Die Wiese hinter der GGS Hebborn soll bebaut werden. Die wenigen Bäume stehen am Rand der Wiese.

Die Perspektive für die Grundschule in Hebborn schien eindeutig: Weil die Zahl der Kinder im Stadtteil zurückging sollte die GGS verkleinert werden. Nun legt die Stadtverwaltung einen überraschenden Vorschlag vor: Schon im Frühjahr soll auf der Wiese hinter der Schule ein Provisorium mit „Sofortschulplätzen“ entstehen.

Das traditionelle Zirkusprojekt der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Hebborn sollte wie alle vier Jahre auch 2023 der Höhepunkt im Schuljahr werden – doch die für März geplante Projektwoche ist storniert: Die Stadt Bergisch Gladbach hat sich kurzfristig entschieden, auf der Wiese hinter der Schule einen neuen Trakt zu bauen.

Dank des Einsatzes von Modulen soll das Gebäude schon zum Start des kommenden Schuljahrs einsatzbereit sein. Mit sechs Klassen, OGS-Räumen und einer Mensa.

Das geht aus Informationen hervor, die die Schulleitung an die Elternschaft verschickte, nachdem Gerüchte durch Whatsapp-Gruppen liefen und von der Stadt auf Anfrage des Bürgerportals bestätigt wurden.

Die neuen Pläne dürften nicht nur Eltern und Schulleitung überraschen, sondern auch die Politik. Nach bisheriger Planung (Integrierter Schulentwicklungs- und Jugendhilfeplan 2020) sollte die derzeit 281 Schüler:innen große Schule perspektivisch auf nur noch zwei Züge verkleinert werden – weil der Bedarf in Hebborn zurückgehe.

Diese Planung, erläutert eine Sprecherin der Stadt, sei auch nach wie vor gültig. In Hebborn handele es sich jetzt um „die Schaffung von Sofortschulplätzen“, die bereits im Schuljahr 2023/2024 genutzt belegt werden können.

Und zwar um ein „schnelles Provisorium“ in Form von Modulbauten, die je nach Bedarf auch wieder entfernt und woanders aufgebaut werden können.

Noch im Juni hatte die Stadt den Schulausschuss mit einer langen Liste von Ausbau-, Neubau- und Sanierungsprojekten informiert – die GGS Hebborn war da kein Thema.

Am 21. September, so berichtet die Stadtverwaltung jetzt, soll das Projekt Hebborn im Schulausschuss behandelt und dann die Schulbaugesellschaft mit der Umsetzung beauftragt werden. Diese Gesellschaft unter Leitung des Neuzugangs Sebastian Rolko hat gerade ihre Arbeit aufgenommen; davon versprechen sich Verwaltung und Stadtrat eine deutliche Beschleunigung von Ausbau und Sanierung der Schullandschaft.

Wo kommt der neue Bedarf her?

Noch nicht ganz klar ist, wo der jetzt prognostizierte zusätzliche Bedarf an Schulplätzen in der Innenstadt plötzlich herkommt. Insgesamt gebe es in diesem Schulbezirk 1 im kommenden Schuljahr ein Defizit von fünf Klassenräumen, erläutert die Stadt, nennt aber keine Details.

Perspektivisch werden die großen Wohnungsbauprojekte an den Kalköfen sowie auf dem ehemaligen Köttgengelände am S-Bahnhof sowie das Quartier 13 auch Familien anlocken. Sie befinden sich zwar nicht in Hebborn, aber fast nebenan.

In der östlichen Innenstadt soll auf dem Gelände der ehemaligen bft-Tankstellengelände am Anfang der Mülheimer Straße eine Interimsschule entstehen, und auch auf Zanders und auf Wachendorff sind Schulen geplant. Aber das wird dauern.

In der westlichen Innenstadt gibt es offenbar nur auf dem Gelände der GGS Hebborn noch Spielraum. Und das auf der rund 2500 Quadratmeter großen Schulwiese mit angrenzendem Bolzplatz, auf die die Schule so stolz war und die bislang als unantastbar galt. Auch aus pädagogischen Gründen – als Schauplatz solcher Aktionen wie dem Zirkusprojekt.

Elternschaft wenig begeistert

Kein Wunder, dass die Elternschaft nicht begeistert reagiert. „Wir hätten diese Planungen nicht für möglich gehalten“, berichtet Andreas Kaul, der Vorsitzende der Schulpflegschaft. Dennoch sei der dringende Handlungsbedarf der Stadt nachvollziehbar.

Was die „erhebliche“ Erweiterung der GGS Hebborn jedoch für die Schule bedeute, sei offen, sagt Kaul. Die Schulwiese sei auch für Sport- und Freizeitangebote der OGS genutzt worden, ihr Verlust sei nicht einfach zu kompensieren.

Der Bolzplatz neben der Wiese soll nach aktuellem Stand erhalten bleiben

Immerhin habe die Schule zugesagt, den Sportplatz zu erhalten. Zudem hofft Kaul, dass der Neubau im Sinne einer „Schule der Zukunft“ konzipiert sei und wirklich barrierefrei gestaltet werden.

Dem steht allerdings entgegen, dass die Stadt einen Schnellschuss plant. Was gleichzeitig bedeutet, dass dieses „Provisorium“ auch wieder von der Schulwiese verschwinden könnte.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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3 Kommentare

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  1. Kurze Anmerkung: Meines Wissens nach müssten es aktuell ca. 280 Schüler sein. 200 wären bei 11 Klassen auch ziemlich wenig.
    Schade, dass die Wiese bebaut werden muss und das tolle Zirkusprojekt nicht stattfinden kann, aber wird schon stimmen, dass der Handlungsdruck entsprechend groß war und es keine Alternativen gab.
    Und sind wir einfach mal optimistisch, dass eine gute Alternative für die Projektwoche gefunden wird.

    1. Ob sich bei der Stadt schon mal jemand über das leerstehende Schulgebäude bei der GGS Paffrath Gedanken gemacht hat? Ist es nicht „nachhaltiger“, dieses Gebäude endlich zu sanieren? Das wäre dann endlich mal kein Provisorium. Offenbar werden dann mal wieder die „Brandschutzprobleme“ aus dem Hut gezaubert, die auch die Sanierung des Stadthauses verhindert. Ich würde gern mal wissen, wer diese Parolen ausgibt und fachlich bewertet hat.