welche Anregungen hier gegeben wurden und welche Bedeutung diesem Bauplatz in historischer Umgebung mit denkmalgeschützten Bauten zu Teil geworden ist.

Dabei sind wir als Arbeitskreis allen Mitstreitern sehr dankbar, ganz besonders dem Bauherrn, der mehrfach immer offen für unsere Ideen zu Gesprächen zur Verfügung stand und bereitwillig Auskunft über seine Planungen gab und sich unseren Anregungen nicht verschloss.

Bei der Stadtverwaltung möchten wir uns auch ganz herzlich für das gezeigte Interesse und die Aufmerksamkeit bedanken, die uns entgegen gebracht wurde, an der Spitze bei dem Beigeordneten und Stadtplaner Ragnar Migenda, der sich die Zeit genommen hat, sich die historische Bedeutung der Örtlichkeit und unsere daraus erklärten Anregungen erläutern zu lassen.

Weil aus Sicht des Arbeitskreises das historische Ensemble des Ortes, bei der Verwirklichung der vorliegenden Planung Schaden zu nehmen droht, hat sich der Arbeitskreis Gedanken zu einem der Situation besser angepassten Entwurf gemacht. 

Wahrung des sensiblen historischen Bereichs

Die Schwerpunkte bildeten dabei die Wahrung des sensiblen historischen Bereichs, klare Unterordnung der Bebauung zur Komturei, einen größeren Abstand der Bebauung zum Weier, keine Verkleinerung des Weiers durch Zu Schüttungen und Parkplätze, breite Offenlegung der Strunde und jeweils naturierte Böschungen, Änderung der fremden, dominierenden Architektur in kleinere behutsame Elemente, eher dem Dorfcharakter angepasst, Sichtachsen ins Bergische und die Aufhebung gegenseitiger Behinderung zwischen Terrasse und Wohnungen sind zu planen. 

Entstanden ist bei diesen Überlegungen der nachfolgende Lageplan:

Drei aufgelockerte kleinere Gebäude mit Pultdach und Dachbegrünung, die sich baulich der Komturei unterordnen. Sie sind so ausgerichtet, dass Restauration und Wohnen sich gegenseitig nicht beeinträchtigen. Der Blick auf die dahinter liegende Bergische Landschaft ist offen. In die andere Richtung ist der Blick auf die geschichtsträchtige Umgebung, die Komturei mit Strunde und Weier die Attraktion.

Unter Berücksichtigung auch der letzten Überflutungsereignisse sollte die Wohnanlage entsprechend hoch am Ende einer begrünten Schräge höher als zwei Meter über dem Hausweier-Niveau angesiedelt werden. Mit dieser höheren Anordnung wird zugleich auch die dahinter beginnende Hangsituation gemildert.  

Die besondere Rolle des Weiers

In deutlichem Abstand zu den Gebäuden liegt die offen gelegte Strunde im natürlichen Bachbett mit renaturierten Böschungen. Davon deutlich getrennt der Hausweier, der sich aus den vorhandenen Quellen speist, mit Ablauf in die Strunde. 

Der Weier ist Teil des historischen Burggrabens und sollte im Hinblick auf die Attraktivität der Gesamtanlage auch mit Blick von der Kürtener Straße aus auf keinen Fall verkleinert werden. Weder sollte diese Verkleinerung der Wasserfläche des Weiers einer Vergrößerung der Grünfläche dienen, noch sollte er zugeschüttet werden für mehr Parkraum oder gar für die Verbreiterung des Malteser Weges sorgen. Der Malteser Weg bleibt zwischen Mühle und Weier in seiner unauffälligen Dörflichkeit erhalten.

Die Wasserfläche des Weiers mit der dahinter liegenden Strunde ist charakteristisch für diese Örtlichkeit.

Die Parkplätze sind gemäß unserem Vorschlag versteckt und schlecht einsehbar nördlich neben den Wirtschaftsgebäuden angelegt, wobei die Zufahrt zu den Häusern vom Rosenthaler Weg aus erfolgt.

Die Mitglieder des Arbeitskreises Denkmalschutz und Stadtbildpflege des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg e.V. hoffen mit Ihrer Initiative Anregungen zu geben, die zur Erhaltung und Wertschätzung aber eben auch zur qualitativen Weiterentwicklung unseres historischen Erbes beitragen. Wir würden uns freuen, wenn möglichst viele der vorgetragenen Ideen bei der weiteren Planung Berücksichtigung finden würden. Wir freuen uns auf anregende Gespräche.

Frank Grobolschek, Thomas Klostermann, Lothar Eschbach, Mark vom Hofe
Arbeitskreis Denkmalschutz und Stadtbildpflege

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5 Kommentare

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  1. Ein toller Gegenentwurf und hoffentlich führt er zur Einsicht, dass die Tessiner Moderne nicht zu dem historischen Ensemble Herrenstrunden passt.
    Vielen Dank für das“Dranbleiben“ des Arbeitskreises Denkmalschutz und Stadtpflege.

  2. Wer den ersten Entwurf für den Ersatz der Reithalle geliefert hat, ist sich des Fehlgriffs sicher inzwischen bewusst. Dass der so lange herumgeisterte, ist eigenartig. Nun wurde da was aufs Papier, will sagen auf den Bildschirm gebracht, über das sich trefflich diskutieren lässt und zu einem guten Ende geführt werden kann. Der Vorschlag mit den Hobbit-Höhlen war ein guter Witz.

  3. Wie wäre es mit Häusern im Stil der Hobbits? Dies würde zu der Geschichte der Zwerge passen und wäre ein Magnet für den Hotelbetrieb.

  4. Toll, dass sich der Arbeitskreis Denkmalschutz und Stadtbildpflege so eine Mühe geben um die Wahrung des sensiblen historischen Bereichs wie der Komturei zu erhalten. Ich hoffe Ihre Vorschläge werden berücksichtigt.