Für die Digitalisierung einer Schule ist sehr viel Netzwerktechnik erforderlich. Foto: Thomas Merkenich

Erst in drei Jahren werden alle 35 Schulen der Stadt über ein leistungsfähiges Internet verfügen. Das liege aber nicht daran, dass die Stadtverwaltung die Digitalisierung verschlafen hat, sondern an der Größe der Aufgabe und einigen widrigen Sachverhalten, berichtete Fachbereichsleiter Dettlef Rockenberg im Schulausschuss.

Die Sachlage ist klar: die Telekom beginnt jetzt endlich, die Schulgebäude der Stadt an das schnelle und leistungsfähige Glasfasernetz anzuschließen – doch bis die Schulgebäude auch intern soweit aufgerüstet sind, dass die Schülerinnen in allen Räumen mit einem starken WLAN arbeiten können, wird es noch ein ganze Weile dauern. Bei den letzten Schulen sogar bis Ende 2024.

Das hatte das Bürgerportal bereits berichtet – und das wurde von Fachbereichsleiter Dettlef Rockenberg am Mittwoch im Ausschuss für Schule und Gebäudewirtschaft außerhalb der Tagesordnung bestätigt. Vehement trat er jedoch dem (Kurz-)Schluss entgegen, „die Stadt tut mal wieder gar nichts“ – und lieferte einige Antworten zu Fragen nach, die offen geblieben waren.

Tatsächlich arbeitet die Schulverwaltung, gemeinsam mit der Abteilung Hochbau, mit aller Kraft daran, die gesamte Schullandschaft zu modernisieren. Dabei ist die Digitalisierung nur ein Baustein. Wenn auch ein sehr dringender. Und die Schwierigkeiten sind gewaltig.

Das Bürokratieproblem

Geld steht zwar grundsätzlich zur Verfügung, aber es fehlt an allen Enden an Personal. Alleine aus dem Digitalpakt von Bund und Ländern stehen Bergisch Gladbach fünf Millionen Euro zu, die laut Rockenberg zu 80 Prozent in die sogenannte „Ausleuchtung“ fließen, also die Ausstattung der Schulgebäude mit internen Netzen.

Diese Mittel müssen beantragt werden, mit einem hohen personellen und formalen Aufwand. Dennoch verspricht Rockenberg, dass diese Anträge alle bis Jahresende rausgehen – und dass die Stadt alle Mittel aus dem Digitalpakt ausschöpfen wird.

Aber: mit den Arbeiten darf die Stadt erst dann anfangen, wenn die Mitteln für das jeweilige Projekt bewilligt sind.

Dann gehe es Schritt für Schritt an den Ausbau. Zunächst, so Rockenberg, seien die beiden Schulen im Kleefeld an der Reihe, und dann die gewerbliche Berufsschule.

Das NCG werde bei der gerade anlaufenden Modernisierung auch digital hochgerüstet; in den Containern, die zur Zeit als Ausweichquartier genutzt werden, sei das schon der Fall.

In Herkenrath könnten Gymnasium und Realschule bis spätestens Mitte 2022 mit einer guten Versorgung rechnen.

Fünf Schulen könnten bereits jetzt mit relativ hohen Geschwindigkeiten im Internet surfen, weil sie von anderen Anbietern als die Telekom angeschlossen worden waren. Darunter die gerade grundsanierten Otto-Hahn-Schulen; aber auch die IGP besitze schon ein flächendeckendes WLAN.

Das Personalproblem

Gleichzeitig sollen aber auch alle Grundschulen mit schnellem Internet ausgestattet werden. Das wird aus städtischen Mitteln bezahlt, daher muss man die Bewilligung nicht abwarten.

Hier bremst ein riesiges Personal-Problem. Zwar hatte der Stadtrat sieben neue Stellen für die Schul-IT bewilligt, aber die Verwaltung schafft es kaum, die Abgänge auszugleichen. Beide bisherigen IT-Fachleute seien der Stadt verlustig gegangen, berichtet Rockenberg, nur drei neue Kräfte konnten bislang eingestellt werden. Diese drei bilden derzeit die gesamte Schul-IT – und arbeiten sich gerade neu ein.

Schlimmer noch: die vier unbesetzten Stellen darf Rockenberg nicht ausschreiben, weil er dafür keine Räume zur Verfügung hat, schon jetzt müssen sich die drei Leute eine Kammer teilen. Auch hier suche man ganz neue Lösungen, werde die Experten womöglich mobil und/oder dezentral einsetzen.

Der Stand bei den Grundschulen

Die GGS Bensberg profitiere jetzt schon durch ihren Umzug in die Interimsschule an der Saaler Mühle von der dort schon vorhandenen Internetversorgung, ist aber noch nicht am Glasfasernetz.

An der KGS In der Auen sei eine nutzbare Verkabelung im Gebäude vorhanden und werde in den kommenden Wochen betriebsbereit sein. An der GGS Heidkamp werde die Ausleuchtung zurzeit umgesetzt. 

An der GGS an der Strunde finde die Ausleuchtung parallel zur aktuell laufenden Sanierung statt. Die Herkenrather Grundschule soll bis spätestens Mitte 2022 ausgerüstet sein. Die weiteren Schulen folgen, nach und nach.

Das Synchronisierungsproblem

Bei ihrer Planung muss die Stadt nicht nur damit umgehen, dass sich die Telekom nach wie vor nicht festlegt, wann welche Schule an das Glasfasernetz angeschlossen wird. Und was bringe es, wenn das interne Netz steht, es aber keine Datenleitung zum Gebäude gibt, fragt Rockenberg.

Die Stadt muss die „Ausleuchtung“ aber auch mit einem eigenen Großprojekt synchronisieren, der gerade Fahrt aufnehmenden Generalsanierung bzw. dem Neubau so gut wie aller städtischen Schulen.

Auch dieses Thema nahm in der Sitzung des Schulausschusses eine große Rolle ein. Auch hier stehen Schulverwaltung und Hochbauabteilung unter einem immensen Arbeitsdruck, auch hier fehlt Personal für Planung und Umsetzung.

Aber das ist eine andere Geschichte. Wer sich für den Sachstand bei den laufenden Schulsanierungen interessiert, findet hier die detaillierten Auflistungen:

G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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4 Kommentare

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  1. Es kann doch wohl nicht wahr sein, dass Stellenausschreibungen an nicht vorhandenen Büroarbeitsplätzen scheitern! Ist HomeOffice in der Verwaltung noch nicht angekommen?

    „Schlimmer noch: die vier unbesetzten Stellen darf Rockenberg nicht ausschreiben, weil er dafür keine Räume zur Verfügung hat, schon jetzt müssen sich die drei Leute eine Kammer teilen.“

  2. Herr Richter, Sie haben „den Nagel auf den Kopf getroffen“, ich vermisse das in fast allen Verwaltungseinheiten „Visionäre“ fehlen, die auch mal was“vorausdenken“ und nicht immer nur „reagieren“….., meine Wahrnehmung ist, das das für viele Bereiche Gültigkeit hat. Wenn ich in diesem Forum lese was die Stadt im (dann) „neuem Stadthaus“ („Marktkauf“) mit „flexiblen, wechselnden Arbeitsplätzen mit „voll-Digitalisierung“ plant, wird mir „mulmig“ ob deren Gelingen und mir schwant, das das mit dem „eingefahrenen Personal“ erst dann stattfindet wenn ich das (65) nicht mehr erlebe……
    PS: Seit 1,5 Jahren sollen 43 E-Ladesäulen in der Stadt platziert werden, was ist passiert ? Nichts ! Es ist immer eine andere Behörde/Institution zuständig….! Es ist ein Graus ….. Für manche Dinge sollte der Rechtsstaat „diktatorische Ausnahmen“ erlauben sonst passiert nichts (außer das die Laurentiusstraße zur Fahrradstraße wird, na Bravo)
    „Gute Nacht Mattes“….. D/GL“
    Am Sonntag ist Bundestagswahl, alle „Parteivorderen“ reden viel, aber es scheint das sie in Sachen Umsetzung an der Basis völlig „ahnungslos“ sind
    Ich würde mir wünschen das die „Kaste der Reichsbedenkenträger“ sich reduziert, ansonsten werden wir vor lauter Bürokratie und Vorschriftendschungel weltweit weiter ins Hintertreffen geraten.

  3. Parallelen zur Klimakrise drängen sich auf. Eklatante Versäumnisse der vergangenen 30 Jahre hinsichtlich der IT-Befähigung für Generationen von Schülern haben zu einer Problemlawine geführt, denen sich alle zuständigen Bereiche in Gesellschaft/Politik/Schule/Pädagogik zunehmend machtlos gegenübersehen.

    Stadtverwaltungen aktuell damit zu überfordern, auf die Schnelle für Glasfaserverbindungen zu sorgen, ist m.E. eine Fortsetzung dieser Fehlentwicklung. Das Internet als Allheilmittel und die Beseitigung von Funklöchern als Hauptproblemlösung zu beschwören, zeigt eine gehörige Unkenntnis bei den politisch Verantwortlichen.

    Der scheinbar billige (auf jeden Fall nicht preiswerte) und in seinem Konstrukt verantwortungslose Weg, das komplexe Computer-Know-How von gutwilligen Lehrern, welche selbst meist nicht über Hobbyniveau (bei allem Respekt!) hinausgekommen sind, vermitteln zu lassen, ist nun offensichtlich gescheitert. Besteht die eigentliche Aufgabe aktuell nicht darin, die Mängellisten der Vergangenheit zu durchforsten und sich qualifiziert der Gesamtthematik zu stellen?

    In die Schulen gehört als Allererstes eine professionelle DV-Administration, wie wir sie in fast allen öffentlichen Verwaltungen seit über 50 Jahren bereits vorfinden, um vor Ort die Infrastruktur (Hard- und Softwareausstattung) aufzubauen und zu pflegen. Daneben braucht es qualifiziertes – also akademisch geschultes – Lehrpersonal des Fachbereichs IT, so wie es Bio- und Physiklehrer gibt. Diesen obliegt dann auch die Anschaffung und der Einsatz der Benutzersoftware.

    Des Weiteren ist mit einer Selbstverständlichkeit, wie es z.B. Lernlabore oder Turnhallen gibt, eine solide Systemausstattung (Hardware einschl. Betriebssysteme) unabdingbar. Dass dann eine Internetanbindung vorliegt, ist nur ein Teilaspekt und versteht sich von selbst. Beim Vorliegen all dieser Voraussetzungen wäre im Bedarfsfall sogar Homeschooling nur eine Beiläufigkeit und kein Gewaltakt.

    Der Anspruch sollte heute darin bestehen, dass SchülerInnen lernen, auch die Hintergründe von IT zu verstehen und sogar lauffähige Programme zu schreiben. Wenn sie das können, wissen sie u.U. nicht nur, souverän und gefahrlos mit ihren Smartphones umzugehen, sondern sind u.U. als angehende PolitikerInnen in der Lage, diesbezüglich wirklich praxisbezogene Entscheidungen zu treffen.